Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1928)
- Date
- 1928-09-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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c... rziefcunq und Lefcre age zum^srae Organ -es Kun-es gesetzestreuer Mischer Kehrer DMschlan-s. L.v-Q. Vor den Herbstfeierkagen in der Samson Raphael Hirsch-Schule'). Langsam stieg ich die Treppe hinan. Aus den verschiedenen Klassen tonten mir allerlei Laute und Worte entgegen. Ich weiß ja nicht, ob das schicklich war, aber ich lauschte. Zarte Sümmchen erklangen hinter einer Tür. Ich unterschied die Worte: „Zum neuen Jahre, geliebte Eltern, Glück und Segen". Wieso denn jetzt Neujahrssprüche? wunderte ich mich; doch halt, wir sind ja im Elul. Richtig, da piepste auch eine Kleine: 12020 naiv nae^ und die ruhige, etwas rauhe Stimme der Lehrerin erklärte, wie man zu Vater, Mutter ufw. sagen müsse. Ich war aufmerksam geworden, ich wollte noch mehr als „Zaungast" erfahren. Leise schritt ich weiter. Eine Tür stand offen, die Klasse war leer. Mein Blick fiel auf die Tafel. Da las ich: „Zum 1. Tifchri 5688, Geliebte Eltern!" Aha, der Rausch-Haschonoh-Brief! Den Lehrer beneidete ich nicht, der all die Kleckse auf den geschmückten Bogen zu entfernen hatte; und doch, die Vorfreude der Kleinen mitzugeniehen, macht sicher .auch viel Spaß. Hinter einer weiteren Klassentür, über der ich eine V las, übersetzte man gerade die Gebete für Rausch-Haschonoh. Flott erklangen die uDbia la’a.w zuweilen unterbrochen von erläuternden Worten. Als sich kurze Zeit eine Tür öffnete, vernahm ich die mir nicht unbekannte Betonung von Tatmudstellen. Ich unterschied dabei Zahlen und Maße, und erst als das Wort nao fiel, verstand ich, daß wohl Dinim von den Festtagen „gelernt" wurden. Es schellt. Die Klassen leeren sich. Ernst ruht auf dein Antlitz manches sonst wild dahinstürmenden Jungen. Die erhabenen Gedanken, die der Lehrer der Prima soeben, die Gebete der D’tnia 2'»' im Geiste Samson Raphael Hirschs erklärend, in die jugendlichen Seelen eingepflanzt, wirken sichtlich weiter; und die Deutung des ' Suckaus-Feststrauhes, die dem 13jährigen Tertianer feine ms» in ganz neuem Lichte erscheinen ließ, regt ihn auch noch in der Freistunde zum Nachsinnen an. — Ein ganz anderes Bild im Erdgeschoß der Mädchenschule. Ein Blick zeigte mir in den Händen der Kleinsten Papierketten und -körbchen. Man hatte also Sukkoh- Schmuck angesertigt. Gleich daraus begrüßte mich eine wohlvertraute Stimme. Mit ihren Kameradinnen verließ .mein Schützling die Klasse. Sie suchte rasch eine Handarbeit zu verbergen, und ich tat, als bemerkte ich nicht das hübsche Tatscher-Deckchen aus weißem Battist. In der Hand der Freundin neben ihr sah ich ein kleines Käppchen. F„ür mein Brüderchen, das Rausch-Haschonoh zum erstenmal mit zur Synagoge darf," erklärte mir die Kleine stolz. Von der Treppe herab kamen Schüler, ihre Zeichenmappen in den Händen. Sollten auch hier die kommenden Festtage ihre Schatten vorauswerfen? Wirklich zeigten sich mir sehr hübsche, bunte Mogen-Dövid und große Kartons mit Blumenranken und ’ dem Spruch: "."wm nsav iavn rvnoa" Als ich nach der Unterredung mit den Lehrern und der Lehrerin den Singsaal durchschreiten wollte, um die Schule zu verlassen, erschollen aus frischen Knabenkehlen des Synagogenchores die herrlichen, ergreifenden