Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-08-16 · Heft 33 (16.8.1928) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 33 (16.8.1928)
Date
1928-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450527--75220-2532732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Der Israelit Nr. 33 Seite 9 16. August 1928 __ sichtigung der gesetzestreuen Interessen zu erreichen. Martin Fraenkel wird im Kreise der Breslauer Gemeinde und darüber hinaus im ganzen deutschen Judentum unvergeßlich bleiben-. Siegmund Petuchowski Berlin, 10. Aug. Nach nur dreißigjährigem Erdenwandel, einem Leben der Arbeit, der beständigen Vertiefung, des Schaffens und Ringens um seine eigene Vervollkommnung, ist der Mann heimgegangen zu seinen Vätern, dm diese Zeilen zu ehren berufen sind. Trauernd und bestürzt stehen wir an seiner Bahre und vermögen noch gar nicht zu fassen, wie schwer der Verlust den Kreis der omn getroffen hat. Siegmund Petuchowski war ein Mann, der an sein jüdisches Leben den Maßstab strenger Beurteilung legte, der ergriffen war von der Gewalt des jüdischen Gedankens und ihm umhegte mit der Unbegrenztheit seiner Liebe. Er hat das Judentum erlebt; denn Jude sein war sein Leben. An seinem Herzen trug er den Siegelring des Judentums, und tief, tief war darin eingegraben das große, unsterbliche Merkwort: ■'t\ ns*)’ naarv n'vrri Sein Leben war erfüllt von Idealismus, geschmückt durch edle Selbstlosigkeit, vor allem aber getragen von tiefster Gottesfurcht, in sich geschlossen durch die felsenfeste Ueberzeugung von der Wahrheit und Einzigkeit des Judentums. Ein Sohn des vor etwa zwei Jahren Heimgegangenen Raws der "Berliner Jüdischen Gemeinde, Dr. Markus Petuchowski führte er gemeinsam mit seiner jungen Gattin ein echt jüdisches Haus, das seine Weihe empfangen hatte in dem Entschluß des Heimgegangenen,'einen Wechsel in seinem Berufe vorzunehmen, um die Möglichkeit der eigenen Hausesgründung .zu beschleunigen. Sein sehnlichster Wunsch war, fein einziges Kind zu einem echten nun p und a'»v m, zu erziehen.. Etwa anderthalb Jahrzehnte hindurch hat er i-dp für r-nw Jahre hindurch, sogar zwei und drei- Male geleint, in der Alten Synagoge, der Schaß-Chewroh und Beis Jaakauw. An den wrrian v'v' stand er an der'alten Wirkungsstätte seines Vaters vor dem iiay- In der Chewroh Kadifchoh Groß-Berlin galt er als eines der tätigsten Mitglieder. Unvergessen bleibt im Kreise seiner Mitarbeiter seine Jcchre hindurch geleistete emsige, besonders liebevolle Arbeit in der Agudas Jisro el-Jugendgruppe. Was er auch tat, welchem Gebiet sein Interesse auch immer zugewendet war, derselbe Geist, dieselbe aus der Tiefe stammende und in die Tiefe dringende Frömmigkeit und dieselbe erschauernde Ehrfurcht vor der Ueberlieferung der Väter, die er im Hause seiner Eltern vor sich gesehen, adelte sein Tun. Darum war es nicht zu verwundern, daß die miap Siegmund Petuchowskis am Sonntag sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete. Hunderte und Aberhunderte kamen, um diesem schlichten, einfachen, allem Aeußerlichen abgeneigten Manne die letzte Ehrung zu erweisen. Die große Halle ' des rra erwies sich als viel zu klein, um die Erschienenen zu fassen. Dr. Si-egmund Stein-Köln, schilderte in seinen Ausführungen die besonderen Eigenschaften des Heimgegangenen und dankte dem Freunde zugleich im Namen der Agudas Jisroel wie der Vereinigung Jüdischer Akademiker. Namens der Familie sprach der Schwager, Dr. Tobias Jacobowitz, Prag. Möge rrapn der schwer geprüften Gattin, seinem Kinde wie dem Kreise seiner Angehörigen Kraft verleihen, diese schwere Heimsuchung seinem Sinne gemäß in Liebe