Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1928)
- Date
- 1928-09-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450530--75283-2532798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
,7 - ■< >x ,■ ...' -- ffiSX »'wutr'irttis©; f\ (0 /i'iS??' prft-MB: ftevausgegeßen von <4- Jahrgang ■ fondesorganifafion dee Ülgudfls-Jistod in Veutfekland. Hamburg, 6. September {$28 / 21. <£hil ^688 ' . Ämnmer 1A Schriftleitung: W o t f S. I a c o v s 0 N in Kawk nr g, - . Agudisten und die nin’Vö Zeiten! ..Ihr steht heute alle vor dem Ewigen, EuremGott!* Gleichsam als Illustration zu dem Worte, das wir am r>3V vernehmen, versammeln wir uns in den nächsten Wochen allmorgendlich in besonders zahlreicher Menge und in besonders ergriffener Stimmung im Gotteshaus. Mit jedem erwachenden Morgen stehen wir da alle vor dem Ewigen, unserem Gott, Gehet aus der Lippe, Reue und Andacht im Herzen. Wir stehen früh auf, wir haben gar keine Ruhe mehr auf unserer Lagerstatt, denn wenn wir nicht ganz verstockt — oder verblödet sind, wissen wirs: an •peos? kb wenn nicht jetzt in zwölfter Stunde ein neuer Geist in unser Inneres einzieht, wenn« nicht jetzt in zwölfter Stunde^ unter der Kraft des Gebetes und im Ernst unseres BekenNens, unser steinernes Herz sich in ein fühlend Herz von Fleisch und Blut wandelt, wv'«' wann dann? Diese Stunden der morgendlichen Sammlung und Versammlung sind, in des Wortes wahrstem Sinne, Stunden der Entscheidung, der Entscheidung, die Gott uns selber treffen läßt. Und da stehen wir, wie einst m jener Stunde, Ji"3j?n '2sb ntPD ddj’dipa l l e vor Gott: unsere Großen und unsere Kleinen, unsere Führer und die Geführten, die Reichen und die Armen, die Jungen und die Alten, die Männer und die Frauen, alle sind versammelt, zu gleichem Ziel und in gleicher Situation. Da rettet nicht den Einen sein prall gefüllter Geldsack, nicht den Ändern seine blühende Redekunst, diesen nicht seine Schönheit und jenen nicht sein Ansehen und sein Einflußnackt und bloß stehen wir Gott und Sein in die Tiefen — auch in die Tiefen der Seelen — dringender Blick schaut und durchschaut uns und findet uns, Seiner Verzeihung würdig oder rn ihrer noch nicht wert. Wir stehen alle vor Gott, wollen, mochten zur nnv' zum Gotteszeugnis werden und bauen unsere Hoffnung auf M3« mm den ni3« li'i3 und fühlen in diesen Stunden der Angst und Unsicherheit, wie eitel und töricht unser Gehaben während des ganzen Jahres war, da wir in oberflächlicher Selbsttäuschung, was schlimm ist, und in geslisfentlicher Täuschung der Andern, was nicht weniger schlimm ist, dahin lebten. Wir Menschen mögen, und seien wir so groß wie ein Samuel, uns täuschen lassen, von' äußerer Gestalt, vo-u sicherem Auftreten, im Verkehr mit den Mitmenschen 'mögen drum unsere äußeren Vorzüge uns zustatten kommen, vor Gott fällt das weg: „Und der Ewige sprach zu Samuel: „Schaue nicht auf. sein Aussehen und seine hohe Gestalt. Ich habe ihn verworfen. Denn nicht wonach der Mensch sieht . . ., der Mensch steht nach den Augen., Gott nach dem Herzen!" Wir stehen jetzt alle vor Gott, wir wissen, 'ni nnbb nxT' — und darum ist, soll es nicht sinnlos sein, die Furcht unseres Stehens vor Ihm: Verinnerlichung, Läuterung — Besserung. ■ II. sen, daß .die,, xi«n '»5? sterhen, weil sie das r>?3 nojsn nur als av rva empfinden und