Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-09-06 · Heft 36 (6.9.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 36 (6.9.1928)
Date
1928-09-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450530--75269-2532784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

6. September 1928 _ , Pflicht gemäß Sabbate und Feste zu feiern, weitherziges Verständnis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten finden. Euch alle aber bitten wir: Setzt alles daran, daß unsere Ruhe- und Festtage unserer jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben. Die Treue zum Judentum fordert Opfer. Aber ihr Lohn ist eine Ruhe des Gewissens, das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die Festigung und Erhöhung des Judentums." Vom Preußischen Landesverband. Berlin, 3. Sept. Die Arbeitsgemeinschaft für den zu gründenden Reichsverband der deutschen Juden ist am 2. September ds. Js. in Berlin zufammengetreten. Zunächst wurde über die Zukunft der Rabbinerseminare beraten, deren wirtschaftliche Lage durch die Wirkungen des Krieges und der Nachkriegszeit außerordentlich gelitten hat. Es erwies sich als notwendig, den Seminaren an Stelle der ihnen verloren gegangenen Einkünfte aus den Stiftungen usw. auf andere Weise eine gesicherte finanzielle Grundlage zu geben. Das Gleiche trifft für die Lehrervorbereitungsanstalten zu. Es wurde beschlossen, die Landesverbände auszufordern, die nötigen Beträge so weit möglich in ihren nächsten Haus- Haltsplan einzustellen .und die Aufbringung etwaiger Fehlbeträge durch eine zu diesem Zwecke zu begründende Organisation herbeizuführen. Die am Nachmittage mit einem Bericht des Oberlehrers Stolle Würzburg eingeleitete Sonderberatung über die Vorbereitungsanstalten für Lehrer wurde am Schluß vertagt. Die Gefahren, welche durch Agitation gegen das Schächten drohen, gaben zu einer längeren Aussprache Anlaß, bei der die Pflicht der Landesverbände, den Angriffen auf diese religiöse Institution geschlossen entgegenZutveten, allseitig anerkannt wurde.Es kamen noch Fragen der Wandererfürsorge und Berufsberatung zur Sprache. Von den weiteren Gegenständen der Tagesordnung sind noch die folgenden hervorzuheben: Die Bestrebungen zur Gründung einer jüdischen Arbeiterkolonie, durch welche die überaus notwendige Wanderfürsorge produktiv gestaltet werden soll, sind zu unterstützen. Die Arbeitsgemeinschaft erklärte sich mit der Beschäftigung Arbeitsloser, insbesondere auch entlassener Strafgefangener, in einem zu gründenden landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe einverstanden und forderte die Landesverbände zur Förderung dieses Unternehmens auf. Die von der statistischen Sektion unternommene Bearbeitung der letzten Volks- und Berufszählung wird für sehr bedeutungsvoll erachtet. Die Arbeitsgemeinschaft hält ihre Unterstützung durch die Landesverbände, ferner die Einrichtung von statistischen Büros in den größeren Gemeinden mit einheitlichen Zählkarten für notwendig. Der Preußische Landesverband hat wegen der Einrichtung ritueller Speisestellen eine Umfrage an die jüdischen Gemeinden in solchen Städten, wo sich eine Universität oder eine Hochschule befindet, gerichtet. Im Anschluß hieran erklärt es die Arbeitsgemeinschaft für wünschenswert, daß in solchen Städten, in denen ein Bedürfnis vorliegt, durch Schaffung von menfae academicae oder ähnlichen Einrichtungen den Studenten Gelegenheit gegeben wurde, für billiges Geld koscheres Essen zu erhalten. Schweiz. Israelitische Religionsgesellschafi Basel. Basel, 2. Sept. Der Vorstand hat nunmehr den m der außerordentlichen Generalversammlung vom 25. März 1928 übernommenen Auftrag, sich für das Grundstück Ahornstraße—Birkenstraße zum Zwecke der Errichtung einer Synagoge zu interessieren, ausgeführt. Nach längeren Verhandlungen mit dem Vorstand des Bürgerspitals bezw. der Bürgergemeinde der Stadt Basel konnten ca. 400 Quadratmeter Areal des , dem Bürgerspital gehörenden Geländes an der Birkenstraße—Ahornstraße—Rufacherstraße zürn Preise von Fr. 55.