Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1928)
- Date
- 1928-08-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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23. August 1928 Der 9 sraelit Blatter Nr. 18 Seite 3 betonte Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der ausgetretenen Orthodoxie als die Forderung des Tages empfunden. Es muh zunächst die interessante Tatsache festgestellt werden, daß auch die vom Waad Leumi zu maugurierende Kenesseth Jisroel bis jetzt bloß auf dem- Papier steht. Die Bildung der Gemeinden, an deren Spitze der Waad Haleumi stehen soll, ist heute, wo schon über 7 Monate seit dem Inkrafttreten des Gesetzes verstrichen sind, noch nicht gelungen. Aber auch die Agudas Jisroel in Erez Jisroel hatte zwar in den Städten ihre Ortsgruppen, in den Kolonien ihre Stützpunkte, es fehlte aber die Vereinigung zu einer Landesorganisation. Von Fall zu Fall wurde von den einzelnen Gruppen der Leitung der Aguda in Jerusalem Vollmacht zu den einzelnen Aktionen gegeben; eine eigentliche Landesorganisation mit eigenen Organen war aber bisher nicht vorhanden. Der Wunsch nach einer offiziellen Vertretung der gesamten selbständigen Orthodoxie Erez Jisroels war die wesentlichste Veranlassung zu der Zusammenkunft von Delegierten der einzelnen Gruppen. Aber nicht nur die Schaffung einer Organisation als solche stand auf der Tagesordnung, sondern vor allem eine Fülle sachlicher Probleme, von denen als die wichtigsten die Gründung selbständiger orthodoxer Gemeinden, Schulwesen, Versuche zur Verständi gung mit dem Waad Haleumi genannt werden mögen. Die einzelnen Punkte der Tagesordnung 'wurden mit folgenden Referaten eingeleitet: „Einheit zwischen Sefardim und Aschkenasim" — Ref.: Rabbi Serihan-Tiberias. „Die Vereinigung der Orthodoxie in Erez Jisroel" — Ref.: Rabbi Jungreis-Jerusalem. ' „Die Beziehungen der Orthodoxie zum Gemeindegesetz" — Ref.: Rabbiner Jonathan Horovicz-Jerusalem. „lieber die Jugenderziehung in Erez Jisroel" — Ref.: Elia Porusch-Jerusalem.. „Das Gemeindegesetz und die Chinuchaufgaben" — Ref.: Moses Blau-Jerusalem. „Die Bildung der orthodoxen Gemeinden" — Ref.: Joses Fetter-Tel-Awiw. „Die Aufgaben der Jugendgruppen in Agudas Jisroel" — Ref.: Juda Schächter-Jerusalem. „Presse und Literatur" — Ref.: Jakob M. Schächter-Jerusalem. Eröffnungssitzung: Montag den 13. Aw abends. Die Versammlung wurde am Montag, den 13. Aw, abends eröffnet und zwar in Anwesenheit von Delegierten aus: Jerusalem, Safeb, Tiberias, Tet-Arviw, Petach-Tikwah und Hebron. Besonders erwähnenswert sind die Delegierten der sefardifchen Gemeinden ans Safcd und Tiberias und diejenigen der bucharischen, marokkanischen und Aleppoer Gemeinden aus Jerusalem. Durch den Vorsitzenden der' Jerusalemer Zentrale, .Herrq Rabbiner I. Horovicz, wurde die Versammlung in Anwesenheit zahlreiche Gäste eröffnet. Begrüßungsänsprachön^hieltÄr«: Herr Oberrabbiner Sonnenstld. Rabbiner Klatzkin, Jerusalem, Rabbiner Serihan, Tiberias, V. Rabinowitz, Katzenellenbogen u, a. m. Nach Verlesen der Begrüßungsbriefe und -telegramme, die aus fast allen Land>esorganisationen der Diaspora eingetroffen waren-, beschloß die: Versammlung, an den scheidenden High Commiissiöner Pkumer ein Begrüßungsteiegramm folgenden Inhalts zu richten: „Der Delegiertentag der Agudas Jisroel in Erez Jisroel, deren Zusammenkunft an dem Tage stattfindet, da Ew. Excellenz unser heiliges Land verlassen, beehrt sich, ihre innigen Segenswünsche für die Reise auszusprechen. Diei Orthodüxie bedauert das Scheiden des High Commissioners, dem es mit Gottes Hilfe gelungen ist, während seiner Leitung die Beziehungen zwischen den einzelnen Bewohnern des Landes friedlich