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Der Israelit · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seile 4 Nr. 32 Der Israelit 9. August 1928 An dem guten Willen Bratianus wird indes von keiner Seite gezweifelt. Der Vizepräsident der Union rumänischer Juden in Amerika, Herr Leon Fischer, der soeben aus Rumänien, wo er von Regierung und Behörden gefeiert worden war, nach Newyork zurückgekehrt ist, erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, er habe volles Vertrauen zum Premierminister Bratianu und dem Innenminister Duca, daß sie besten Willens sind, das ihm, Fischer, gegebene Versprechen, daß allen Judenverfolgungen in Rumänien mit den schärfsten Mitteln entgegengewirkt werden würde, zu halten. In den letzten zwei Jahren, fuhr Herr Fischer fort, hat die Lage der Juden in Rumänien eine Wendung zum Besseren genommen. Wenn noch heute eine gewisse Spannung zwischen verschiedenen Teilen der Judenschaft und der Regierung besteht, so ist dies darauf zurückzuführen, daß die Judenschuft in Rumänien noch nicht organisiert ist und deren Führer keine homogenen Ziele verfolgen. Man darf nicht vergessen, daß das heutige Rumänien erst auf eine neunjährige Geschichte zurückblickt. Die Meldung, daß die jüdischen Gemeinden in Transjordanien noch keinen Ersatz für Pogromschäden erhalten haben, stimmt mit den Tatsachen nicht überein: er sei noch im Juni von der Union rumänischer Juden in Bukarest informiert worden, daß bereits 75.000 Dollar an Entschädigung gezahlt worden sind; Premier Bratianu hätte ihm gesagt, daß unverzüglich weitere 25.000 Dollar zur Auszahlung gelangen werden. Der Antisemitismus in Rumänien ist kein Regierungspostulat, er beschränkt sich fast ganz auf die Studentenkreise. Die Studentenvereinigungen werden von der Regierung in Schach gehalten, so daß dieser Infektionsherd als isoliert angesehen werden kann. Ksrrerponüenren * Nachrichten. Deutsches Reich. Eine Erklärung des Reichspräsidenten. Berlin, 3. August. Die amerikanische Schriftstellerin Miriam Steiner wurde, wie von amerikanischen Blättern berichtet wird, vom Reichspräsidenten Hindenburg in seinem Palais empfangen. Als Frau Steiner bei Beginn der Unterredung darauf hinwies, daß Hindenburg in der jüdischen Welt nicht als besonderer Judenfreunü gelte, gab der Reichspräsident folgende Erklärung ab: „Es tut mir leid, dies zu hören. Ich verstehe es nicht recht. In meiner ganzen Vergangenheit, in meiner militärischen Laufbahn und in meinem privaten Leben habe ich niemals Veranlassung zu einer solchen Meinung über mich gegeben. Für die den Juden ungünstigen Befehle, die während der Herrschaft Wilhelms II. erteilt wurden, bin ich nicht verantwortlich. Ich habe die Befehle nicht erlassen, sie stammennicht von mir. Seien Sie versichert, daß ich während meiner ganzen militärischen Tätigkeit keine einzige Verordnung herausgegeben habe; die irgendeinen Teil der Bevölkerung unter einen Ausnahmezustand gestellt hat. Lasten wir alle Stimmungen aus dem Krieg beiseite. Ich kenne sehr gut die Eigenschaften Ihrer Raste. Erst vor kurzem habe ich Ihren Glaubensgenossen, Lord Reading, empfangen. Er ist ein großer Geist -und verdient die Wertschätzung, die er in England genießt. Die Juden haben der Menschheit viele große Männer geschenkt. Deutschland ist ist stolz daraus, daß ein so bedeutender Geist wie Albert Einstein einer unserer Mitbürger ist. Es erübrigt sich, Ihnen zu sagen, daß Ihre Brüder bei uns einen großen Anteil an der Entwicklung