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Der Israelit · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
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Seite 26 Nr. 37 Der Israelit 13. September 1928 des weltüberwindenden Gottvertrauens, sondern mit dem starken Willen, das Schicksal seines Volkes selbst in seine Hand zu nehmen. Alle Kräfte setzt er ein, die dem titanenhaften Wollen einer geschichtlichen Persönlichkeit zu Gebote stehen, ein Hochstapler im Dienste der Erlösung seines Volkes aus unerträglichen Banden, arbeitet er an der Ausführung eines unerhört kühnen Planes die Mohammedaner aus Palästina zu vertreiben und die judenfeindlichen Westmächte zu Helfern zu machen. Die Juden der ganzen Welt sollen die Soldaten, die Fürsten der Erde die Waffen und Munition liefern. j Bald bezwingend durch die Sprache des Herzens oder blendend durch seinen Geist, bald unterwerfend mit seinem Blick oder mitreißend durch das Feuer seiner Seele, verhandelt er mit den Führern der jüdischen Gemeinden, mit dem Papst, den Königen von Portugal und Spanien: alles im Namen eines Königs Chabor aus dem Reich der zehn Stämme, als dessen Bruder und Boten er sich ausgibt. Vor dem berauschenden Bilde, in dem die Hoffnung Traum und Wirklichkeit mit einander verwebt, verstummt der Gedanke an die Lüge, deren ex sich bedient. Getragen von der Größe der Aufgabe und Verantwortung, die er auf sich genommen, tritt der äußerlich so unscheinbare, schwarze Jude zu den vornehmen Herren der italienischen Großgemeinden, den Welt- und sinnenfreudigen Granden und Höflingen, zeigt sich in großem Gepränge in Roms Straßen, läßt sich vom Papst empfangen und an den- König von Portugal eine Empfehlung schreiben, während er zuhause, in seinen vier Wänden, alles Aeußere von sich tuend, Einkehr hält und die ganze Gewalt seiner Seele in sein ekstatisches Gebet hineinlegt, um Gottes Hilfe auf fein Unternehmen herabzuzwingen. Und tatsächlich scheint sein Plan zu gelingen. Als Führer, als Geist, der Geister lenkt, bringt er Bewegung in die Judenheit, das tiefe Geheimnis seiner Persönlichkeit macht Eindruck auf den Papst und den König. Juden und Christen sind in fieberhafter Erwartung, die furchtbare Inquisition scheint gelähmt.' Da tritt die tragische Wendung ein.*) Reubeni hat im Bewußtsein der Gefahr, in der er durch Verbindung mit den Marrannen nach den damals geltenden Gesetzen schwebt, diesen gegenüber eine starre Unzugänglichkeit gezeigt. Aber alle Grausamkeit nützt nichts. Ein feuriger Jüngling aus ihrer Mitte, Salomo Molcho, ist von seinem Erscheinen so ergriffen, daß er nicht wieder von ihm läßt. Er zwingt ihn zur Liebe. Verehrt er doch in ihm den Messias. Nicht achtend der Todesgefahr, tritt er zum Judentum über, nimmt er die Veschneidung an sich vor, zwingt er Reubeni, ihn anzunehmen, sich auf ihn einzustellen. Und wie im Tycho Brahe der Hilfe heischende Keppler, so verwandelt sich hier der demütig nahende Molcho, ohne es zu ahnen und zu wollen, mit seiner bezwingenden Anmut und Reinheit und seinem überwältigenden Glauben in den wahrhaften Herrn. Er wird Reubeni, der neben ihm schwach und schwächer wird, zum Schicksal. Worum Reubeni verzweifelt kämpfen muß, ihm fällt es von« selber zu. Sein Zug von der Türkei nach Italien gleicht einem Triumphzug, denn ob er im Gewand eines Bettlers oder in weiß gekleidet erscheint, sowie er den Mund auftut, strömen ihm die Massen zu, Juden wie Christen. Während er, Reubenis Bild im Herzen, den Messias verkündet, ist dieser in Portugal, eben wegen des Uebertritts Molchos, in Ungnade gefallen, seine Mission ist