es darum auch so bezeichnen. (Sabbat 32a.) Wir wollen aber nicht zu dett pxn. '»v gehören«, wir wollen leben, wir beten um Leben und stehen drum im nmsn n’3' als die Stätte, die uns zur Sammlung und Zusammenschließüng aller unserer inneren Kräfte — und ihrer Konzentration auf Gott hin'—auffordert und erzieht. Auf Gott hin konzentrieren wir uns, und darum ist unser Stehen vor Gott wie damals rrapn nwa Und in jener Stunde ihres Stehens vor Gott nva sie verwarnte, daß nicht ein Einzelner, eine Familie ein Stamm von dem Volk sich trenne, sich weigere, den mit der Gesamtheit geschlossenen Bund auf sich zu nehmen, so ist unser Stehen vor Gott auch heute noch, so soll es sein und so muß es sein, ein Bekenntnis aller zu der einen großen Aufgabe, zu der Gott uns berufen, zu dem fvn:i' den Er mit unseren Ahnen, vollzählig auch für' uns, damals geschlossen. Wir stehen vor Gott und dokumentieren damit deutlich, daß wir eins und einig sind in unserem Streben und Wollen. Alle Beten ein Gebet, finden sich in einer Hoffnung, in einer Sehnsucht, in einer Ueberzeugung und lassen so das Gotteshaus zum Symbol ihrer Einigkeit werden. Unser Stehen vor Gott wäre sinnlos, töricht, ja, mehr als dies, Lästerung des Höchsten, wenn wir um Seine Verzeihung, um den Segen Seines Friedens beten« würden .— und Verzeihung und Frieden unter uns Menschen — und fast jeder hat dem andern etwas abzubitten — von uns nicht mit allen, allen Mitteln erstrebt, erkämpft würde. Die letzte Mifchna im Jaumo ist keine schöne, homiletische Betrachtung, sie ist eine heilige, aus dem Worte der mm selber abgeleitete Forderung und sie spricht es deutlich und unmißverständlich aus: dv> vYanb D3« ]’3w rrnms? lvnn.ns nsan rnnssn So muß unser Stehen vor Gott unsere Stellung zu den Menschen entscheidend beeinflussen und bestimmen — und darum muß die andere Folge unseres Stehens vor Ihm — Friede mit den Mitmenschen sein. III. vor denen wir uns in Liebe und Respekt beugen, miteinander kämpften' und ging ed auch UM große und hohe Ideen —, dann haben wir die doppelte Pflicht und hie dreifache Aufgabe, für hie Zukunft aus unserem Stehen vor Gott, um seinen Sinn zu rechtfertigen und seinen Zweck zu sichern, die Konsequenz zu ziehen und es uns ganz, ganz tief in die Seelen zu prägen: rrm *?3 ax x^x tiibD ni3“nn ]'xs> - mbipn «in Daß ohne Frieden kein Volk gedeiht, kein Segen Sinn hat. Es uns klar zu machen: üi^VN bvn -nv'v'? -ii«V3 Tflkb mbw'NV daß ohne Frieden kein Fortschritt, kein Aufstieg möglich ist. . Mögen wir alle darum unser Stehen vor Gott begreifen, es erleben und zur Erfüllung bringen, daß wir hoffen dürfen: idiWVi trmb D’-’n1?. onnn ms: nmo W.S. I. Wir stehen vor Gott -v und haben alle nur sin einziges Streben, Hoffen und Verlangen: . . •^>«w '23 ins? ba*? nhv2H Mögen« draußen im Leben unsere Interessen noch so auseinander laufen, mag jeder Sonderwünsche und seine eigenen Erfordernisse haben, die Synagoge wird uns wahrhaft zum Nvwn n'3! Wäre sie eine Stätte, wo nur zu Aeußerem und Aeußerlichem sich die jüdischen Menschen begegneten, dann wäre sie ja nichts anderes als ein vv N'3 — und wir wist Und wieder fragen wir, wie in« unserer letzten Betrachtung: Haben denn die Agudisten besondere Pflichten, fließen ihnen aus ihrem Stehen vor Gott besondere Aufgaben zu? Und wieder antworten wir: Gewiß nicht! Wenn wir aber sein wollen: die Agudo, der Bund, der tto .7«mr?