Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1928)
- Date
- 1928-08-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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«Seite 6 Nr. 34 Der Israelit 23 August 1928 die Religion und den Sabbat.. Er spricht auch von dem Brief aus Lodz und Amgegend. so daß die Verhandlungen noch keinmal verschoben werden-mußten. „Gedanken des Mal Iisroel". Herr Bruno Woyda sagt aber: „Lieber ein Sonntagder Religion gewidmet, als ein Sabbat, der nicht gehalten wird." Am Montag nachmittag wurden in drei Sektionen die Themen behandelt: ,> Gottesdienst", „Häusliches Leben" und „Jugend". Erst gegen 6 Uhr -fand -sich das Plenum wieder zur Fortsetzung der Generaldebatte zusammen. Es geht noch eine Zeitlang für und wider Lehmann und sein Reformprogramm. Der Vorsitzende Dr. Blau konstatiert, daß das Ziel bei allen das Gleiche ist, „das Streben nach höchster Jüdischkeit". Die Wahlen ergeben unwesentliche Ae-nderungen. Claude und G. Montefiors ist Ehrenpräsident, Lily M o n t a g u e Ehrensekretärrn. Aus Deutschlandgehören dem Vorstand u. a. an: Heinrich Stern, Prof. Elba gen und Dr. Se lig man n. Mit einer Schlußrede Heinrich Sterns und einem von einem amerikanischen Rabbiner gesprochenen Gebete erreicht die „Weltkonferenz des liberalen Judentums" in später Abendstunde ihr Ende. . Oesterreich. Jüdische Glückwünsche für den Bundespräsidenten. Wien, 16. August. Die österreichische Ju-denheitbeging mit der übrigen Bevölkerung der Bundesrepublik Oesterreich die Feier des 70. Geburtstages des Präsidenten der Bundesrepublik Dr. Michael Hatn-ifch. Dem Bundespräsidenten gingen herzliche Glückwünsche seitens der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, der übrigen Judengemeinden Oesterreichs und der großen jüdischen Kör-r perschasten zu. In den BegrüßungskundVebungen wurde hervorgehoben, daß der Präsident stets der Judenheit die vollste Achtung entg-egengebracht, bei, verschiedenen Gelegenheiten jüdische repräsentative Veranstaltungen besucht hat und von höchster amtlicher Stelle das Prinzip der Gleichberechtigung dey Juden mit den übrigen Bürgern des Staates verkündet hat. Präsident Dr. Michael Hämisch, der dsutschnational gesinnt, dabei konsequenter Demokrat ist," hat sich Zeit seines Lebens mit jüdischen Fragen beschäftigt und eine den Juden freundliche Gesinnung bekundet. Er gilt als einer der besten Kenner -der kompliziertesten jüdischen Fragend Heute wie früher pflegt er gesellschaftlichen Verkehr mit prominenten jüdischen Familien' Mens. Danzig. Die Misrachikonferepz in Danzig. Danzig, 20. August. Die Weltkonferenz des Misrachi wurde heute mit einer Ansprache von Rabbi Meier Berlin eröffnet. Er sagte, der Misrachi sei das Zentrum der zionistischen Organisation. Das Präsidium fetzt sich zusammen aus Farbstein, Gedalia Bubkik, Hermann Struck, Dr. Federbusch, Rabbiner Ostrowsky, Marschak, Neufeld und Bornstein. Gegen die Wünsche der Jugendgruppen und der -amerikanischen Delegierten wurde die Oeffentlichkeit der Verhandlungen beschlossen. Es folgt nun eine Rede von Hermann Sr ruck und die Berichterstattung durch M. Berlin. In der Hauptaussprache übt Rabbiner Ostrowsky Kritik an der Politik Farbsteins. Federbusch wünscht intensivere Behandlung der religiösen Probleme. Am Montag schildert Schapiro die schwere Lage des Hapoel hamisrachi. Bublik sagt, der polnische Misrachi befasse sich zuviel mit Landespolitik. Die Verhandlungen dauern fort. PoSen. Weitere Wahlsiege der Orthodoxie. Kolomea, 12. August. Zu den Siegesetappen der Orthodoxie bei den Ke - h i l a w a h l e n kommt nun auch Kolomea. Die Zionisten konnten beiall ihrer wi'lden- Agitation so wenig erreichen, daß sie ihre Sache verloren gaben und ihre Liste im letzten Augenblick zurückzogen. Sie beschlossen, ihre Stimmen den Assimilationslisten zufallen zu lassen. Auch das nützte 'ihnen nicht viel. Die Aguda erhielt 12 Mandate gegen 5 Mandate der Asstmilan - t e n und 3 Sitze des Bundes. Die Freude ob dieses außerordentlichen Erfolges ist ungemein groß. Lodz, 12. August. I In der Nacht zu Sonntag brach infolge -einer Ex-- plosion in der Ehemikalienfabrik der Firma Fabriän in der Zeglanästraße eine Feuersbrunst aus,-die auf die umliegenden -Häuser 'Übergriff und große Verwüstungen anrichtete. Etwa 30 Personen sind mehr oder -weniger -sch^r verletzt und das jüdische 'Krankenhaus ' Mofchab Sekenim", -das «sich in -der Feuerzone befand, müßte von 'den Insassen -geräumt werden. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Im Zusammenhang mit dem Gemeindebeschluß, sechs neue D-ajonim für verschiedene Stadtteile anzustellen. — einer der Erfolge -der agudWschvn ^Gememdeverwal- Düsieldots. Die Nacht zum Verfass u ng st a ge feierten Hakenkreuzler mit der S ch ä n - düng der Synagoge, an der Kafevnenftraße. Röesige Hakenkreuze bedecken mit unflätigen Inschriftendie Außenmauer. Auf die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von Mk. 1000.— ausgesetzt. Warschau. Im Alter von 85 Jahren ist der große Gelehrte- Cha-jim Jechiel Bornsteingestorben-. Er war ein Meister auf dem Gebiete der Astronomie und Kalenderberechnung und -übersetzte klassische Werke aus der Weltliteratur ins Hebräische. Obwohl vollständig erblindet, setzte er, von einem eisernen Gedächtnis unterstützt, noch Än Greis-enalter seine wissenschaftlichen Arbeiten fort.' Moskau. Die große Synagoge zu Smolensk-, die sog. „C h o rschul", ist auf Betreib'en der jüdischen- Kommunisten in einen- Arbei'terklub umgewandelt worden. Wilna. Der achtzehnjährige Abraham B u n i s o w s k i, vielversprechender Sohn des Slonimer Rösch Ieschirva, der in Radin beim Chofez Chajim lernte und am Sabbat Nachmu bei seinen- .Eltern in Slonim weilte, wurde in -der Macht zum Sonntag bei einem Gewitter vom. Blitz getroffen, und getötet. Das Gewitter forderte an diesem Tage in Slonim noch andere jüdische Opfer. Wien. Im 71. Lebensjahre verstarb der ordentliche Professor-der Astronomie an der Wiener Universität, Dr. Samuel Oppenheim. Der Verstorbene hat durch seine theoretischen Untersuchungen- Weltruf erlangt. Uewyork. In Newyork verstarb der bekannte jüdische Philantrop Nathan L a m- Port, Präsident des Kuratoriums der den Namen Rabbi Jizchak Elchanans tragenden Jefchiwah. Nathan Lamport stiftete größere Summen für jüdische religiöse und Wohlsahrtszwecke. Oslo. Zu Ehren des Leiters der Rettungsexpedition des Eisbrechers „Kraffin ", Prof. Sam oilo witsch, fand! in der Gesandtschaft -der Sowjetunion -ein Empfang statt, an dem der italienische Gesandte und eine Reihe von norwegischen Gelehrten teilnahmen. Rom. Aus Initiative der katholischen Zeitschrift „Palestina" wurde -in Rom ein Zirkel für „ Palä sti-na- Stud ie n " (Circolo di stu-di palestknensi) begründet, -der sich die Zusammenfassung aller jener Kreise, -die sich für die Frage des Orients interessieren-, zum Ziele gesetzt hat. — Die -italienische Schiffslinie „Lloyd-Triestino" wird von Mitte September an einen regulären Schiffsverkehr mit Pal ä st-rna eröffnen, der durch -die beiden Dampfer „Giannicolo" und „Buvovina" aufrechterhak-' den werden wird. Triest. In Triest fand der zweite ordentliche Kongreß des italien -Ls ch e n j ü d ischen E m i g r an t e n -- Hilfskomitess unter dem Vorsitz von Advokat Angela Süll am statt. Die Konferenz beschäftigte sich nach einem Referat ihres Generalsekretärs Fano mit der zukün-ftlgen Arbeit im Interesse der jüdischen Auswanderer nach Ueberfee, -die italienische Häfenberühren. Brüssel. Der Internationale Sozialistische Studentenkongreß beschloß die Gründung -eines Pro - Palästina-K o - mite es.