Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 37 gende als ganz harmlos herausgestellt. Die Behörden haben nun die Angelegenheit vollkommen aufgeklärt, wodurch sich die nichtjüdische Bevölkerung beruhigt hat. Schweiz. Die jüdischen Organisationen zur Frage des Wandererschuhes. * Genf, 3. Sept. Am Sonntag den 2. . September abends, wurde in Genf ejne gemeinsame Beratung der Vertreter der jüdischen Gesellschaften,' die sich an der Fünften Internationalen Konferenz der Privaten Gesellschaften zum Schutze der Wanderer beteiligen, abgehalten. An der Sitzung, die auf Anregung des Emigdirekt-Bertreters, Herrn Zevi Aberson, stattfand, nahmen außer Herrn Aberson noch Herr Leo Motzkin als Vertreter des Rates für die Rechte der jüdischen Minderheiten, Herr Lucien Wolf im Namen des Joint Foreign Committee und der JCA., Dr. Mark Wischnitzer für den Hilfsverein der deutschen Juden und Herr Cohen (London) als Vertreter der Jüdischen Gesellschaft zum Schutze von Frauen und Mädchen teil. Es wurden die auf der Tagesordnung der Konferenz der Privaten Gesellschaften stehenden wichtigsten Programmpunkte eingehend erörtert und beschlossen, daß die jüdischen Vertreter in Fragen, die den jüdischen Wandererschutz betreffend, möglichst zusammengehen sollen. Am Montag, den 3. September, 3 Uhr nachm., wurde die Konferenz der Privaten Gesellschaften für Wandererschutz bei Teilnahme der genannten jüdischen Vertreter eröffnet. - Bulgarien. Für den Wiederaufbau der durch Erdbeben zerstörten jüdischen Gemeinden in Bulgarien. Sofia, 7. September. Die Kommission zur Feststellung der Schäden bei dem Erdbeben in Süd-Vulgarien hat betreffs der Schäden der jüdischen Gemeinden Folgendes erhoben: In Philippopel wurden zerstört eine Elementarschule samt Nebengebäuden, drei Synagogen, ein weiterer Betsaal, das Laboratorium..Hikkur Cholim, das Haus des Vereins „Ahawath Schalom", sechs der jüdischen Gemeinde gehörende Zinshäuser und ein Gemeindedepot. Beschädigt wurden eine Fröbel-Schule, das Haus der Gemeindekanzlei, das Waisenhaus und eine Gemeindebäckerei. Zur Wiederherstellung und Reparatur dieser Bauten ist eine Summe von 3 Millionen Lewa erforderlich. In Tatar Pazardjik ist die Gemeindeschule vollkommen zerstört worden. Zum Wiederaufbau ist eine halbe Million Lewa erfordrelich. Die Wiederherstellung der stark beschädigten Synagoge soll 700 000 Lewa Fasten. Zerstört wurden ferner ein Zinshaus und drei Geschäftshäuser der Gemeinde. In T ch i r p a n soll die Wiederherstellung der-Schule und Synagoge 100 000 Lewa kosten. Für Stara Zagora sind zur Wiederherstellung der Schule, der Synagoge. und eines Zinshauses der Gemeinde 500 000 Lewa erforderlich. In Haskovo werden die Kosten zur Wiederherstellung der Schule, der Synagoge und der Gemeindebäckerei auf 53 000 Lewa geschätzt. Oberst A. Tadjer, der Präsident des Konsistoriums der jüdischen Gemeinden Bulgariens, hat den Direktor des Zentral-Hilfskomitees Stoyanov ersucht, den schwer heimgesuchten jüdischen Gemeinden aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Wiederaufbauzuwendungen zu gewähren. Stoyanov versicherte, er habe bereits Anweisungen für' Wiederaufbau der zerstörten Schulen in einigen Gemeinden gegeben. Das Komitee macht keinen Unterschied zwischen den Konfessionen. Die Wiederherstellung der Gotteshäuser muß den Gemeinden selbst überlassen bleiben, da dem Hilfskomitee die Notwendigen Fonds hierzu fehlen. (J.T.A.) Palästina. Hausieren und Betteln verboten! Jerusalem, 2. Sept. Daß obiger Ruf, in Europa allen geläufig, hier eine förmliche Revolution hervorgerufen