zu tragen. rrrmrv Brandenburg a. H., 7. Aug. Frau Rahel Lewinsohn, ein biederes, treffliches Weib, feierte Ende JuU in voller Rüstigkeit ihren 80. Geb u rts tag. Schon in ihrer früher Jugend empfand sie im Elternhause die Pracht und Innigkeit des überlieferten Judentums. Ihr Vater, ein feinsinniger Gelehrter, machte sie vertraut mit dem Geiste deli'heiligen min und sogar — mit den rabbinischeu Schriften. Für diese Fächer waren ihre seltenen Geistesgaben seht ^empfänglich' und .bildeten den Inhalt ihres Lebens. ' ' Der ganze Adel jüdischen Wesens offenbarte sich in ihr und es ist rührend, mit welcher Gedächtnistreue sie noch heute viele Stellen aus und iivim auswendig zitiert. Der Mische Wissensschatz war eben für sie ein Leben und Weben, ein verständnisvolles Heimischsein in ihm selbst.,; Jeder weltlichen Zerstreuung, allen Vergnügungen abhold, führt sie in vornehmer Einsamkeit ein bescheidenes Leben, Und. gar viele Wanderer werden mit dankbarem Herzen ihrer Menen Gastfreundschaft sich erinnern. Wir alle wünschender Jubilarin einen schönen Lebensabend und rufen ihr .zu: mi? tr-iiwn nsa is i - Oberklingen i. O., 26. Juli. Kurz vor Vollendung seines achtzigsten Lebensjahres ist Herr Löb Neu, der in' der letzten Zeit im Haust, seiner Tochter in Reichelsheim: i. £h wohnte, nach kurzem Krankenlager zur ewigen Ruhe eingegangeni Mit ihm ist ein wackerer, überzeugungstreuer. Jehudr Nach arbeitsreichem Erdenwallen von uns geschieden. .Die hiesige Gemeinde verliert in ' dem von allen hochgeachteten Manne den langjährigen Vorsteher, der mehr als vier'Jahrzehnte'auch als °va'x n-Hv mit größtem Eifer und selbstloser.Hingabe gewissenhaft sei-! nes Amtes waltete. Aufrichtigkeit- und' Freundlichkeit gegen jedermann haben dem Entschlafenen bei allen Ortseingesessenen und den Bewohnern der weiteren Umgebung Ansehen und Achtung verschafft. Bis in die letzten Tage: seines Lebens hat der Heimgegangene treu und unverdrossen seinem Berufe obgelegen. Ein großes Trauergefolge geleitete die sterbliche Hülle des Entschlafenen zum sra in Dieburg, wo Rabbiner Dr. M e r z b a ch aus Darmstadt in zu Herzen gehenden Worten die vornehmen Charaktereigenschaften des Heimgegangenen schilderte. ^"XT. Rotenburg, 14. Aug. Seinen 83. Geburtstag beging der Kriegsveteran Samuel Wallach im nahen- Baumbach in größter Frische des Geistes und Körper. Er ist Kriegsveteran von 1870-71. Jesberg, 14. August. Am heutigen Tage begeht Herr Levi Katzenstein, das älteste Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde, im 77. Lebensjahre stehend, mir seiner Gattin Jeanette, geb. Bendheim, -in größter Frische die goldene Hochzeit. Das Paar genießt in allen- Kreisen der Bevölkerung Achtung und Beliebtheit. Rotenburg, 14. Aug. Heute begehen Moses Neritz aus II und Ehefrau Jettchen geb. Blach im nahen Baumbach ihre goldene Hochzeit in bester Rüstigkeit. Waltersbrück, 14. Aug. Die Eheleute Benes Moses dahier begingen in bester Gesundheitihre goldene Hochzeit. Schenklengsfeld, 14. Aug. Ihren 9 0. Geburtstag beging in größter Frische Frau Marianne Abraham geb. Lustig dahier. Sontra, 8. Aug. Seinen 75. Geburtstag beging in größter Frische Herr. Israel H e i -l b r u ti n. Walldorf a. W., 8. Aug-. Seinen 75. Geburtstag beging gestern,in bester Rüstigkeit Herr Simon Frühauf. Marburg, 8. Aug. Im ncchen Wetter beging gestern Herr Abraham L e h r b e r g e r seinen 70. Geburtstag. Reumorschen, 8. Aug. Seinen 70. Geburtstag beging Herr Levi Katz dahier in seltener Rüstigkeit. Bafel, 10. Aug. Das Schweizerische israelitische Waisenhaus wurde 1903 gegründet und begeht somit dieses Jahr sein 25jähriges Jubiläum. Der