Raufch- Haschonoh-Melodien. Befriedigt verließ ich die Schule in dem Gedanken, daß es meinen geliebten Enkeln vergönnt ist, sich ihre Kenntnisse in solch echt jüdischem Milieu anzueignen. *) Mit gütiger Erlaubnis der Schriftleitung den „Mitteilungen für ehemalige Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft zu. Frankfurt a. M." entnommen. Der biologische Anterrichk in der jüdischen Schule in Verbindung mit dem religiösen Gesinnnngsunkerrichk. Von 3. Lichtensiädter, Hamburg. (Schluß.) Zwei Einhufer möchte ich noch erwähnen, Pferd und Esel. Ersteres war im Lande Israels lange ein ausländisches Tier. Die Patriarchen besaßen keine Pferde. Nach der Eroberung des heiligen Landes, als die 12 Stämme dort seßhaft wurden, den Acker bestellten, pflügten sie mit Rindern. Ochsen, Esel oder Kamele waren Zug-, Last- oder Resttiere. In Aegypten jedoch war das Pferd schon in frühester Zeit domestiziert. Dem Könige in Israel war es verboten, sich viele Pferde zu halten, damit et nicht verursache, daß das Volk wieder nach Aegypten zurückkehre. Als David von den Aramäern 7000 Pferde erbeutet hatte, behielt er nur 100 davon für seinen Gebrauch, während er die übrigen durch Zerschneiden der Sehnen an den Hinterbeinen lähmen ließ. Salomo, aber handelte gegen das Thorawort, schaffte sich 1600 Wagenpferde und 12 000 Reitpferde an. Er trieb Handel mit ägyptischen Pferden. (Könige I, 10. K. 28. V.). Im Pentateuch selbst wird nur an wenigen Stellen vom Pferde v->v gesprochen. Im Buche der Chronik I, 4. K. 31. V. wird ein Ort im Gebiete Simsons genannt, der mvio -ixn hieß, was schon auf Pferdezucht in großem Maßstabe schließen läßt. Eine herrliche Schilderung der Kriegsrosfe findet sich in 21'tr K. 39. In den Oberklafsen der jüdischen Realschulen versäume man nicht, die Schüler darauf aufmerksam zu machen, das das Buch stk eine Fundgrube vieler biologischer Bemerkungen ist. Gleich dem Pferde ist auch der Esel den Hebräern ein „unreines" Tier. Auch er gehörte mit zu den großen Tierbeständen, die den Reichtum der Erzväter bildeten. Durch die Sorgfalt, welche man dem Esel noch heute im Orient angedeihen läßt, wird er größer, mutiger und rüstiger als in unseren Gegenden. In dem Gebirgslande Palästina waren Esel besser zu verwenden und daher sehr geschätzt. In allen südlichen Ländern ist das Fell des Esels nicht von grauer, sondern von rotgelber Farbe. Nach Gesenius bedeutet das Wortii«n. der Rötliche. Im Buche der Richter ist von nnms mm« glänzend weißen, aber ins Rötliche schimmernden Eselinnen die Rede. Das Reiten auf Eselfüllen scheint ein Vorrecht der Vornehmen und Reichen gewesen zu sein. (Richter 10. K. 3 und 4. V., 12. K. V. 13 und 14). Seit Davids Zeiten bediente man sich im heiligen Lande auch der Maulesel. Da aber Kreuzung verschiedener Tierrassen durch die Thora verboten ist, so muß man annehmen, daß die Maulesel aus dem Auslände bezogen wurden. Meine Darlegungen wollen nur anregend wirken, weshalb ich es mir versagen muß, alle Ordnungen der Säugetiere zu besprechen. Einer späteren methodischen Betrachtung sei es Vorbehalten, auf die Ornithologie und namentlich auf die Botanik vom biblischen udn tvlmudischen Standpunkte aus zurückzukommen. Zur Methodik des 11NV- und VvlN-llnterrichks. Von Ernst Mayer in Hamburg. In der Nummer 4 der pädagogischen Beilage des „Israelit" (Erziehung und Lehre) wies ich bereits