zu c gestalten. Die Orthodoxie spricht ganz besonders ihre Anerkennung und ihren Dank Ew. Excellenz dafür aus,,.daß in der Lebensfrage des Gemeindegesetzes ihre Wünsche berücksichtigt wurden, so daß die Orthodoxie außerhalb einer Gemeinschaft verbleiben kann, die auf Grundsätzen aufgebaut ist, «die «der Thora und der jüdischen 'Religion zuwiderlausen.; Obwohl, es die Orthodoxie schmerzt Mnh sie sich dav durch, j zurückgesetzt sühkr,' daß 'das Gesttz ihr hjs jetzt ... nicht di e Möglichkeit gW, sich als Genteinschast' öffentlichen Rechtes zu konstituieren, drückt sie jedoch die Hoffnung aus, daß Ew. Excellenz Ihren weitreichenden Einfluß auch weiter d'ahch geltmd machen werden, daß die tradiKonstreüe Judenheit Erez Jisroels ihre volle Freiheit bei der Konstituierung ihrer Gemeinden und die völlige Anerkennung« der Regierung erhält. Mit tiefer Ehrfurcht Die Landesversammlung der Agudas Jisroel." Zweite Sitzung: Dienstag vorm, den 14. Aw. Der Vorsitzende, Rabbiner Horovicz, gibt einen« Ueberblick über die historische Entwicklung des Gemeindegesetzes und über die Verhandlungen der Agudas Jisroel mit der Gegenseite zur Verhütung eines Risses innerhalb der Judenheit. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Verhandlungen, welche die Leitung der Aguda mit derjenigen der zionistischen Organisation in London^, Wien und Jerusalem führte, gestreift. Referent drückt sein tiefes Bedauern über die Tatsache aus, daß durch die Uunach«- giebigkeit der Gegenseite, nachdem diese sich an außerjüdische Instanzen gewandt hatte und die internen Verhandlungen erfolglos blieben«, auch Agudas Jisroel gezwungen war, vor dieselben Instanzen hinzutreten. Auch jetzt noch wäre Agudas'Jisroel bereit, mit der Leitung des Waad Haleumi in Verhandlungen zu «treten zwecks Bildung einer gemeinsamen jüdischen Front nach außen, durch Schaffung von selbständigen, orthodoxen, unabhängigen Gemeinden mit einem Dachverband für allgemeine jüdische Angelegenheiten. Von den Diskussionsrednern find vor allem die Herren Rabbiner Serihan-Tiberias und Jungreis-Jerusalem hervorzuhebon. Rabbiner Serihan (selbst einer der Führer der Sefardim in Tiber) unterstrich in sehr eindrucksvoller Weist das einmütige Zusammengehen der Aschkenasim und Sefardim. Cr forderte einen gemeinsamen Verband der orthodoxen sefardischen und aschkenasischen Gemeinden. Jung reis, der Sekretär «des Waad Häir Hoaschkenasi, gibt unter allgemeiner Spannung namens des Waad Hair Hoaschkenasi die Rrklärung ab, daß dieser bereit sei, sämtliche orthodoxe Juden in sich auszunehmon, 'wenn die Selbständigkeit des Waad Hair Hoaschkenasi nicht tangiert werde. Mit stürmischem Beifall wurde der Vorschlag von Rabbiner Luria - Tiberias begrüßt, eine dauernde Instanz zu wählen, deren« Aufgabe darin besteht, die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Orthodoxie P a l ä st i n o s zu klären,, um so einen Einheitsblock der gesamten Orthodoxie zustande zu bringen. Dritte Sitzung: Dienstag nachm, den 14. Aw. Herr Moses Blau referiert über den gegenwärtigen Stand der Gemeindegesetzgebung. Er schlägt vor, daß die Delegiertentagung nochmals eine Aufforderung zum Austritt ergehen lasst und den Austritt als die Voraussetzung zur Zugehörigkeit zur orthodoxen Gemeinde erkläre, da die Doppelmihgiliedschaft zum Waad Haleumi und zu einer orthodoxen Gemeinde leicht die Zukunft der orthodoxen Gemeinden gefährden könne. Ferner fei dieses auch ein Gebot der Ehrlichkeit, daß nur derjenige das Recht zur Beteiligung an einer separaten Gemeindebildung habe, der sich in seinem Gewissen durch die Zugehörigkeit zur Kenesseth Jisroel bedrückt fühle und deshalb aus ihr austrete. Des weiteren verlangt der