Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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©efte„2 Nr. 3? Der Israelit 13. September 1828 besitzen, die Jugend ans Judentum zu fesseln? I nulin 'vii'. die Die Beobachtung, meint Kaulla, lehrt, daß sich , Antlitzes weist, der jüdische Liberalismus selten über die dritte Generation' hinaus erhält. Tritt einmal eine Rückkehr zur jüdischen Frömmigkeit ein, dann wohl selten anders als auf der Grundlage einer zionistischen Gesinnung. — Der Verfasser verwechselt hier „religiöse Ueberzeugung" mit „nationalem Empfinden", das in der Vereinigung des jüdischen Volkes den Kitt der jüdischen Gemeinschaft sieht. Im allgemeinen hat er aber damit den Zusammenhang, der heute täglich mehr zwischen Liberalismus und Zionismus zutagetritt, erspürt. Rudolf Kaulla tut mehr denn eine Äußerung, die zeigt, wie wenig er sich mit der jüdischen Gedankenwelt bestimmter Schattierung verbunden weiß, aber in einem hat er recht: „Die große Zahl derer, die der Rechtgläubigkeit in ihrem eigenen jüdischen Lager spotten, sich für ihre Person über alle religiösen Bindungen hinwegsetzen und gleichzeitig über die Beweggründe derer, die das Judentum verlassen, scharf zu Gerichte sitzen, sind einfach nicht zu begreifen". Allein, lassen wir Kaulla; auch die, die spotten; unser Augenmerk sei auf die gerichtet, die suchen: Und der Suchenden gibt es heute genug auch im Lager unserer durch eine Entwicklung von Jahrzehnten irre geleiteten Brüder, die die Schuld der Väter büßen und wie kaum andere klagen könnten: •l^ao orpimw imixi arm irwn irnm Wer wollte es wagen, mit wegwerfendem Spotte das Aufslammen eines religiösen Gefühles im liberalen Lager zu beantworten, wo doch dieses unser Mitleid und unsere Hilfe erheischt! Es ist gewiß: Mit Halbheiten und Viertelsbekenntnissen, wie sie in Berlin ihren Ausdruck fanden, ist der geistige Wiederaufbau nicht zu bewerkstelligen, mit einem Angebot von so und so viel Prozent an Religiosität — wo doch Gott unser ganzes Sein fordert —, ist der erklärte Bankrott der Reform nicht gut zu machen. Was da aus Reden und Bekenntnissen leuchtet und uns anspricht, es sind Teile und Splitter, vielleicht aber doch Lichtsignale, die zum festen jüdischen Heimatboden führen, 3vi»h nmna onmz; nxan „Gottsuchen" im Reiche des Judentums heißt nicht, wie anderswo, Gott in unbekannten Landen suchen, sondern da, wo er uns nahe ist, sich uns gibt ini'.i3 vnxip ixsana 'i wn. „Heil dem Volke, das die Teruah — und aus der nicht ertönten Teruah den Sabbat als Heiligtum unseres Lebens — erfaßt, ajrn ’im. allein in den Lichtkreis Seines j*dSt t>:s iiX3 n lVochenrundschau. Minderheitsrecht. Der Internationale Minderheitskong r e ß, der wie viele andere internationalen Komitees und Delegationen, die sich in Genf um den Völkerbund gruppieren und an seine Rdckschöße hängen, dieser Tage in Gens tagte, hat einen Erfolg zu verzeichnen, denn es fand sich ein Anwalt, der seine Ideen und Wünsche im Plenum des Völkerbundes zum Ausdruck brachte. Der holländische Außenminister sprach eingehend vom Minderheitsrecht oder vom Unrecht, das den Minderheiten da und dort widerfährt, von ihren Wünschen und Sorgen, von ihrem schweren Ringen um ihre bedrohte nationale Eigenart, wo sie mitten in der Brandung der großen Staatspolitik sich die Insel ihrer nationalen Kultur erhalten wollen. Der Holländer wünscht — und er stieß damit auf keine Opposition —, die Einsetzung einer ständigen Minderheitskommission nach Art der permanenten Mandatskommission. Unter jüdischen Gesichtspunkten müssen wir den Antrag, wie überhaupt die Tatsache, daß die Frage der Minderheiten endlich vor dem großen Forum des Völkerbundes zur Ventilation ' gelangt und so aus der Sphäre der unverbindlichen Unterhaltungen in Nebenräumen herausgehoben wird, auf das lebhafteste begrüßen. Nicht