hat, ist verständlich. Man kann sich hier den Bettler vom Stratzenbilde gar nicht wegdenken, so wenig wie die alten, grauen Häuser und die holperigen Stufengänge der Altstadt, die Moschees und die heiligen Stätten. Es hat aber dieses Der Israelit_ an den heiligen Plätzen ist hier altgeheiligter Brauch, ein Stück des Kultus, gehört gewissermaßen mit zur Liturgie. Und dennoch ist die Regierung ernstlich daran, ein solches Verbot zu erlassen .Das Verbot wird sich auch auf'die heilige Westmauer erstrecken, wo nachgewiesenermaßen rund ch u ndert Juden, unfähig eines anderen Erwerbes, von frommen Spenden leben. Der Waad Hair stellt sich bereits auf die neuen Dinge ein. Er hat eine Konferenz aller Zdokoinstitutionen einberufen, um gemeinsam über zweckmäßige Versorgung der brotlos werdenden hundert jüdischen Almosenempfänger zu beraten. Wassernok in Jerusalem. Jerusalem, 2. Sept. Es läßt sich leider nicht länger verheimlichen, daß die Wasserreserven nur noch höchstens vier Wochen ausveichen werden, dann erleben wir, wenn nicht inzwischen ein Wunder eintritt, eine Wassernot mit all den Schrecken, wie wir sie schon aus früheren Jahren kennen. Der Wassermangel macht sich schon seit Wochen,^besonders in den öffentlichen Anstalten, bemerkbar. Die S t a d t v e r w a l t u n g hat, wenn man den Zeitungen glauben darf, ihre Pflicht zur Vorbeugung der Gefahr nicht getan, es sei denn, daß sie Bekanntmachun- Annoncen-Büro Julius Schmidt Frankfurt a. M.f Langestr. 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurt am Main 142 353 Einzige Inseraten -Annahme für Frankfurter Geschäftsinserate des „ISRAELIT" Ausserdem Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter zu Originalpreisen gen erläßt, den Wassergebrauch einzuschränken. All die Versuche zur Anlegung neuer Kanäle sind iM Sande verlaufen. Die englische Gesellschaft, die ipi Besitze der Konzession für die Elektrifizierung 'der Stadt ist, hat sich wohl verpflichtet, innerhalb zweier Jahre Wasser nach Jerusalem zu leiten. -Die"dro^ende Gefahr zählt aber nicht nach Jahren,-'Isönd^rn : nach' Wochen und Tag en. Hilfe kann nur köMtneN, 'wenn eine gütige Vorsehung den Herbstregen zitr' Zeit, h. h. um das Sukkosfest herum, kommen läßt. Brief aus Palästina. Jerusalem,, .30. Aug. Mit dem Näherrücken der Hafenarbeiten in Haifa werden in Iäffaund Tel - Awiw schwere Sorgen wachgerufen, die sich nuy auch'auf I erusalem übertragen. Man fürchtet aus diesem Hafenbau eine Abschwenkung von Handel und Industrie Nach dem Norden Palästinas z zum Schaden Judäas, In Jaffa und Tel-Awiw gab es sogar bereits -Proteste. Vernünftige sind aben der Meinung!, daß hier nicht mit Protesten, sondern tiur auf dem Wege eines friedlichen Wetteifers etwas zu? erlangen fft. Die Jerusalemer Zeitungen werfen die ^tage' auf, wie I e rusal em den neuen Dingen zu b^egnim gedenke? - Die Aufregungen infolge der bekannten Erklärung des sefarhjschen Oberrabbiners Jakob Mjei^r Und feines Austrittes aus „Knesses Jisroel" haben sich noch 13. September 1928 biner gerichtet werden. Die einen suchen, ihn zu begreif fen, die andern beschwören ihn, in der Gemeinschaft zu bleiben. Manche fühlen sich gar verpflichtet, ihm dao Gespenst der Aguda, das ihn Mit Haut und Haaren zu verschlingen drohe, so schwarz wie möglich an die Wand zu malen. Daß bei all dem der sefardische Oberrabbiner unentwegt und unerschütterlich — selbst von den Drohungen von offizieller Seite, ihm den Oberrabbiner- Titel zu nehmen, unberührt —, bei seinem Standpunkte, beharrt, bedarf kaum der Erwähnung. Demgegenüber ist der