Referent eine offizielle Anerkennung der aufopferungsvollen« Tätigkeit des Waad Hast Hoaschkenasi für die Sache der es Orthodoxie in Erez Jisroel. Im zweiten Teil seiner Ausführungen gab der Redner einen ausführlichen Bericht über die Bodenkäufe und bisherigen Anfänge der Kolonisatlon durch Agudas Jisroel (Machaneh Jisroel, Olam und Mädhar). Schließlich berührte der Redner «die Frage des Chinuch und die durch die neue Regierungsverordnung geschaffene Lag«!, durch welche die Freiheit der Talmud Thoras und« Chedarim bedroht ist. Er schlug vor, die ungerechtfertigte Belastung der Austretenden für die allgemeine Erziehungssteuer rechtzeitig den zuständigen Instanzen zur Kenntnis zu bringen. Ganz besonders spricht Redner seine Befriedigung über die Entwicklung der Mädchenschulen der Agudas Jisroel in Erez Jisroel aus. Im Anschluß au dieses Referat erfolgt ein- Spezial« referat von Elia Por u sch über: „Das Schulwesen' in Erez Jisroel im allgemeinen". , - An Hand einer sorgfältig!>ausgearbeitete«n'''Statistik wies er auf die erschreckend große Zahl von Kindern aus religiösen Häusern hin, welche durch nichtreligiöst Erziehungsanstalten dem historischen Judentum« entfremdet werden. Vor allem verlangte «er, daß Agudas Jisroel Handwerkerschulenfür die reifere Jugend einrichte. Herr Fetter-Tel-Awiw referierte über die „Lage der Orthodoxie in Tel-Awiw" und verlangt die Grün-" düng eines orthodoxen Finanz-Institutes mit eingehender Spezialisierung der Einzelheiten. Juda Schächter beklagt sich «darüber, «daß die Organisation nicht genügend die Jugend heranziehe, verlangt. «daß bei der Gründung einer Zentrale auch die agudistische Jugend vertreten sei«. Jakob M. Schächter referiert über das Zeitungswefen und die Literatur, verlangt Schöpfung populärer Volksschriften und Verbreitung des „Kol Jisroel", der im Laufe der Jahre an Bedeutung und Einfluß zugenommen. Vierte Sitzung: Mittwoch vorm, den 15. Aw. :Ain Mittwoch vormittag fand nach reger Diskussion dWSchlußWstimmung über die von«/dest''ein>zvlndN ' Re:- ferMteni v'orgebrachten Anträge« statt. Es wurden eine Reiche von 'Beschlüssen «angenommen«, die -später 'folgen. Mittwoch nachm, den 15. Aw: Schlußsitzung. '!Es wurde beschlossm, eine allgemeine Landeszentrale zu. gründen,- welche aus 15 Mitgliedern besteht und zwar aus den Herren« der Jerusalemer Exekutive: Rabbiner Jonathan Horovicz, Sanitätsrat Dr. M. Wallach«, Rabbiner Schlomow (Buchare) und Möses Blau, 3 Mitgliedern der Jerusalemer Ortsgruppe und je 2 von den Gruppen Tel-Awtw, Safed, Tiberias, Petach Tikwah. Die Gruppen haben im Laufe einer Woche die Namen der von ihnen für die Zentrale gewählten Mitglieder bekannt zu geben. Mit dem feierlichen Appell an die Delegierten im Sinne der gefaßten! Beschlüsse die Agudatätigkeit in Palästina zu intensivieren, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Das sieht schon besser aus! Man sieht doch wo und wie! Von h. k. I. Die Antwort, die Herr „E" als Rechtsbeistand des Herrn Rechtsanwalt Breuer mir iu Rr. 16 der „Blätter" gegeben hat, enttäuschte mich. Es ist eine alte Weisheit, daß man den Anderen niemals für — unorientierter halten soll als sich selbst. Diese Weisheit scheint E. nicht zu kennen, sonst wäre «er mehr auf «die Sache, die ich in meinem Artikel behandelt hatte, oingegangen: auf die agudistische Politik in Erez Jisroel, auf ihr Ziel und di«e Möglichkeiten, es zu verwirklichen. Statt dessen langatmige Frag«en über meine Nnorieutiertheit, meine Informationsquellen und wer unter dem „Wohin rollst Du?" gemeint sei. Herr E. wird wohl Mitglied des G. A., des Zentralrais und der Politischen Palästmakommission sein müssen, sonst könnte er mir ja nicht vorrechnen, was