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Der Israelit · 1928-09-06 · Heft 36 (6.9.1928) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 36 (6.9.1928)
Date
1928-09-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 2 Nr. 9 Der Israelit 6. September 19281* •nun in» •nnn naV irrn a’^nx *n’B in ‘ *Vxn8?’ ’22 BnW BV •!>a*ixi ps mn vxia -npa •]Pyi vx inn i>3 -nx» pin naiip ^ij?i ,v'p->2i ntfnp!T>j?1*?X 'n ’22X (Der Berg Sinai. Viele Zelte vor dem Berg. Dort lagern die Kinder Israels. Am Morgen. Aus der Spitze des Berges ein« ganz finstere Wolke. Der ganze Berg Feuer und Rauch. Donner und Blitze und Schausorblasen, sehr stark. „Ich bin der Ewige, dein Gott!") Das nächste etwa: -inn isxi!>x ni>s nw •nV’V a’yanxi ar> a’ya-ix av' ms •nnw xl> a’»i ^ox xlan!, •annxn mmV ’iv nx iV ]m mi .n'i2n mm!> ne, (Moses stieg auf die Spitze des Berges. Dort saß er 40 Tage und 40 Nächte. Brot hat er nicht gegessen und Wasser hat er nicht getrunken. Und Gott gab ihm die zwei steinernen Tafeln, die zwei Tafeln des Bundes.) Die m-oy der Gottesdienst, ist als Dienst nur Handlung, also Leben, kann also erlebt werden. Aber nur wer mit mia betet, lebt im Gebet, erlebt die Heiligkeit und Weihe eines Gebetes. Zur mia gehört nun aber das Wissen um den Inhalt des Gebets, die Kenntnis des tieferen Sinnes — wir sagen: die Uebersetzung. Sollen die Kinder zum erlebenden Gebet gebracht werden, müssen sie wissen, was sie beten! Und nun wiederhole ich, was ich bereits geschrieben habe: Da aber die Gebete im Urtext meist weit über die kindliche Fas sungskraft hinausgehen, so können Kinder diese Gebete einfach nicht verstehen und „aus dem Herzen" beten Deshalb ist es nötig, für das 1. bezw. 2. Schuljahr ein kleines Gebet selbst zusammenzustellen, dem Sprach Verständnis und der Fa f s u n g s k r a f t des Kin des a n g e p a ß t, dann hat das Kind sein Gebet, das es versteht, das es hebt, das es „aus dem Herzen" sprecheil kann. Dann wird das Kind zu einem innerlich-frommen guten Jehudi heranwachsen. Ein Beispiel: Diese Andeutungen mögen genügen. Nicht weiter, als einen Weg sollten sie andeuten, d:r geeignet erscheint, unsere 'Kinder lebendig und freudig zur mm und mia? zu führen. Ich bin mir bewußt, daß diese hier gezeichnete Methode noch lange nicht d i e Methode ist. Werden aber alle Kollegen in diesem Sinne arbeiten, werden auch sie ihre Meinungen und Erfahrungen Mitteilen, so dürfen wir die beste Hoffnung hegen, daß es sehr bald besser um den jüdischen, um den hebräischen Unterricht bestellt sein wird. Nicht ohne Absicht habe ich meine Ausführungen, insbesondere in meinem Beitrag „Gedanken zur Reform", etwas scharf abgefaßt. Das darf vor allem von älteren Kollegen nicht mißverstanden werden. Ich stehe nämlich auf dem Standpunkt: Ist eine Idee, oder ist lein Problem im Grunde als richtig erkannt und auch anerkannt, so ist keine Stimme'zu laut, dies bis ins letzte Dorf, bis in den allerletzten Winkel hineinzutragen. Laut und vernehmlich muß auch unsere Stimme sein, soll sich unsere Idee durchsetzen! Wir sprechen von der Nacht und vom Schlafen gehen, von Gott, der uns schützt und seine Engel schickt -nv»n by 7122112 mn oiy!'b xi n»v! •’bp ,'bj?! '»X 021 ’3X 1»v .'ix!>» nbv px!,» nbv •ynx 2,iix nx -2 : c>'X2 b’3x!>» »mn mm rnr,’ mn •Vxan /Vx’nx ,bx'i22 ,bx3'v! mn nnn» (Es ist Abend. Chanoh liegt im Bett. Mein Gott, mein Gott! Behüt' mich doch! Behüte meinen Vati und auch meine Mutti! Schicke einen Engel, schicke einen Engel! Denn ich liebe dich. Chanoh schläft. Und siehe, siehe!, Engel kommen: Michael, Gabriel, Uriel, Rafael. „Eine recht gute Ruhe, Chanoh!") Später ziehen wir das Gebet aus dem Originaltext heraus, erweitern und ergänzen es . . ., bis endlich die Urgestalt im mao oder mm» erreicht ist. MX bxm -ixbvn nmyrn nx ■pm '»v am xnp'i .pnx'i amax miax aen Wir fügen hinzu: -xnv’ m m ava bxam n'»’v bX'122 'bx»v»i i-x’rnx na!