Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1928)
- Date
- 1928-08-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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k und rzie P R aaojis zum EJ.D-CX An unsere Mitglieder! 1. Vor nvs konnten aus der Kasse unseres Bundes nahezu 1500 Mk. als Subventionen an 37 Lehrerwitwen, alte und im Ruhestände befindliche Kollegen zur Verteilung kommen. Es ist beabsichtigt, wenn möglich, im März des nächsten Jahres eine noch höhere Summe zu gleichem Zwecke zu verwenden. Die Mitglieder unseres Bundes werden verstehen, daß wir auf diese soziale Liebestätigkeit im Interesse unserer Lehrerwitwen und der in Betracht kommenden Kollegen nicht verzichten können und wollen. Darum ist «5 aber vonnöten, daß unsre Mitglieder nicht die Zahlung ihrer Beiträge vergessen, besonders angesichts des Umstandes, daß bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage es schwer fällt, außerordentliche Mitglieder zu gewinnen. Wir bitten darum dringend, den Mitgliedsbeitrag in Höhe von 5 Mk. an Herrn Eugen Ettlinger, Postscheckkonto 5319, Frankfurt a. M., zu überweisen. 2. Wir machen unsere Mitglieder auf das im Hermon-V erlag, Frankfurt a. M. neu hearusgekommene r-ntnsai mwn nw bzb D’smni o'2'i ^12 fuis t] 0 1' idd T>onn jrmn nrn ivrr nirvi 101» '2'2ri viispzio '202» ,b" st 1 p 2 2'?> 1'12 ssor t]Di’ D’pVs v'rr aufmerksam. Der Ladenpreis des Buches beträgt 4.50 Mark. Durch liebenswürdiges Entgegenkommen der Herausgeber, Herren Jakob und Fr. Michael, können die Mitglieder unseres Bundes das Buch zum ermäßigten Preise von 2 Mark erhalten? Reflektanten wollen sich unter Voreinsendung des Betrages an unseren' Schriftführer, Herrn Konrektor Hirschberg, Frankfurt a. M., Waldschmidtstrahe 115, wenden. Der Vorstand des Bundes gesehestreuer jüdischer Lehrer. An der Schwelle des Lebens. Iugendpsycholog.sche Betrachtungen. Von Dir. Dr. Elias. (Schluß.) 5. Auch bei der nichtjüdischen Jugend gibt es schwere Konflikte, unter denen der hoffnungsvolle Frühling, in dem der junge Mensch in einen Beruf tritt, bald welkt. Ob er mit 14 Jahren, zu einer Zeit, wo er weder die körperliche Widerstandsfähigkeit, noch die geistige Spannweite besitzt, ob er mit 16 Jahren, mit der Halbbildung der sechsklassigen Schule, oder ob er erst nach dem Universitätsstudium einen Beruf ergreift, in all diesen Fällen gibt es Hunderte, die in Gefahr sind, auf dem Wege liegen zu bleiben, weil der Weg zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit so oft gar, keinen Raum für eine innere freie und lebensvolle Entwicklung läßt. Bei dem jüdischen Jugendlichen, der Jude bleiben will, ist es noch unendlich schwerer, nicht nur weil der Kreis der Berufe, die er ergreifen kann, gewohnheitsmäßig eingeschränkt ist, sondern auch weil er dabei so oft den Zusammenhang mit dem Jüdischen verliert. Mitten im rastlosen Getriebe der Zeit, mitten in der geistlosen Genußsucht könnte ihm bewußte Pflege des Judentums den Rücken stärken. Sabbatheiligung, im tieferen Sinne Heiligung der Tat, das Speisegesetz, als Heiligung des Genusses, und Tauroh, die Weihe des Geistes, sie wären wohl geeignet, den jungen. Juden sich, seinem Gotte und uns zu erhalten, aber gerade hinter den zwei ersteren steht das Gespenst der Arbeitslosigkeit und ' der Entbehrung aller Art. Wird er tage-, ja wochenlang reisen, ohne etwas Gekochtes zu sich zu nehmen, wird er 3—4 Tage hintereinander feiern können? Tiefe Verbitterung tritt da oft an Stelle der Berufsfreude. Im Kampf mit dem Leben, um das Leben wird manches Stück Judentum über Bord geworfen. Wo ist die Zeit, da der jüdische Kaufmann gegenüber dem Akademiker das fromme Judentum vertrat? . ... ... ... ..... .. .... g. - , , Und das jüdische Mädchen? Bei ihm redet man nicht von Sturm und Drang. Und