Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1928)
- Date
- 1928-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 36 a) Das Neujahrsfest. Das Neujahrsfest kommt unter dex Bezeichnung aaw VK1 überhaupt nicht in der Thora vor. Ebensowenig verrät uns die heilige Lehre, daß es dt* ist, der Tag des Weltgerichts. Lediglich als ij/iin 11127' Gedenkzeit des Lärmblasens, und «1371171 di*' Tag der Zerua, wird das Fest bezeichnet. (3. B. M. 23, V. 24 — 4. B. M, 29, 1). Daß am 1. Tischri ein neues Jahr beginnt und das ernstfeierliche Gepräge, welches der Tag in der weiten jüdischen! Diaspora als l*in Di' besitzt, dies alles entstammt der mündlichen Lehre, der Mischna und dem Talmud. Es mag dies als eklatantes Beispiel dienen, wie tief die mündliche Lehre, die Tradition doch im jüdischen Volksleben und Volksempfinden verankert ist. — Im Talmud streiten Rabbi Josua und Rabbi Elieser darüber, wann eigentlich die Welt geschaffen wurde. Ersterer meint, am 1. Nissan, letzterer dagegen, am 1. Tischri. Wir halten es auch mit R. Elieser und feiern ms/n uwi am 1. Tischri. *) An diesem Tage rücken wir das Jahresdatum um 1 weiter, Heuer auf §689. Das Jahresdatum brauchten die jüdischen Bürger für ihre diversen Urkunden. (Schuldscheine, Quittungen, Trauungsformale usw.) Daher; yaiMte man das Jahr von Tischri zu Tischri^ „bü^gerstches Jahr". Dagegen beginnt mit dem 1. Nissan oas „Festjahr", so daß Pesach als erster Feiertag zu zählen ist.2) (Siehe 2. V. M. 12). Daß unser Neujahr mitten im Jahre beginnt, darf nicht weiter als verwunderlich gelten. Haben wir doch auch im gewöhnlichen Leben ein Schuljahr, ein Etatsjahr, ein Militärjahr und dergl., die sämtlich nicht mit dem 1. Januar beginnen. Im Gebete sprechen wir stets von 11127,1 di*' von 13/11/1 dt oder (am Sabbat) von nynn 11127* Nur in Palästina hat sich die Bezeichnung oder Formel 171 nivn u/ki 01*2 erhalten. Unter ns/nn verstehen wir gemeinhin den „schmetternden" (trillernden) Ton uN danach hat das Fest den Namen ,1371m m*. Eigentlich nur nach dem Schriftworte im 3. B. M. 23 und 4. B. M. 29. Wir gesellen dem Schmettertone noch emen längeren, dreifach gebrochenen zu, die 2*122/' ebenso einen einleitenden geraden Ton und die Schlußgerade, *) Die jüdischen Monatsnamen Nissan usw. stammen aus der Zeit des babylonischen Exils (586—516 vor I) und sind nicht recht deutbar. Vier von ihnen kommen bekanntlich im Buche Esther vor. -) Mit dein 1. Nissan fingen übrigens auch die jüdischen Könige ihre Regierungsjahre zu zählen an. Kam beispielsweise im Ador ein König auf den Thron, so begann schon im nächsten Monat (Nissan) sein 2. Regierungsjahr. _Der 8 r a c 11 t_. die. ,137'pri' Und dennoch heißt das Neujahrsfest nur .1371m vi*, Hierzu-.fei bemerkt: Im 50. Jahre, dem Jöbeljahre,. gab man unter Posaunenschall am. Versöhnungstage. Herr Altbesitzern die-Felder wieder zurück und entließ die Knechte in die Freiheit: D2X1K V23 1212/ 11*23/71 .6*1122,1 oi*3r Am Versöhnüngstage lasset den Schofarfchall ergehen durch all eure Lande. (3. -B* M. 25,9.) Durch Analogieschlüsse Urcb' Deutung textlicher Parallelen übertrug man" die Zahl und Ordnung der Jobelsignale auch auf das Neujahrsfest. So kam unsere heutige my’pn iiv zustande, die gegenwärtig noch gültige Töneordnung. Dennoch blieb die biblische Bezeichnung für den 1. Tischri mit nynn m* in Kraft. Ohne die Exemplifikation auf den 1122 di* des Jobeljahres wüßten wir eigentlich nicht einmal, daß man am i"i gerade den Schofar zum Blasen verwenden soll?) Bei den Falaschas heißt der 1. Tischri einfach „Schofarot". Als 11127.1 vi* wird iiv/.i pxi bezeichnet in begrifflicher Parallele mit dem Charakter des Tages als 1*1.1 dt» Der höchste Weltenrichter kann an Gerechtigkeit nicht erreicht werden, .da keiner wie Er allwissend ist, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennt, selbst die Gedanken und Gefühle jedes Einzelnen. Solchen Gedankengängen