>»i!-xaa 'rnnxai >'n m'2v ’vx» byt Bei der nächsten Gelegenheit kommt der 5»v-Abschnitt, kommen pana’ u. a. dazu — zuletzt „lainen" wir das ganze Nachtgebet. Es ist Morgen. Der kleine Nauach wird geweckt. a'a a’3 n’3 an •B'a B’3 B’3 a’3!nn» ,“in»! ma »rm - naon n’a!>x an» - nab nx mi» Ein Weg, der zum ständigen Morgengebet führen kann: Wir sprechen (in der untersten Klasse) von der Synagoge, erzählen vom Beten, warum wir beten, und kommen zum Ergebnis, daß wir nun in der Schule auch beten wollen: „damit uns der liebe Gott die Kraft gibt, daß wir lernen können." Wir beten (singen!) zunächst inx m x 'n bmv> das den meisten Kindern schon bekannt ist, und lernen Satz für Satz weiter, indem wir die Bedeutung des jeweiligen Satzes besprechen. Und oald können wir den ganzen 1. Abschnitt hebräisch (und deutsch anfangs) gut betont „aus dem Herzen" sprechen. Aus der wählen wir dem Kind leicht verständliche Stellen (1. Brocho, 3. Brocho, usw.) aus, die wir ebenfalls jeden Morgen, nach Osten gewandt, beten. Nach und nach werden andere eingefügt, der „besonderen Tage" wird gedacht, bis wir unser Ziel, den laao und das mm» erreicht haben. — < Ein Brief aus Hessen. Wir erhalten nachfolgenden Brief eines Kollegen einer dem gesetzestreuen Gemeindeverbande Hessens zugehörenden Gemeinde mit der Bitte, ihn in unserm Blatte zu bringen. Wir willfahren dem Wunsche i>es Kollegen, weisen jedoch die in dem ersten Satze des Briefes aufgestellte Behauptung mit geziemender Entrüstung zurück. Den dann weiter uns erteilten Rüffel stecken wir pflichtschuldigst ein und geloben reumütig Besserung. Die Schriftkeitung. Sehr geehrter Herr Kollege! Das von Ihnen geleitete Blatt hat sich seither mit Erfolg bemüht, für die berufliche Weiterbildung des jüdischen Lehrers regste Sorge zu tragen und ist dadurch zu einem Organ geworden, dessen jeweiliges Erscheinen der pädagogisch interessierte Leser mit Freuden begrüßt. Findet er in ihm doch jedesmal mancherlei Anregung zu pädagogischer Vertiefung, die imstande ist, ihn bei seinem Wirken und Schassen in der Schulstube zu fördern. Wir meinen jedoch, daß es auch zur Aufgabe eines pädagogischen Blattes gehört, auf die materielle Lage des jü dischen Lehrers und die Möglichkeiten, Wege zur Besserung zu zeigen, hinzuweisen. Es ist eine feststehende Tatsache, die abzuleugnen vergebliche Liebesmühe wäre, daß in keinem deutschen Lande die Lage des jüdischen Lehrers eine mißlichere ist als in dem schönen Hessenlande. Da gibt es noch Kollegen, die, in jahrzehntelanger Tätigkeit in Schule und Gemeinde ergraut, sich mit einem wahren Hungerlohne zufrieden geben müssen, die, um sich wirtschaftlich einigermaßen über Wasser zu hakten, ihre Kraft in allerlei Nebenbeschäftigungen so verzetteln müssen, daß ihr Nebenberuf oft zum ap'v und ihr Hauptberuf zum wird, ein Umstand, der dem Judentums wahrlich nicht zur Ehre gereicht und jüdischer Kraftentfaltung nicht förderlich ist. Cs gibt in Hessen, abgesehen von den Stadtgemeinden, nur wenige Lehrerstellen, die so bezahlt sind, daß es ihrem Inhaber möglich ist, sich ohne Sorge für den kommenden Tag zur Ruhe zu legen. Die Folge davon ist, daß es in der jüdischen Lehrerwekt nicht erstrebenswert erscheint, sich um eine hessische Lehrerstelle zu bewerben. Eine Stelle nach der andern bleibt