doch haben die letzten Jahrzehnte gerade für es die größten seelischen Umwälzungen gebracht. Was früher geächtet war im Leben des Mädchens, ist heute gang und gäbe. Die Mädchenschulbildung stellt es vor dieselben Ausgaben wie den Knaben, während sie auf der anderen Seite gerade die weibliche Seite seines Wesens zu tieferem Bewußtsein bringt. Stolz und Hoffnung drängen es in Berufe, in denen es den größten Anstrengungen und seelischen Depressionen ausgesetzt ist. War das jüdische Mädchen früher das konservative Element in der Judenheit, so sieht es heute nach dem Gegenteil aus. Von den durch die Frauenbewegung eröffneten Möglichkeiten machen unsere Mädchen einen Gebrauch, daß es scheint, als ob hier eine Jahrhunderte zurückgedämmte Kraft sich Bahn brechen wollte. Aber im Grunde ist es doch der Stolz, der nicht zuläßt, daß es warten soll, bis einer kommt und es mitnähme, und die Hoffnung, im Beruf oder beim Studium leichter natürlichen Anschluß zu finden. Wenn freilich die Sehnsucht unbefriedigt bleibt, wenn der Kampf gerade des tiefer veranlagten Mädchens zwischen seinem Berufswillen und seiner im engeren Sinne weiblichen Bestimmung, der Kampf zwischen den natürlichen Ansprüchen seines unverbrauchten Kulturwillens und dem Schicksal, das ihm die große Mitgift für einen ebenbürtigen Gatten versagt hat, zu lange dauert, dann stellt es die erbittertsten Kämpfer gegen die alte Ordnung, auch in religiöser Beziehung. Eine Befreiung von unerträglichen Spannungen und dem Leid der Einsamkeit macht es zur Revolutionärin. 7. Die berührten Interessen erfüllen wild und ungestüm des Jugendlichen Sein, Beruhigung kann nur erwachsen aus den Tiefen mütterlicher Liebe und väterlicher Sorge, die in unseren Gemeinden die Einrichtungen schaffen müssen, die wir brauchen. Was wir brauchen, ist eine starke Jugendbewegung, die sich von der Jugendkultur a la Wyneken und Blüher ebenso wie von den zentrifugalen Neigungen des Blauweiß und der Kameraden frechält. Was wir brauchen, sind Eltern, die die jungen Menschen ins Haus nehmen zu ihren gleichaltrigen Kindern, daß ihnen die Augen aufgehen dafür, wo das Wahre, Gesunde und Jüdische ist, daß sie nicht nötig haben, sich mondänen Vergnügungen zuzuwenden. Was wir brauchen, sind Heime für Jünglinge und Mädchen, Fortbildungsmöglichkeiten, daß die ihnen innewohnende Geistigkeit geweckt werde, vor allem aber die jungen Leute so vervollkommnet werden, daß wir mit gutem Gewissen die jüdischen Arbeitgeber verpflichten können, die durch die Arbeitsnachweise zugesandten Stellesuchenden zu nehmen. Freilich: Der jüdische Jugendliche wird es in seinem Beruf immer schwerer haben als der nichtjüdische. Immer wird er sich )agen müssen, daß das Ideal mit dem Opfer, das er für es bringt, steigt, daß sein Beruf der Sieg des Geistes über die Materie ist. Der biologische Unterricht in der jüdischen Schule in Verbindung mit dem religiösen Gesinnnngsunkerrichl. Bon I. Lichlenstädker, Hamburg. (Fortsetzung.) Als Hauptvertreter der Raubtiere wird den Schülern stets der Löwe erscheinen. Man fragt sie, ob sie durch biblische Stellen beweisen können, daß der Löwe im heiligen Lande oft auftrat und wird von ihnen hören, daß Simson und seinen Eltern auf dem Wege nach Timnath ein junger Löwe entgegenbrüllte:inn2^2nvm'ini''s2n2n', Die Schüler wissen von David, daß ex einen Löwen erlegte. Der Lehrer teilt ihnen, wenn sie es selbst nicht wissen, mit, daß im Buche der Könige berichtet wird, daß ein Prophet bei Bethel und ein anderer bei Aphek von Löwen zerrissen wurde. — Der Dichter der Psalmen und der Spruchdichter verwendet den Löwen als dichterische Figur. Auch in der Ornamentik und Plastik spielt der Löwe schon in biblischer Zeit eine Rolle. Von Solomons Thron wird berichtet, daß auf den 6 Stufen je 2 Löwen standen (19. V. d. 10. K. vom Buch der Könige I). Manchen Schülern wird aus Aboth 4, 15 der Ausspruch: „Sei Schwanz unter den Löwen und nicht Haupt unter Füchsen" bekannt sein. Zweifelsohne wird von den Schülern der 9. Vers des 49. K. der Genesis erwähnt. Der Lehrer wird dann Gelegenheit nehmen, auf die Bezeichnung 'irr und die verlängerte Form min sowie auf das die Löwin bezeichnet, einzugehen. Nächst dem Löwen war der Bär der gefürchtetste Schafräuber Palästinas. Sein häufiges Vorkommen und feine Gefährlichkeit bekundet der 24. V. des 2. K. vom Buche der Könige II. Wenn Chuschai zu Absalom sagt: „Du kennst deinen Vater und seine Leute, daß sie stark sind und zornigen Gemüts wie ein Bär, dem die Jungen auf dem Felde geraubt sind," so erhellt daraus, daß die natürliche Wildheit des Bären zur furchtbaren Wut sich steigern kann. — Um die messianifche >Zeit zu schildern, gebraucht Jesaia das Bild: „Und Kuh und Bär weiden, es lagern ihre Jungen zusammen." — Aus dem Talmud (Sanhedrin 98b) geht hervor, daß man den Bären für gefährlicher hielt als den Löwen, obgleich ersterer dem Löwen an Kraft nachsteht. Wahrscheinlich war es in talmudischer Zeit schon bekannt, daß der Bär erfindungsreicher als der Löwe ist. Da der Pentateuchunterricht im Mittelpunkte der jüdischen Schule steht, so suche man die Schüler auch beim naturgeschichtlichen Unterrichte stets anzuregen, in der Thora Beziehungen zu dem Tiere zu suchen, das gerade in der Biologiestunde zur Besprechung, kommt. Beim Wolfe bietet ihnen der 49. V. der Genesis hierzu Gelegenheit. Der Wolf bevorzugt als Dämmerungstier die Abenddämmerung zum Aussuchen seiner Beute. Diese Tatsache trägt zum Verständnis des zitierten Verses bei und vielleicht läßt sich der Vers so deuten: der kriegerische Geist der Benjaminiten wird dadurch gekennzeichnet, daß sie unablässig die Feinde verfolgen, erst am Morgen, nach nächtlicher Heerfahrt, an Speise und Trank denken und zuletzt an die Verteilung der Beute. — Die Gefräßigkeit des Wolfes war in Palästina sprichwörtlich geworden (Succa 56 b). Daß die Schakale im heiligen Lande scharenweise Vorkommen, folgern die Schüler daraus, daß Simson 300 solche Tiere fing, denn ohne außergewöhnliche Verbreitung dieser Tiere hätte selbst ein Simson eine solche Menge nicht fangen können. Schakale, Canis aureus und Füchse, Canis vulpes sind verwandte Tiere. Der Fuchs ist den Schülern als Liebhaber süßer Trauben bekannt. Sagt der Lehrer seinen Schülern, daß im „Hohenliede" die Füchse die „Verderber der Weinberge" genannt werden, so verstehen sie dies Bild sofort, denken wohl auch an die Fabel: „Der Fuchs und die Weintrauben". — Eine Landschaft im Gebiete Benjamins hieß ^iv rirr. und ein Ort in Juda byw -ixrv was aul ungeheure Verbreitung der Schualim schließen läßt, ob letztere nun Schakale oder Füchse waren. Auch in der Fabelwelt des Talmuds spielt der Fuchs eine Hauptrolle. Rabbi Meir wußte 300 Fabeln von ihm zu erzählen. . Aus den Psalmen (K. 22 V. 17 und 21), dem 2. Buche Samuels (K. 2 V. 8, 16. K. V. 9) und aus dem 2. Buchs der Könige (K. 8 V. 13) ersieht man, daß der Hund im Orient oft hungrig und herrenlos umherlief. Als verächtliches, unreines Tier wird er in der Bibel zum Scheltwort. Jedenfalls war der Hund in biblischer Zeit noch nicht als treuer Wächter des Hauses und Hofes bewertet worden. Aus dem Talmud geht aber hervor, daß man den Hund in talmudischer Zeit wegen seiner Wachsamkeit schätzte. Man pflegte zu sagen: „Wohne in keiner Stadt, in der man kein Hundegebell hört" (Pesachim 213a). Die Tollwut des Hundes wird oft im Talmud erwähnt. Man dürfte der Gefährlichkeit wegen einen tollwütigen Hund selbst am Sabbat töten. Auch dem äußerst stark entwickelten Geruchsinn des Hundes wird im Talmud Rechnung getragen, denn in Pesachim 31,b heißt es,