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Der Israelit · 1928-08-16 · Heft 33 (16.8.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 33 (16.8.1928)
Date
1928-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 33 Der Asraelit 16. August 1928 will, und — auf dem Wege dieses an sich erfreulichen Strebens — d>em Zionismus in die Hände fällt. Die jungen Herren! wollen zwar beileibe nicht Zionisten fein, weil niemand besser als Paillere weiß, daß der Zionismus das jüdische Volk zu einem jener Wald- und Wiesenvölker degradiert, deren es genug auf Erden gibt. Aber es bleibt — beim Fehlen e i ner st a r k e n Agudas Jisroel in Frankreich — dieser Jugend kein anderer Weg übrig. So erlebt man! denn das Schauspiel, daß unter dem Schlagwort „Kein Zionismus, wohl aber Keren K a j e m e t h " diese Union zu einer Filiale des französischen Zionismus wird, und daß Männer, die aufrichtig die religiöse Tradition fördern wollen, ihr Geld und ihre Kraft in den Dienst von Institutionen stellen, die gang anderen Bestrebungen dienen, als denen der Thora. Hoffen wir, daß die weitere Entwicklung der Union, die man mit Interesse verfolgen wird, ein Erwachen bringt, und daß man, das zionistische Joch eines Tages abzuschütteln die Kraft findet. sie Gott.treu dienen oder nicht. Daß sich der israelitische König selbst Gott genannt oder das Volk an die Vergottung emes großen Herrschers gedacht hätte, ist ausgeschlossen. Der König ist der „Gesalbte" Gottes. Das Gesetz verpflichtet den Einzelnen vor allem Gott gegenüber und ist bestrebt, die sozialen Gegensätze auszugleichen, insbesondere schützt es die Kleinen und Schwachen. D u r ch d a s G e s e tz w ä ch st d a s Volk zur Einheit zusammen und in seinen schweren Schicksalen auch in der griechischen und römischen Zeit klammert es sich um so stärker an seinen Gott und an sein Gesetz. So ist ihm seine Religion der feste Boden geblieben, auf dem es sich erhalten konnte, als es schon läügst aus der Heimat vertrieben und in alle Länder zerstreut war. Das Unglück der Verbannung verstärkte nur die Liebe des Volkes zum Lande Gottes und noch kein Land- und keine Stadt war das Ziel so heißer Sehnsucht wie Palästina und Jerusalem mit dem Zionsberge, den Gott zu seinem Wohnsitze erkoren." Worte, die gehört werden sollten. Vor einiger Zeit konnten wir über die Ansprache berichten, die der derzeMge Nektor der Würzburger Universität, der bekannte Alttestamentler Johannes Hehn, aus Anlaß der Immatrikulation an die Studenten gerichtet hatte Hehn hatte hier deutlich auf die chauvinistischen und antisemitischen Strömungen in der Studentenschaft angespielt und dieselben enitschieden z u - rückgewiesen. Am 11. Mai hat Hehn wiederum bei der Stiftungsfeier der Universität als Rektor die Festrede gehalten, wobei er ein Thema aus seinem Fachgebiet (Untergang des Alten Orients) behandelte. Die Festrede ist jetzt im Druck erschienen. Sie enthält manches, was zu hören auch für j ü d i s ch e Kreise sehr von Nutzen sein dürfte. Tsie Schlußausführungen der Festrede, die „D er Unter g ang des Alten Or4ents" betitelt ist, lauten: „ ... So ist doch andererseits sicher, daß auch bei d e n s ch l i m m st e n nationalen Katastrophen i n den Völkern selbst wieder Kräfte geweckt werden kö^- n'-en, die sie' vor dem Untergänge bewahren. Das sehen wie an dem Volke Israel,-das allein von allen Völkern nicht bloß des Orients, sondern des Altertums sein Volkstum bis heute erhalten hat, obwohl die Voraussetzungen für sein Bestehen an sich äußerst ungünstig waren. Das israelitische Volk saß in einem armen, kleinen, größtenteils gebirgigen Ländchen, es hat niemals eine besondere politische Rolle gespielt. Der Zusammenhalt der Stämme