Korrespondent des „Doar Hajom" in der glücklichen Lage, ein Interview mit Oberrabbiner Kuk wiederzugeben ,aus dem klar hervorgeht, daß Rabbi Kuk gar nicht daran denkt, dem Beispiel seines fefardifchen Kollegen zu folgen und nach wie vor in der „Knesses Jisroel" bleiben werde. Inzwischen hat eine Versammlung der sefardischen Rabbiner in der Schule des sefardischen Waisenhauses dargetan, daß sämtliche sefardischen Rabbiner auf der Seite ihres Oberhauptes, Rabbi Jakob Meir, in Sachen der „Knesses Jisroel" stehen. Freilich gelang es misrachistischen Chaluzim, der gleichen Versammlung eine Erklärung abzuringen, wonach der Waad der Sefardimgemeinde, wie die sefardischen Rabbiner alle Beziehungen z u A g u d a s I i s r o e l in A b r e d e stell e n. In der Kolonie „Sichron Jakob" herrscht tiefe Trauen um den Heimgang eines der ältesten- Siedler und Mitbegründer der Kolonie, Josef Epstein. Er war ein Chaluz von der ältesten, besten Art, der mit eigenen Händen, unter Schweiß und Tränen, in einem ganzen Menschenalter sich Schritt für Schritt den Boden, mit dem er später verwachsen war, gefügig gemacht hat. Epstein war schon zur Türkenzeit behördlich anerkanntem Vertrauensmann der Kolonie (Muchtar) und bis zuletzt ein wertvoller Mitarbeiter in der Verwaltung. Der Platz vor der Klagemauer. .Jerusalem, 6. September. Jüdische orthodoxe Führer in Jerusalem haben eine Aktion eingeleitet, die darauf hinausgeht, den Platz vorderKlagemauer, auf dem während der hohen Feiertage oft ein ^ast lebensgefährliches Gedränge herrscht, zu erweitern. Die jüdischen Institutionen werden dringend ausgefordert, die die Klagemauer umgebenden Häuser anzukaufen und niederzureißen, um auf diese Weise die Stätte der Andacht zu erweitern. An die Regierung wird appelliert, eine Verordnung betreffend die zwangsweise Enteignung dieser Häuser und Grundstücke gegen entsprechende Entschädigung zu erlassen. Eine Konferenz für Sabbat-Schuh in Tel-Awiw- T e l A w i w, 7. September. Soeben wurde in Tel Awiw eine allpalästinensische Konferenz für Sabbath-Schutz eröffnet. Es nehmen an derselben 40 Delegierte aus Tel Awiw und 25 Delegierte aus den Kolonien teil. Der ehemalige Bürgermeister von Tel Awiw Dize.ngoff schlug die Gründung einer allpälästmensischen Gesellschaft von Laien zum Schutze des > Sabbath vor. Die Gesellschaft soll dafür eintreten, daß der, iSabbath als streng offizieller Ruhetag der Juden und. der'jüdischen Orte Palästinas in noch erhöhtem Maße ials bisher Geltung haben M. ... V. •■i:' Amerika. Der Skandal des Koscher-Geflügel-Trusts in Newyork. N e w y o r k, 6. September. Der Skandal des Trusts der Koscher-Geflgügel-Händleo in Newyork, der im Gefolge des Bombenattentats gegen den außerhalb des Trusts stehenden Geslügelhändler Hosenpratz hervorkam, zieht immer weitere Kreise. 55 Mitglieder des Trusts sind, in Untersuchung^ gezogen worden. Richter in dieser Angelegenheit ist Julian W. Mack. Alle Beschuldigten leugnen, sich gegen das Trust- Gesetz vergangen oder mit der. Bombenaffäre etwas zu tun gehabt zu haben. Die Affäre hat ungeheures. Aufsehen in orthodoxen jüdischen Kreisen erregt. Man rechnet aus,, daß der Trust ungerechtfertigte Gewinne in Höhe von 12 Millionen Dollar aus der jüdischen Bevölkerung.,'herausgeholt hat. Es wird gefordert, daß die R ab b in er v erb än de zu der Angelegenheit Stellung nehmen und sich für eine Regelung des Geflügelauch noch eine tiefere Bedeutung. Das Almosengeben nicht gelegt. „Doar Haiom", wie „Haarez" bringen Offene Priese", die von allen Seiten an den Oberrab- Handels einsetzem solle