Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1928)
- Date
- 1928-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450527--75214-2532726- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16. August 1928 Hung der Kolalim geben Aufschluß über manches, das wir heute nicht verstehen, Kämpfe in und um W o I o f;cf) i y finden ihren Chronisten, Gang und Nachwirkung der Aufklärung im Westen, die Gegenwehr in Berlin, Frankfurt und Mainz spiegeln sich in Leitbildern. Die Fernwirkung des Mainzer „Israelit", in Verbindung mit dem hebräischen in Rußland wird festgehalten. Aus den Kämpfen um Cheder und Melamdim, vom Treiben der Maskilrm und der Asfimilanten i N und jenseits der Gaste wird erzählt. Rabbi Jizchok Elchonon, dessen langjähriger Schriftführer der Verfasser war, steht, eine eiserne Säule im Wanken, der Zeit, in ragender Größe da. Moses Montefiore sucht seine Brüder im Osten, und der Eindruck dieser Reise auf die jüdischen Schichten wird festgehalten und wiedergegeben. Dazwischen persönliche Reminiszenzen, hübsch und klar, in feuilletonistischer Rundung. Ein Mensch und ein Jude, dem alles Jüdische nah und alles Menschliche nicht fremd ist, spricht zu uns aus der Tiefe und der Fülle seines Erlebens in einem Menschenalter, das so reich an Wandlungen und Ereignisse war wie kaum eine Epoche in der jüdischen Geschichte. Jacob Halevi Lipschütz stand damals allein mit guter moderner Waffe im Kampfe gegen die vielen. Sein Wort, das nach seinem Tode zu uns dringt, wird den Vielen, die heute unter veränderten Zeitverhältnisten im Kampfe auf unserer Seite stehen, Wehr und Waffe geben. Wochenrundschau. Agudas Jisroel und die Jewish Agency. Obgleich der Verlauf der Berliner Tagung des zionistischen Aktions-Komitees keineswegs eine unbedingte Sicherheit dafür bietet, daß bei den werteren Verhandlungen der zionistischen Führer mit den amerikanischem, Geldgebern nicht noch starke Schwierigkeiten auftauchen werden, spricht doch die größere Wahrscheinlichkeit für eine endgültige Einigung. Aus dem ganzen Verhalten der zionistischen Opposition spürt man allzu deutlich heraus, daß auch die ArbeÄerparteien keineswegs den Mut haben werden und den Mut haben können, auf das amerikanische Geld zu verzichten, auch dann, wenn sie noch größere Der Israelit Opfer des Intellektes hinsichtlich ihrer sozialen, ökonomischen und nationalen Ueberzeugumigen zu bringen haben sollten, als es bisher der Fall war. Weizmanns Position ist also die denkbar stärkste. Unter diesen Umständen erscheint es begreiflich, daß auch in orthodoxen Kreisen erneut die Frage erörtert wird, ob es denn keinen Weg gäbe, .um in eimie ihres z i o n ist i s ch e n Charakters e n tck l e i d e t e Jewish Agency auch die organisierte Orthodoxie einzubegreifen und damit auf wirtschaftlichem Gebiete nicht nur eine Einheit der vorhandenen Kräfte zu Gunsten des Aufbaus von' Erez Jisroel herzustellensondern eben aus. dem Gefühl der Einheit heraus diese Kräfte noch zu steigern. Mit dieser Frage beschäftigt sich auch das offizielle Ägudaorgan in Wien, „Die Jüdische Presse" in ihrer letzten Nummer. Es scheint uns aber, als ob der Leitartikel des Blattes, der dieser Frage gewidmet ist, eine an sich zwar äußerst wertvolle, aber in Abwesenheit der verantwortlichen Agudaführer hergestellte Ferienarbeit darstellt. Es könnte sonst darin nicht heißen, daß es „selbstverständlich die Pflicht der politischen Leitung der Agudas Jisroel gewesen wäre, bei den Verhandlungen über die Jewish Agency emiergifch für die Interessen der von ihr vertretenen orthodoxen Massen einzutreten." Der Verfasser des Aufsatzes scheint nicht zu berücksichtigen, daß die Aguda dieser Pflicht in vollem Umgang nachgekommen ist. Die Bedingungen, unter denen eine Teilnahme der Agudas Jisroel an> der Jewish Agency möglich wäre, sind bekamMich auf Grund einer Vorentscheidung des Rabbmischen Rates schon im Jahre 1922 (Zentralratssitzung in Breslau) durch die palästinensische Abteilung des