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Der Israelit · 1928-08-30 · Heft 35 (30.8.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 35 (30.8.1928)
Date
1928-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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30. August IM; 2) e t 3«raelit Nr. 35 gelte s „Volkstum und Religion", das „Verhättnis der ReligiP'n zu ihren Trägern",, die „Rolle der Afsimllation innerhalb 'der nationalen Ideologie" würde man sich schon leicht verständigen. Warum auch nicht? Die Doktrin der zur P x i v a t s a ch e d e g r a dierte nR eli g i o n, wie-sie der Zionismus vertritt, d e ck t s i ch no l lk omm en mit d er re ligiö s en Auto - n o m i e d e r P e r s.ö n.l i ch k e it" des Liberalismus. Soll es auf Grunidlage dieser „Autonomie der Persönlichkeit" 'überhaupt noch Zusammenhalt und Zusammenhang geben, so kann es nur im Rahmen der n a t io n a l e n B eroeg U ü g sein. Das hat der Zionismus mit gutem Instinkt herausgefühlt und danach gehandelt, und er ist konsequenter, als der Liberalismus, in dem man diesem Problem scheu und schämig, im Gedanken an alte kosmopolitische Traditionen, peinlich aus dem Wege geht. Wir aber haben 'wieder einmal etwas gelernt: Mcht aus diesem hilflosen und verzweifelten Tappen uNd Suchen der „Erwachenden" und „Ringenden" im Liberalismus wird die Hilfe kommen. Habt ihr einmal das große Richts erkannt, vor das Euch emie liberale Entwicklung von bald hundert Jahren gebracht hat, so habet den Mut und leget ein volles Bekenntnis z u r T a i ab! Tat und G l a u b e, G e s e tz und Lehre, G e b o t un d I d e e , heißt die Synthese, nicht umgekehrt! WochenMNdschau, Eine ave Arkunde und ein »euer Patt. Die Vertreter der Regierungen^ in Europa und Amerika, die. sich diese Woche in Paris zu einer Kundgebung für die Aechtung des Krieges und Abschließung des sogenannten Kell o g g - P a k t e s trafen, Unterzeichneten im Grunde eine Urkunde, die weit älter ist, als das von Kellogg und seinen Sekretären ausgefertigte Schriftstück. Die Aechtun g des Krieges ist ebenso in den heiligen Urkunden unserer Gotteslehre wie in denen von Jesajas und Secharja niedergelegt. Trüge die Botschaft, die über den Atlantus zu uns gelangt und in der Hauptstadt Frankreichs jetzt ihre Freunde und Weiterkünder in den führenden Köpfen Europas findet, jenes göttlichen und prophetischen Geistes einen Hauch in sich, wahrlich, die Welt hätte Grund, mit dem Propheten des Trostes aufzujauchzen: „Auf und leuchte, denn es geht Dir Licht auf... Siehe, Dein Erlöser ist nahe!-" Manch einer, verzweifelt an Europa und dem,^was man bis 1914 darunter verstand, denkt dabei an das Wort von der „Botschaft, die man hört usw." Es sind aber zurzeit so viele der Kanäle, durch die Friedenswille und Friedensgeist dem Zentrum des Völkerlebens Zuströmen (Interparlamentarische Union in Berlin, Internationaler Jugendkongreß, „Nie wieder Krieg" usw.), daß man doch nun glauben könnte, der größere Faktor im Völkerleben, der mehr wiegt, als die Menschheitsträume und die ewigen Ideale: die Vernunft habe es jetzt übernommen, der Propheten alte Verheißung einzulösen. Die reale Logik der Amerikaner begründet die Aechtung des Krieges sozusagen mit dem hürgerlichen und Strafgesetzbuche, das in jedem Kulturstaat zu Recht besteht. Was minerhalb eines V o l k e s rechtens ist, müsse auch im z je i s ch e n st a a t l i ch e n Lehen gelten. Hier wie dort müsse jede r G e w a l t a k t a u S g e - s ch l o s s e n b l e i b e n. Es sei denn, daß man im Verteidigungszustand sich seiner Haut wehren muß! Es ist nicht zu verkennen, daß in diesem „Es sei, denn" der gefährliche Haken liegt. Welches Volk wollte im Ernstfälle nicht das abgegriffene sein, sich nicht in Notwehr befunden haben?! Eine Schuldfrage in Völkerkriegen hat die Geschichte noch nie lösen können; was für die einen; unumstößlicher Nachweis, ist für die andern? Schuldlüge. Das Selbstverteidi-; Zungsrecht ist auch im Kellogg-Pakte noch dehnbar genug, daß schon aus diesem Grunde viele Länder keine Bedenken tragen, ihn zu unterschreiben. Noch ist es somij kein