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Der Israelit · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Ufaifcv ieioiigegei» do> dec Candesovsonifalloii dev Jlgndas-Jiscoef ln ttiffdiud. 14* Jahrgang Hamburg, 9. August <928 / 26. Aw 5688 Nummer 17 Schristleitung: Wolf S. Jacoöfon in K-wÜurg. Agudas Jisroel und kehilla! Einer der beiden Herren, die sich in Nr. 16 der „Blätter" zu obigem Thema äußerten, schreibt: . . . „darum erleben tt% heute das seltsam schmerzliche Schauspiel, wie innerhalb der Kehilla die Kehilla bejaht und die Aguda verneint und innerhalb der Aguda die Aguda bejaht und die Kehilla verneint wird. Die Verneinung der Kehilla hier und die Verneinung der Aguda dort: beide ein gleich trauriges Dokument von unserer Zeiten — Schande!" Trifft der Vorwurf der Kehillaverneinung die Agudisten, sind sie geneigt, „die Idee des Klall Jisroel mit überlegenem Weitblick dem „beschränkten Kehillageist" gegenüberzustellen?" 1. Es ist wahr, daß Agudisten stolz darauf sind, und ganz besonders Kreise unserer Jugendlichen, jener Seelenhaltung den Kampf angesagt zu haben, die ich in diesen Spalten bezeichnete als eine enge, das Ich wuchtig in den Mittelpunkt stellende Auffassung des Lebens und seiner Erscheinungen, als den „Kehillismus", der in der Wahl zum Parnes das letzte Glück, die höchste Würde sieht, der die Jnteressennahme am Geschehen der Welt, die Beteiligung an den Aufgaben des Klall Jisroel als unnütze Kraftvergeudung und Zeitverschwendung ansteht. „Kehillismus", das ist der Geist der Selbstgenügsamkeit, Engherzigkeit und — zunächst in diesem Sinne — Beschränktheit, den nicht erst Agudisten, nein, den schon die Weisen des Raba und Tanchuma in Anlehnung an Mischle XXIX, 4 gegeißelt Haben. Sie rechnen mit jenen ab, die sich betrachten als die im Winkel des Hauses liegende Trümo, sorgsam und allen Vorschriften gemäß erhoben, und dann sprechen: „Was soll ich mich mit den« Nöten der Gesamtheit plagen, was gehen' mich ihre Kämpfe und Sorgen an, ich verschließe mein Ohr ihrer Stimme, däß meine Seele in Frieden lebe." Solche zerstören die Welt und darum vernichtet Gott sie: nJO’iTP mann wxv Das ist fein Mann nach dem Herzen Gottes, der in „heiligem Egoismus" nur an s e i n Seelenheil denkt, darüber aber ganz beruhigt die Seelen seiner Genossen vergißt. Und auch der nicht, der über die Wohlfahrt einer Gemeinde wachend-, den Noten der Gemeinschaft sein Herz verschließt. Sie sind keine „mit den Bedürfnissen des Zibbur in Treue sich Beschäftigende", die in ihrer Sorge um das Gedeihen der Gemeinde so tun, als wüßten sie nicht, daß nach Raschi das Zibur die groheGemeinde G e s a m t i s r a e l s ist, als wüßten« sie nicht, daß die Kehilla nur, wie der eine Verfasser sagt, „die Urzelle der jüdischen Gemeinschaft" ist, nur „die unterste Zelle des jüdischen Volkskörpers", wie der andre sich aUsdrückt, niemals aber Gemeinschaft bezw. Polkskörper selber. — Das Herz krampst sich, wenn wir erleben, daß in klassischen Kehillaus, den Gründungen Hirschs und Hildesheimers, Kehillaführer mit unverhohlener Interesselosigkeit der Aguda gegenüberstehen, von einer Etablierung agudistischer Gremien in ihrer Mitte eine Abziehung des Interesses der Baale Batim von den Institutionen der Kehilla befürchten, und darum gegen solche Etablierungen sich stemmen. Und wir waren des Glaubens immer, daß „wie damals die Kehillagründung nur aus dem