etwa, daß-wir eine Ueberspitzungder nationalen Aspirationen der jüdischen Bevölkerung in den Ost- und Randstaaten sonderlich wünschten. Aber wie die Dinge dort einmal gelagert sind, bedürfen doch dort die Juden des starken autoritativen Schutzes für ihre vitalen Interessen. Einmischung von außen hat, so oft die jüdischen Rechte in dem einen oder anderen dieser Länder angetastet wurden, nur geschadet. Man denke an das Eingreifen Amerikas für die Juden Rumäniens, man denke auch an die üblen Wirkungen eines Londoner Appells gegen den, Numerus clausus in Ungarn. Gehört aber einmal der Schuß der Minoritäten zum integrären Programm des Völkerbundes und ist mit einer permanenten Kommission eine zuständige Instanz für diese Belange geschaffen, so wird diese nicht umhin können, ihr Augenmerk auch dahin zu richten, wo dem Juden durch ausgeklügelte Bruchrechnung der Eintritt in die Universität verwehrt wird, wo ihm durch Auslegung alter oder Schaffung neuer Gesetze zwei Ruhetage in der Woche aufgezwungen werden, wo ihm unter dem Vorwand des Volkswohles Ausschankkonzessionen und damit eine der letzten Erwerbsmöglichkeiten genommen, wird u. v. nn Ein Eingreifen des Völkerbundes und seiner ständigen Kommission, ohne Zutun von jüdischer Seite, kann von einem Lande, das Mitglied des Völkerbundes ist und Genf als letzte Entscheidungsinstanz anerkennt, niemals als unbefugte Ein - Mischung angesehen werden. Wir glauben somit, daß der Völkerbund mit dem Versuch, den Rechtsschutz der Minderheiten in eigene Hand zu nehmen, einen kräftigen Schritt weiter seinen letzten fielen entgegen getan hat. Bei Kopfschmerz, Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac., Phenyldimethylp.,|f | nn Acetylsai., Coff. Irl. I .Cu in allen Apotheken Helon Wieder einmal Jiddisch. Allem Unwillen und aller Ablehnung besonders in, Palästina zum Trotze, hat das Kuratorium der Hebräischen Universität auf seiner, letzten Sitzung in Basel die Schaffung eines Lehrstuhles für Jiddisch an der Jerusalemer Hochschule beschlossen. Die Hebräisten in Palästina sind durch diesen Beschluß in große Aufregung versetzt und sprechen von einer Ueberrumpelung, einer Ueberrumpelung insofern, als man vom Zentralkomitee das bindende Versprechen hatte, in dieser Sache keine Beschlüsse zu fassen, ohne erst das Professorenkollegium in Jerusalem angehört zu haben. Und nun dennoch Jiddisch!/ In Newyork wird es geschrieben, in Basel besiegelt und I e r u - a l e m wird gar nicht gefragt!- Die Idee ging bekanntlich von der großen jiddischen Tageszeitung „Der Tog" in Newyork. aus und entfachte gleich einen heftigen Meinungsstreit in Palästina wie in Europa. Die Einen sehen in der jiddischen Sprache und Literatur ein durch Tradition von langen Jahrhunderten geheiligtes Gut des Volkes, das auf wissenschaftliche Pflege im Zentrum der jüdischen Wissenschaft Anspruch machen könne. Andere sind der. Meinung, Jiddisch, das sie Jargon nennen, sei Unsere Losung. Von Rabbiner Dr. IN. Lewin in Hamburg. Anders wie die Völker feiert Israel das an die Wende der Zeiten gestellte Fest. Nicht beim hellen Becherklang im Kreise froher Zecher. Nicht umsonst hat Prophetenmund gemahnt: w'vra -s >•*■«?■> v« Freue dich nicht, Israel, bis zum Jauchzen gleich den Völkern. Nicht aber auch in stummer Gleichgültigkeit oder ohnmächtiger Resignation. Uns gilt vielmehr Nehemias Zuruf: narsv kti 't min Freude in Gott ist eure Stärke. Ueber dem Wandel der Zeiten vergessen wir nicht des, der ran ns D’ny nder die Zeiten wandelt und herbeiführt den Wechsel der Zeitläufe. Das gibt uns das beruhigende, stärkende Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit in Gott, und wir sprechen mit hoffnungsreicher Seele: '>nvw tto In Deiner Hand liegen meines Schicksals Fäden. Das bindet uns, unsere Endlichkeit neu an das Ewige und Heilige, daß wir zur