Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450531--75292-2532808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

13 September 1928 Der Ärraelit Nr. 37 Seite 8 : PK»1tt-^S8t-668LllSNl<S HgjOldld bokiUerpI.7[Hauptwache) und ZEIL 65 [Konstablern.) kämpfen hatten. Sie wurden anerkannt von der großen Masse, von dem av ziaN' der sie sehr inbrünstig rezitierte, allerdings häufig, ohne sie zu verstehen. Sie wurden ferner anerkannt von einer großen Zahl von hervorragenden Persönlichkeiten. Wir nennenhier bloß die großen Gaonen piu anay '1 und firn "ipv 'i, ferner --"V-I 'Nil' li'21 und viele ändere. All diese hervorragenden Männer haben den hohen Wert dieser Gebete erkannt und anerkannt. Aber trotz der höheren Wertung der a'vi'S in den späteren Jahrhunderten hat der Kampf um sie eigentlich niemals ganz aufgehört. Denn auf Iben Esra und manch andere, die die aws ablehnen zu müssen glaubten, stützten sich alle diejenigen, die aus irgendwelchem Grunde sie abgeschafft wissen wollen/ In erster Reihe beriefen sich auf diese Autoritäten all die armn waam die sich weise dünkten in ihren Augen, und die es , als ein Merkmal des Fortschritts und der Bildung ansahen, wenn sie gegen das alte Machsor zu Felde zogen. An vielen Äußerungen von Gelehrten aus den früheren Jahrhunderten können wir entnehmen, daß es in damaliger Zeit die weiten Kreise des Volkes gewesen sind, die sich die ihnen lieb gewordenen Gebete nicht nehmen ließen. Es sind die Zeiten gewesen, in denen die einfachen Leute, der as pian innerlich tief religiös gewesen ist. Während die Gelehrten über Wert und Bedeutung der neuen Gebete debattierten, halten sie die Gemeinden bereits in ihre festtägliche ausgenommen. In jenen Zeiten bedurfte es nicht erst der Bemühungen und der Autorität der .großen Gelehrten, um den d'dtq Eingang in die Liturgie zu verschaffen. Nicht so in späterer Zeit, besonders um die Mitte des 19. Jahrhunderts und weiter. Das größere Publikum, der sogenannte ap pan war weniger empfindsam geworden, wenn man ihm Teile seiner bisherigen n^on wegnehmen wollte. Die unbedingte fromme Gesinnung, die in alter Zeit den a'vi'S zugute gekommen, ist zwar nicht völlig geschwunden, sie bedarf aber eines Bundesgenossen, um sich im Kampfe gegen Gleichgültigkeit und Unwissenheit den reichen Schatz der liturgischen Poesie erhalten zu können. Dieser Bundesgenosse kann jedoch nur das Wissen sein. Indem man sich bemüht, die a'vi'v soweit es möglich ist, zum Gemeingut weiter Kreise zu machen. Man muß unablässig auf den rechten Schatz Hinweisen, den wir an ihnen besitzen. Nur indem man das Verständnis für diese weckt, kann die'jgroße Indolenz gebannt werden, die vielfach auf diesem Gebiete herrscht. Wenn -die a'vi'S auch weiterhin dem Gottesdienste erhalten bleiben sollen, so kann dies nicht damit bewerkstelligt werden, daß der Vorbeter und mit ihm bestenfalls einige wenige Leute sie rezitieren, während das Gros der Gemeinde sich passiv und gleichgültig verhält. Eine Gleichgültigkeit, die hauptsächlich im Nichtwissen Ursprung und Quelle hat. Hier läßt sich nur durch positive Arbeit Wandel schaffen, die allerdings schon in der Schule ihren Anfang nehmen müßte. Schon den jungen Gemütern — und zu,m Gemüt wollen ja alle diese Gebete sprechen- — müßte einiges von diesem Schatze 'erschlossen werden. Ist dort die Grundlage, wenn auch nur in bescheidenem Maße gegeben, so ist es später leichter möglich, das einmal geweckte Verständnis zu vertiefen. Nur auf diesem Wege wird es möglich sein, die Zahl derer, die mit Interesse und Verstehen den gehobenen besonders an den a'KTun a’B’ folgen, zu vergrößernd Und damit die Zahl derer, die unsere gemeinsame nVsn zu dem gestalten können, was sie sein soll, — eine echte -nix ri^sn- Der Vernichlungsfeldzug gegen Synagogen und Schulen in Sowjetrußland. Bon maßgebender Stelle werden der Jüdischen Telegraphenagentur die folgenden authentischen Tatsachen über den Vernichtungsfeldzug, pen die jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei in Sowjetrußland gegen die jüdischen Andachtsstätten und das jüdische religiöse Leben in Rußland führen, mitgeteilt: In den Kreisen des Wzik und sogar in den der I e w s e k z i a (Jüdischen Kommissionen der kommunistischen Partei) selbst sind im Zusammenhang mit der vermehrten Konfiszierung der jüdischen Synagogen/ welche auf Veranlassung von Jewsekzia-Gruppen stattfindet, scharfe Meinungsverschiedenheiten entstanden. Lunatscharski, der Bildungskommissar und Smidowitsch, der Kommissar für Kultusangelegenheiten, sind entschiedene Gegner einer Provozierung der