gescheitert. Unverrichteter Dinge, nahezu verzweifelnd an seinem Plane, zermürbt und verlassen, haust er in einer Höhle in Rom, wo Molcho ihn eines Tages jubelnd aufspürt. Er richtet Reubeni auf, läßt in ihm das Bild eines auf Unschuld und Wahrheit gestützten, von Wundern lebenden Messias entstehen. Nachdem er mit knapper Not dem Feuertode entgangen ist, überredet er Reubeni, nach Regensburg zum Reichstag zu ziehen und Kaiser Karl um Hilfe anzuslehen. Reubeni sieht die Unsinnigkeit dieses Schrittes klar vor Augen, und dennoch, er kann dem gläubigen Vertrauen Molchos nicht widerstehen, er geht mit, ja er gewinnt auf diesem Opfergang den lange verlorenen Frieden seiner Seele wieder. Was er gefürchtet, tritt ein. Der bösartige Kaiser läßt die beiden gefesselt abführen, der Inquisition übergeben, Molcho verbrennen und Reubeni im Kerker verkommen. (Schluß folgt.) Hebräische und rabbinische Literakur. *) Wir verweisen in diesem Zusammenhänge auf S. Schachnowitz: „Die Messiasbraut". Ein stattlicher Band ist das hülachifche Refponfenwerk v'^n von Jehuda Leb Graubarl, Rabbiner in St. Louis (Verlag „Messora", Lodz, Wo schodna 54), der sich als dritter Teil seinen zwei ebenbürtigen älteren Brüdern anreiht. Dieser dritte Band, 215 Seiten in Großformat und gut gebundenj, führt uns, wie die zwei ersten, durch alle vier Teile des Schulchan Aruch und bietet eine Fülle von Material sowohl für den Lernenden, wie den praktischen nmw nsnm- Hervorzuheben ist eine Abhandlung über den Weltreisenden Eldad Hadani und seine in der rabbinischen Wissenschaft vielerörterten Glossen zu den Vorschriften der Schechita, die ihn sogar bei manchen in den Geruch eines Karaiten brachten. Die Teschuba 41 stellt eine Rechtfertigung Eldads dar, der mit feiner Erklärung des Begriffes nip's sich auf talmudifche Quellen berufen kann und damit nicht im entferntesten an unserer Ueberlieserung und Auffassung vom fünften Grundsatz der Schechitogesetze zu rüttelt. Hiermit nur ein kleines Beispiel für die Gründlichkeit des Verfassers, die sich auch in allen anderen Responfen, 121 an der Zahl, zeigt. . In der kleineren rabbinischen Schrift nmas* ivn von Rabbi A. B r u d n o, Jerusalem (Selbstverlag des Verfassers in Jerusalem) sind neben aktuellen Responsen auch scharfgeistige und tiefschürfende Abhandlungen pilpulistifcher und auch agadischer Natur enthalen,"im Ganzen ein gutes Hilfsbuch für Redner bei jüdischen Festanlässen, wie Sijum oder Thoraeinweihung, die Wert auf feste geistige Nahrung legen und das Publikum dafür haben. Ein handliches Gebetbuch gibt uns Salomon Müller, Oerrabbiner in Szeczeny, Ungarn (Selbstverlag des Verfassers) mit seinem nav naw iii'v in die Hand, ein Freitagabendgebetbuch, denn neben der gesamten Liturgie von Mincha am Rüsttage zu Sabbat bis einschließlich Arwith finden wir darin auch Smiraus, jüdisch-deutsche Übertragungen in chassidischen Häusern gebräuchlicher Soharstellen, ein gut Teil von Mischna „Sabbat" und das ganze Hohelied mit ausführlichem hebräischem Kommentar, somit so ziemlich alles, was wir Freitagabend in Synagoge und Haus brauchen. Das Gebetbuch berücksichtigt mit gleicher Liebe den sefardischen wie den aschkenasischen Ritus, ist gut gebunden und hübsch ausgestattet. Mehr ins Gebiet der Schule weist das bei Ros e n, Warschau (Nalewki 37) erschienene Lehrbuch "-7 von M. A. Korngold. Das Buch nennt sich bescheiden { fra-t^a ins ivo und gibt sich als neue und gute Methode für Erlernung der hebräischen Sprache und Literatur in Schule, Haus und in Abendkursen. 