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Der Israelit · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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13. September 1928 ___ - das typische Kennzeichen des Galuth, das abzuschaffen, wie überhaupt das Galuth aufzuheben, erste und vornehmste Aufgabe des neuen Palästina fei; es gehe daher nicht an, daß im Kulturzentrum auf dem Skopusberge die Galuthblüte weiter gepflegt werde. Auch die Klassiker der jiddischen Literatur, Mendel e und Schalem Alechem, hätten nicht aus Liebe zur Mischsprache in diesem Idiom geschrieben, sondern nur um besser den Weg zum jüdischen Herzen, zu finden. Was sich an jüdischem Kulturgut in der jiddischen Literatur befinde, sei ins Hebräische zu übernehmen. Etwas abseits vom Streitplatze, haben wir nur zu bemerken, daß gut und echt Jüdisches in den letzten Jahrzehnten oft genug in fremden Sprachen, und gewiß auch in der jüdischen Mundart des Ostens, zum schönsten Ausdruck gelangt ist; dagegen hat leider vielfach unjüdischer, ja sogar antijüdischer Geist sich der heiligen Sprache als Ausdrucksmittel bedient. Will man auf der Universität Jiddisch als Volkskunde betreiben, etwa zur Würdigung der alten Moralliteratur in ihrem Einflüsse auf Erziehung und Volksbildung, so könnte man sich mit der Idee recht gut befreunden. Was aber Jiddisch als Selbstzweck und Wissenschaft für sich anbelangt, scheinen uns die Hebräisten nicht ganz im Unrecht zu sein. Aber in e i n e m haben sie ganz gewiß nicht recht. Die Jerusalemer Schutz truppe für die hebräische Sprache, ■»a’aa inj nsvn spricht in einer Protestkundgebung von einem Protestiert man, schon gegen eine Entweihung der geheiligten Räume der jüdischen Wissenschaft, so protestiere man doch in erster Reihe gegen die D’aVX' die mit der Bibelkritik und anderen Ausflüssen und Auswüchsen einer^voraussetzungslosen Wissenschaft zur Huldigung fremder Kulturgötzen in die geweihten Hallen hineingetragen werden. Solange aber dieses ohne Protest hingenommen wird, kommt es schließlich auf das bißchen Jiddisch auch nicht an. CimgeBemerkungenzu den v'vi'L- Von Rabb. Dr. Ph. Frankl in Halberstadl. In einem früheren Aufsatze haben wir über die Entstehung des Machsor einige Vermutungen Der 3 r a e l t t aufgestellt und wie sich die v'vi'S nach und nach in den Gemeinden der ganzen Diaspora durchgesetzt haben. Man hat in den frühesten- Zeiten schon das Bedürfnis gefühlt, an gehobenen Tagen des Jahres etwas von dem zum Ausdruck zu bringen, was die Bedeutung des Tages der Allgemeinheit und dem Einzelnen besagen soll. Vorläufer auf diesem Gebiete waren die Thoravorlesung: nva '■bi arm arm n^ns ,pip> '.TsrVimrb an1? jip’n wie auch die mw naiaw n^sn, die für jeden Festtag der Bedeutung des Tages angepaßt wurde. Diese beiden erfuhren eine Erweiterung durch die Vorträge, die an solchen arbeitsfreien Tagen vor größerem Kreise gehalten, worden sind. Die Vorträge befaßten sich in erster Reihe mit der tieferen Deutung des Festes und der mit ihm verbundenen Gebote. Ferner haben die Lehrer des Volkes es an solchen Tagen, an denen es sich in größerer Zahl zum gemeinsamen Gottesdienste eingefunden, über die Röte der Zeiten zu erheben und zu trösten gesucht. Aus diesen Grundelementen besteht ein. großer Teil unserer Festgebete, ganz besonders die der trsrnn ll'a' Häufig kommen noch historische Betrachtungen dazu, die gleichfalls dazu dienen sollten, aus der Vergangenheit Trost für die Zukunft zu schöpfen. Diese Einschaltungen in die Gebete der Festtage und der gehobenen Sabbate haben sich schon in den frühesten Zeiten im öffentlichen Gottesdienste eingebürgert, wenn es auch langer Zeit bedurft hat, bis sich in den einzelnen Ländern und Gemeinden feste Riten auf diesem Gebiete gebildet haben. In der frühesten Zeit der Entstehung der traps ist ihre Einführung noch leicht gewesen. Als aber im Laufe der Zeiten die neuen Gebete sich mehrten, als infolge der Kreuzzüge und anderer Verfolgungendie Zahl der nin^v und auch anderer Gebete immer größer