Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1928)
- Date
- 1928-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 33 Seite 7 16. August 1928 gtzlir anerkannt werden Md radikal-freiden-kevische RaübijM im Derb Mde die führende Rolle spielen. orthodoxen Kreisen hat man besürchteti, daß nun nicht nur der Verband, sondern die einzelnen Gemeinden das Recht haben würden,' -ihren- Charakter als nichtovchodoxe Gemeindenzu^ verschleiern und sich mit dem Namen „Jeschurün" zu decken. Glücklicherweise ist dieser Befürchtung durch eine behördliche Interpretation nunmehr der Boden entzögen worden. Lediglich dem G e - s am t v e r b a nd ist der Name „Jeschurun" genehmigt worden, dagegen müssen die eirnzelnen, nicht-orthodoxen Gemeinden, 'soweit sie nicht dm Namen „Status quo“ bereits jetzt führen, fortan sich als Kongreß-Gem e i n d e n bezeichnen, ein Ausdruck, dessen Bedeutung in der Slowakei jedem bekannt ist. GvrechenlEd. i)ie Juden in Saloniki und die Partamentswahlen. Saloniki, 1. August. - Die Judenheit Salonikis hat den Entschluß gefaßt, an den kommenden Wahlen zum griechischen Parlament teitzünehmen, obwohl der gegen den Willen der Jndenschaft eingefühtte speziell jüdische Wahlkcktaster, wonach die Juden in gesonderten Wahllokalen ihrer Wahlpflicht genügen müssen, trotz des Versprechens von Venizelos Nicht äbgeschafft worden ist. Bei den Wahlen im Jahre MZV 'WüsdeN von jüdischen Kandidaten ein Zionist und ein Handwerker, ferner zwei Kommunisten gewählt. Die Aussichten- -jüdischer ' Kackdidaten 'für -den kommenden Wahlkütri-hf chMen lsi-ch wegen der 'den Judenungünstigen "ÄßaHlWeisÄttMlürig''VerschkimMert. 'Nach der amtlichen Volkszählung haben gegenwärtig in Griechenland nur 48.ÜOO Juden Stcvatsbürgerrechte, mehrere tausend'Im 'VeN "wurden 'als 'Ausländer ^registriert. Bis 'jetzt -kandi-- 'ö-keben M 'Saloniki von jüdischer Seite- Ne kommunWschen Kandidaten nicht eingerechnet, der Zionist und Republikaner Becanci und - der Handwerker und Monär- -chrst 'Jizchük S'chaki. (ITA.) ' Jüdische Kandidaten zum griechischen Parlament. 'Saloniki,, 6. August. -Obwohl nach der neuen- Wahlkreis-EMiteilung nur zwei 'Jüdett aus Salotviki Ms griechische Parlament entsandt werden kSMen, ckäsididieren Juden aus vier verschiedenen Listen, und zwar auf -der besonderen-Mdischen Äste, -die von den Zionisten und den-führenden'Kreisen der jüdischen Gemeinde gestützt wird, der Präsident der Bnei 'Brith-Loge und Ehdeüsekbetär der israelWschen GMovnde David Matalon, sowie -der bisherige jüdische Deputierte Bessantchi; auf der antventzelistischen Liste der bisherige Deputierte Jfaac Seiaky und Daniel Alläsouf; auf der venizelistischen Liste Aaron Seiaky Md Flie Veissei; auf der'kommunistischen Liste Jacques Dentoura und der bisherige Deputierte David Soulam; fchlieMch auf isoliertm Listen Aomtov Nacoel und Jfaac Florentin. Schweiz. Mr die Jeschiwah Montreux. Zürich, 10. August. Am vorletzten Sonntag trat hier unter dem Vorsitz von Herrn Saly Harburger der engere Ausschuß des JeschiwähkuratoriUms zusammen. In Anbetracht, daß mehrere'Herren des Kuratoriums gegenwärtig in den Ferien sind, konnte das gesamte Kuratorium