Selbstbesinnung und Selbstläuterung gelangen, und so den Weg gehen, zu dem uns der sr.t; ’srwn/ der fabbatliche Monat führen will. - - - naion Rückkehr. Das ist der Gnadenruf der Erlösung, der als erste Losung an der Pforte des neuen Jahres in flammenden Buchstaben leuchtet. Ach, wer wüßte es nicht, — der ins Innere dringt und nicht an der Oberfläche haften bleibt, — wie sehr er zurückkehren muß, daer abgebogen ist vom Wege seiner Bestimmung, vom Ziele, das ihm gestellt ist — als Jude, als Glied feiner Familie, als Mensch, — als Gottes Kind! Solche Erkenntnis weiht und adelt uns und läutert unser Herz, daß in ihm die reinsten Gefühle der Gottesfurcht und Wahrheit sich regen, daß die Seele mitzittert, wenn sich der Mund zur n b s n i, zum Gebete öffnet ... „G e - b e t", das ist das zweite Losungswort dieser heiligen Tage. Da treten sie im Geiste vor uns hin -unsere Väter und Mütter, von denen das Schriftwort am ptn rupn erzählt — und wir beten sie zu dem Schöpfer von Himmel und Erde, der der Vater aller Menschen ist und Israel zu seinem Sendboten erkoren hat, und in unserem Gebete fühlen wir uns der non der Gesamtheit Israels verbunden, die in all ihren Teilen derselben Wurzel entsprossen. Da erwacht in uns eist einziges großes Sehnen: O, daß doch bald unser Volk geeint wäre in der Liebe zu seiner Vergangenheit und j in der Hoffnung auf seine Zukunft, in dem Bewußtsein seiner Verantwortung für die Welt und Menschheit, die erst dann erlöst werden kann, wenn Israel, das Licht dev Völker, im Lichte feiner Thora strahlt und Zion, dieser Hoffnungsanker unseres Geschlechtes, auch das Heiligtum Gottes wieder wird. Das ist doch das Gebet unserer Gebete -- Tina in 1221 — So gib doch Furcht vor Dir über alle Menschen . . . Das Kommen des Gottesreiches auf Erden, um diesen KerNgeadnken!dcs Judentums bewegen sich alle unsere Gebete an den i heiligen Tagen und verdichten sich zu dem großen Hoffen 'auf den Tag der Menschenoerbrüderung. Hier leuchtet uns das dritte Wort unserer Losung: Liebeswirken. Aus dem süßen Traum der Zukunft werden wir zur rauhen Wirklichkeit zurückgerufen, zu all den Nöten und Kämpfen des Tages. Die Liebe, die ein Funken der unendlichen Gottesflamme ist, wird aufgerufen, zu überbrücken manche Kluft und zu überwinden oder doch zu mildern Leid und Weh. Das macht uns allein würdig der Gnade Gottes, die wir für uns und die Unseren erflehen und läßt uns das alte Weis-!heitswort verstehen: "nsiva mpyn» ntfmna nttnw So ‘ „Jedes Jahr, das in seinem Anfänge winzig erscheint, ist dann an seinem Ende reich gesegnet". Mögen wir noch so sehr äußerlich glücklich am Jahresbeginn fein, wir haben das Glück nicht verbrieft. Fühlen wir uns in unserer Ohnmacht kraftlos und arm, begreifen wir uns in unserer Abhängigkeit von Gott — dann werden wir innerlich immer fester und reicher und wir lassen nicht verklingen den dreifachen Ruf unserer Losung: naitwn mnn sn ns pvaya npnsi nt>-ni Rückkehr, Gebet und Liebeswirken wenden ab das böse Berhönagms. Nur so sichern wir uns ein wirklich gefeanetes Jahr, ein Leben, das dem Heiligen. Guten und Wahren geweiht ist. Hier ist der Wunsch schon Erfüllung, wird die Gnade zum Verdienst. Das bleibe unser Teil, — dann erfüllt sich für uns alle: ianan naiv ot1* Zu einem guten Jahre möget ihr verzeichnet werden.! Sprachliches and Sachliches im Machsor für die hohen Feierlage. Von Rabbiner Dr. Felix Kanker in Zwikkau (Mähren). Die 16. Strophe des alphabetisch abgefaßten zum ersten Tage der mrv^o lautet trsa cm prH '•di i'^s- Die Ueberfetzung des *py ist bekannt und bedeutet „zu Dir", wie isa» iva *>3 *]ny nbsn y»i» Schwieriger ist der Nachsatz T^s v'sa, da th* und t!»s dasselbe bedeuten. Rabbiner Cysler schlägt daher die Lesart mas (statt i'i?) vor. Die 15. Strophe in dem ergreifenden Gebete wns im Schacharis-Gebete des zweiten Roschhafchono-