ist Die mittlere der drei Venediktionen gewidmet, mit denen das Muffafgebet des Neujahrsfestes bereichert wurde. r 1 (Schluß folgt.) v _;-x m Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Das Problem der jüdischen Wanderung vor der Interparlamentarischen Union. Berlin, 28. Aug. In der Sitzung vom Montag, den 27. August, trat die im Reichstagsgebäude zu Berlin tagende Interparlamentarische Union in die Erörterung der Probleme der Ein- und Auswanderung ein. Der Führer der jüdischen 3) Im Laufe der Zeit entstanden Zweifel, ob man unter nrnn den trillernden Ton verstehen soll oder den gebrochenen, (a’-oE?) Darum verbinden wir beide Arten.^ — Für den Laien sei bemerkt, daß im Tempel täglich geblasen wurde, mindestens 21 Signale, mitunter stieg die Zahl auf 48 bezw. 57. (S. Erachin. II, 3.) 6. September 1928 Arbeiterpartei in Lettland und Mitglied.des lettländisthen Parlamentes, M eisel, führte' u.-7«? aus: /; „Für gewisse Teile der Menschheit ist die Freiheit der Einwanderung von besonderer. Wichtigkeit! Dazu gehören auch die jüdischen Volksmassen Osteuropas, insbesondere die jüdische Arbeiterschaft, die ich im lettländischen Parlament vertrete und in deren. Namen ich die Ehre habe, hier aufzutreten. Gerade im Leben der jüdischen MassM^Mteüropüs .spielen sich' jetzt schwerwiegenLeDirtschastkichse Prozesse ab, diesen Ehaxäktob einer §fiesei5greisettden sozialen Umschichtung tragen und für einen bedeutenden Teil dieser Massen die Uebersiedlüng zu einer absoluten Notwendigkeit machen. . _ Ich anerkenne die Notwendigkeit gewisser Begrenzungen, die gegen die Einführung von Arbeitern seitens der Arbeitgeber mit dem direkten Ziel, die Arbeitslöhne herabzudrücken, gerichtet sind. Aber dessen ungeachtet muß. von einer Versammlung, deren Beschlüsse in erster Reihe moralische Bedeutung haben, ein Prinzip proklamiert werden, das dem fortschrittlichen modernen Bewußtsein entspricht, und das kann nur das Prinzip der internationalen Regelung der Wanderung und die Freiheit der Aus- 1 nd Einwanderung fein. Wir müssen an dem Gedanken festhalten, daß nicht nur ein Teil der Welt einem bestimmten Volke gehört, sondern daß die ganze Welt die Heimstätte der ganzen Menschheit ist." Bei der Abstimmung wurde im Gegensatz zu den Ausführungen Meisels die Resolution der Wänderungskömmission angenommen, die nicht eine internationale, sondern' nur eine z wis ch ensta a tli che Lösung der Wanderungsfrage vorsieht, in der Weife,, „daß die Staaten zeitweilige Verträge abschließen, die geeignet sind, entgegengesetzte Ansichten zu versöhnen und die wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisse des Auswanderers sicherzustellen." An die deutschen Inden! Berlin, 30. Aug. Der Allgemeine Rabbinerverband in Deutschland erläßt einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: „Unsere Verantwortung, unsere Sorge bewegt uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an bie deutschen Juden. Genug des Leids,, daß so vielen'von uns der Sabbat, dieser Quellpunkt unseres Familienlebens,, die Wurzel der edelsten Tugenden unserer Gemeinschaft,, der Tag unserer Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verloren gegangen ist. Sollen nun auch die ehrfurchtgebietenden Tage dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer fallen? . , Die „Tage der Umkehr" nahen. Möchte ein jeder den Willen und den Weg finden, die heiligen Tage ganz und ungeschmälert zu feiern. Möchte jeder jüdische Geschäftsinhaber seine Angestellten von jeder Arbeit an den hohen Tagen befreien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tieferes Bedürfnis ihres'Herzens ist, der religiösen 'Ti 1QN18 „Denn mögen die Berge weichen und wanken die Hügel, so soll doch meine Liebe rttchj von dir weichen, mein Friedensbund nimmer wanken, spricht dein Erbarmer, der Ewige!