nicht einberufen werden. Herr Harburger berichtete von der schönen Entwicklung dieser Institution, die er jüngst persönlich anläßlich seines Aufenthaltes in Montreux wah-rnehmen konnte. Die Jeschiwah ist innerlich genau so aufgebaut und geleitet, wie die bekannten Jeschiwaus des. Ostens, wahrend sie äußerlich einen ganz modernen- Charakter trägt und den Verhältnissen des Westens durchaus entspricht; die Jefchiwah sei daher ein Segen für die schweizerische Judenheit. Herr A. W. Rosenzweig verlas einen Statutenentwurf, der vom Ausschuß genehmigt wurde und der dem Gesamt-Kuratorium übergeben werden soll. Herr Botschko berichtete ausführlich über die großen Fortschritte der Kinder und betonte, daß sie durch ihren großen Fleiß und die-intensive Studiumvertiefung uns große Freude bereite. Die Begeisterung fürs Lernen, die bei den Jüngerenallgemein herrscht, ist vorbildlich-. Die erfreuliche Tatsache, daß sich bereits im 2. Jahre die j Der Israelit Schülerzahl mehr als verdoppelt hat, kann als großer Erfolg des Jeschiwahgedantens bezeichnet werden. Berlin. U-eber antisemitische Anpöbel u n gen klagen jüdische Gäste in den Ostseebädern- Zinnowitz, Vrunshaupten, Lumbnin und- Kolbinfe-e. Daß die Kurkapelle Melodien bekannter antisemitischer Lieder spielt und iriie Kurgäste dazu den Text singen, -gehört nicht zu den Seltenheiten. — Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde bewilligte fiir die jüdische Sonderschan der „Prefsa" in Köln einen weiteren Betrag von Mk. 3000.—. Der Verb andderOstjuden erhält Mk. 6000.— und die Realschule in Haifa Mk. 1000.—. Breslau. Der rühmlichst bekannte Landgerichtsrat G ellin , ein getaufter Jude, -der vor kurzem wegen uNflMger antisemitischer A-MßerMgen-und Beschimpfung der Republik vom Gericht bestraft werden mußte, wurde, strafversetzt. Der Staatsanwalt hatte Diertst-entläfsung beantragt. Oppeln. Als Nachfolger -des verstorbenen Rabb. Dr. Braunschweiger wurde Dr. Lothar L u b a r s ch, bisher » in Hamburg, zum Rabbiner von Oppeln ernannt. Herr Dr. Philipp, der -bisher das Rabbinat in Oppeln intermistisch versah, erhielt - einen Ruf als zweiter Rabbiner nach Elberfeld, ^statzbürg. An Ne Türedes Konservatoriums, " in welchem zur ZertBer-K-ongr eß der jüdischen Jugend tagt, wurden vonbübischer Hand nächtlicherweise riesige Hakenk'r eu z e angebracht. Die französischen Behör- ^den verstehen hierin keinen Spaß und hckben ' strenge Untersuchung eingeleitet. Prag. Wie 'HttüMen Newen, wird 'den jüdischen Bürgern Mr Sloväkei vom uNgMWen'Kottsürat'dcks Visum -nach Ungarn 'verweigert, -mit -der -offenen Begründung,-daß ausländische Juden in Ungarn nicht erwünscht seien- . Es sollen Schritte dagegen in Pudäpest unternommen werden. Olmütz. 'Die ’-Ä ^L'D M'jrtz bei Olmütz in der Tschechvslorvakei ist Wön 'Är F' eü ecr k a - ta st r v'p'h e.