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Der Israelit · 1928-09-06 · Heft 36 (6.9.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 36 (6.9.1928)
Date
1928-09-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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■r rr 6. September 1928 Zielen waren, doch d a s ^gemeinsam hatten, daß sie in den Jahren des Zusammenbruches zerstörte Verbindungen zwischen den Völkern Europas und die über das große Meer hinaus wieder aüfzubauen sich mühten. Neben politischen'Und wirtschaftlichen suchte man auch g e i st i g e B rü ck e n zu schlagen. Daß bei all dem der Anteil der Juden eminent war, ergibt sich einerseits aus der Rechtslage der Juden in den Oftländern und dann aus dem Prozentsatz der jüdischen Beteiligung am g e i st i g e n K a - p i t a l Europas. Kaum eine internationale Versammlung in der Reihe der großen Welttreffen, aus der nicht der Jude als Objekt oder Subjekt der Verhandlungen eine gewisse Rolle spielte. Auf der Tagung der Inte r p a r l a m e nt a r i s ch e n Ü n i o n in Berlin sprach Meis e l über jüdische Arbeiter- und Wandersragen. Auf dem Internationalen Studenten k o >n g r e ß in Paris stand der Num e r u s C l a u f u s in R u m ä n i e n wohl nicht offiziell auf der Tagesordnung, aber zwischen den Zeilen derselben schaute er durch und beherrschte oft genug Ausschüsse und Plenum. Hier waren es die E n g l ä n d e r, die auf einer Behandlung der Frage-bestanden, ohne Rücksicht auf die Ueberempfindlichkeit der Rumänen, die kneifenwollten und diesem heiklen Punkte scheu aus dem Wege zu gehen suchten. Eine noch größere Rolle spielte natürlich die Juden-frage auf dem M i n d e r h e i t s k o n - g r e h in Genf. Hier gehörten einige Juden auch zur Führung, so Leo M o tz k i n, Dr. R o - binson aus Litauen und der lettländische Deputierte N u rock. Eine Resolution für die B e s s e r u n g d e r p o l i ti s chen und kulu r e l l e n B e z i e h u n g e n z w i schenden einzelnen Nationalitäten im Rahmen des Staates setzte Robinson durch. Eine Verbeugung an die Juden und eine Würdigung ihrer Mitarbeit an diesem ^Kongreß bedeutet schließlich die Wahl M o tz k i n s m das Präsidium. Motzkin schilderte in seiner Eröffnungsrede die freudigen Hoffnungen, mit denen die Juden der ganzen Welt dem V ö l k e r b u N d e und seinen Arbeiten entgegensahen und noch sehen. Es klang sehr hübsch, als er auf dieser von Juden immerhin nur wenig besuchten internationalen Versar^mlung mit Bezug, auf die eigenen und Sonderinteressen, die die Völker und den Völkerbund zwingen, auch den Juden Gerechtigkeitwiderfahren zu lassen, das talmudische Wort in hebräischem Wortlaut zitterte: „Mitoch schelo lischmo, bo lischmo". _ Der Israelit _ Es fei noch zu bemerken, daß man bei Nenung der Nationalitätenrechte der Juden noch nicht überall und unbedingt an n ati o n a l e Ä s p i r a t i o n e n in zionistischem Sinne denken muß. Es liegt einmal in der Struktur der-neu gebildeten Ostländer und Randstaaten', daß dorr den Juden.wie anderen Konfessionen ein eigener nationaler Kataster und eigne nationale Vertretung im Parlamente zugewiesen sind. Jüdische und auch r e in r e l i g iö s e Interessen wahren, heißt in diesen Ländern zumeist soviel, wie die Minderheitsrechte der jüdischen Nationallität vertreten-. Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang der I n t e r n ationale Orientsl i st e n -Kongreß in Oxford bleiben. Hier bekam man aus jüdischem Munde schon mehr zu hören,, als uns lieb ist und in unsere Sinne Eingang findet. Man hat beinah das Gefühl, als wären die bleichen Geister aus der alten Welt der „wissenschaftlichen" Hypothesen und Spekulationen, die heute auf jüdischen Versammlungen keinen Platz mehr finden, ihren Gräbern entstiegen, um vor dem großen Forum einer nichtjüdischen Oeffentlichkeit noch einmal ihr gespenstisches Scheinleben zu zeigen. Ein Dr. Julian Morgenstern, natürlich aus Cincinattt in Ohio, referierte über den „Ursprung der Neila", den er im „Kult der Sonnenverehrung bei den alten Völkern" zu finden glaubt. Dazu wartete er mit einer angeblich altjüdischen Kalenderberechnung auf, die