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Der Israelit · 1928-08-30 · Heft 35 (30.8.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 35 (30.8.1928)
Date
1928-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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¥ Lss MM 'irrar« ttd'd«! ffgjr?rI L Bi g B ■Miifliiyq ,"-nrv >'B=S mflmiii WMWs •JiSnUHSN Zur Rabbinerwahl. Der Vorstand der Synagogengemeinde „Israelitische Neligionsgesellschast" veröffentlicht folgende Anweisungen für die mit der Ueberwachung des Wahlgeschäftes betrauten Wahlkommissare: Beim Betreten des Wahllokales ist jedem Wähler ein Wahlzettel für Herrn Rabbiner Dr. Raphael Breuer und ein weißer Zettel einzuhündigen. Jeder Wähler hat hinter den Wahlschirm zu treten, um dort seinen Zettel in den Umschlag zu legen. Der Wohlkommissar ist verantwortlich für den Schutz des Wahlgeheimnisses und hat einzuschreiten, falls der Versuch unternommen wird, die. Wähler bei der Einlegung des Zettels in den Umschlag zu beobachten oder sonst zu beeinflussen. Der Wähler nennt dem Listensührer seinen Namen, woraus dieser als Bestätigung der Eintragung den Namen laut wiederholt. Der Wahlkommissar nimmt vom Wähler den Umschlag entgegen und legt ihn in dessen Gegenwart in die Wahlurne. Der Kommissar hat insbesondere dafür Sorge zu tragen, daß keiner seinen Umschlag selbst in die Urne wirst. An jeder Wahlurne hat ein von Wahlkommissar Beauftragter ständig die Aufsicht zu führen. Es hat n i e m a n d ein Recht, an der Wahlliste auch nur die geringste Aenderung vorzunehmen. Zur Wahl wird keiner zugelassen, der nicht in der Liste aufgeführt ist. Jede Seite der Liste trägt den Dienststempel der Gemeinde. Bestehen Zweifel hinsichtlich der Person des Wählers, so ist eine Legitimierung auf Grund, eines ausreichenden Ausweises zu verlangen. Es sind, nur Zettel gültig, die den Namen des Kandidaten enthalten oder unbeschriebene Zettel. Zettel, die Streichungen oder Zusätze aufweisen, sind ungültig. Ungültig ist ein Wahlzettel, der auf eine Persönlichkeit lautet, die vom Vorstande nicht in Vorschlag gebracht worden ist. Gültig ist eine Stimme, sofern ein Umschlag zwei oder mehrere gleichlautende Zettel enthält, die dann als eine Stimme zählen. Enthält ein Kuvert einen bedruckten u n d einen weißen Zettel, so ist die abgegebene Stimme ungültig: ebenso ist ein leeres Kuvert als ungültig zu werten. Alle in amtlichem Aufträge im Wahllokal tätigen Herren haben sich der Neutralität zu befleißigen und jede Aeußerung zu unterlassen, die auch nur den An-' schein einer Parteinahme erwecken könnte. Es wird von dem Takt eines jeden erwartet, daß in dieser Hinsicht kein Grund zu einer Klage gegeben sein wird. Zur Verwendung kommen völlig undurchsichtige Umschläge. Die Woche. Frau Emma Mainz ny. Im Alter von 60 Jahren ging Frau Emma Mainz, geb. Fränkel von dannen. Entsetzen bemächtigte sich der großen Schar derer, 'die die Arbeitskraft, die Energie, den felsenfesten Willen dieser seltenen Frau kannten, aber nicht, wie die Näherstehenden, wußten, daß der starke, schöpferische Geist sich schon seit Jahren in einem zerbrechlichen Gefäß, einem kranken Körper befand. Wer konnte es auch ahnen, der da sah, wie Frau Mainz früh und spät auf dem Posten war im Dienste an der Gemeinschaft, für ihre Brüder und Schwestern, stets voller Initiative und kluger Voraussicht, mit sehenden Augen und denkendem Geist, schöpferisch und aubfauenb. Sie ist nicht mehr, und hier ist das Wort von der „unersetzlichen" Lücke keine bloße Redensart. . . Aus dem Stamme der Fränkel in München (Schwester des Kommerzienrat Sigmund Fränkel ^"st) kam sie vor vielen Jahren hierher, um an der Seite des unvergeßlichen Lazar Mainz >"2T neben der Heimat im einfachen Sinne, im Sinne eines Heimes des Friedens und des Glückes, auch eine Heimat f ü r i