ich wissen müßte, wäre ich in diesen Gremien. Es ist gar hübsch, wenn ein solch hoher Herr auch witzig ist. Dennoch: ich hätte auch einen gewissen Ernst in der Behandlung der von mir aufgerollten! Probleme erwartet, denn mir ging und geht es nicht um Herrn Rechtsanwalt Dr. Jfaac Breuer, mir ging, und geht es um Agudas Jisroel. E.'s Fragen, eher geeignet für das Gesellschaftsspiel: „Frag mich was!", fördern die Angelegenheit nur insoweit, als sie mich zwingen, nochmals präziser auf die Dinge einzugehen«. Ich «tue das nicht gern. Aber „amicus Socrates, sedmagis amica veritas“. Höher als die Menschen, höher «auch als der Breuersche Nechlsbeistand C. stehen mir die Dinge, die Wahrheit und die Zukunft «der Agudas Jisroel. n.; Meine Ausführungen bezweckten zweierlei; sie wollten vor allen Dingen dem Wunsche Ausdruck geben, Agudas Jisroel möge ihre Politik in Erez Jisroel se«l!bst führen, um endlich zu einer Einheitsfr ochi aller Gefetzestreuen in Palästina zu kommen, die notwmdig ist, wenn für die Orthodoxie in Erez Jisroel nach all den Kämpfen, die geführt werden müssen, etwas Positives herauskommen soll. Sie wollten« dann der Besorgnis Ausdruck geben, ob Herrn Dr. Breuer, der, nach feinem Erlaß «im Kol Jisroel zu schließen, die Leitung der agudistischen Palästina-Politik übernommen hat, gelingen wird, diese Einheitsfront aller Gesetzestreuen zu schaffen. Wird es Herrn Dr. Breuer gelingen«, so fragte ich, Einfluß auf den Waad Hoir Hoaschkenasi zu «erhalten? Wird er a g u d «i st ische Politik «in Erez Jisroel treiben wollen, oder wird er Agudas Jisroel nur zu einem Vorspann des Waad Hoir Hoaschkenasi machen? Ich erlaubte mir, auf Grund von Vorgefallenem daran zu zweifeln, ob Herr Dr. Breuer der geeignete Leiter «einer agudistischen Palästina-Politik sei. Zweierlei politische Ausgaben hat Agudas Jisroel in Erez Jisroel zu lösen: Nach außen hin gilt «es die, Rechte der Orthodoxie zu erkämpfen, nach innen«/die Orthodoxie in allen. ihren Gruppierungen zu einigen und zu stärken, damit die so mühevoll erkämpften« Rechte «der Orthodoxie wirklich zum Segen gereichen. Während i zur außenpolitischen Arbeit vor allem juristische Begabung^ geschickt« Formulierungskunst gehören, wird die innerpolitische Arbeit'erst dann gelingen können, wenn starkes Einfühlungsvermögen in die Psyche der verschiedenen! orthodoxen Ländergruppen den politischen Tastsinn unterstützt. Dann wird es gelingen, künstliche Gegensätze zu umfchisfen und «eine Einheitsfront aller, letzten« Endes Gleichgesinnten herbeizuführen. III. Zu alledem schreibt „E." «nichts. Meine Fragen« beantwortet er damit, Herr Dr. Breuer habe die Ideologie der Agudas Jisroel geschaffen, Herr Dr. Breuer habe hervorragende Bücher geschrieben. Ja. bestreite ich dies? Aber was haben die «literarischen Fähigkeiten des Herrn Dr. Breuer mit seinen politischen zu tun? Ein guter Schriftsteller muß noch lange nicht ein guter politischer Leiter sein. Was „E." verschweigt oder nur verklausuliert erzählt, das berichtet der G. A., die zuständige agudistische Instanz, in einer Erklärung, die er in der gleichen Blätternummer, die E.'s Aufsatz bringt, veröffentlicht, schon wesentlich klarer,. Ihm sei an «diefer Stelle dafür gedankt. ' Herr Dr. Breuer tst g'a r Nicht Leiter d er aHu dlkstifchen P«alästtn«a-Pö li ti k. Meine Besorgnisse beginnen sich zu zerstreuen! Auf die Erklärungen des Herrn Dr. Breuer im „Kol Jisroel", die in deutscher Uebersetzung in «best „Blättern" erschienen «und lauteten: „ . . . da ich im Begriffe b«in, dem Rufe der zuständigen Organe «der Agudistischen Weltorganisation zu folgen und die Leitun-g «der agudisti«- fchen Palästina-Politik in die Hand zu nehmen ..."