die Verwirrung im Kopfe dieses sonderbaren Herrn aus Ohio vollends demonstrierte. Ein Professor Albright hat auf dem Wege der palästinensischen Archäologie die überraschende Entdeckung gemacht, daß die Eroberung Kanaans durch die Juden in dem und dem Jahre vor der üblichen Zeitrechnung durch Jofua vor sich gegangen ist. Das wissen unsere Kinder auf der Schulbank, sobald sie Pentateuch gelernt und aus dem Buche Josua etwas erzählt bekommen, ohne von den Offenbarungen der „palästinensischen Archäologie" etwas zu ahnen. Ein Dr. S. A. Cook stellte sich die Aufgabe, die Frage zu beantworten, „w a rum Jerusalem die S't a d t der Gerechtigkeit genannt wurde?" Wir BiOXULTDA Dis sfarkschäumencfe Sauerstoff-Zahnpaste wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnoasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 60 Pf. BIOX-MUNDWASSER Flasche 1,— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne. Drob e-Flasckie gratis. Max Elb A. G.. Dresden Nr. 36 Sette 3 würden einfach sagen, „Denn von Zion geht die Thora aus und das Wort Gottes von Jerusalem!" Der gelehrte Herr hat aber etwas vom „Salz als Symbol der Haltbarkeit" gehört und sucht im Mysterium der wertvollen Salzsubstanz, die Jerusalem und Judäa reich machte, den Urgrund für den Gerechtigkeitsbegriff. Daß man gelacht hat, verzeichnet der Bericht nicht. All dem gegenüber war schon erfreulich, aus dem Munde des Wiener Gelehrten Dr. A. Kaminka zu hören, daß die von der Bibelwissenschaft gern vorgenommeNe Zweiteilung des Buches Jesaja in der assyrologischen Wissenschaft keineswegs begründet sei. Kaminka vertritt, «nach dem uns vorliegenden Berichte, den Standpunkt, daß alle poetischen Teile der Bibel und die Psalmen aus der Zeit vor dem ersten Exil datieren. Das klingt uns gar zu bedingt, und wir dürfen doch annehmen, daß Kaminka bei dieser Gelegenheit auch ein Wort für den G ö t t li ch k e i t s ch a r a k t e r der Thora gehabt hat. Die Namen der Tischrifeste?) Bon A. Mannheimer in Dettelbach. Namen mögen sonstwo Rauch und Schall sein — im Judentum sind sie es nicht. Schon die Schöpfungsgeschichte gibt hier bedeutsame Hinweise. Es genügte dem Allmächtigen nicht, seine Welt ins Dasein zu rufen, er gab den Dingen sofort auch sehr bezeichnende Namen. Das Helle nannte er Tag, die Finsternis Nacht, die Wölbung Himmel, das Trockene Erde, den ersten Menschen Adam, seine Frau Chawa (Lebensmutter) usw. Adam sollte im Paradiese auch Namen austeilen, allen lebendigen Tieren, die Gott ihm zuführte. Es sind uns die Namen der drei Erzväter gedeutet, es wird -ausführlich genug erzählt, woher jeder der zwölf Stämme seinen Namen hat. Moses ist der aus dem Waffex Gezogene." usf. Auch die Festtage tragen Namen, die Wesen und Gehalt der ersteren prägnant umschreiben. Bald wird der farbenprächtige Kranz der Tischrifeiertage an unserem Auge vorüberziehen wie ein Kaleidoskop mit stets wechselnden Bildern. Nicht jeder vermag vollinhaltlich zu erfassen, was die gebräuchlichen Bezeichnungen der d'hi» m»' nacheinander uns sagen möchten. Und doch sollte es jedermann wissen. Wir wollen in Kürze hier das Nötigste zusammenfassen. *) Auf Wunsch unseres Mitarbeiters bringen wir diese für Schule und Haus berechnete volkstümliche Darstellung. D. Red. Aber eines bleibt, auch zur Zeit der beginnenden Neige, der M i n ch a ze i t: das ruhige Gottvertrauen, das allem standhielt und standhält, auch der Wende des Geschicks. Gesteigerte Inbrunst faßt im Schmerz des Lichtniedergangs das jüdische Volk, die jüdische Einzelpersönlichkeit. Aber auch gesteigerter Stolz und gesteigerte Hoffnung. Ein Volk, das Märtyrer unerreichter Art heroorgebrachi hat, hat auch Mtzrtyrerkraft noch in sich. Sie wird einmal siegen. Neil ah. Die ganze heiße Innigkeit, das ganze schwere Schluchzen, die ganze lohende Sehnsucht des Tages noch einmal zusammen-gedrängt, zusammengepreßt. Noch ists Zeit zur Rückkehr, aber kurz gemessene Zeit. Noch sind die Pforten geöffnet —1 wie lange noch? Rückblick und Umschau auf die Wochen der Einkehr und- Buße. Letztes Bangen, Hoffen, Flehen um Erbarmen. Letzter reiner kraftgeschwellter Vorsatz. . Letzter? Ja, letzter Vor saß, den das Werktagsleben zur Tat reift. „Mit Schema Jisroel und; siebenfachem xinn leistet Israel seinem Jom Kippur den Treueid -des Lebens." In ruhiger Würde klingt das Buch aus. Zur Lehr und Wehr. Von Jacob Teßler in Nürnberg. (Schluß.) «Der Heilige, gepriesen sei Er, schafft Recht den Unterdrückten. Juden und der Nichtjuden; darum hintergehe man keinen, wodurch Gottes Name entheiligt werden könnte' «Sefer Chastdim" 661) Man füge einem Nichtjuden kein Unrecht zu; wer sich aber hiettiber hinwegsetzt, wird, ob früher oder später, von Gott heimgesucht werden". (Daselbst Abschn. 