-heimgesücht worden, -die das ' I ud e u » i e.r t,e l, fast ganz vernichtete. Die. Not ist groß. B'rüM. IM ZüsamEnhänge mit dem ^Per WeMn 'KLWrey -sd'zMstffchen "9n*' ternattonäle -Wurde eine -Palastimckk-on-- , f e r e n z abgehalten, aus der u. a. Eduard - .Bernstein und Emil Va nderv elde Reden hielten. Es würde ein Komitee zur 'Unterstützung der PälÄstinaarbeit - z-ebildet, dessen EKekutibaüHchüß' Müärd B'e r n- ,st.ein,, Dr. Breitscheid, 'Reichskanzler . ,Hermann Müller und Reichstagsprüsident; Paul L o e b e , neben den bekanntesten Füh- 'vern der Sozialdemokratie im ANMcMde,' ange- °Höven. — Major I. B. Brunol C o h en , Mt- <glied -des Unterhauses,, ist der Mhrer der britischen Delegation, die gegenwärtig -die belgischen f Sch-lächtfelder besucht. Brünn. Von-, einer Feu-erkämstrophe Wurde die Stadt Mährisch- . O st r a'u heiwgefücht. Die große Shnagoge, eines der --prachtvollsten Tem-pelgebäüde inder .Tschechoslowakei, -brannte -bis auf den- Grund, ab. Antwerpen. 30 jüdische Delegierte aus verschiedenen Ländern nehmen an dem gegenwäMg in Antwerpen tagenden Welt k o n g r e ß der .Esperantisten ^teil. Zu Ehren der jüdischen Delegierten wurde in der Antwerpen er Hauptsynagoge ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Rabbiner Saphra aus Annaberg in Deutschland hielt -die Predigt in Esperanto. Der Kongreß brachte dem Bruder und der Tochter des Esperanto-Schöpfers, Dr. Zamenhof, der bekanntlich Jude war, eine Ovation dar. Genf. Der Vierte Kongreßder Vertreter der n a t i on a l e n M i n d.e r h e i t e n. an welchem eine Anzahl jüdischer Minderheitenvertreter aus verschiedenen Ländern teilnehmen, wird am- 30. August ds. Js. in Genf zu tagen beginnen. Wie alljährlich findet auch dieser Kongreß um die Zeit der Völkerbund - Volltagung statt. Warschau. In- Warschau verstarb -plötzlich im Alter von 42 Jahren- Josef Steinberg, Mitglied - des Zentralrats des Weltverbandes der Zionisten-Rev-isionisten. Er stammte aus der Ukraine, wo -er in früheren- Jahren in der - Finänzwelt und im jüdischen öffentlichen Leben eine angesehene Rolle gespielt hat. Newyork. > In Atlantic City verstarb im Älter von 62 Jahren der bekannte Phi-lantrop aus Philadelphia, Solomon C. Kraus, Vizepräsident des Amer ikgn isch-Jüdif chen Kongresses und 8 Großmeister des Unabhängigen Ordens Britb » Schal om.' I Sodann berichtete Herr Botschko über den sinanziellen Stand der Jefchiwah und daß' mit der Vermehrung der Schüler auch die materiellen Mittel erheblich zugenommen haben. Es ist besonders erfreulich, daß ein> Deit der Eltern, deren Kinder die Jefchiwah besuchen, selbst ca. Fr. 2000.—monatlich beitragen. Die Jefchiwah hat zwar einen internationalen. Charakter, ist ab-er vorwieg-end eine schweizerische Institution, da von ihren 30 Schülern über zwei Drittel sch-w-eize-rische Kinder sind, und daher soll die Institution auch von der Schweiz erhalten werden. Wenn auch die Schweiz viele Institutionen erhält, ist die Jefchiwah auf dem geistigen Gebiet -doch die einzige. Herr Botschko legte alsdann dem Ausschuß ein Projekt vor, ein großes Anwesen zu mieten, -in dem die Jeschiwah ganz untergebracht werden soll; es hand-elt sich um das berühmte Schloß - „Quistfana". Dieses Projekt -wurde vom Ausschuß gütgeheißen und Herr Botschko zur Unterzeichnung eines längeren Vertrages ermächtigt. — Sodann entspann sich -eine Lebhafte Debatte, wie -die iw Jahreshudget an Fr. 50.000 noch fehlenden Fr. 15.000 aufgebracht werden sollen. An der Debatte