auf die unbedingt notwendige Reform des hebräischen Unterrichts hin und zeichnete mit kurzen Strichen den neuen Weg des niiv- und vain-Unterrichts, dessen oberster Grundsatz das Erleben des Gottesworts fein müsse. Kaum gibt es heute noch eine' Schule, die nicht von unten her anstrebt, den gesamten Unterricht auf das Erleben des Kindes einzustellen. Deutsch und Rechnen. Heimatkunde und Gesang, möglichst aller Unterricht, sollen dem ■ Erlebniskreis der Schüler entspringen, sollen tatsächlich oder wenigstens durch eine entsprechende bildreiche, „spannende" Darstellung erlebt werden. Ist es da nicht unsere Pflicht, unfern Kindern den jüdischen, den hebräischen Unterricht ebenso zu gestalten? Warum sollen die Kleinen nur im profanen Unterricht erleben und freudig arbeiten, warum nicht ebenso freudig in ihrer jüdischen Welt, in nun und rrray? Ist doch gerade hier die Möglichkeit des Erlebens so wundervoll gegeben. r v"n np» mn '2 ,o"n rt>i2b ,D«n fy mn nun Die ruun ist der Baum des Lebens, für alle ist sie Leben, denn sie ist die Quelle des Lebens: in Sprache und Inhalt und Geist, und spendet heiliges Leben dem, der in ihr lebt, der sie erlebt. „Leben in der nun« heißt: sie im Innersten fühlen, sich begeistern an ihren Worten, in ihr aufgehen — dieses Ziel müssen wir zu erreichen versuchen. Es ist ein hohes, das höchste Ziel, das wir anstreben. Doch: je höher ein Ziel gesteckt ist, desto relativ-größer ist der Erfolg. Das aber setzt voraus, daß die Kinder inner lich-erlebend in die Sprache der nun. und ihren Geist hineingeführt werden. „Erleben" hinwiederum fetzt „verstehen" voraus. Ergibt sich also: Der Unterrichtsstoff mutz den Kindern in der Weife vorgekegt werden, daß sie ihn mit ihrem kindlichen Sinn und sprachlichen Vermögen erfassen können. Die sprachliche Schwierigkeit einzelner Teile muß behoben, der Inhalt lebendig-handelnd dargestellt sein, zu einer Einheit, einem Bilde zusammengefaßt, das natürlich auch als* Gesamtbild, als etwas Einheitlich-Ganzes geboten wird. Ein paar Beispiele sollen dies illustrieren: Wieder einmal sprechen wir von Abraham, der gegen alle Menschen so lieb und gut war, der stets müde Wanderer bewirtet und arme Leute «ingeladen hat. Das Tafelbild zeigt uns ,wie er, Wanderer erwartend, vor feinem Zelte fitzt. Bei unserer (hebräischen) Unterhaltung beschreiben und erklären wir das Bild, und ganz von selbst schält sich allmählich etwa folgendes heraus: >i»nrrn nns a©v nma« •TKtt DO BV BI'N .B'2«i>» •l’lsV B'lviy D’BUK TtobV „uu :! »3ttR ,B2'i>« Bl!>V (Abraham sitzt am Eingang des Zeltes. Heute ist aber ein sehr heißer Tag! Und siehe!, drei Männer stehen vor ihm. Engel sind's. * Scholaum alechem, meine Herren!) (Dabei „erscheinen" natürlich auch die Männer auf der Tafel.) Wir lesen (— hebräisch + deutsch) diese Geschichte Satz für Satz und achten dabei gut auf sinngemäßes Lesen. Das nächste Bild etwa: Abraham bedient die Männer. : Ivitr oniarr!a!mi n,*t»n tu np,!änV w np ln^»n ns nan •yyn nnn nmy nmasi .d^oir D’attVan (Abraham sagt: „Nimm doch Brot! Nimm doch Butter und Milch! Siehe, hier ist Salz!" Die Engel essen (tun, als ob sie essen würden!). Und Abraham steht unter dem Baum.) Sie unterhalten sich.! i»NR2 nan? nnv N'R („Wo ist denn die Soroh?" „Siehe, im Zelt!" Diese „Bilder" lassen sich natürlich vortrefflich „spielen" (aufführen). Ein anderes Bild: