Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1928)
- Date
- 1928-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450526--75195-2532706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9. August 1928_, , Polen. Lodzer Brief. (Von der Lubliner Jefchiwa. — Gemeindebudget.) Lodz, 29. Juli. In 'einer Massenversammlung referierte der „Petrifomer Raw", Rabbi Schapiro, über dte Entwicklung der Lu bl in e r Jeschiwä. Mit der ihm eigenen flammenden Rhetorik schilderte er die Bedeutung der Weltjeschiwa und all seine damit verbundenen Zukunftspläne. Sehr lobend sprach er sich über die Mithilfe der polnischen und speziell der Lodzer Judenheit aus. „Fragt man mich, so vies der Redner unter ungeheurer Begeisterung der Menge, ob ich in der Aguda bin, so sage ich: Nein! Nicht ich b i n i n der Aguda, sondern die Aguda i st i n mi r " , tief eingewachsen in meiner Seele, unlösbar für alte Zeiten." Er besprach dann auch das allgemeine Arbeitsprogramm der Aguda. Mehrere Redner ergriffen noch das Wort. Rabbi Schapiro wurden rauschende Ovationen dargebracht. Das Budget der Lodzer K e h i l a b edeutet einen vollen Sieg der Aguda. Die Posten sind so verteilt, daß allen religiösen Bedürfnissen vollste Rechnung getragen wird und umsaßt im ganzen rund zwei Millionen Zloty. Jeschiwoth und Chedarim, religiöse Abendschulen, alle Wohltätigkeitsinstitutionen kommen vollauf auf ihre Rechnung. Die Rabbinergehaltssrage wird durch dieses Budget aus beste Weise gelöst. Zwei neue Dajanim, Rabbi Abraham Sil mann und Rabbi Aron Born sie in, sind gewählt, vier andere sollen noch hinzukommen. Die Forderungen der Hinterbliebenen des Rabbi Elje Chajim Meisl sollen nunmehr erfüllt werden. Das Budget wurde durch die von der Aguda gebildete Mehrheit unter Vorsitz des Herrn Münzberg in allen Teilen angenommen. Zur Besetzung des Lemberger Rabbinats. Lemberg, 29. Juki. Die Bestattung des, wie bereits mitgeteilt, verstorbenen Lemberger Raw Rabbi Löb Arje Brande V'st war eine machtvolle Trauerkundgebung, an der sich neben der gesamten Judenheit auch Nichtjuden und die Behörden beteiligten. Hespedim hielten der Vorsteher der Kehilla, der Präsident der Agudazentrale in Polen, Rabbi Witte {, Lemberger Dajanim und viele auswärtige Rab- .brmer. - ’ Die Neubesetzung des Rabbinates wird jetzt schon lebhaft diskutiert. Als Kandidaten kommen in Betracht Rabbi Lew in aus Rzeszorv (früher Sambor), derPietrkower Raw, Rabbi Schapiro und Oberrabbiner Zireksohn in Kischinew. Bemerkt sei, daß es sich bei diesen Namen vorerst nur um Kombinationen, auch Wünsche innerhalb der Gemeinde handelt. Die genannten Rabbiner selbst haben sich weder beworben' noch irgendwie Stellung zu ihrer Wahl genommen. Der: Wahl des in Galizien und im ganzen Osten ungemein verehrten Rabbi Lew in steht'der Umstand im Wege, daß dessen Bruder seit einigen Jahren in Lemberg als Dajan wirkt und es jeder Gepflogenheit widersprechen würde, wenn zwei' Brüder in einer und derselben Stadt ein rabbinisches Amt ausüben sollten. Was Rabbi Schapiro betrifft, so werden große Zweifel gehegt, ob dieser sich entschließen würde, aus der Nähe der Stadt, die seine Lebensarbeit beherbergt, (die Jefchiwa in Lublin) nach Lemberg zu kommen. Vom Senator und Oberrabbiner Zirelfohn wird wohl viel gesprochen; die hier zu überwindende Schwierigkeit läge darin, daß Zirelsohn als rumänischer Staatsbürger nicht so ohne weiteres von der polnischen Regierung als oberster Führer der Gemeinde genehmigt werden würde. Man. hofft, über alle Schwierigkeiten hinwegzukommen und bald den richtigen Mann für das Lemberger Rabbinat zu finden. Konfessionslos und Gemeindevorsteher. Warschau, 1. August. Herr Ehrlich, Mitglied des Gemeindevorstandes, erklärte sich vor kurzem vor Gericht aus Anlaß eines Strafprozesses, bei dem er als Zeuge auftreten sollte, für k o n fessions'lo s, woraus er vom Zeugeneid befreit wurde. Als dieses bekannt wurde, traten mehrere Ratmänner an dm Vorstand mit der Forderung heran, Ehrlich als Vorstandsmitglied der religiösen Kehilla sofort auszufchließen. Unter genauer Darstell'ung des Sachverhaltes und unter Wiedergabe der Erklärung Ehrlichs, aus der klar hervor- - __Der Israelit__ geht, daß er sich n i cht als Ang ehö r-i g et der religiösen jüdischen Gemeinschaft fühlt, wiesen die Interpellanten aus die Unhaltbarkeit des Zustandes hm, wenn solche Männer es wagen, an der Spitze einer religiösen jüdischen Kehilla zu stehen. Es wird bemerkt, daß sogar die polnische Presse sich mit dem Fall beschäftigte und die Inkonsequenz der jüdischen Instanzen festnagelte. Es entspräche dieser Zustand auch nicht den gesetzlichen Bestimmungen über die Religionsgesellschaften. Alle Beschlüsse, die der Kehilla- Die Woche. Hamburg. In diesen Tagen wurde in Hamburg die zweite Weltkonferenz des Internationalen Bundes der Juden-Chriften abgehaltrn Anwesend waren Vertreter der judäochristuchen Bünde in Amerika, Großbritannien, Deutschland, Holland, Ungarn. Polen, Rumänien, Schweden Schweiz und in anderen Ländern. Men. Dte Verwaltung der Wälder im Badeorte Krems a. d. Donau hat den jüdischen Kurgästen das Betreten der Wälder untersagt, worauf ein großer Teil der jüdischen Gäste der benachbarten Luftkurorte die Gegend verließ. Ihnen schlossen sich zum Zeichen des Protestes auch mehrere christliche Sommergäste an. Moskau. Nach letzten Meldungen ist die Ueberfchwemmungskatastrophe in den neuen jüdischen Niederlassungen in Bir- Bidschan in Zunahme begriffen. Es muß den Ansiedlern, soweit sie erreichbar sind, mit Hilfe von Booten Nahrungsmittel zugestellt werden. — Von maßgebenden Regierungskreisen wird dem JTA.-Vertreter mitgeteilt, daß das Verlangen der jüdischen Kommunisten, daß die Moskauer Große Synagoge in einen Arbeiterklub umgewandelt werde, endgültig zurück ge wiesen worden sei, da in Moskau überhaupt-nur zwei Synagogen bestehen. Newv nork. Im ersten Berichte der Experten- Kommission für Südamerika wi rd konstatiert, daß 20.000 jüdische Einwanderer jährlich nach Argentinien und Brasilien kom- | men könnten. Luxemburg. Der Landesrabbiner des Grohhergogtums Luxemburg, Dr. Samuel Fuchs, ist im Alter von 62 Jahren verstorben. Er war aus Ungarn gebürtig und wirkte ein volles Vierteliabrhundert als Rabbiner in Luxemburg. Budapest. Vudapester Zeitungen berichten: „Mit den Worten: „Laßt ■ den Judenjungen ertrinken!" lehnte eine Schwimmergruppe am Donauufer in der Nähe von Waitzen die Rettung eines in Ertrinkungs- , . gefahr geratenen Knaben ab. weil zufällig ein vorübergehender Jude sie auf den Ertrinkenden aufmerksam gemacht hatte. Als Polizisten später den Knaben schon als Leiche aus den Fluten der Donau zogen, stellte sich heraus, daß der Ertrunkene der 14iährige Sohn einer christlichen Arbeiterin aus Waitzen war. Paris. Zu Mitgliedern der Ehrenlegion wurden ernannt Professor Netter, Mitglied der Medizinischen Akademie und Angehöriger der Familie des Oberrabbiner Charles Netter, und der Rabbiner der Pariser jüdischen Gemeinde Jäcques Cohen, der im Kriege als Feldrabbiner gedient hat. Warschau. In diesen Tagen t verstarb m Zgiersz Rabbi Mordechai Samuel Halevi Zudkowicz, eine bekannte Autorität in Fragen jüdischer Kalenderberechnung. im Älter von 70 Jahren. Seine jährlichen Kalenderberechnungen wurden von den höchsten jüdischen religiösen Autoritäten, approbiert und dienten allen jüdischen Kalendern als Grundlage. Amsterdam. Der 1. Preis der in Verbindung mit den Olympi schen Spielen i n-Amsterd am stattfind enden G r o ß e n K u n sta u s st e l l u n g, eine g olde n e Meda i I l e, würde dem jüdischen Maler Jsaac Israels für sein Gemälde „Der rote Reiter" verliehen. Jsaac Israels ist ein Sohn des verstorbenen berühmten holländisch-jüdischen Malers Joseph Israels. Bukarest. In G a E a tz vernichtete ein R i e f e n b r a n d einen Teil des Stadtzentrums. 