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Der Israelit · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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13 SeMckber 1928 gegeben werden, wenn mit der allgemeinen Erhöhung der Hörerzahl' auch mehr jüdische Studenten ausgenommen werden sollten. Ruwümett. Aür Dispensierung jüdischer Schulkinder vom Schreiben am Sabbat. B u k a r e st, 5. September. ' Der Oberrabbiner von Bukarest Rabbi Schar besuchte heute den rumänischen Unterrichtsminister An-ghelescu und überreichte ihm eine von 150000 jüdischer» Burgern unterschriebene Petitionin welcher gebeten wird, die jüdischen Kinder in den öffentlichen Schulen von Schreibarbeiten an Sabbäth- und jüdischen Feiertagen zu dispensieren. Der Minister wies ln seiner Erwiderung darauf hin, daß z. B. der Präsident der jüdischen Kultusgemeinde von Bukarest, Ely Bercovici, der auch als Vertreter der Juden dem Senat angehört, die von ihm geleitete. Bank an Sabbathtagen geröffn ei hält. „Ely Bercovici, fuhr der Minister fort, ist doch sicherlich eine von allen Juden geachtete Persönlichkeit, dennoch macht er selbst Schreibarbeiten an Sabbathtagen und hält seine Angestellten dazu an, an Sabbathtagen zu arbeiten. Wie könnt Ihr Juden dann fordern, daß die jüdischen Schulkinder von Schreibarbeiten an Sabbathtagen dispensiert werden?" Rabbi Schor erwiderte, Ely Bercovici mag eine hochgeachtete Persönlichkeit sein, allein vom Standpunkt der gesetzestreuen Juden ist er kein guter Jude. Keineswegs dürfe er bei Behandlung religiöser Forderungen als Beispiel herangezogen werden. , Der Minister erklärte sich bereit, in der nächsten Versammlung der rumänischen Schulinspektoren die Frage der Befreiung jüdischer Schulkinder vom Schreiben am Sabbath aufzuwerfen. ( Polen. Palästina-Pavillon der Lemberger Ostmesse. L e m b eF g, 5. September. Am Tage der Eröffnung der Ostmesse in Lemberg veranstaltete der polnische- Handelsattache in Haifa, "Dr. Bernhard Hausner,, einen feierlichen Empfang in dem P a l-ästi n a - P a v i l lo n der Messe, zu welchem sich Handelsminister, Landwirtschaftsminister, Verkehrsminister und andere hohe Beamte, sowie mehrere Wirtschaftssührer eingesunden' hatten. Handelsminister Kwiar> kowski hielt eine Ansprache, in welcher er der Zufriedenheit Ausdruck gab, daß die palästinensischen Juden eine polnische Messe beschickt haben und erklärte, er werde mit allen Kräften die Palästina-Produktion stützen, indem er ihr dazu verhelfen widr, sich einen Markt in Polen zu schassen. Der Palästina-Pavillon enthält unter anderen Landesprodukten Palästina-Weine verschiedener Palästina- Firmen, besonders der Firma „Karmel", sowie Erzeugnisse der Kunstschule Bezalel. Die anwesenden Minister wurden bewirtet. Sie äußerten sich mit besonderer Anerkennung über die Palästina-Weine, denen sie in Polen eine große Popularität oorausfagten. Tschechoslowakei. Line Abordnung, der jüdischen Orthodoxie beim Handelsminister Novak. Bratislava, 3. Sept. Bei Gelegenheit der Eröffnung der Donau-Messe empfing der Handelsminister der Tschechoslovakei, Herr Nooak, eine Abordnung jüdischer Orthodoxie unter der Führung des Oberrabbiners '.Weber,/ die ihn auf die drückenden Bestimmungen der Gesetzesvorlage über die Sonntagsruhe aufmerksam machte und ihn ersuchte, für Ausnahmebestimmungen zugunsten der den Sabbat haltenden jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, sowie für eine Milderung der Härten des Gewerbegesetzes zu sorgen. Der Minister zeigte wohlwollendes Verständnis für die Wünsche der jüdischen Orthodoxie und versprach, diesen auf jede mögliche Weise entgegenzukommen. Die «Iüdischtz Parteibei den Oaydes- und Bezirkswahlen. N Prag, 4. September. In Trentschin-Teplitz fand am 2. September eine sehr stark besuchte Sitzung des. .Präsidiums und der Exekutive der national eingestellten „Jüdischen Partei" Der 3 r a « l 4 t Nr. 37 Seite 7 Berlin. Entgegen alarmierenden Nachrichten iüd'sch-pvlnischer Blätter über eine Fieberssuche in Brasilien wird von der Direktion der H i a s - E m i g ö i r e k t bekanntgegeben, daß die Nachrichten der Begründung entbehren und kein Grund zur Verhinderung der Auswanderung nach Brasilien oorliegee. Lüdinghausen in Westfalen. In der Nacht vom 31. August zuM 1: September sind auf dem jüdischen Friedhof von unbekannten Tätern dreizehn .Grabdenkmäler umgestürzt worden. Die Polizei hat Nachforschungen nach den Tätern eingeleitet. Es ist dies der 60. Fall von Schändung jüdischer Friedhöfe seit Ende 1923. Gemünden (Hunsrück.) Hier kam es bei einer nationalsozialistischen Veranstaltung, bei der der völkische Landtagsabgeordnete Dr. Ley- Köln sprach, zu blutigen Zusammenstößen^ zwischen Hitler-Leuten und Kommunisten. Da die Ortspolizei keine Vorkehrungen getroffen hatte, versuchten. einige Hakenkreuzlere, die Synagoge zu stürmen. Darauf hat sich die Gemeinde an das Ministerium in Berlin mit der Bitte um Schutz gewandt. München. Auf einer Führertagung der N a t i onalsozialisten tobte sich der Antisemitismus durch mehrere Tage ungehemmt aus. Adolf Hitler konnte wieder ungestört das Wort führen. Eine Dame referierte über die Gründung eines „Roten Hakenkreuz", das wichtiger sei, als das Rote Kreuz. Das ist bezeichnend! Genf. Die Vorsitzende des Verbandes für Frauenrechte in Palästina, Frau Dr. Rosa W e l t - S t r an ß, hielt im „Internationalen Verbände für Frauenhilfe" einen Vortrag tber die Frauenbewegung in Pal äst? n a. Sie wünscht die Festsetzung eines Mindestalters für die Heirat von Mädchen. Amsterdam. Auf dem in der holländischen Stadt Ommen zur Zeit tagenden Friedens- Weltkongreß der Jugend ist auch eine Reihe von jüdischen Jugnedverbänden vertreten. Braunschwelg. Die Berufung des Rechtsanwalts Dr. Kopfstein in Seesen zum Landgerichtsrat rief eine scharfe .Judenhetze in der gesamten Rechtspresse Braunschweigs hervor. Wien. Der österreichische Bundespräsident Dr. Harnisch richtete an die Wiener K u l t u s g e m e i n d e ein herzliches Dankschreiben für die ihm anläßlich seines Geburtstages von den Juden entgegengebrachte Huldigung. Triest. Die Zionistische Exekutive traf ein Abkommen mit der Gesellschaft Lloyd Triestino, in welchem eine Wiederaufnahme des direkten Schiffsverkehrs zwischen Triest und Jaffa vorgesehen ist. Der Schiffsverkehr wird ab Oktober vierzehntägig vor sich gehen. ' Eine Ueberfahrt in der dritten Klasse wird 5 Pfund kosten. Budapest. Es erregt Unwillen und Unruhe in jüdischen Kreisen, daß der Führer der ungarischen -Raffenschützler, Julius Tömbös, zum Staat ssekret ä r im Ministerium ernannt wurde, kowno. Im Städtchen W i l k o w i s ch k i fand am letzten Donnerstag ein regelrechter kleiner Pogrom statt, der von einer „Geheimen Brigade" gut vorbereitet war. Es gab unter der - jüdischen Bevölkerung 20 Schwerverletzte — Das offizielle statistische Amt stellt fest, daß die Juden in Litauen eine viel längere Lebensdauer als die Nichtjuden haben, was auf ihre Nüchternheit und Mäßigkeit zurückgeführt wird. Bukarest. Im rumänischen Dorfe Oradea Mare verstarb der älteste rumänische Bürger, der jüdische Handwerker Samuel. S t e i n e r, im Alter von 112. Jahren. Jerusalem. Eine aus Turkestan eingewanderte jüdische Frau wurde von ihrem Brotgeber, einem arabischen Polizeioffizier in Nablus, gezwungen, zum