hre Seele, für ihren nach Werken der Liebe drängenden Opfersinn zu finden. Eine Anstalt, die sie zum unermeßlichen Segen gegründet und in drei Jahrzehnten ausgebaut hat, weint um Emma Mainz buchstäblich wie um die liebforgends Mutter: die Jüdische H a u s - haltungsschule in der Königswarterstraße. Vor drei Jahrzehnten, zu einer Zeit, da man von Zentralisation und Sozialisierung der Wohltätigkeit noch wenig wußte, erkannte schon Emma Mainz die viatle Notwendigkeit eines Hauses, in dem jüdische Töchter in zweckmäßiger Weise und unter jüdischen Grundsätzen für Haus und Herd erzogen und ertüchtigt werden. Und Frau Mainz gehörte nicht zu denen, die einer? Gedanken, eine Idee, wenn sie sie einmal ersaßt haben, Idee sein lassen. Sie ging an die Arbeit und blieb an der Arbeit bis zuletzt Dvsn »2 rm’- bis zum Sonnenuntergang ihres Lebens. Sie hatte sich schon lange gesenkt, die Sonne, aber sie ließ es nicht merken, denn ihr Leben gehörte bis zum letzten Atemzuge ihrer Schöpfung. — Sie harrte aus mit Energie und nie versagender Tatkraft und Pflichttreue, den Lehrerinnen eine gütige Freundin, jeder Schülerin eine mütterliche Beraterin, den Verwaltungsmitgliedern eine aneifernde Führerin. Emma Mainz als Gattin und Mutter in ihrem Leben im Hause und außerhalb desselben zu schildern, — wie wohl sich auch hier manche typischen Züge heroorrehren ließen —, wäre banal im Hinblick auf ihre aufopfernde Arbeit für ihr Lieblinaswerk, -die im Zentralpunkt ihres Lebens und. Schaffens stand. Ein Denkmal hat sie sich, wie kaum einer, im Leben errichtet, das dauernder denn alle Denkmäler aus Erz und Stein ihren Namen der Nachwelt zum Segen erhält. n"axan Jüdische Frauenvereinigung e. V. Die Jüdische Frauenvereinigung e. V., Frankfurt a. M. vermittelt religiösen Alleinmädchen, Köchinnen, Kindergärtnerinnen und Stützen Stellung in rituell geführten Haushaltungen. Sprechstunden der Stellenvermittlung: Schützenstratze 1, pt., Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nachm. 3—5. Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose. Der Kämpf gegen die schlimmste Volksseuche, die Lungentuberkulose, kann nicht energisch genug, geführt werden. Die Ziehung der großen Wertlotterie zur Bekämpfung der Tuberkulose findet am 26. September statt. Einen interessanten Ueberblick über die hauptsächlichen der mehr als 6600 Gewinne umfassenden Lotterie, deren Gesamtwert Mk. 90.000 ist, bieten zwei Ausstellungen, die in je einem Schaufenster des Kaufhauses Wronker und des Kaufhauses Hansa gegenwärtig stattsinden. Man sieht da u. a. eine Wohnungseinrichtung, zwei große Silberkasten, Bilder, Radierungen und Plastiken berühmter Künstler, so einen Bronceleuchter des bekannten Frankfurter Bildhauers Benno Elkan, Speiseservice, silberne^ Aufsätze und Schalen, Fahrräder, Lederkoffer, Radioapparate, Wäschestoffe und viele sonstige Gebrauchs¬ und Luxusgegenstände. Lose sind an allen Kassen der beiden genannten Geschäftshäuser erhältlich. Jüdischer Turnerbund e. V. Am Sonntag, den 2. September veranstalten wir eine Taunuswanderung nach Finsterthal und Tenne. Da dies die letzte Wanderung von den Feiertagen ist, hoffen wir auf recht große Beteiligung unserer Mitglieder und Freunde. Treffpunkt 6,30 Uhr, Hauptportal Hauptbahrhof. (Fahrpreisermäßigung.) Bilder von der Rheinreife der Aguda. Zu dem Artikel „Die Agudajugend fährt zur Loreley" in der jüngsten Nummer des frankfurter Israelit str noch zu bemerken, daß Bilder von dieser Rheinreise in verschiedener und ausgezeichneter Aufnahme bei Arno Katz (Atelier Bermann), Seilerstraße 6 (Telephon Römer 2013) zu haben sind. Verein ZRonfefiore. Der Verein „Montefiore" veranstaltet am Montag, den 3. September, abends 8,30 Uhr im Volksbildungsheim, Saal 5, eine öffentliche Versammlung, in der Jakob I a c 0 b s über das Thema „Als Jude auf dem