wurde, da wurde "es für die einzelnen Gemeinden recht schwierig, ihren Ritus zu fixieren. Wir können aber doch die Wahrnehmung machen, daß trotz dieser Schwierigkeiten die v'vi'S in beinahe allen Gegenden und Gemeinden Eingang gefunden haben. Es ist dies um so merkwürdiger, als sich ja in manchen Kreisen aus halachischen Gründen Widerstand gegen diese Neuerung geltend gemacht hat. Man hegte Zweifel, ob es zulässig sei, daß die m:m vaw rwnp durch solche Einschaltungen unter- _ Nr. 37 Sette 3 brachen werden, ob es nicht als eine Aenderung des Textes der Berachoth lynuff ptaaa nawa M2122 D’asn angesehen werdenmüsse. Später traten auch andere Anfechtungen hinzu. Man machte den Verfassern dieser Gebete den Vorwurf, daß sie dem Volke eine Nahrung reichten, die es wegen der schwerverständlichen Sprache, in welcher sie manchmal abgefaßt waren, nicht verdauen könne, daß sie ihm Gebete vorlegten, die von den Meisten gar nicht verstanden werden. Ebenso wurde beanstandet, daß durch die vielen neuen Gebete die Zeit der rrtsrr ungebührlich verlängert werde. Aber trotz all dieser Bedenken, ist es gelungen, den d'vi's überall Eingang zu verschaffen. Und wenn sich auch gewisse-Stimmen gegen sie erhoben haben, so drang doch die Mehrheit der Gelehrten durch, die sie nicht bloß geduldet haben wollten, sondern geradezu empfohlen haben. Von den tpaiaa angefangen, die wie ällch B’annx und auch später sind die meisten der nvmn ‘»arm der Ansicht gewesen, daß die a'vps beibehalten werden sollten. (Die Gegnerschaft der Reform gegen die traps kann aus dieser Betrachtung ausscheiden, weil sie ja die neuen Gebete aus ganz anderen Gründen eliminert wissen wollte.) Ganz merkwürdig muß uns jedoch die Verbreitung des vi'S und die allgemeine Geltung, die er sich errungen hat, erscheinen in der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks. Wir müssen uns die Lage in jener Zeit vergegenwärtigen. Die meisten Gemeinden waren ja kaum im Besitze von geschriebenen Gebetssammlungen. Im besten Falle hatte der Vorbeter ein solches Exemplar vor sich. Er hat also in der Regel die Gebete allein vorgetragen, während das. Publikum bloß zuhören konnte/ Wenn trotz dieser Schwierigkeiten die anavs sich beinahe überall durchsetzen konnten, so ist dies nur dadurch möglich gewesen, daß man sie in ihrem hohen Wert für den Gottesdienst kennen und schätzen gelernt hat. Wir sprachen jedoch auch von dem Widerstande, den die neuen Gebete in manchen Kreisen gefunden hatten. Ganz besonders hat sich hier Iben Esra hervorgetan. In seinem Kommentar zu Koheleth trat er sehr scharf gegen den Pijutdichter R. Elasar Hakalir auf. Er macht ihm zum Vorwurf, daß er wegen des Reims die Regeln der heiligen Sprache außer acht laste. Winschermann KOHLEN . KOKS ™ BRIKETTS HOLZ G. m. b. H. Neue Mainzerstrasse 16 Telefon: Hansa 8068*8069 Gegründet 18 4 8 —5 * ’ i I >;! Tages schließt mit den Worten van antr *p naya* Es ist dies, wie bekannt, ein Zitat aus den^ Sprüchen Salomos (Kap. 15,1); nur heißt es dort nicht nnn mr, sondern nan a'irm. Da sich der Verfasser dieses Gebetes, Rabbi Schimon ben Jizchak, ausdrücklichauf die Sprüche Salomos beruft inaann -isoa ->naao) ist es nicht einzusehen, warum er das Zitat nicht wörtlich wiedergibt, zumal das Versmaß darunter nicht leidet. Im Piut des Musiaphgebetes am ersten Rosch- Haschono-Tage, beginnend mit den Worten t-a nns fas ">ai fan kommt gegen Ende folgender Passus vor: ntn •D’wa-» jm? Ts D’rPa nrns vx dr trt> Gewöhnlich wird diese Stelle wie folgt übersetzt: „Wenn das Feuer die saftigen Pflanzen -erfaßt, wie müssen erzittern die dürren Gesträuche", oder: „Das Feuer hat schon die Vollstämme verzehrt, wie zittert das dürre Geäst". Sachs übersetzt diese Stelle -im selben Sinne: „Wenn schon die Glut den frischen Stamm umfängt, wie bebt das Reis, bas schon kein Saft mehr tränkt." Man steht -daraus, daß alle Uebersetzer das isna’ tk wie isup i's auffassen. Eysler schlägt daher die Lesart ts vor und bezeichnet sie als die einzig richtige. In dem ergreifenden Schlußgebete