Rabbinischen Rates unter Teilnahme des Rabbi von Ger festgestellt worden. Auf Grund dieser Entscheidung fanden dann cm Mai 1925 die bekannten Verhandlungen mit der zionistischen Exekutive in London statt, aus denen sich die Unmöglichkeit ergab, auf der bisher gegebenen Grundlage weiter zu verhandeln. Möglich wäre eine Teilnahme der Aguda. an der Agency nur dann, wenn erstens die Agency, bezw. das ihr zur Verfügung stehende finanzielle Instrument ausschließlich für rein wirtschaftliche Aufgaben Verwendung fände, und wenn zweitens bei der Lösung dieser wirtschaftlichen Aufgaben die Wahrung des Religionsgesetzes im Sinne des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel gewährleistet wäre. Es war ein Höhepunkt jener denkwürdigen Verhandlungen, als der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. "Weizmann, selber ausführte, eine Beteiligung der Agudas Jisroel, so sehr er sie ersehne, sei schon darum unmöglich, ___ Nr. 33 Sette 3 weil in den von der Agency doch gewiß zu fördernden Kewuzoth ein Lebensideal tzepflegt und sozial verwirklicht würde, das im schroffsten Gegensatz zu der von der Agudas Jisroel Vertreterin jüdischen Tradition steht. Inzwischen hat sich hinsichtlich der Grundlagen, aus denen die Agency aufgebaut fein wird, anscheinend nichts geändert. Nach wie vor will man den Keren Hajeffod zum Instrument der Agency machen, nach wie vor aber auch aus dem Keren Hajessod die kulturelleni Institutionen, die zum großen Teile im Dienste der Zerstörung des überlieferten Judentums stehen, speisen. Die Möglichkeit erneuter Verhandlungen wäre nur dann gegeben, wenn man in der Tat eine vollkommene „Oekonomisierung" der Agency vornähme und a l I e: Aufgaben, an denen sich die Geister weltanschaulich scheiden, auf Sonderfonds außerhalb des Machtbereiches der Agency abwälzte. Gin Weltverband der Jugend. Aus Straßburg kommen Berichte über den dort stattgehabten Kongreß eines „Weltverbandes der jüdischen Jugend", der allerdings bisher sich auf Frankreich beschränkt, aber den merkwürdigen Ehrgeiz besitzt, die jüdische Jugend der ganzen Welt, insbesondere auch des Ostens, unter seine Fahnen zu rufen! Was die Union und den von ihr einberufenen Kongreß auszeichnet, ist bisher ,nichts weiter als die Persönlichkeit des Präsidenten. Es ist der in diesen Blättern als Verfasser des „Unbekannten Heiligtums" wiederholt genannte französische „Ger Toschab", A r me Paill ec e. Paillere scheint allmählich doch zu der Ueberzeugung gekommen zu sein, daß seine missionarische Wirksamkeit im Kreise der radikalen französischen Sonntagsreform auf die Dauer kein ausreichendes und befriedigendes Feld für ihn bilden dürfte. Er ist also dem Rufe gewisser Kreise der französischen jüdischen Jugend gefolgt, die von einem unbestimmten Sehnen nach Vertiefung ihrer Beziehungen zum Judentum geleitet werden und sich nur schwer zur Klarheit durchringen können. Sehr viel guter Wille und' s e h r v i e l U n k l a r h e i t — das sind denn azich die Kennzeichen der Union, die in diesen Tagen in Straßburg ihren Kongreß abgehalten hat. Man will auf der einen Seite durchaus ein r e l i g i ö f e s Judentum pflegen und sich dazu erziehen, auf der anderen Seite bietet natürlich das bis zum äußersten konfessionalisterte, gänzlich geschichtslos gewordene französische Reformjudentum ein so abschreckendes Gebilde für jedes-gesunde jüdische Herz, daß es so begreiflich ist, wenn die Ingend darüber hinaus Lernen, die Stadt Half«, Alt-Haifa und Kolonie Hadar Hakarmel, die Kolonie Machns Jisroel, die von der Agudas Jisroel begründet würde u. v. m. Es werden somit Ansichten geboten, die für jedermann Jnieresse haben und die man nicht oft im Mm zu sehen bekommt. (Jüdischer Gedachknisgottesdienst an dem Menin-Gake- Denkmal bei Ipern.) In Verbindung mit der Pilgerfahrt der britischen Legion zu den Schlachtfeldern' in Belgien wurde an dem Menin-Gate-Denkmal in der Nähe von Ipern ein Gedächtnisgottesdienst zum Gedenken' an die 134 