vor kurzem erschienene Bericht ist dementsprechend ein Jubiläumsbericht, als solcher gekennzeichnet durch drei schöne Illustrationen. Die eine zeigt Fassade und Hauptsront des Waisenhauses in der Gotthelfstraße. Auf dem Titelblatt sehen wir Samuel Dreyfus-Neumann f. A., -einen der Begründer und Hauptförderer des Hauses. Schließlich zeigt uns ein drittes Bild eine Gruppe wohlgepflegter Knaben und Mädchen um ihren Verwalter, Herrn Haas, der sich in den 25 Jahren als echter Waisenvater bewährt hat. Im Texte finden wir einen Ueberblick über die Errichtung. sowie Geschichte und Entwicklung des Hauses. Es werden auch die Namenall derer genannt, die sich um das große Werk Verdienste -erworben haben und die sich auf die ganze Schweiz verteilen. Im Anhänge sind sämtliche Zöglinge des Hauses feit seiner Errichtung namentlich ausgesuhrt. Eine Zusammenstellung der Betriebskosten ist bezeichnend für die Kurve des Lebensmittelindex. In den ersten zwei Jahren schwankten die Betriebskosten zwischen Fs. 10.000 bis 12.000. Um 1912 machten sie schon Fs. 20.000 aus. In den- Kriegsjahren betrugensie zwischen Fs. 25.000 und Fs. 35.000. Im Jahre 1927 beliefen sich die Betriebskosten auf rd. Fs. 40.000. . Nürnberg, 8. Aug. Das Landheim Sulzbürg (Obf.) der Esragruppe Nürnberg e. V. bleibt in diesem Jahre auch im September (über die israelitischen Feiertage) geöffnet. Ausgenommen werden können sowohl einzelne i Personen als auch Familien. Für best-e Bewirtschaftung ist Sorge getragen, betont sei, daß die landschaftlichen und klimatischen Vorzüge von Sulzbürg auch im Nach- Isommer noch eine hervorragende Crholungsmöglichkeir bieten. Pensionspreis wird sich auf etwa Mk. 4.— bis 4.50 stellen, ist also sehr mäßig. Interessenten wollen sich baldigst an die Geschäftsstelle (Dr. H. Klein-Nürnberg Bauerng-aff-e 36) oder an Herrn M. Wechsler-Nürnberg, Zufuhrstraße 25 wenden. Vermischtes. Skraznice (Mähren), 31. Juli. Am Sonntag den 6. Tamus fand unter zahlreicher Beteiligung der Eltern und Kultusmitgliedör die Schlußprüfung an der hiesigen' Religionsschule statt. Nach einigen- Begrüßungsworten durch -den Kultusvorsteher. Herrn Felix, konnte mandie aussteigende Linie -der Entwicklung des Wissens in den einzelnen Klaffen -deutlich mitansehen. Unsere Jüngsten, die Schüler der ersten Bolksschulklaffe, lasen aus der Fibel Hebräisch mit großer Geläufigkeit, -und eswar eine Freude, wie diese Kleinen an die Tafel herantraten, um Schriftproben des Jüdisch-Deutschen zu geben. Die Schüler der zweiten Klaffe haben — selbstredend aus dem Gebetbuch — mit der Gewandtheit des Großen gelesen. Hier werden auch -die Anf-angsgründe der hebräischen Grammatik durchgenommen-. Die Mädchen der Volks- und Bürg-erschulen-klaffen haben- -die biblische Geschichte bis zur Offenbarung am Sinai tschechisch durchgenontmen, ebenso wurden tschechisch übersetzt die ersten und letzten drei Segenssprüche des Achtzehngebetes und das Sieben-Gebet von Freitag Abend und den ersten der Pirke-ovaus ebenfalls' tschechisch. Die Mädchen wußten die Traditionsk-ette von Moses bis Hillel, konntendie Aussprüche der einzelnen Lehrer übersetzen und erklären und den hebräischen- Text auswendig. Zum Schluffe kamen die Schüler des hiesigen Realgymnasiums. Diese hatten 10 Psalmen deutsch- und tschechisch übersetzt und den ersten und zweiten Perek der. Mischn-ajot vom Traktate Berachot. Und zu allerletzt wurden noch einige Haftauros geleint. v Hierauf nahm der Kultusvorsteher das Wprs, um seiner und der Anwesenden Befriedigung über' die erzielten Erfolge und der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, daß -die Eltern das, was in