Weltjugendkongreß in Eerde" sprechen wird. Oberkankor Alter fingt in Frankfurt. Am Sonntag, den 2. September, 11 Uhr vormittags fingt im Neuen Theater in einer Matinee-Veranstaltung der Zionistischen Frauengruppe ' Oberkantor Aller- Hannover hebräische Gesänge und Volkslieder. Eintrittskarten in allen bekannten Buchhandlungen zu haben. Zur Geschichte des Hauses Rothschild. Von Louis Lamm in Berlin. Eortt har bei feinem neuen Buch*) Angst, in den Fehler mancher 'Schriftsteller, die über die Rothschilds schrieben und dann vielfach in lächerlichste Liebedienerei gerieten, zu verfallen. Er legte seinem Buch die gegenteilige Tendenz unter und zwar in einer Weise, daß im Interesse der Wahrheit Widerspruch erhoben werdenmuß. Ich gestehe, daß. mir diese Tendenz das Lesen des inhaltsreichen und zum großen Teil sehr interessanten Buches vergällt hat, denn siekonnte vermieden werden ohne übermäßige Lobeshymnen auf die Rothschilds, die ja auch kein Mensch in einem wissenschaftlichen Buch' erwartet. Man spürt, daß es Herrn Comte Corti ordentlich Freude gemacht hat, ein paar Briefe von den Rothschilds aus der Anfangszeit ihres Geschäftes aufzustöbern, die in mangelhaftem Deutsch und mit fehlerhafter Orthographie geschrieben sind (S. 43 u. S. 153). Daß die Hofkamarilla sich darüber, wie Corti . berichtet, lustig machte, ist begreiflich. Wer aber die Verhältnisse der Juden zu Anfang des 19. Jahrhunderts kennt, wird es aber auch gut begreifen, daß ein großer Teil dieses Volkes, das von fast allen Bildungsstätten, ausgeschlossen toar, in solchen Dingen naturgemäß rückständig war und sein mußte. Berücksichtigt man diese Lage der Juden vor 130 Jahren, dann stellt der Rothschildsche Brief vorn April 1805 eine recht gute Leistung dar. Was er sagen wollte, hat er recht deutlich zum Ausdruck gebracht, und die Technik des Brieffchreibens hat er nicht durch gelehrte Haushofmeister, wie sie beim Adel üblich waren, sondern als Autodidakt gelernt. Uebrrgens gab es zu jener Zeit auch Adelige, ja Staatsmänner und sogar auch Fürsten, die mit der deutschen Sprache auf dem Kriegsfüße standen. Ich bin gerne erbötig, Bewezse dafür zu bringen. ' - Oder was will es besagen, daß Friedrich von Gentz in einem Brief (S. 222) niederträchtig auf die Rothschilds schimpft ( . . . sie sind gemeine, unwissende Juden . . . bloße Naturalisten . . .), während er in einer anderen Arbeit überschwängliches Lob auf die gleiche Familie >ausfchüttet? Ist das eine Charakteristik der Rothschilds, oder nicht vielmehr ein Beweis der Charakterlosigkeit des Gentz, der nachgewiesener Weife große Vorteile von den Rothschilds hatte? — An einer anderen Stelle berichtet Corti, daß man den Rothschilds gerne gestattete, ihre Briefe den Staffetttzr der Diplomatie mitzugeben. Man pflegte dann ihre Briese heimlich zu öffnen, da man ihre Geschäfte kennen lernen wollte. Das war also — nicht zu bestreiten — eine Gemeinheit, wenn auch solche Dinge damals gang und gäbe waren. Nun kam es auch manchmal vor, daß sich hohe und höchste Herrschaften der Rothschildschen Staffetten bedienten,« und dazu sagt Corti, die Rothschilds hätten dann mit diesen Briefen das Gleiche getan. Meso weiß er das? Wenn die Gesandtschaften eine Niederträchtigkeit begingen, müssen die Rothschilds unbedingt mit gleicher Münze heimgezahlt haben? Ihre geschäftliche Moral, ihre unbedingte Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit wird nirgends bestritten, aber zum Vorwurf wird ihnen gemacht, daß sie überall und bei jedem Geschäft Geld verdienen wollten. Glaubt Herr Corti, daß die vielgerühmten Fugger oder andere christliche Kaufteute aus einem anderen^. Grund, als um Geld zu verdienen, jemals Geschäfte gemacht haben? > *) Der Aufstieg des Hauses Rothschild. Leipzig 1927. Jnselverlag. ' 1

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