Pflichtgefühl der ewigen Verbundenheit mit dem Klall Jisroel erfolgte", so auch die Erhaltung der Kehilla nur aus diesem Pflichtgefühl heraus erfolgreich und für alle Zeiten möglich und notwendig sein könne. Und wenn wir jetzt darunter leiden, daß bedeutende Führer der Agudas Jisroel, Männer, die innerhalb der Kehilla die Aguda durchaus bejahen, sich durch Ereignisse in der Kehilla, deren Bedeutung gewiß nicht verkannt werden sock, die aber, wie immer sie sich gestalten, nach Meinung aller Unbeteilr g t e n , die Gesamtheit des Klall Jisroel in seinem Lebensnerv nicht treffen, von der Arbeit an der Agudas Jisroel abhalten, völlig abhalten lassen, und dann darüber Unmut und Verstimmung in weitesten agudistischer! Kreisen herrscht, so soll man auch dies verstehen. Man soll keineswegs daraus Schlüffe weitgehender und allgemeiner Art über die Haltung der Agudisten gegenüber der Kehilla ziehen. Denn Mißbehagen über solche Erscheinungen bedeutet nicht Unterbewertung der Kehilla, bedeutet durchaus nicht ihre Bagatellisierung. 2. Der Herr Verfasser dürste das Glück haben, in einer Gemeinde zu leben, die den „Begriffen Zibur, Kehilla, eda mit ihrer eindeutigen Verwurzelung im Geiste der Thora und Mizwoh" vollauf entspricht. Er dürfte in einer Gemeinde leben, die „die geschichtliche Form der jüdischen Gemeinschaft" darstellt, in ihren Institutionen nicht nur, auch in ihrer Fundierung und in ihrem Aufbau. Und er scheint es sich nicht vorstellen zu köntten, wie es in den Herzen derer aussieht, die in Gemeinden leben, wo die Dinge nicht so günstig, eindeutig und unumstritten liegen. Sonst müßte er verstehen, da er doch auch die Psyche der Zionisten so feinfühlig zu deuten weiß, daß diese Menschen, gerade weil ihnen das Ideal der w ah ren Kehilla so hochsteht, nachdem sie es in ihrer Gemeinde nicht oder nicht restlos verwirklicht sehen, zur Agudas Jisroel als Rettungsanker greifen. In Agudas Jisroel das wahre, große Zibur suchen und finden, das ihre Gemeinde ihnen nicht bedeuten kann, die TO die für Gott und Sein Gesetz zeugende Gemeinde der Vielen. „ DieKehill 0 istgew 0 rden , die Aguda ist im Werden". Sehr richtig! Wer aber nicht die Konsequenz besitzt — und ich glaube, daß dieser Mangel eher Tugend, denn Fehler ist — alle nicht programmatisch thoratreuen Gemeinden als nicht vorhanden zu betrachten, der muß im Hinblick auf viele^ einst blühende Thoragemeinden« sagen: die Kehilla wa r, die Kehillo w i r d m. G. H. wieder sein, aber sieistnrcht! Doch Agudas Jisroel i st, sie ist, trotz vieler von uns gewiß nicht übersehener Schwächen. Und Agudas Jisroel, das Seiende, soll uns helfen im Kampfe, daß das Gewesene, das Gewordene wieder werde. Und darum soll man m. E. Agudas Jisroel nicht nur danach messen, welche Kräfte sie d er gewordenen Kehilla, wie wir sie verstehen, spendet, — wir haben oben dargetan, daß diese Spende manchen Orts mit Dank --abgelehnt wird — sondern auch danach, welche Kräfte, wieviel Mut, wieviel Ausdauer sie denen gibt, die um die werdende Kehilla, um die Rückverwandlung einer Gemeinde in ein echtes Zibur ringen. 