120 Zeichnungen beleben und illustrieren den Lehrstoff. Das Urteil über die Lehrmethode müssen wir Fachmännern überlassen, wir konstatieren nur, daß die Ausgabe jugendlich und schulmäßig anmutig ist. a’ni „Bekenntnisse" lautet der Gesamttitel für die Briefe über Juden und Judentum von Pros. Dr. Jehuda Löb Landau in Johannesburg, Südastika (Verlag Menorah, Wien, Heinestr. 16). In schönem Hebräisch entwickelt der Verfasser manche originelle Gedankengänge. Er sucht Lösung für jüdische Probleme der Gegenwart, und es tut wenig zur Sache, wenn er sie zumeist so wenig findet, wie die andern. Aus einer reichen Vergangenheit und einer Fülle tiefer Erlebnisse schöpft der Autor und hat guten Blick für die Zeit und ihre Zeichen. „Man wirft den alten Rabbinern", so schreibt er in einem der fesselnden Essays, „vor, daß sie große Köpfe, die dem Judentum zur Zierde hätten gereichen können, in fanatischer Unnachgiebigkeit ab- und ausgestoßen hätten. Wer kann heute historische Gewißheit über die Vorgänge sich verschaffen, wie überhaupt eine Schuldfrage der Geschichte lösen? Wer aber hat den Sohn Jacobsons, des Vaters der Reform, gezwungen, zur katholischen Kirche überzugehen und Priester zu werden? Wer zwang den Sohn von Moses Mendelssohn, daß er aus der Berliner Gemeinde austrat und seinem Sohne aufgab, sich statt Mendelssohn Barthol di zu nennen? Waren die alten Rabbinen daran schuld, daß Nachkommen großer Juden in Deutschland und Frankreich den Weg zur Kirche fanden?" — Rückblicke und Ausblicke, Auseinandersetzung mit der Geigerschen Schule, untermischt mit hübschen Schilderungen von Städten und Menschen, die der Autor auf ausgedehnten Reisen kennen gelernt hat, füllen das lebendig gehaltene Buch aus. Heft A. und B. des fünften Jahrganges der bibliographischen Vierteljahrsschreift nvo mip, des Organs für Nationalbibliothek und Universität in Jerusalem, (Meah. Scearim, P. O. B. 36) ist erschienen und zeichnet sich wie immer durch wissenschaftliche Reichhaltigkeit aus. Neben Bekanntmachungen und bibliographischen Notizen finden wir Abhandlungen über Eben E s ra, über ungedruckte Werke des Rabbi I. D. Asuloi, Briefe Achad Haams u. v. m. Von rabbinischen Zeitschriften ist v"nn isik» Organ für Thora und jüdische Geschichte, herausgegeben von Mbbi Ch. I. E h r e n r e i ch in Deva, Rumänien, zu nennen. Das dieser Tage erschienene Heft für Aw-Elul enthält neben halachischen Aufsätzen und Besprechungen von Neuerscheinungen eine interessante Abhandlung über das Recht des Ungelehrten (Amhaarez) in der Zeit von Mischna und Talmud. —tz. Mcherbesprechungen Das Judentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Erscheinung. Von Eduard Lamparter. Gotha 1928, Leopold Klotz-Verlag VIII u. 340 6. Ein umfangreiches, anregend geschriebenes Buch eines emeritischen protestantischen Geistlichen liberaler Richtung, worin er nach den verschiedensten Seiten hin seine Eindrücke vom Judentum wiedergibt. Das Buch bietet ein Geleitwort,-eine Einleitung und 10 Kapitel. Das erste Kapitel behandelt die Rassenfrage ausführlich, sich in erster Linie mit Chamberlain beschäftigend. lieber die Rassenfrage ist schon oft geschrieben worden, die Phantasien Chamberlains und anderen Rassenschützlern sind wiederholt ad absurdum geführt worden, so daß diese Abhandlung unsere Aufmerksqmkeit weniger fesseln kann. Doch der Verfasser, der in seinem edlen Streben alle judenseindlichen Aeußerungen widerlegen will, konnte und wollte dieses Thema nicht übergehen. Es ist ihm auch gelungen, zu neuen eindrucksvollen Widerlegungen zu kommen. Es folgt dann eine Betrachtung über „Entstehung des Judentums und. seine Stellung zu Gegenwart und Zukunft". Später begegnen, uns