jesajanischer Pakt. Wolf und Lamm weiden noch nicht beisammen, aber der d e u t s ch e A u ß e nm in ist e r sitzt mit Bri an d und Poincare an einem Tische. Amerika, das mit seinem Material, seiner Arbeit, seinem Gelde und seiner Technik den Ausschlag im großen Völkerringen gegeben hat, wirft nun seinen gesunden Menschenverstand in die Wagschale für die Befriedung der Welt. Das allein,' und wäre die Bei Kopf schmerz» Zahnschmerz Erkältung, Rheuma hilft Bestandteile: Phenac., Phenyldimethylp.,11 | AA AcetylsaL, Coff. (II. I .CU in allen Apotheken Zusammenkunft in Paris zunächst nur die M a - ni f e st at i o n derIdee, ist schon ein so eminenter Fortschritt nach der Richtung unserer Welthoffmmg, daß wir in den Tagen, die uns der Gedankenwelt des rin« rniMroto wn näher führen, nicht achtlos daran vorübergehen dürfen. Ein Work des „Ehofez Ehastm" über die unjüdische Schule. Auf eine Anfrage, wie sich jüdische Eltern einem Gesetze gegenüber zu verhalten haben, das sie zwingt, ihre Kinder im jungen! Alter Schulen, die sie zur m'aa erziehen, zuzuführen, antwortet Rabbi Israel Meix aus Radin, der „Chofez Chajim", in einem offenen Brief in der orthodoxen östlichen Presse. Läßt sich auch gegen den Zwang nichts ausrichten, schreibt der greise Rabbi, so dürfte es doch nicht sein, daß ein Vater seine Kinder mit eigenen Händen dem Molech preisgibt. Es gibt keine Rücksicht, die eine solche Tat rechtfertigen könnte. Eine Schule, in der das Kind zur Gottesleugnung erzogen wird, ist wie eine Schule der Taufe anzusehen. Welcher jüdische Vater würde aber sein Kind der Taufe weihen? Gut jüdische Eltern werden Opfer bringen, werden 'Geldstrafen und sogar Gefängnis auf sich nehmen, um ihre Kinder vor dem geistigen -Untergänge zu bewahren. Als um - 1 ch utd i g können sie nur dann angesehen werden, wenn ihnen die Kinder mit Gewalt entrissen und der Schule zugeführt werden. Wo aber, jüdische Eltern ehrlich um die Seele ihres Kindes r i n g e n, wird ihnen Gott beistehem und zum Siege verhelfen, wie er immer Israels Hand führte im Kampfe für seinen Gott und seine Thora. Der „Chofez Chajim" spricht von einem b e - n ach barten Lande und meint offensichtlich Sowjetrüßland, wo neuerdings mittels des Schulzwanges Kinder im zartesten Alter der Mutterbrust der Thora Mzogen und dem Götzen des religiösem- und politischen Radikalismus zugeführt werden. Mit Hinblick auf diese rote Gefahr sind die starken Worte schon erklärlich, aber sie sollten auch im gesamten Osten gehört werden und überall da zu denken geben, wo jiddischistische und Tarbutschulen im Konkurrenzkampf mit Cheder und Ieschnva um das Kind werben. Sie sollten zu denken geben all denen auch im Westen, die berufen und imstande wären, durch Gründung und Ausgestaltung eigener, guter jüdischer Schulen die Gefahr, die von der umsüdischen oder antijüdischen Schule unserer Zukunft droht, abzuwenden. Sagte es doch der Weltweise von Radm einmal selbst: Meines Feuilleton. Line Reise durch Palästina. Ein Film der Palästitta-Film-Gesellschaft. Ueber Genua, Neapel, Alexandrien, Ludd kommen« wir nach Jerusalem: schmale, ansteigende Straßen, steiniger Boden, uralte Gebäude — jeder Stein hat seine Geschichte. Die Klagemauer mit betenden Juden (und Bettlern), die belebte Jassastraße — am Jafsator steht ein Verkehrsschutzmann; Bilder aus der Jeschiwah von Rabbi Kuck, aus dem Krankenhaus Schare Zedek, das den verdienstvollen Dr. Wallach zum Leiter hat, aus den Misrachi- und Agudafchulen. Bilder von der Höhle Machpelah und Rachels Grab, vom hebräischen Technikum inHaifa, von der Sportjugend des „Maccabi", von den Weinkellereien in Sichron Jakob und Rischon le-Zion und dem schon ziemlich modernisiertem Karmelgebiet. Dann die Kolonien Emek Jisrael, Nachalath Jakob, das Kinderdorf Ksar Jeladim, in dem alle Arbeit ausschließlich von Kindern verrichtet wird; dann Tiberias mit dem Tiberiassee, auf dem man Segel- und Ruderboote sieht; dort die Gräber des Maimonides (Rambam) und der Tanaiten. Dann Safed, Nazareth und — Tel-Awiw! Was hier in den kurzen Jahren des Aufbaues geleistet wurde, ist kaum faßbar! Jüdische Bauarbeiter