religiösen Massen. Auch em Teil der Führer der Jewsekzia steht in Opposition zu den antireligiösen Exzessen. Nachstehend einige Tatsachen aus der letzten Zeit: Aus Moskau wird berichtet, daß in diesem Sommer, auf Veranlassung der Jewsekzia, massenhaft Schließungen der Synagogen eingesetzt haben. Da diese Enteignungen oft einen ungesetzlichen Charakter tragen, wendet die Jewsekzia schärfste Terrormittel an, damit die örtliche Bevölkerung sich nicht erdreiste, bei der Regierung Klage zu erheben. In Kiew sind viele Synagogen konfisziert; ein Teil wird, auf Grund der Resolution irgend eines Arbeitervereins, in Arbeiterklubs verwandelt. Andere Synagogen wieder werden mit sehr hohen Pachtungen belastet, auf daß die Religionsgemeinden nicht mehr die Möglichkeit haben, die Synagogen zu halten. (Synagogen sind Staatseigentum.) Im Korostener Kreis sind sehr viele Synagogen enteignet; in Olewsk, M a l i n und L o h i n bemüht sich die Jewsekzia die Synagogen zu konfiszieren, desgleichen in Sobolewka. Vorläufig ist es, dank der energischen Verteidigung der örtlichen Bevölkerung, gelungen, die Synagogen zu schützen. In Korosten selbst hängt schon an Stelle des „Oraun Kaudesch" das Bild Lenins.! In dem Städtchen Pogrenischtsche, Kreis Verditschew, fehlte es an einem geeigneten Saal für ein Kino; die Jewsekzia faßte eine Resolution, daß zur Hebung des kulturellen Entwicklungsstandes der Bevölkerung ein Kino von unumgänglicher Notwendigkeit sei. > Me Jewsekzia beschloß, die Synagoge zu enteignen und in ein Kino umzuwandeln. 1 Dies wurde auch ohe weiteres durchgeführt. An Stelle des „Oraun Kaudesch" steht jetzt der Ecran. Im Städtchen R a d o m i s l hat die Jewsekzia beschlossen, die Synagoge zu konfiszieren; da sie aber nicht die Zustimmung der Regierung besaß, verlangte sie von der jüdischen Gemeinde, daß sie ihr die Synagoge freiwillig übergeben solle. Die Gemeinde erklärte jedoch, daß sie einem Gebote der jüdischen Religion gemäß, ihr Tragen Sie „die gute Kleidung tt Auf Wunsch Verarbeitung Heiligtum nicht abgeben dürfe, solange sie von der Regierung nicht dazu gezwungen werde. Eines Tages nach Schluß des Gottesdienstes und nachdem die Synagoge in Erwartung der Ausschreitungen der Jewsekzia fest verschlossen und verriegelt worden war, erschienen fünf Mann der Jewsekzia beim" Synagogendiener und drohten ihm, daß sie die Thorarollen zerreißen und ihn aus dem Hause wegjagen würden, wenn er ihnen den Einlaß in die Synagoge im Wege durch seine Wohnung verweigern würde. Der erschrockene Schames wagte nicht zu widersprechen und gewährte ihnen Einlaß. Alsbald fand sich die ganze Jewsekzia ein und veranstaltete in der Synagoge einen Ball mit Tanz und Gesang. Den „Oraun Kaudesch" haben sie danach für profane Zwecke verkauft. Die jüdische Bevölkerung hat, ungeachtet der gegen sie geübten Pressionen, bei der ukrainischen Zentralregierung m Charkow Protest erhoben. In B o b r i n e tz ist eine Synagoge konfisziert worden. Die Jewsekzia ließ der Synagogenverwaltung melden, daß sie die Thorarollen aus der Synagoge entfernen könne. Als die Synagogenverwalter kamen, um die Thorarollen zu holen, fanden sie dieselben auf dem Boden hingeschleudert, .zerrissen und ohne Hülle. Im Städtchen wurde ein Fasttag festgesetzt und „Keria gerissen" wegen der Entweihung der heiligen Sifre-Thora. - — - . Im Städtchen Uswet, im Gouvernement Pakow, erschien die Polizei in der Synagoge, wo sie alle Sforim konfiszierte; sie erklärte, daß in einer Synagoge nur gebetet, aber nicht gelernt werden darf, und daß sich dort nur Gebetbücher befinden dürfen. Alle Sforim wurden hernach als Makulatur verkauft. In Smolensk bemüht sich die Jewsekzia um Enteignung der Synagogen«. Mit verschiedenen Drohungen und anderen Zwangsmitteln sammelt sie unter den Arbeitern, Unterschriften. (Inzwischen hat die Zentralregierung laut einer authentischen Meldung das Enteignungsdekret annulliert.) In O r s ch a sind sechs Synagogen konfisziert worden. - - -- .—> -■ ^itt Loknia hat die Miliz, auf die Denunziation der Jewsekzia hin, mit Verfolgungen gegen den Religionsunterricht begonnen: In einem Hause, wo drei Kinder beim Lernen angetroffen worden waren, hat sie ein Protokoll ausgenommen, obgleich der Unterricht von drei Kindern gesetzlich gestattet ist. In einem anderen Hause, wo sie die Kinder bloß beim Spielen ängetroffen hat, hat sie trotzdem ein Protokoll ausgenommen und als Corpus delicti ein Chumesch mitgenommen. In Minsk wurde eine allgemeine Revision Die '.Marken der Tangermü oder Schokoladenfabrik

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.