— per Quadratmeter erworben werden und zwar das Eckgrundstück Birkenstraße—Ahornstraße. Der Verkauf unterlag noch, der Zustimmung des Bürgerrates der Bürgergemeinde, was in dessen Sitzung vom 20. Juni 1928 geschehen ist. D er 8 » r o e i t t _ Praktisch ist dazu zu bemerken, daß die Läge des von der Israelitischen Religionsgesellschaft erworbenen Grundstückes (nächste Nähe des Spalenrings) für die Errichtung einer Synagoge als sehr gut zu bezeichnen ist, außerdem ist die Richtung des Grundstückes wegen Misrach sehr gut. Vor Tätigung des Kaufes wurde von riner hiesigen Spezialfirma eine Bodenexpertise, wegen Dir Woche. Berlin. Die Soncino-G eseklschaft der Freunde des jüdischen Buches E. V., Berlin C. 2, Kaiser Wilhelmstr. 12, versandte soeben Nr. 3 ihres Nachrichtenblattes. Das Heft enthält neben Tätigkertsbericht, Mitgliederverzeichnis und Statuten eine Zusammenstellung . der von der Gesellschaft bisher veröffentlichten Publikationen. — Der Preußische*Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat an Stelle des verstorbenen Justizrats Lilienthal zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabbiner Dr. Baeck - Berlin bestellt. — Der Gemeindevorstand wählte Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm Levy, den Direktor der Talmud-Thora Kenesseth Jisroel, zum Prediger der Gemeinde. — Entgegen falschen Angaben der antisemitischen Zeitung „Der Stürmer", stellt der Centralverein fest, daß es zur Zeit in Deutschland etwa 1100 jüdische Lehrer gibt, von denen drei Viertel als Volk sschullehrer ausgebildet sind. 200 wirken in Volksschulen, die übrigen als Religionslehrer. — Das Preußische Ministerium für Volkswohlfahrt hat Frau Paula Ollendorf eine Plakette verliehen zur Würdigung ihres Wirkens auf sozialem Gebiet. Breslau. In Glatz. wurde ein Gefallenen-Denkmal eingeweiht. In einer aus diesem Anlaß in der Synagoge abgehaltenen- Feier wurde in der Gedenkrede des Rabbiners betont, daß sämtliche sieben jüdische Jünglinge der Gemeinde Glatz, die sich bei Ausbruch des Krieges freiwillig gemeldet haben, auf dem Felde der Ehre g e - fallen sind. Paris. Der im Flugzeuge verunglückte Handelsminister B o k a n o w s k i war Jude und hat bei verschiedenen Gelegenheiten, so auch vor einigen Monaten in einem Interview mit dem JTA-Vertreter anläßlich seiner Reise nach Algier zum Ausdruck gebracht, daß er treu dem jüdischen Glauben anhängt. Brünn. Dieser Tage wurde in dem Städtchen Fulnek in Mähren eine Tagung der Deutschen nationalsozialistischen Partei in der Tschechoslowakei abgehalten. Am Abend des Eröffnungstages wurden aus der Mitte des Festzuges gegen die jüdische Bevölkerung die pöbelhaftesten Beschimpfungen geschleudert. Nunmehr richtet der Bürgermeister der Stadt, der Nationalsozialist Schubert, ein Schreiben an die Juden, indem er feststellt, daß die Partei den Vorkommnissen vollkommen fernstehe und bei der Leitung des Jugendbundes Beschwerde erhoben hätte. Jerusalem. Die Zionistische Exekutive hat sich an die Palästina - Regierung mit dem Er- - suchen gewandt, ihr 1200 neue Einwanderungs-Zertifikate für Chaluzim und Zionisten auszustellen. — Das Berliner Komitee zur Förderung der jüdischen Musik in Palästina be- . schloß, ein Konservatorium als „Heimstätte für jüdische Musik" in Jerusalem zu errichten.