wären und sind hier am Werk und schaffen eine moderne hygienische und komfortable Villenstadt. Herzelstrahe und Rothschild-Boulevard würden, eine Zierde jeder Stadt des OccideNts fein. Man sieht das kleine, gesund, fröhlich und klug aussehende Völkchen in der Achad HaaM-Schule, eine große Sockenfabrik mit einer umfangreichen Spinnerei und modernsten Webstühlen; man sieht das Treiben am Tel-Awiwer Strand, die große Synagoge und das prachtvolle Postgebäude. Dann noch Streifbilder aus Rischon le-Zion und Petach Tikwah — warum ist hier übrigens nicht eine Orangenplantage, immerhin ein wichtiger Faktor des Landes, ausgenommen? — und mit der.Abfahrt aus dem Jaffaer Hafen -endet die Reife. C. (Ein literarischer Prozeß, der uns angehk.) Nach vierjährigem Hin und Her haben die Wilnaer Gerichte jetzt einen Prozeß zu Ende gebracht, der für die literarische Welt nicht ohne grundsätzliche Bedeutung ist. Im Mittelpunkt der Sache, stand -ein Werk, das im H'e rmon-Verlag, Frankfurt a. M. erschienen ist, und zwar der Roman „Im I u de n st a a t e d e r Lhasa r e n " von S. Schachnowitz. Dieser Romanhat bekanntlich in ganz besonderem Maße das Interesse der jüdischen und der ostjüdischen Welt erregt und wurde u. a. in einme klassischen Hebräisch vom „Omonuth-Verlag" nach dem deutschen Original (in der Uebersetzung von S. Z i t r o n) herausgegeben. Nach dieser hebräischen Uebersetzung, oder nach dem deutschen Original stellte der große jüdische Verlag Kletzkin in Wilna auch eine jiddische Ausgabe unter dem Titel „In der jiddischen Melucho yun die Ehasaren" her und setzte sie in beträchtlicher Auflage im Osten und Amerika ab. Weder der Hermon-Verlag noch der Autor wurden vom Verlag gefragt oder überhaupt benachrichtigt. Letzterer - erfuhr von der Uebersetzung aus östlichen Zeitungen, die das Buch anzeigten und besprachen. Der Autor stellte an den Verlag in Wilna Honoraransprüche und gab sich alle Mühe, die Sache möglicherrneise auch auf dem Wegs eines rabbinischen Schiedsgerichtes in Wilna, zu regeln. Für den Autor war insbesondere dadurch eine Jnteressenschädigung entstanden, als gerade mit einem amerikanischen Verlag Verhandlungen über eine jiddische Ausgabe des Buches im Gange waren, die sich natürlich durch die Wilnaer Ausgabe fürs erste zerschlugen. Kletzkin berief sich darauf, daß er dem Uebersetzer, dem Wilnaer Schriftsteller Reisen, ein angemessenes Honorar ausgezahlt hatte und lehnte alle Ansprüche des Autors ab. So kam es, nach wiederholten Warnungen und Versuchen einer gütlichen /Regelung, zu einem Prozeß. Den Prozeß führte für den Autor der Reichs verband der Schriftsteller in Deutschland durch seinen Rechtsanwalt Dr. Ludwig Elias in Berlin, während ihn in Wilna Advokat Dr. Gordon vertrat. Die Sache gestaltete sich -etwas schwierig, weil Polen der internationalen Schriftsteller-Konoention nicht angeschlossen ist und dadurch die moralischen wie gesetzlichen Machtmittel zum Schutze des geistigen Eigentums aus dem Auslande stark beschränkt sind. Nach vielen Terminen und nach Anhörung von Experten wurde schließlich Kletzkin, nach vier Jahren, zur Zahlung einer Entschädigung an den Autor v-erurtei-lt. Die Summe war inzwischen durch die vielen Gerichtskosten und den Stand der Zloty zu einem kaum nennenswerten Minimum zusammengeschmolzen, grundsätzlich darf der Reichsverband der Schriftsteller in Deutschland und sein Berliner Vertreter einen vollen Erfolg verzeichnen. (Rassenankisemitische Quellen zu Meyers Lexikon.) Rabb. Dr. V. Jacob (Dortmund), der schon einmal über mangelhafte und irreführende Berichterstattung in der neuen- Auflage von „Meyers Lexikon" Klage hat führen müssen, weist in der „C.-V.-Zeitung" (Nr. 34) noch einmal auf sehr absonderliche Quellen hin, auf die sich dieses große N-mhschlagew-erk bei Behandlung! jüdischer Themen stützt. Dr. Jacob glaubt nicht fehl zu gehen, wenn er in dem Kapitel „Juden", und zwar in dem Teil „Anthropologisches und Ethnographisches", als die vorzüglichste Quelle das minderwertige Buch von Hans V. K. Günther: „Rassenkunde des jüdischen Volkes"

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