> das Vxw rv>3' wenn wir sein wollen vor Juden«, und ebenso vor Nichtjuden, d i e Sprache im N a m e n G o t t e s, wenn wir uns zusammenscharen und organisieren in Seinem Namen bmi g^3V dann müssen wir uns in besonderer Weise in Acht nehmen, wollen wir Gott nahe sein, und durch unsere Agudas Jisroel wollen« wir doch diese Nähe erringen, dann müssen wir für uns gelten lassen «npx '31-IP3' Und wir müssen mit aller Entschlossenheit und dem ganzen heiligen Eifer, dessen wir fähig sind, uns bestreben, daß unser Stehen vor Gott uns wirklich zu neuer, ernsterer, vertiefterer Lebensauffassung und Lebensbetättgung führt. Und wenn wir wissen, daß „Gegner ringsum", daß im Kreise der „Nichtagudisten" man uns nicht liebt, man uns verkennt, als den „Störer des Friedens" ansieht, dann müssen wir den Frieden im eigenen Lager ganz besonders hegen und dort, wo er verloren ging, wieder herzustellen suchen. Und wenn wir in den letzten Zeiten sahen, daß auch in unserem eigenen Haus Hader herrschte, daß selbst unsere,großen Männer, Beschlüsse der palästinensischen Laudesversammlung der Agudas Jisroel. 1. Politik. a) Die Versammlung dankt der palästinensischen, der englischen Regierung und dem Völkerbund für ihr Entgegenkommen an die palästinensische Orthodoxie in bezug auf die Gemeindeordnung. Die. Versammlung anerkennt, daß diese Kreise genaue Einsicht in die Verhältnisse der Orthodoxie .gewonnen haben und dadurch veranlaßt' die früher drückende Lage wesentlich erleichtert haben. Gleichzeitig ersucht die Versammlung die Regierung, der Orthodoxie völlige Autonomie im gemeindlichen Leben zu gewähren und ihr zu gestatten, Gemeinden zu gründen, öter äls Körperschaften öffentlich rechtlich anerkannt werden. Die Orthodoxie wird nicht ruhen und rasten, bis diese ihre Forderung erfüllt ist. b) Die Versammlung hat mit tiefem Schmerz den Bericht des Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Jonathan Horovicz, über die Verhandlungen zwischen Agudas Jisroel, Waad Leumi und zionistischer, Organisation in Jerusalem, Wien und London entgegengenommen, da von der Gegenseite die agudistischen Vorschläge zu gemeinsamer Arbeit in allgemeinen Angelegenheiten bei Wahrung der Selbständigkeit der orthodoxen Gemeinden zurückgewiesen wurden. Dadurch ist die Möglichkeit geschaffen worden, daß : die palästinensische Judenheit gegen außen eine einheitliche Front bilde. Die Versammlung drückt ebenso ihren Schmerz darüber aus, daß der Waad Leumi sich des Armes der nichtjüdischen Behörden bedient ha b e, um einen großen« Teil der palästinensischen Judenheit in innerjüdischen Angelegenheiten unter seine Autorität zu bringen. c) Die Versammlung beschließt, ein eigenes Weißbuch zu veröffentlichen, in welchem die Lage in Erez Jisroel klar geschildert werden soll, insbesondere die Frage der Gemeindeordnung, des Chinuch und der Sabbathut. Dieses Weißbuch soll in der Diaspora verbreitet werden und die geistigen Führer der Judenheit allüberall veranlassen, ihre moralische Unterstützung der Orthodoxie in Erez Jisroe lauf allen Gebieten und ganz besonders auf dem Gebiete der Gemeindefrage zu gewähren. d) Die Landesversammlung drückt der bisherigen Leitung ihren Dank für ihre hingbende Arbeit für die Befreiung der jüdischen Gemeinde $