im das mit den Worten o-'nn nns beginnt, heißt es: „Du -hast -uns in Liebe diesen Tag der Versöhnunggegeben rp '•m rrn^ov Dieses ni"na-, findet sich in fast allen Machsorim und Gebetbüchern (in manchen allerdings ist da Waw eingeklammert). Der Rambam hat -die Lesart nnPvi v^'na fp,die selbstverständlich auch die richtige ist. Diesem Waw kommt nicht nur -in sprachlicher, sondern auch in sachlicher Beziehung eine große Bedeutung zu, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. In demselben Gebete heißt es ferner nan^o - -. nnsi na si non an - - - mma pan. , So ist es 'wenigstens -in den meisten Gebetbüchern zu lesen. In Wirklichkeit ist dieser Passus ein Zitat aus Nehemias, Kap. 9,17; dort kommt das Wort nasi nicht vor. Sachs hat daher inseinen bekannten „Festgebeten" dieses Wort ausgelassen. Kleines Feuilleton. Das Grab Zosuas. Die Grabstätte Josuas, Sohn Runs, -befindet sich, nach einem alten Glauben oder Aberglauben der Mohammedaner, nicht, wie wir wissen, auf dem Berge Efraim in -Palästina, sondern gar auf -einer der Höhen in der Nähe des Bosporus, unweit des Schwarzen Meeres. Unzählige Pilger besuchen dieses Grab und verrichten dort ihre Gebete. Der Aufgang ist sehr schwierig. Mitten in einer furchtbaren Oede bildet die nächste Umgebung des Grabes eine kleine Oase mit einem Quell, der „Brunnen des heiligen Josua", oder „Lebensquell" genannt wird. An diesen Brunnen knüpft sich folgende arabische Legende: Wie Josua einmal auf hoher See war, entstand ein Sturm, der das Schiff zum Sinken brachte. Josua allein wurde gerettet und gelangte, sich an -ein Schiffsbrett klammernd, an dieses Ufer. Tagelang litt er unter Hunger und Durst in dieser unwirtlichen Gegend. Da erschien plötzlich ein Vögelchen von ungeheurer Farbenpracht und lockte den Durstigen mit himmlischem Gesänge. Der Vogel flog singend und blieb endlich auf einem Stein stehen. Dreimal wiedreholte der Vogel seinen Flug, um immer wieder, auf diesem Felsen Halt zu machen. Josua' verstand das Zeichen und ging näher an den Stein. Kaum aber, daß er -ihn berührt hatte, hob sich der Stein von selbst und darunter schoß frisches, labendes Wasser hervor. Das Wasser ergoß sich ringsherum, so daß die ganze Umgebung plötzlich wie ein Paradies aufblühte. Josua selbst gab dem Wasser den Namen „Lebensquelle"; Am Grabe selbst befindet sich eine Moschee, die irgend ein Sultan in alter/Zeit erbauen ließ. Um Moschee und Grabstätte dehnt sich eine Umfassungsmauer aus Eisengitter und mächtigen Altanen. Eine andere Sage erzählt: Als der große Josua in diese Wüste geworfen wurde, lag er in einer Höhle und betete sechs Monate lang ohne Unterlaß. Darauf verschwand er, denn Gott hatte ihn zu sich genommen. Erst nach vielen hundert Jahren kam -ein frommer und rechtschaffener Schafhirte mit Namen Achmad Dada an diese Stelle. Er führte seine Schafe an die heilige Quelle, indes er selbst sich auf den Boden zum Gebete warf. Da kam plötzlich ein Lichtstrahl von oben, daß die Ziegen und Schafe wie geblendet aufsprangen. Aber statt zu flüchten, verharrten sie auf dem lichtdurchfluteten Boden und grubenbeständig mit den Füßen in den Sand. Da fing, auch Achmad an zr graben, bis er einen Denkstein entdeckte, der den Mögen David-Stern trug. Seitdem ist diese Grabstätte ein heiliges Ziel für unzählige fromme Pilger, die alljährlich zum Grabe des „ S ch i j a E f f e n d i " wandern, d. h. zu Josua, dem jüdischen Helden und Eroberer. (Lin neuer Kalender.) Die Talmud Thora „Knesseth Israel" zu Berlin, die in früheren Jahren schon wiederholt einen Kalender herausgab, läßt in diesem Jahre einen besonders reichhaltigen und schön ausgestatteten Wochen-Abreiß-Kalender erscheinen, der neben wertvollen historischen Notizen zahlreiche Angaben für das tägliche religiöse Leben enthält. Der Reinertrag dieses Kalenders, der auch äußerlich durch seine Form und praktische Anlage für jedes jüdische Haus wertvoll ist, dient zur Erhaltung der Talmud Thora-Schule, in der -7! iji

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