jüdischen Soldaten aus Großbritannien, deren Namen aus dem Menin Gate-Denkmal unter 52 000 anderen britischen Soldaten, die in diesem Sektor sielen«, deren Gräber aber unbekannt blieben, verzeichnet sind. Der Gottesdienst wurde von den Rabbinern' Michael Adler, M. Gollop und I. F. Stern geleitet. Zahlreiche Verwandte der Gefallenen, die sich an der Pilgerfahrt beteiligten, wohnten der Feiler bei, bei der sich bewegte Szenen abspielten. Viele der Anwesenden brachen in Tränen aus. Nach Rezitierung des „Schma", der Psalmen und der Haskarah wurde die Liste der Gefallenen verlesen, woraus Rev. Michael Adler eine Ansprache hielt, in der er den Heldenmut der jüdischen Soldaten hervorhob und den Trauernden namens der Jüdischen Gemeinde das Mitgefühl aussprach. Zum Schluß wurde das Kaddisch- Gebet gesprochen und die Nationalhymne gesungen'. (Das Firmenschild von Moses Mendelssohn.) Ein Vertreter des „Lodzer Tageblattes", veröffentlicht feine Eindrücke auf einer Reife durch Deutschland. In D e ss au, der Geburtsstadt von M o s es M ende l s - sohn, so erzählt er, hatte ich den begreiflichen Wunsch, das Haus, in dem der große Philosoph das Licht der Welt erblickt hatte, wie überhaupt alles, was mit ihm und ferner, Kindheit zusammenhängt, zu besichtigen. Da stieß ich gerade auf einen deutschen Juden, 'trat-an ihn« heran und sagte höflich: „Sie sind doch hier ansässig, so könnten Me mich doch vielleicht aus die Spuren von Moses Mendelssohn führen." „Recht gern-," antworteteder Mann bereitwillig, „kommen Sie nur mit." Wir gingen so ungefähr eine halbe Stunde durch belebte Straßen, bis wir vor einem Haufe Hakt machten. „Hier!" deutete mein Führer mit dem Finger und verschwand wortlos. Ich stand vor dem Hause und las darüber auf großem Schilde: „Metzgerei und Großfchlächterei von M. Mendelssohn . . ." (Die Kriminalität der Juden.) Unter diesem Titel veröffentlicht Dr. Rudolf Wassermann in München in der „Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform" einen Aufsatz, dessen Ergebnisse zwar nicht neu sind, der aber jedem, der sich für das Thema interessiert, eine sehr willkommene und kritische Zusammenstellung des vorhandenen Materials bietet. Es ergibt sich, daß das soziale und berufliche Milieu von entscheidender Bedeutung ist für die Beteiligung der Konfessionen an den einzelnen Delikten. Während bei der christlichen Bevölkerung Deutschlands die Gewalttäitgkeits- und Roheitsdelikte überwiegen, herrschen bei den Juden, dieeben fast ausschließlich Kaufleute und Angehörige der freien Berufe sind, die betrügerischen' Vermogensbeschädigungen vor. Wie sehr das Milieu bestimmend ist, zeigt z. B. die interessante Tatsache der Kriminalität in der Stadt Amsterdam. Dort ist die überwiegende Zahl der Juden als Fabrikarbeiter in der Diamantschleifer-ei beschäftigt. Sofort zeigt sich, daß dort die Körpervevletzungs - Ziffer der Juden annähernd an die Ziffer der Verurteilungen! von Christen, wegen des gleichen Deliktes heranreicht, ihre Betvugsziffer aber nur die Hälfte so groß ist wie diejenige der Christen. Es wurden dort im Durchschnitt der Jahre 1901 mit 1905 bei je hunderttausend Personen der gleichen Religionsgemeinschaft verurteilt: 23 Christen wegen Körperverletzung gegen 19 Juden und wegen Betrugs 3,8 Christen gegen. 1,9 Juden. Inwieweit dennoch bei« der Kriminalität Veranlagung, Erziehung und andere Momente mitspielen, läßt sich auf statistischem Wege sehr schwer beurteilen. Mochenkalender. v. 18. - 25. Aug. 1888. v. 3. — 9. Elul 8888. D Samstag Aug 18 Ws 2 a 15 Sonntag 19 3 3 Montag 20 4 Dienstag 21 5 Mittwoch 22 6 Donnerstag 23 7 Freitag 24 8 Samstag 25 9 yo^iMs- Moritz Wolf Zigarren -oerautwortUch für am adgemettten Ten unü oos jtcutueto« S. Schachnowttz» Frankfurt a. SR.; Inserate i. SB.: «.Schatz» Nvwttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kt. Osfenbach). — Verlag »Israelit". G.m.b.H., Frankfurt a. SB. — Druck Hermo« Verlags« Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M.