10017). „So wie du verpflichtet bist, treu und rechtschaffen gegen deinen Glaübensbruder zu sein, so mutzt du auch mit den Nichtjuden verfahren; selbst wenn sich letzterer zu seinem Nachteile geirrt hat, ist es deine Pflicht, ihn auf den Irrtum aufmerksam zu machen, damit der Name Gottes durch dich nicht entweiht wird (Daselbst. Abschn. 398). «Wenn du dich in größter Not befindest, so nimm lieber die Wohltätigkeit hr Anspruch, als daß du dir unrechtmäßiges nichtjüdisches Gut aneignest". — (Daselbst. 10080; siehe auch «Beer — Hagola" oonM. Ribkes. zu Choschen Mischpat § 348, wie auch Don—Didal Menahem «Meiri". zu «Schita M'kubozit", Baba Kama, 113, die sich in gleichem Sinne in Bezug aus Nichtjuden äußern). — «Wer einen Nichtjuden beraubt und dies abschwört, gibt es keine Sühne, selbst wenn er das geraubte Gut nach dem Ableben des Beraubten, deffen Kindern zurück erstattet, wegen der Entweihung des göttlichen Namens! (Tofesta Baba Kama Abschn. 10, Magen Abraham daselbst). R. Isaak ben Schescheth, Barfot, abgekürzt «Ribasch" genannt, sagt in senen Responsen 119: (anman a'2Vin am a^anpa) In diesem Sinne sind alle Rechtsbescheide unserer jüdischen Schriftgelehrten, die hier einzeln nicht aufgeführt werden können/ Aber die obigen Zitate, die jeder Kundige prüfen kann, sagen doch zur Genüge, welch unerhörter Mißbrauch mit unseren heiligsten Gütern getrieben wird. Wenn irgend im Talmud und im jüdischen Schrifttum ein hartes Wort gegen „Akum" vorkommt, so sind darunter nur jene Stockheiden und Götzendiener gemeint, wie schon die Abbreviatur dieses Wortes es sagt: Obde — Kochobim Ilmasoloth", d. h. Anbeter der Sterne und Planeten, die ihre eigenen Kinder dem Moloch durch Verbrennung opferten, nur das Faustrecht kanntrn, vor nichts zurückschreckten, also die sittliche Weltordnung untergruben. Die im Talmud vorkommenden Auslassungen gegen die «Akum" haben aber gar keinen Bezug aus das Christentum oder sonstige Konfessionen, die die bereits obenerwähnten sieben noachidischen Gesetze anerkennen, wie dies von den Dosaphisten und all unseren Decisoren sestgelegt ist. So z. B. sagt Remo (Jsserles): ..Die Nichtjuden sind längst nicht mehr als Heiden zu betrachten, denn sie glauben trotz ihrer Trinität an den Gott des Himmels und der Erde" (Tur Orach- Chajim § 156, Darke-Mosche, zur Stelle). Aber selbst für diese Stockgötzendiener finden die Talmudweisen an vielen Stellen auch freundliche Worte und geben uns auch denselben gegenüber gewisse Pflichten der Menschenliebe auf. „Man ernähre die Armen der Heiden gleich den jüdischen des Friedens wegen". (Talmud Gittin 61, Maimonides, Matonout-Aniim, Abschn. 7,7; Hilchot Akum, 10,5, Hilchot Melachim, 10,12; Tur Iore-Deah § 151,12). So gebieten die Lehrer des Talmud, selbst den Armen und Kranken der Heiden unser Herz nicht zu verschließen, ihren Toten Liebesdienste zu erweisen, gegebenenfalls sie zu bestatten, während die Jünger anttsemitische Lehrmeister sich an den Gräbern unserer Toten austoben; das Heil und die Zukunft Deutschlands durch Schändungen jüdischer Synagogen und Verwüstungen jüdischer Friedhöfe zu retten erhoffen! Genau so wie sie unsere heilige Lehre, unseren reinen Gottesquell, an dem sich ganze Welten laben, durch falsche Interpretationen mit ihrem Geifer trüben und verunreinigen! Nun denn, wir halten um so treuer zu unserem Bunde mit Gott und der Lehre. Die göttliche Verheißung wird, ob früher oder später, einmal zur vollen Wahrheit werden: mvaani ina1» annn '2 narr vian rr? 'ai?V nnai via' rr^ *jnsa ’iom naaian 1

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