“ (Jesaja, 54,10). Meines Feuilleton. Hermon-Verlag erscheinende Broschüre, „Einige Grundzüge der aramäischen Sprache, des Talmuds" hingewiesen, die im Austroge der Erziehungszentrale des „Keren Hathora" (Merkas Hachinuch) zusammengestellt ist und ineinigen Wochen im Druck erscheint. ,7. .;ii Gailinger Ferieütage. , Lehrhilfsmittel der Erziehungszentrale des „Keren Hathora" (Merkas Hachinuch). Zu der vorzüglichen, bereits besprochenen Halacha-Tabelle von S. B. Jacobson, Hamburg 13, Kommt nun vom gleichen Schulmann ein Grammatikheft: ..Die Verben der Bibel nach! Tätigkeitsarten und Gruppen geordnet", hinzu. Beide Hilfsmittel werden^ sich rasch Beliebtheit in Schulkreisen erwerben. Die Halachä- Tabelle ist durchs Den Hermon-Verlag, Frankfurt a. M.. Rechneigrabenstratze 7, zum Preise von Mk 0.25> pro Stück, bei Abnahme von mehr als 10 Stüch für Mk. 0.20 pro Stück zu beziehen. Das G ra mmätikheft ist durch die Talmud Thora-Äealschule, Hamburg» Grindelhof30, oder durch die Buchhandlung S. Goldschmidt, Hamburg, Grindelallee 85, zum Preise von Mk. 080 pro Stück, bei Abnahme von mehr als 10 für Mk. 0,70 pro Stück zu beziehen. Die weiteren Verbenhefte sollen noch im Laufe dieses Schuljahres zum gleichen Preise pro Hest erscheinen. ' . Bei der Gelegenheit fei jetzt schon ausi die fon: Von Studienrat Gut in Köln. Hoch oben vom Bergesabhang blickt das Judendorf stolz hinab auf den jungen Rhein und die schweizerische Landschaft. Der „gute Ort", ein groß und stimmungsvoll angelegter Friedhof mit Jahrhunderte alter Geschichte grüßt zuerst die von Konstanz und Zürich kommenden Söhne und Töchter, die es immer wieder nach der trauten Heimat lockt. In der obersten Reihe ruhen die großen Führer der Vergangenheit, Oberlandes- und Ortsrabbiner altjüdischen Formates. Auch für die Lebenden wurde stets musterhaft gesorgt; ein jüdisches Krankenhaus, nach Yen neuesten Forderungen eingerichtet, in streng gesetzestreuem Sinne geleitet, nimmt gegen mäßige.Bezahlung ortsansässige und auswärtige" Glaubensgenossen auf, die hier körperliche und seelische Gesundung finden. Gegenüber, am Bergesabhang' das „Friedrichsheim", Altersheim der badischen Judenheit, musterhaft geleitet von einem gelehrten Direktor und tüchtigen'Arzte, .beide Zierden der badischen Gesetzestreuen. lieber alle wacht das geistige Oberhaupt, der 'junge Rabbiner, der es in kurzer Zeit verstanden hat, Männer und Frauen, Jünglinge , und Jungfrauen, Knaben und Mädchen zu Thora-Schülern zu machen. Alltäglich, morgens und abends, finden Schiurim statt für Anfänger und- Fortgeschrittene, die alle regen Zuspruch finden. Rückt der' cheikitze-' Sabbüst 'heran; köisttübn Die während der Wochentage draußen im. badischen Oherlande oder in der Schweiz' tätigen Männer nach Hause, dann liegt Sabbatstimmung auf der Straße, in den Wiesen und Feldern, dann zieht das Dorf fein-Festtagskleid an, die große Synagoge füllt sich, der vierstimmige Männerchor fingt feine schönsten Weifen, die der aus einer bekannten Münchener Kantorenfamilie stammende Vorbeter mit ihm leinübte. - . - ,; Eber Wehmut beschleicht -unser Herz, wenn wir an die Zukunft denken. Während die christliche Bevölkerung, durch Zuzug und Geburten-Ueberschuß ständig zunilmmt, geht die jüdische Seelenzahl rapid zurück. Die Alten scheiden dahin, die Jugend heiratet nach auswärts, Nachwuchs fehlt. Das christliche Sanatorium ist stets überfüllt, der herrlichen Lage und. kräftigen Luft wegen kommen Erholungsbedürftige aus weiter Ferne herbei, während die jüdischen Gasthöfe leer stehen. Endlich sind Bestrebungen im 'Gange .durch moderne Ausstattung auchgesetzestreuen Brüdern und Schwestern es zu ermöglichen, ihre Ferien oder ihren Lebensabend in der herrlich! gelegenen, gesunden, oberrheinischen Landschaft zu verbringen. Möge es gelingen, die altehrwürdige Gemeindewieder zu ihrer alten Blüte zu bringen! «eHKiite Bevorzugt von der anspruchsvollen Hausfrau, Außergewöhnliche Vorzüge, Trotzdem niedriger Preis.. EHAGE&C? am ESCHENHEIMER TOR 3.