3. Agudas Jisroel und Kehilla: in jedem wahren Agudisten lebt die Liebe zur Kehilla in ihrer vollendeten Form — im „Gemeindeorthodoxen", der um Wiedergewinnung der verlorenen Form innerhalb der Einheitsgemeinde ringt, nicht minder wie im „Austrittler" —. Kein den Sinn der Aguda begreifender Agudist dürfte den Vorwurf verdienen, durch Verneinung der Kehilla die Schande unserer Zeiten entblößen zu helfen. Jedem Agudisten muß seine natürliche Beziehung zur Kehilla klar sein, so klar, wie jedem wahren Kehtllärepräsentanten die Verpflichtung zum Klall Jisroel eingeboren sein müßte. Der Agudist muß wissen«, daß charity im engen Kreis beginnt, der Kehillavevtreter, daß sie dort nicht endet. Agudistische Klubs. Dem außerordentlichen Delegiertentag der deutschen Agudas Jisroel, der im vorigen Jahr, am 14. August, in Berlin stattfand, lagen zahlreiche, die Organisations- und Propagandaarbeit betreffende Anträge Dr. Ehrmanns vor. Der Hamburger Vorort hat diesen« Anträgen, insoweit sie vom Delegiertentag gebilligt wurden und ihre Durchführung ohne Geldmittel möglich war, entsprochen: So hat er die Zustellung der „Blätter" an die Agudomitglieder, soweit sie Nicht-Abonnentne des „Israelit" sind, weitmöglichst durchgeführt, eine Zusammenlegung der „Blätter" mit dem Korrespondenzblatt der AJJO. gerade jetzt veranlaßt und einen besonderen Blätterredakteur bestellt. Großzügige Propaganda und planmäßige Organisierung war bisher aber unmöglich; die Anträge auf Bestellung eines Generalsekretärs oder auch nur eines hauptamtlichen Büroleiters konnten bisher mangels jeder Geldmittel nicht verwirklicht werden. Die Schuld hierfür trifft nicht die Leitung, sondern die Ortsgruppen, von denen die aktiven im Hinblick auf agudistische Verpflichtungen am Ort, die uninteressierten ohne Motivierung, die Abführung der Beiträge an die Zentrale, teils überhaupt nicht, teils mit beschämend geringen Teilbeträgen vornehmen. Ein Antrag des Herrn Dr. Ehrmann, den wir den Gruppen schon wiederholt nahegelegt haben, soll heute aber nochmals ihrer besonderen Aufmerksamkeit unterbreitet werden: „Der Delegiertentag b eschließt die Gründung von agudistischen Klubs in den größeren Ortsgruppen. Diese versammeln sich mindestens einmal im Monat zur Besprechung agudistischer Angelegenheiten. Redner und Material s i ni d v 0 n s e i t e n d e s V 0 r st a n d e s d e r Ortsgruppen zur Verfügung zu stellen." Die Einrichtung solcher Klubs, die an einzelnen Orten sich bereits bewährt haben, empfiehlt sich aus mannigfachen Gründen: der Klub, seinem Namen gemäß, einen geschloffenen Kreis darstellend, wird die in ihm Vereinigten zu inniger Gemeinschaft, zu enger Kameradschaft erziehen und wird, über das rein Agudistische hinaus, seine Mitglieder aneinander binden. Anderersets ermöglicht die beschränkte Zahl der im Klub Zusammengefaßten ein besonders tiefes und gründliches Durcharbeiten der zur Behandlung gestellten« Themen. Die Zusammenkünfte der Klubmitglieder sollen aber zugleich den Charakter gesellschaftlicher, geselliger Veranstaltungen tragen, bei denen eine, wenn auch im allerbescheidensten Rahmen gehaltene Gastfreundschaft geübt werden kann. Die Klubabende sollten abwechselnd bei den verschiedenen Klubmitgliedern stattfinden, denn die Errichtung eines Klubheims dürfte vor allem an Orten, die kein Agudoheim besitzen, zunächst ein frommer Wunsch bleiben. Aber auch dort, wo sich solche Heime der Orts- oder Jugendgruppe befinden, wäre zu überlegen, ob in Privathäusern abgehaltene Veranstaltungen nicht den Charakter erhöhter Gemütlichkeit tragen. Denn diese Klubabende sollen von« hoher Geistigkeit, aber ebenso von warmer Gemütlichkeit er- V i; •M •j: /

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