— Bei den Bäckern der Stadt herrscht noch der llstündige Arbeitstag. Um die Tagesarbeit auf 10 Stunden zu reduzieren, traten die jüdischen und arabischen Bäckergesellen gemeinsam in den Streik. Es kam zu wüsten Ausschreitungen gegen Nichtstreikende Arbeiter. Newyork. Im Hause eines Kofcher - Geflü g e lh än d le rs in Brooklyn explodierte eine Bombe, die fünf Menschen, unter ihnen den Händler und seine Fxau, schwer verletzte. Das Haus wurde erheblich beschädigt. Der Betroffene behauptet der Untersuchungsbehörde gegenüber, daß das Attentat von Agenten des K o sch e r - G e f l ü g e l - T r ust s aus Rache dafür, daß er den Trust bekämpfe, ausgeübt wurde. Die Sache hat in Newyork großes Aufsehen erregt und man sieht der Klärung mit Spannung entgegen. der Beschaffenheit des Bodens eingeholL welche sehr günstig ausgefallen war. Des ferneren ist die Parzelle so. gelegen, daß wohl die ganze Fläche wird ausgenützt werden können. Die zu errichtende Synagoge ist vom Vorstand für ca. 100 Männer: und 80 Frauenplätze in Aussicht genommen, und .sind emige hiesige Baufirmen mit der Bearbeitung von Plänen betraut worden. Es wäre zu hoffen und zu wünschen, daß der Bau Nr. 36 Seite 5 EINLADUNG ZUR MODENSCHAU IM ZOO MONTAG, DENIO. SEPTEMBER NACHMITTAG 3 UHR EINLASS-KARTEN SIND AN UNSEREN KASSEN ZU HABEN M SCHNEIDER ZE! L ECKE STIFTSTR. der Synagoge nun bald in Angriff genommen werden kann, da die Platz- und Raumverhäktnifse im jetzigen Betlokal an der Thannerstraße längst absolut ungenügend sind, weshalb auch dieses Jahr am Rosch-Haschono und Jaum Kippur, um dem Platzmangel abzuhe-lfen, der Saal des Schützenhauses gemietet werden mußte. Der Palästina-Bericht der Mandatskommission vor dem Völkerbundsrat. Genf, 29. Aug. Dem Völkerbundsrat, der in diesen Tagen in Genf zu einer Session zufammentrktt,- wird der Bericht über die 13. Session der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes betreffend Palästina und Transjordamen unterbreitet werden. Dieser Bericht besagt u. a.: Die Kommission hat den Schwierigkeiten, die den Versuchen der jüdischen Siedlung in Palästina im Wege stehen, und den damit verknüpften Maßnahmen die jüdische Einwanderung in ein Verhältnis zu der ökonomischen Ausnahmefähigkeit zu bringen, ihre ganze Aufmerksamkeit gewidmet. Die Kommission wird gerne genaue Mitteilungen über die Reorganisation der Jewish Agency, die in dem Bericht erwähnt ist, entgegennehmen. Gleichzeitig mit den. Empfehlungen der 13. Session der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, die der in diesen Tagen in Genf zusammentretenden Session des Völkerbundrates unterbreitet werden sollen, wird auch das Protokoll der Sitzungen, in denen diese Entschlüsse gefaßt wurden, vorgelegt. Zu einer eingehenderen Aussprache in der Kommission gab das britische Abkommen mit dem Emir Abdullah von Transjvrdanien Anlaß. Vom formellen Standpunkt aus wurde die Frage aufgeworfen, ob England überhaupt berechtigt fei, ein solches Abkommen ohne eine oorangegangene ausdrückliche Zustimmung des Völkerbundsrates zu schließen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Frage berührt, w i> e weit die Regierung T r a n s j o r d a n i e n s berechtigt f^ei, Juden die Einwanderung ins Land zu verbieten. Colonel Symes erklärte, daß diese Frage ganz und gar von der Regierung Transjordaniens abhängt. Die Mitglieder der Mandatskommission machten ihn aber darauf aufmerksam, daß gemäß den Bestimmungen des Mandats in Transjordanien wirtschaftliche Gleichberechtigung zu bestehen hat und daß Transjordanin demgemäß nicht das Recht habe, die Einwanderung von jüdischen Bürgern aus Ländern, die dem Völkerbund angehören,zu verbieten. Dagegen hätte Transjordanien das Recht, palästinensischen Bürgern die Einreise zu verbieten, da Palästina nicht Mitglied des 022323484848480000025353482323235323235301234848232348235353300001005348235323532323

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.