- , "fs* - tung —, wurde beim Bildungsministeriüm die Erlaubnis eingeholt, die Stellen auszufchreiben. Ein weiterer Erfolg der Gemeindeverwaltung wurde mit der Gründung einer Kreditanstalt erzielt, die bis zu 300 Zloty zinslos auf neun Monate gewährt. Leider konnte in Sachen der Forderung -des R a b b i n e r h a u s e s noch kein Resultat -erzielt werden. Die Vertreter der Familie des Rabbi Meisl erheben an die Kehilla eine Forderung von 30.000 Rubel. Die Sache läuft bereits seit 20 Jahren und kann zu keinem Ende kommen. Bei der letzten Beratung zeigte sich, daß die Vertreter der Familie keine Vollmacht von der ganzen Familie befaßen-, Die radikal Liberalen in der Gemeinde Haben zur Zeit scheinbar keine anderen' Sorgen, als sich undihre Gesinnungsgenossen mit einem -Krematorium zuwersor- -gen. Ineiner Botschaft beim- Städtprästden-tenverloMgen sie unter Berufung auf die Konstitution die Errichtung eines -eigenen Friedhofes mit einer' Verbrennungsmöglichkeit. Wie man hört, hat ihtt-en der SÄÄt-' -Präsident -eine -Prüfung der Ange-legeühett versprochen«. Jy T'ikt-in bedröhen Zigeunerbaüd-en die .jüdische' Bevölkerung, aus -Rache -für. eine Zigeunerin-, die sich in -einem -jüdischen Hause Diebstähle zuschuldenkommen ließ und in Haft gekommen ist. Die jüdischen -S-MWe- :wohn-er mußten im Behörden zum Schütze anrusen. Einen regelrechtem- Spießbürgerakt brachte der Stadtrat' /in- E z err st och am zustande. Aus einer -Stadtratssitzung am Freitagabend, bei der '--der 'jüdische -Ratmcmn nicht zugegen war, gelang es antisemitrschen Ratmännern, den Antrag -eines Schächtverbotes iü dieDagesordnung hineinzüfchm-uggoln, und da sich keine Opposition geltend machte, ihn zur einstimmigen An-mchme zu bringen. Als der jüdische Ratmann, Herr Schapiro, dies erfuhr, eilte er zum Rathause undkam noch gerade recht, um den Ratm-änn-ern kurz vor-Schluß der Sitzung einen Vortrag über die Tragweite ihres unerhörten Beschlusses zu halten und nachzuweisen, welch , ein Verbrechen sie damit auch ander nichtjüdischen Bevölkerung damit begingen-. Cs wurde bezweckt, -daß eine Kommission zur Prüfung des Gegenstandeseingesetzt würden die in der nächsten Gemeinderatssitzung darüber zu referieren hat. Von den polnischen Kehiloth-Wahlen. Krakau, 17. August. An weiteren,Ergebnissen ist zu melden, daß in- S t anislau gewählt wurden: Agudas Jisroel 6, Zionisten 5, Misrachi 2, Poale Zion 1, Handwerker 3, Kleinhändler 1, Bundisten 1. Rutzland. Ansiedlung von weiteren 15 000 jüdischen Familien in der Krim. Moskau, 17 . Aug ust. Di-e oMielle russische Nachrichtenagentur teilt mit, daß das Allrussische Zentrale Ex-ekutiv-Komitee in einer soeben -abgehaltenen Konferenz beschlossen hat, 109.000« Hektar Boden in der Krim zur Ansiedlung von etwa 15.000 jüdischen Familien zu bewilligen«. Soweit -der zur Verfügung stehende Boden nicht urbar ist, soll er -durch Am-elioration usw. für Anlage von Obstgärten, Weingärten und Tabakpkan.tWgen' fähig -gemacht werden-. Die Regierung der Krim und die Regieru-ngskommission für jüdische Landansiedlung „K-omzet" sind angewiesen worden, binnen -drei Monaten einen Plan der Urbarmachung' und Verteilung des Bodensauszuarbeiten. - Sollte in der Krim Boden im Ausmaße von 109.000 Hektar nicht ganz zur Berftig-ung stehen, so wird der Rest -in anderen Teilen des Sowjetreiches gesunden werden müssen. (ITA.) Lettand. Wahlen in Lettland, Riga/ 19. Aug. Wir stehen vor den Wahlen für -das -lsttländifche Parlammt, und auch im jüdischen Kreise regt es sich'beträchtlich. Man suchte einen einheitl-öchen jüdischen Block zu bilden, eine etwas eigenartige Konstellation: Aguda, Misrachi, Natron-a-ldemo traten, Zionisten, Vertreter von Handel und Industrie. Aber dies ist wie die Dinge hier stehen, die -einzige Möglichkeit, jüdische Mandate -durchzubringen. Die Sache scheiterte an den Wünschen des Misrachi. Für Riga waren zwei Listen vorgesehen, eine mit Du bin an der Spitze und eine zweite oonseiten der Nationaldemokraten und der wirtschaftlichen Organisation. In K u r l and sollte di!e jüdische Liste N u r o ck als Spitzenkandidaten haben, in L-ettogülien Dub i n und N u r o ck. Geg-en diesen Dorfchl-ag erhob- Msrachi Einspruch und ging auch aus weitere Vorschläge der Aguda nicht ein. Dr. S i w weist in der Versammlung auf Grund seiner Erfahrungen auf einer Reise durch die Provinz. nach, wie die Aguda überall-sich nachgiebig gezeigt, im Gegensätze zum Misrachi, der die Bruderhand zurückgewiesen und damit die Einheit gesprengt hat. Misrachi, und darum geht es letzten Endes, der bis jetzt e i n Mandat im Sejm'hatte, während die Aguda über zwei