der Schule gelehrt, im Hause m die Tat-umsetzen. ' Herrn Rabbiner Dr. Rosenstein, unserem Lehrer und Leiter der Gemeinde, sch auf diesem Wege für diese chönen Erfolge herzlichst gedünkt; scheut er ja nicht die Rühe, um mit größter Ausdauer das jüdische Leben im wahrsten Sinne des Wortes zu heben und zu fördern. Budapest, 31. Juli. Es frind viele, die ihrem Seelenwun-sche, die Gräber der Eltern, Großeltern-, Kinder, Gechwister und Verwandten am Jahrzeitstage aufzusuchen und dort zu beten, nicht nachkomm-on können. Daher hat unser „Verein der orthodox-israelitischen Kultusbeamten in Ungarn" beschlossen, -die im Auslande weilenden Glaubensbrüder aufmerksamzu' machen, -daß unser Verein, dem die orthodoxen Kultusb-eamten im Lande angehören, die pietätvolle Pflicht übernimmt, die Gräber der Verstorbenen zu pflegen, am Jahrzeitstage irmm a«nmjj zu lernen und zu beten-. Nähere Auskünfte erteilt unser Präses: Herr Rechtsanwalt Dr. Arthur Stein, Budapest, VI. Hajosgaffe 12. Heidelberg. 10. Aug. Es sei nochmals-darauf hingewiesen, daß für jüdische Studenten, die in der altbekiebten Universitätsstadt Heidelberg ihren Studien obliegen, sich in dem seit kurzem hier auf Veranlassung des Hamburger „Vereins zur Förderung ritueller Spöisehäuser" e. V. hier errichteten Restauration Blum . (Wmnstock) Gelegenheit zu guter ritueller Verpflegung zu mäßigen Preisen bietet. Diese Tatsache sollte -ein Zugmittel für Mdische Studierende sein, daß sie, wie es in früheren Zeiten der Fall war, für einige Semester nach Heidelberg, kommen. Prag, 10. Aug. Seit -dem Umsturz studieren an den Prager Hochschulen zahlreiche junge Leute aus der Slowakei und Podkarpatska Rus, aus Ungarn, Rumänien und Polen. Viele von ihnengenießen nur rituelle Kost — und sind dabei unbemittelt. Ebenso kommen regelmäßig Reisende aus-diesen Ländern nach Prag, die geschäftlich oder bei den Behörden, zu tun haben oder in einem Krankenhause Heilung von ihren Leiden suchen. Oft kommen ganze Schulklassen zum Besttche der Hauptstadt und sollen billig und dabei rituell verpflegt werden. Es wurde -eine Mensa Ritualis gegründet, die mit der hiesigen Volksküche vereinigt wurde; aber diese wird in Prag sehr wenig unterstützt, weil die Prager Juden zum allergrößten Teile die Notwendigkeit einer rituellen Verköstigung nicht anerkennen. Ebensowenig aber wird sie im früheren oder ' heutigen Ungarn gfeördert. Sofern von dort aus Prager jüdische Einrichtungen unterstützt werden, geschieht dies zu Gunsten der großen- Mensa, die nach -eigener Angabe unrituelle Kost verabreicht. Wir haben es bisher vermieden, die jüdische Oeffentlichkeit in Anspruch zu nehmen. Jetzt aber find wir dazu gezwungen, denn unser Haus, in welchem bisher gegen ganz geringes Entgelt die Mensa untergebracht war, wird in kürzester Zeit niedergerissen und wir bedürfen außerordentlicher Summen, um in einem neuem die Miete, die für mehrere Jahre auf einmal verlangt wird, eventl. noch eine hohe Abfindungssumme zu erschwingen. Wir bittendaher dringend um ausgiebige Hilfe. Geldsendungen werden an das Kuratorium, Dr. S. Lieben in Prag, V Br-ekova 3, erbeten. Carolus 48005 ist meine neue Telefon-Nummer G Bernh. Rubinstein Inhaber der Firma H. OPPENHEIM Papier-Handlung früher Börsenplatz 1 jetzt: Obermainstrasse 181. Iriseraiten-Annahme für sämtliche hiesige u. auswärtige Tages- und Wochenblätter zu Originalpreisen G Druck Sachen: Visitkarten » Familienanzeigen »Geburtsanzeigen ♦ Brismilohkarteh ♦ Barmizwoh-Einladungen ♦ Dankkarten ♦ Hochzeits-, Trauer¬ und Danksagungsanzeigen etc. etc. in Buchdruck und Lithographie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.