unbesetzt, und die infolgedessen lehrerlosen Gemeinden kommen allmählich zu einem solchen Status, der von lebendigem Judentum nicht mehr viel verspüren läßt. Die Gemeindeinstitutionen verfallen, die Synagogen veröden, der Gottesdienst wird oft in unwürdiger Weife von Privatleuten versehen, denen jedes jüdische Wissen und vieläch auch jedes jüdische Empfinden abgeht. Solche Gemeinden sind der min, dem Kraftquell lebendigen Judentums, unrettbar verloren. Es hieße, den Kopf in den Sand stecken, wollte man versuchen, diese offenkundigen Tatsachen zu verschweigen und abzuleugnen. Was in solchen lehrerlosen Gemeinden noch an jüdischem Fonds vorhanden ist, ist nicht mehr das Judentum der nist natürlich auch nicht „liberales" Judentum, ist überhaupt kein Judentum mehr. Der Rabbiner in der Stadt, mag er ein Riese an körperlicher und geistiger Leistungsähigkeit sein, ist nicht imstande, dem Verfall zu steuern. Denn er kann naturgemäß nur selten in der einzelnen Gemeinde erscheinen, und helfen kann hier nur das stetige und fortdauernde Arbeiten des Lehrers, der so gestellt ein muß, daß er seine ganze Kraft dem Dienste des Judentums widmen kann. Es gibt noch Kollegen in kleinen Gemeinden, die dort ein Menschenalter verbracht haben, die aber nicht daran denken können, einmal einen Nachfolger zu bekommen, wenn ’"em sie abberufen haben wird. Der Verfall schreitet unaufhaltsam fort. Man hat zwar versucht, hie und da den Gemeinden Beamten zu geben, denen die Pädagogik, auch die jüdische, ein unbekanntes Gebiet ist, denn sie werden direkt von der na’M bezogen. Ganz abgesehen davon, daß das einen Schlag in das Gesicht des jüdischen Lehrerstandes bedeutet, sind diese Leute trotz ihrer unleugbaren jüdischen Kenntnisse und ihrer Befähigung als ammt? wohl nur selten imstande, sich und dem von ihnen vertretenen nrnn-Judentum Achtung und Ansehen zu verschaffen. Sie können nur radebrechend in deutscher Sprache reden, es fehlt ihnen jegliche pädagogische Vorbildung. Wehe den Kinderlein, die ihnen übergeben sind, an welchen sie sich ihre ersten pädagogischen Sporen verdienen wollen. Damit soll nicht gesagt sein, daß wir seminarisch Gebildeten alle pädagogische Genies seien, daß es auch unter uns nicht Stümper gäbe. Es gab einmal eine Zeit, wo diese „gemachten" Lehrer auch in Hessen auf dem Aussterbeetat standen, jetzt scheint die Entwicklung wieder «ine umgekehrte zu sein. Die pädagogisch vorgebildeten Lehrer nehmen ab, die Zahl der „gemachten" Lehrer steigt bedenklich an. Verzeihen Sie, Herr Kollege, wenn ich variiere: Der Lehrer est mort, vive Be „Bacher"! Gibt es denn nun gar keinen Weg, der aus diesem Lehrerelende den Weg zur Rettung und Besserung zeigte, der dem Judentum in den hessischen Landgemeinden auf die Beine helfen könnte, um das zu retten und zu erhalten, was an Rettungs- und Erhaltungsmöglichkeit noch vorhanden ist? In einer Zeit, in welcher alles Jüdische zusammenzubrechen droht, in der die Wögen des Abfalls und der Gleichgültigkeit jedes religiöse Empfindenzu vernichten drohen, sollte man keine Möglichkeit außer Acht lassen, die die Tendenz der Erhaltung in sich trägt. Wir wissen wohl und bekennen uns freudig, zu dem Bekenntnis: Der Thorajude, dem 2"ae?n und »"yaiwi das gottgegebene Lebensgesetz des Juden und des Judentums sind, kann keine Konzessionen machen, kann das sog. liberale Judentum nicht mit einem Zolle der Anerkennung bedenken. Wir fragen jedoch, warum soll das,, was in Mainz möglich und zulässig ist, nicht auch in Darmstadt zulässig sein? Der sog. Mainzer Verband, dem srch mit Ausnahme der Gießener