beteiligten sich die Herren: Rabb. Kornfein, S. Harb!urger, A. W. Rosenzweig, T-epliz, Eiß, PMes und I. M. Herz. Wichtige Beschlüsse der Genehmigung des Kuratoriums Vorbehalten wurden -hierüber gefaßt. Allgemein kam der Wunsch zum -Ausdruck, sämtliche Gemeinden und Vereine zur Mitarbeit und zur weiteren Ausgestaltung -Weses Werkes heranzuzi-ehen. — Ein Gesuch des Rabb mer-Seminars aus Paris, eine Gruppe feiner Schüler firr -einen -Kurs -in die Jeschiwah auszunehmen, wurde unter gewissen Bedingungen, gutgehcißen. Herr Camille Lang und A. W. Rosenzweig wurden um wertere Beibehaltung der Zentralkasse gebeten. — Für den Monat September soll das gesamte Kuratorium nach Montreux einberufen werden. Rntzland. Ein roker Pogrom. Moskau, 12. August. Das Moskauer Organ der Jung-Kommunisten „Komfomolskäja Pmwda" b-orichtet, daß 60 Rekruten der Roten ÄrMee in betrunkenem Zustande einen Progrom gegen die jüdische Bevölkerung in Mohilew veranstaltet haben. Äüf dem Wege nach Mr^xlew stürmten sie sofort ein jüdisches Wurftgefchäft und" mißhandelten -den Besitzer in brutlckster Weife. Dann zerstörten sie «in jüdisches Hutgeschäft. Einen jüdischen Kürschnermeister pem-igten sie in der unerhörtesten Weife und warfen feine Pelzmützen in -eine Jaücheg-rube. Später stürmten sie -Äe Straßenbahnwagen Md warfen -alle jüdischen Fahrgäste hinaus. Jüdrfche Straßenpafsanten wurden brutal mißhandelt, die gesamte jüdische. BevölkerMg -terrorisiert. Darauf zerstörten sie die Jnnenelnrichtung eines Arbeiterkl-ubs. Dann stürmten sie den-Bahnhof und wollten der Bahnwache das Gewehr entreißen-, um sich bewaffnet gegen- -die jüdische BevölkerMg zu wenden. Endlich -traf eine A-b-teiMng Miliz ein, die die RekruteN-'Huligans umzingelte und abführte. . „Komfomolskaja Prawda" tadelt es, daß di-e Mohilewer kommunistische OrgM-isation versucht hat, den peinlichen Vorfall totzuschweigen- und fordert strengste Bestrafung aller Schuldigen. Auch sollen -die Leiter der komMun-lstlschen Orga-nifation sowie der Redakteur von „Nasch Putj", wegen des Totschweigens der Ang-ökeg>enheit zur Verantwortung gezogenwerden. Antisemitismus und kein Ende in Rußland. Moskau, 30. Juli. Die Moskauer ZeiMngen fahren fort, ihre Spaltenmit Berichten über den in Sowjetrußlcmd überhandnehmenden Antifemiitismus zu füllen und die zuständigen Organe zum Einschrelten gegen die schließlich -auch den Sowjetstaat vergiftende Seuche aufzufordern. Folgende von den Zeitungen mitg-e-teilte Tatsachen -illustrieren die Lage: In einer Sitzung der kommunistischen Partei ko mitees von Nnjepro-P-etrowsk teilte der jüdische Studierende des dortigen Technikums, Schkli'ar, mit: „Ich bin an Verfolgungen gewöhnt, aber diese haben einen Grad erreicht, daß sie nicht mehr zu ertragen sind. Ich sehe mich gezwungen, aus der kommunistischen Partei auszutreten und bindafür, daß alle Juden diese Partei verlassen. Ein Jude darf nicht Kommunist sein, sofern ihm das Leben etwas bedeutet." Schkliar teilte mehrere zahlreiche Fälle furchtbarer Mißhandlung und Peinigung kommunistische-r Studenten mit. Der 14jährige jüdische Schüler Grischa Wiwe in Kasan wurde von seinen Mitschülern auf eine Wiese außer-