ließ zu verschiedenen Zeiten sehr viel zu wünschen übrig, insbesondere waren durch die Trennung des Nordens vom Süden zwei ständig miteinander rivalisierende Reiche entstanden. Dabei stritten sich fortwährend die großen Mächte Aegypten und Babylonien-Assyrien um dieses Gebiet und brachten es abwechselnd unter ihre Botmäßigkeit. Schließlich wurde das Volk ins Exil geschleppt nach Assyrien und Babylonien, während der Rest nach Aegypten flüchtete. Aber das Merkwürdige ist, daß s i e a u ch i m fremden L a n d e I u d e n geblieben s t n d. Freilich ist die israelitische Geschichte insofern einzigartig, als im Mittelpunkt des staatlichen Lebens nicht der König, sondern das Volk steht. Das Volk erleidet seine Schicksale je nach seinem Verhalten seinem Gotte gegenüber. Die Könige werden gelobt, getadelt oder gestraft, je nachdem Tagung des hessischen Landesverbandes gefeheskreuer Synagogengemeinden. Es war ein schöner Sonntag. Draußen wehten die Fahnen. In Frankfurt marschierten Huin derttausende auf, um sich mit Sang und! Klang zur Fahne und zum Banner der Republik zu be kennen. Da versammelten sich im bescheidenen C o n c o r d i a - S a a l zu Darmstadt die Gesinnungsfreunde im Hessischen gesetzest r e u e n L a n d e s v e r b a n d e zu einer Manifestation für das Banner von Thora und E m u n a h , zu einem Gelöbnis für die Verfassung, die Gott selbst am Sinai seinem Volke gegeben und auf deren Grundlage allein Völker mit ihren Verfassungen, Gesetzen und politischen Bekenntnissen gedeihen können. Es war keine allzu große Schar, die da im stillen Saal versammelt war, aber treu zur heiligen Sache steht jeder von denen, die gekommen sind und die vielen, die aus irgend einem Grunde nicht kommen konnten, aber im Geiste mit dabei waren. Viele Lehrer aus Mittel- und Landgemeinden des Hessenlandes sah man dabei, viele Gemeindevorsteher und auch sonst Männer von Tat und Verdienst, die auf ihrem Posten ehrlich bestrebt sind, der geistigen Not auf dem Lande zu steuern,. In der Art, wie mancher Lehrer und mancher Vorsteher in der Diskussion den Niedergang der Landgemeinde nicht zugibt, einfach nicht gelten läßt, liegt Kraft, liegt der Wunsch und das Bestreben, diese Befürchtung nicht wahr zu machen. Und dieser Wille ist schon Weg zum Ersqlge. So ging ein Zug gesunden jüdischen, Optimismus durch die Verhandlungen von Anfang bis zu Ende- und — nehmen wir es gleich vorweg — ein ehrlicher Fri edens w ill e. Hessen hat noch einen zweiten, liberalen, oder sagen wir genauer, neutralen Verband, der von! Mainz aus geleitet wird. Der ältere Darmstädter Bruder ist von Mainz aus, als man dort die Gründung eines zweiten Verbandes für gut hielt, nicht gerade mit der schuldigen Achtung behandelt worden. Später haben die Mainzer wohl ihre Taktik geändert, sind bereit, dem gesetzestreuen Verbände und seinen Gemeinden in religiösen Belangen weit entgegenzukommen, so daß dem Darmstädter Verbände grundsätzlich^ ermöglicht wird, mit Mainz bezüglich einer Arbeitsgemeinschaft in außenpolitischen Dingen bis zu einem gewissen Grade zu verhandeln. Freilich, ohne ein Jota vom Programme, dem Thora und Schulchan Aruch zugrunde liegen, aufzugeben, und ohne damit' die absolute Unabhängigkeit des Darmstädter Landesverbandes im mindesten zu gefährden. Die in einer gemeinsamen Beratung, vom Darmstädter Landesverband eingereichten. Entwürfe als Grundlage einer gelegentlichen Zusammenarbeit würden vom Mainzer/ Verband a b g e l e h n t. Zu weiteren Verhandlungen erklärte sich Mainz bereit, und sie sollen unter den obengenannten Voraussetzungen auch baldigst wieder aufgenommen werden. Der starke Wille zum Frieden auf der Basis mmrnwi na«' Wahrheit und Treue, machte sich bei der Verhandlung, über diesen Punkt, die ein gut Teil der Aussprache ausfüllte, allgemein in erfreulicher Weise bemerkbar. Ueber die Verhandlungen selbst sei hier zusammenfassend berichtet: Gegen 11 Uhr -cröffniete der Vorsitzende des Landesverbandes, Herr Provinzialrabbiner Dr. M e r z b a ch, mit einem m^-Gruß die Versammlung. An hundert Delegierte und Tellnehmer, davon 60 von auswärts, waren erschienen. Darauf sprach ein warmes Wort der Begrüßung der um die Gemeinde und den Verband hochverdiente San.