Religionsgesellfchast sämtliche orthodoxen Gemeinden Oberhessens angeschlossen> erstrebt den Zusammenschluß sämtlicher hessischen Gemeinden. Der Darmstädter gesetzestreue Verband glaubt aus Gründen des Prinzips einen Zusammenschluß zu einem einheitlichen Verbände ablehnen zu 'müssen. Natürlich ist die Stoßkraft der Orthodoxie dadurch erheblich geschwächt worden, daß sofort die orthodoxen Gemeinden Oberhessens in den Mainzer Verband eintraten., statt innerhalb des gesetzestreuen Verbandes für ihre Einheitsbestrebungen zu werben. Das kleine Hessen kann sich nicht das Bestehen zweier getrennten Verbände. gestatten. Wenn wirklich in Hessen etwas Ersprießliches für Gemeinde, Lehrer und last not least Judentum geleistet werden soll, muß es zu einem Zusammenschluß kommen. Die seither Gemeinden und Lehrern gewährten Subventionen bedeuten nur Flickarbeit. Der Wille zu helfen und lebensnotwendige Aufbauarbeit zu leisten, besteht auf beiden Seiten. Die Methode des Mainzer Verbandes, die den Kleingemeinden gegen Zahlung eines geringen Mitgliedsbeitrages die Sorge für den Religionsunterricht abnimmt, kann uns auch nicht gefallen. Dadurch werden die Gemeinden und ihre Mitglieder zur Lerstungsunwilligkeit erzogen. Vielleicht — wir sprechen das natürlich nur hypothetisch aus — steht hier das, was man sonst im politischen Leben Stimmenfang nennt im Unterbewußtsein der Herren des Mainzer Verbandes. Es müßte natürlich ein Weg gefunden werden, der es dem gesetzestreuen Verbände und feinen nxain ’n» ermöglicht, ohne jegliches Bedenken in den allgemeinen Verband einzutreten. Es müßte der strikte p als Grundlage genommen werden, der den allgemeinen Verband als solchen in allen seinen Maßnahmen leitet. Doch darüber zu sprechen, ist nicht unsers Amtes, sondern Sache der berufenen rabbinischen Autoritäten. Wir sind der Meinung, daß auch dann, wenn der Zusammenschluß erfolgt ist, Hessen noch nicht zu einem jüdischen Dorado gestaltet werden wird. Aber besser könnte vieles doch sicher werden. Man könnte an die Anstellung von Bezirkslehrern denken, manche Gemeinde, die schon feit Jahren lehrerlos ist oder vergeblich nach, einem Lehrer sucht,- könnte wieder einen Lehrer erhalten. Man schaffe die Kautelen. die es dem gefetzestreuen Verbände gestatten, unbeschadet seines prinzipiellen Standpunktes, sich mit den „Liberalen" zu einem Zweckoerbande zusammenzuschließen. Das darf und braucht nicht im geringsten eine prinzipielle Anerkennung des liberalen Judentums als berechtigte jüdische Weltanschauung zu bedeuten haben. Bei Bestehen zweier getrennter Verbände kann auf beiden Seiten nichts Durchgreifendes geleistet werden. So arbeiten die Verbände nur gegeneinander. Es ist höchste Zeit, die Streitaxt zu begraben und zu positiver Arbeit sich zusammenzufinden. Es ist Zeit aufzubauen, wenn das hessische Judentum — hier meinen wir das alte, unverfälschte nrnn-Judentum — auf dem Lande nicht gänzlich in den Todesschlummer versinken soll. > Wenn ich Sie, verehrter Kollege, ersuche, meinem Briese in den von Ihnen redigierten Blättern für Erziehung und Lehre Aufnahme zu gewähren, so bitte ich den Umstand, daß ich nicht nur Angelegenheiten unseres Standes, sondern auch Gemeinde- und Verbandsangelegenheiten erörtert habe, außer Acht zu lassen. Von dem Bestehen und der Erhaltung der Gemeinden ist jedoch die Erhaltungsmöglichkeit des Lehrers und Gemeindebeamten abhängig, mwn!> nvi aaaV ny. Die Zeit des Schweigens ist vorbei, es ist Zeit zu reden und zu — handeln. Mit bestem koll. Gruße bin ich Ihr ergebener 'S '2 'S

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