dann noch drei weitere religionsgeschichtliche Aufsätze. Gleich hier sei gesagt, daß wir diese vier religionsgeschichtlichen Kapitel gänzlich ablehnen müssen. Die judensreundlichen Mottve des Verfassers treten zwar auch hier hervor, doch ist feine Idee von der Entwicklung der jüdischen Religion unserem Denken und Fühlen diametral entgegengesetzt. Aus der Schule Wellhausens hervorgegangen, beherrschen die Lehren der radikalen bibelkritischen Schule fast alles, was er hier zu sagen hat. Den Kern der Darstellungen des Verfassers bildet das bei weitem umfangreichste, 160 Seiten zählende, dritte Kapitel „Die Kulturarbeit des Judentums". Dieses dritte Kapitel hat 4 Unterabteilungen, von denen b, c und d viele ganz andere Kapitel an Seitenzahl übertreffen, a) „Israels Kultur in Palästina und unter/ der Herrschaft der Römer", b) „Jüdische Kultur im Mittelalter", c) „Jüdische Kultur in der Zeit von der Reformation bis zur Aufklärung", d) „Jüdische Kultur seit der Aufklärung bis zur Gegenwart". Dieses gehaltvolle Kapitel zeigt uns einen Abriß der jüdischen Geschichte, um zu zeigen, auf welch hoher Stufe das jüdische Volk selbst in den finstersten Zeiten der Verfolgungen stand und welch egensreichen Einfluß es stets auf die Kulturen anderer Völker hatte. Sehr gut lesen lassen sich diese dankbar zu begrüßenden Ausführungen schon deshalb, weil sie eine lichtvolle Zusammenfassung bedeutsamer Phasen der nachbiblischen Geschichte bieten. Zu , bedauern ist, daß sich der Verfasser der Ansicht von Grätz über den halachischen Teil des Talmuds angeschlossen hat, ebenso bezüglich späterer hervorragender Vertreter der Halacha wie R. Josef Karo und R. Moses Jfferles. Es ist leicht zu verstehen, daß der Verfasser zu seiner Information die bekanntesten Geschichtsbücher aufschlägt, im vorliegenden Falle das Werk, von Grätz. Aehnliches spricht auch mit, wenn bei Bettachtungen über die Wirtschaft zum verbreiteten Werk des glänzenden Stilisten Sombart gegriffen wird. Hier, wo der Autor selbst urteilen kann, wird Sombart zwar häufig rektifiziert; immerhin zeigt er sich in der Grundauffassung beeinflußt. Der Chassidismus kommt auch sehr gut fort, denn einige beliebte moderne Schriftsteller bemühen sich, denselben zu verherlichen. Die Lektüre von deren Schriften ist auch wohl die Veranlassung von "Lamparters höchst sonderbarem abfälligen Urteil über den Neistesgewaltigen Gaon R. Elia von Wilna. Woher der Verfasser zur irrigen Meinung kommt, als ob die ,,Chafsidim" es mit der Beobachtung des Religionsgesetzes leicht nehmen, wissen wir nicht. Bezeichnend ist, daß bei Gelegenheit der Schilderung des Chassidismus die Kabbala viel freundlicher behandelt wird, als bei dem Bericht über die Veröffentlichung des Sohar. Oben folgt er Grätz, hier den modernen Lobrednern des Chassidismus. In diesem großen kulturgeschichtlichen Kapitel ist >es übrigens dem Verfasser gelungen, in einer Reihe präzis gefaßter Sätze in sehr anmutender Weise das Lob der Juden und des Judentums zu singen. Im Schlußkapitel, das vom Talmud handelt, finden wir eine übersichtliche Schilderung der Verleumdungen und Verfolgungen der talmudischen Schriften. Lamparter kann sich nicht genug tun, um die hohe Ethik der Gemara zu preisen. Um so mehr stört esuns, daß wiederum bei Besprechung der Halacha Anschauungen laut werden, die auf jüdische Geschichtsschreiber zurückgehen, die voller Vorurteile diesen Hauptteil des Talmud gegenüberstehen. Eduard Lamparter sind wir ungeachtet mancher Ausstellungen sehr dankbar für sein liebevolles Eingehen auf

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