-Rat Dr. B o d e n h e i m e r im Namen der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Darmstadt. Herr Stud.-Rat Munk aus Frankfurt a. M. überbrachte den Gruß des Bund es gesetzestreuer Lehrer in Deutschland, worauf nun der Vorsitzende nach Verlesung von Begrüßüngstelegrammen und Entschuldigungen und nach Wahl des Präsidiums (Rabb. Merzbach; Lehrer Kaufmann, Sprendlingen; M. Mayer, Darmstadt; Oppenheim, Michelstadt und' Hugo Cahn, Mainz) das Wort zur Erstattung des Geschäftsberichtes ergreifen konnte. Fragt man nach den Tasten des Verbandes, so sei gesagt, daß schon die Idee des Verbandes eine Tat ist. Sie sagt: kein Judentum ohne Thora! Diese Parole macht das Wesen der Organisation aus. Aber es wurde auch Arbeit im Einzelnen entfaltet und Erfolge find zu verzeichnen. Der Verband umfaßt z. Zt. 41 Gemeinden, zwei sind im Berichtsjahre neu hinzugekommen, andere haben ihren Beitritt in Aussicht gestellt. Nach und nach dringt bei den nnn-» die Erkenntnis durch, daß eine Zu-, gehörigkeit zu einem gesetzestreuen Verbände eine Lebensnotwendigkeit der Gemeinde sei. Der Verband fühlt sich innig verbunden mit den großen gesetzestreuen Organisationen, so mit dem Halbierstädter Bund, dem Keren Hathora, der orthodoxen! Presse und ihrem fiihrenden Organe, dem „Israelit". Der Vorsitzende teilt-mit, daß seit einiger Zeit der Verband ein eigenes, monatlich erscheinendes Organ besitzt, in der Form einer Beilage zu der „Deutsch-Israelitischen Zeitung, Laubhütte", mit der ein Abkommen getroffen werden konnte, das sich den geringen finanziellen Mitteln' des Verbandes anpaßt. Erfolge hat der Verband im Berichtsjahr zu verzeichnen auf dem Gebiete der Sabbatheiligung. Es wurde bewirkt, daß Kinder vom Schulunterricht am Sabbat m Hessen befreit werden können. Die ^Errichtung einer S t e l l e n v e r m i. t t l u n g sei geplant und in die Wege geleitet, Lehrerschiurim wurden hie und da -eingerichtet, Subventionen und Stipendien im Rahmen -des Möglichen erteilt. Auf Erreichung eines Staatszuschufs -e s für die Lehrer muß noch.energisch hingearbeitet werden. Ueberhaupt habe der Verband sein Augenmerk auf die Besserstellung der Lehrer, von denen Bestand und Zukunft der kleinen Gemeinde abhängeN,, gerichtet. Die finanzielle Lage, nn den Gemeinden sei oft schwierig, dieses sollte erst recht ein Grund für die Gemeinden sein, den Anschluß an den Verband zu suchen, der nicht Mein Opfer verlangt, sondern auch- Hilfe reicht. Die Einnahmen des Verbandes betrugen insgesamt Mk. 3439.70, die bis auf einen Rest von Mk. 400.— für seine Zwecke verausgabt wurden. Interventionen heil-,der Regierung hat der Verband wiederholt in- Steuersachenunternommen, auch zur Abwehr -einer Majorisierung.von liberaler Sette. Das Austrittsgesetz., dessen Abschaffung die Selbständigkeit der. gesetzestreuen Gemeinden gefährden würde, mußte verteidigt werden. In Sachen der S ch e ch i t a ist in Verbindung mit den zuständigen Instanzen im Reiche manches geschehen. In zwei Fällen konnten alte jüdische. Friedhöfe, die der Vernichtung anheim fallen sollten, gerettet werden, in einem Die Markender TängermÜDcler Schokoladenfabrik

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