Islam überzutreten-. Von jüdischer Seite wurde eine Untersuchung eingeleitet. —~ In der Nähe der Kolonie Herzliah wurden 3000 Dunam Boden zur Gründung einer neuen Kolonie, die den Namen „Nathan ia" nach dem jüdisch-amerikanischen Philantropen Nathan Strauß führen soll, erworben. Es wird dies die erste jüdische Kolonie unmittelbar an der Meeresküste sein. — Im Monat Juni ds. Js. kamen 216 Einwanderer, unter ihnen 145 Juden, nach Palästina. In dem gleichen Monat wanderten aus Palästina 253 Personen, unter ihnen 206 Juden, aus. -- Wie amtlich mitgeteilt wird, weist der Haushalt der Regierung Palästinas im ersten Halbjahr 1928 ein Defizit von 146.691 Pfund auf. . NÄHMASCHINEN lür Haushalt und Gewerbe Pfaff-Nähmaschinenhaus Martin Decker e.m.b.H. Große Friedbergerstrasse 18-20 f für die Slowakei und Karpathorußland statt, in welcher in Anlehnung an die Beschlüsse des Kaschauer Parteitages festgelegt wurde, daß die Partei bei den kommenden Wahlen zu den Bezirks- und Landesoertretungen, denen große politische Bedeutung zukommt, selbständig auftreten solle. Das Partetpräsidium wurde beauftragt, die notwendigen Vorbereitungen für die Wahlen zu treffen. Es wurde ferner beschlossen, das zehnjährige Jubiläum der tschechoslowakischen Republik durch -eine Reihe großzügiger Veranstaltungen festlich zu begehen und unter dem Namen „Masaryk-Fonds" eine Stiftung für begabte jüdische Schüler in der Tschechoslowakei zu errichten. Das Parteipräsidium wurde beauftragt, den organisatorischen Ausbau der Partei zu vollenden. An den Präsidenten der Republik, Professor Masaryk, wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. (I. T. A.) Jüdischer Kultus im tfchechoflovakifchen Staatsvoranschlag. Prag, 9. September. Der der Kammer vorgelegte Staatsvoranschlag für das Jahr 1929 sieht für Zwecke des jüdischen Kultus 1900 000 Kc. gegen 800 009 Kc. im Vorjahre vor. Besondere Posten für das hebräische und jüdische Schulwerk sind nicht veröffentlicht. Das gesamte Minderkeits-Schutwesen erscheint in dem Voranschlag mit 88 Millionen Kc. Im Haushaltsplan des Gesundheitsministeriums bemerkt man eine unzureichende Dotierung für hygienische Für-- sorge in Karpathorußland. Das Zentralorgan der tschechoslowakischen faszistischen Partei, „Ritzka Straz" (Reichswacht) hetzt in ihren letzten Nummern wieder einmal gegen das Deutschsprechen der Prager Juden in den Straßen und Gast- und Kaffeehäusern und droht mit der Einleitung einer Straßenaktion. „Wir werden", heißt es in einem der Artikel, „in würdiger Weise, ohne Pogrom, gegen die germanisierten Juden vorgehen, wehe aber dem, der auch dann noch die Doppelsprachigkeit Prags zur Geltung bringen wollte." Rutzland. Riluatmordhetze in Mittelasien. Moskau, 4. September. . Die Zeitung „Turkestankaja Oskra" bringt eine Depesche von ihrem Korrespondenten in Tschardschauja, daß sich dort die Legende verbreitet hat, man hätte in einer Geheimkammer des Hauses eines Juden in Buchara den Leichnam eines 14jährigen christlichen Jungen gefunden, dessen Körper Anzeichen der Blutentziehung aufweist. Sogar Mitglieder der kommunistischen Partei, schreibt die Zeitung, glauben und verbreiten die Legende. Als ein jüdisches Mädchen der Legende entgegentrat, wurde sie von der verwildetren Masse fast gelyncht. Während die Christen glauben, der angeblich Ermordete wäre ein Christ gewesen, behaupten die Turkmenen, daß der Knabe ein Turkmene war, und daß es an ihnen sei, an den Juden Rache zu nehmen. * sfe * Nach letzten Meldungen der „Prawda Wostoko" hat sich die unter Christen und Muselmanen verbreitete Le- 4 p $ I

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