12 Zinshäuser brannten vollständig nieder,^ 7 0 jüdi s che F ami l'i e n haben ihr ganzes Hab und Gut verloren und sind obdachlos. rat unter Beteiligung Ehrlichs nach jener Erklärung am 12. Juni gefaßt hat und noch fassen sollte, müssen die Interpellanten als null und nichtig erklären. Die Interpellation hat den Fall Ehrlich zur allgemeinen Kenntnis gebracht und großes Aufsehen in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung erregt. Wird die Sache im Sinne der Interpellation erledigt, so wird ein weiteres Reinemachen im Warschauer Kehilarat unumgänglich sein. _Nr. 32 Seite 5 Ein Sieg der Gesetzestreuen in Zentrallitauen. Wilna, 1. August. lieber den Sieg der Aguda bei den Gemeindewahlen m Bia I i st o k haben wir bereits berichtet. Zu ergänzen ist, daß dis A g u d a liste die größte Stimmenzahl (665) auf sich vereinigt eund damit drei Mandate sich erwarb, wiewohl die Aguda ihre Wahlagitation kaum über ihre eigenen Kreise hinausgetragen hat. Die Zionisten haben aber bei all ihrer ausgedehnten Wahlpropaganda ungefähr die Hälfte dieser Stimmenzahl erhalten und von ihren Mandaten, die ftüher 70 Proz. in der Kehillaverwaltung ausmachten, nur drei gerettet. In der Stadt Mir suchten die Zionisten die Wahlliste der Jeschiwä, in der 400 Jünger lernen, außer Kraft zu setzen, was ihnen aber nicht gelang. Dte Orthodoxie bekam vier Mandate, nur wenige Stimmen fehlten' für ein fünstes Mandat. Aehnliche gute Resultate werden aus der ganzen Provinz gemeldet. An weiteren Wahlergebnissen ist zu melden, daß in K o w e l die Orthodoxie die Mehrheit erlangt hat. In Wik na wurden fünf Zionisten und fünf Orthodoxe gewählt. Bon letzteren sind zwei Agudisten, drei sogenannte Unparteiische. Drei Mandate erlangte der Bund, eines die V o l k s p a r t e i, während die übrigen Sitze auf wir tscha f tlich orientierte Gruppen (Kaufleute, Handwerker) entfallen, die zum großen Teil als orthodoxe Stimmen zu bewerten sind. Tschechoslowakei. Der Prager alt-jüdische Friedhof bleibt erhalten. Prag, 5. August. Wie die ITA. zu berichten weiß, trifft die durch das tschechoslowakische Pressebüro vor kurzem verbreitete Nachricht, daß der Prager alt-jüdische Friedhof in Verbindung mit dem Assanierungswerk der Stadt Prag verschwinden mutz, nicht zu. Die Stadtregulterungskommission hat in dem der Oeffentlichkeit übergebenen Dekret einen Auslassungsfehler begangen, der, wie verlautet, inzwischen gut gemacht wurde. Der Friedhof steht danach unter Denkmalsschutz und wird erhalten bleiben. — Damit ist die in der Wochenschau der heutigen Nummer erwartete Erklärung erfolgt. Frankreich. Kongreß der Wettunion der jüdischen Iugend in Straßburg. Straßburg, 5. August. Am Sonntag, den 5. August, 9 Uhr morgens, wurde im Konservatoriumshause zu Straßburg der zweite Kongreß der Union Universelle de la Jeunesse Juive bei Anwesenheit von mehr als 60 Delegierten jüdischer Jugendbünde verschiedener Länder eröffnet. Die . Stadt Stratzburg und andere Behörden waren offiziell vertreten. Gkückmunsch-Kundgebungen jüdischer Jugendbünde und führender jüdischer Persönlichkeiten aus zahlreichen Ländern wurden verlesen'. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Welt-Union der jüdischen Jugend, Aime Palliere, zuerst in hebräischer, dann in französischer Sprache. Es folgten Referate über Programm und Ziele der jüdischen. Jugend in der Gegenwart. Am Montag den 6. August beginnen 'die sachlichen Beratungen. Der. Vorsitzende Palliere wird den Tätigkeitsbericht erstatten, der Schatzmeister Samuel Steinberg wird über Organisation und Propaganda, Alpern über die Arbeit der Welt-Union zugunsten der jüdischen Aufbau-Arbeit in Palästina und im Interesse des Schutzes der jüdischen Minderheiten referieren. Länder-Berichte werden folgen. Hauptgegenstand der Erörterung dieses Kongresses wird die Haltung der Union Universelle de la Jeunesse Juive gegenüber 'dem Zionismus und der Religion sein. Da sich mit Bezug auf diese Fragen verschiedene Richtungen und Tendenzen innerhalb der Union bemerkbar machen, ist eine sehr lebhafte Aussprache zu erwarten. Rutzland. Die katastrophalen Ueberschwemmungen in Bir- Bidschan. Moskau, 1. August. In den letzten Tagen litt das gesamte Amur-Gebiet an katastrophalen Ueberschwemmungen, von denen auch der jüdische Rayon Bir-Bidschan nicht verschont geblieben ist. Am 30. Juli war Michenkoje zum Teil überschwemmt. Die Kommission für jüdische Kolonisation