der deutschen Kultur haben. Es gibt auf der Welt keinen Platz mehr für Vorurteile in einem Zeitpunkt, da die Welt nach ewigem Frieden strebt. Ich habe Ihnen dieses Interview mit Abfi. gewährt, obwohl ich sonst nicht zur Presse spreche. Ich will ein für allemal der Welt erklären, daß das demokratische Deutsch-' l an d kein Vorurteil gegen irgendeine Rasse oder Religion dulden wird." Tagung des Rheinisch-westfälischen Rabbinerverbandes. Köln, 1. August. Unter Leitung von Dr. Steinthal (Münster) fand vor kurzem in Köln die Jahresversammlungdes r h ein isch - wests älifchen Rab binerve rbandes statt. Der geschäftliche Teil brachte einen Bericht des Unterausschusses zur Schaffung von Rabbinatsbezirken. Auf Antrag Dr. Caro (Köln) wird beschlossen: Der Ausschuß wird' beauftragt, unbeirrt die Bildung der Bezirke fortzusetzen. Sodann werden Erlasse der höheren Behörden mitgeteilt: Landesfinanzämter genehmigen den Abzug von 7% Proz. vom Einkommen für Amtsaufwendung: der Minister für Volksbildung bezeichnet (in der Verfügung vom 22. Zfflai ö. I.) jüdische Religionslehre als ordentliches Lehrfach. Von interessierter Seite ist eine Statistik über die Minderheiten auf Konfessionsschulen eingeleitet; Dr. Rosenthal (Köln) hält eine Rundfrage an christliche Volksschulen zur Feststellung von mehr als jeweils 12 jüdischen Kindern für nützlich zur Beantragung neuer jüdischer Volksschulen. Der. Beschluß des Rechtsausschusses des Preußischen Landesverbandes, wonach eine gesetzliche Handhabung zum Schutze des Rabbinertitels nicht gegeben fei, bedarf von seiten des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes der Nachprüfung. Die Leitung des Rhein-isch-w-eftsälischen Rabbinerverbandes geht für die folgenden zwei Jahre auf Dr. Klein (Düsseldorf) über; hinzugewählt in den Vorstand wird Dr. Rosenthal (Köln). Der Ausschuß für Rabbinatsbezirke wird gebildet von Dr. Kober (Köln), Dr. Rosenthal (Köln), Dr. Levy (Bonn), Dr. Steinthal (Münster). * . Nach der Mittagspause folgten die Referate. Dr. Rosenthal sprach über das Thema:. „Tefillo-Schiuvim", Dr. Kober über „Neuerscheinungen zur Geschichte der deutschen Juden", Dr. Eschelbacher behandelte einen Sondersall des talmudischen Eherechts, Dr. Samuel (Esten) sprach über den Dienst des Rabbiners an der Jugend nach neuen Grundsätzen. Im Anschluß an die Tagung erfolgte ein Besuch der jüdischen Sonderschau der „Presta". Der deutsch-polnische Handelsvertrag und die Zuwanderung polnischer Inden. K ö n i g sberg i. Pr., 5. August. . Auf Grund von Ausführungen in der „Weltbühne" nahm der Syndikus des ostprueßischen Landesverbandes des Ce n tr a l 93,er ei n s deutsche r Staatsbürger jüdischen Glaubens Gelegenheit, den Oberpräsiden'ten der Provinz Ostpreußen, S i e h r , danach zu befragen, ob der in diesem Blatte vermutete Anlaß für Hinauszögerung des Handelsvertrages tatsächlich die Befürchtung einer Zuwanderung polnischer Juden sei. Oberpräsident Siehr erklärte dem Syndikus, daß, soweit amtliche Stellen in Betracht kämen, derartige Beweggründe keinesfalls in Frage kämen. Für die Behörden feien nur volkswirtschaftliche und staatspolitische Momente für die Frage des Abschlusses des Handelsvertrages ausschlaggebend. Mithin entfällt die Vermutung des Blattes, daß, soweit Behörden in Frage kommen, antisemitische Motive für die Hinauszögerung des Äbchlustes des Handelsvertrages maßgebend gewesen seien. Folgen einer Reichsgerichlsenlscheidung. Hamburg, 5. August. Am 3. Juli hat das Amtsgericht Hamburg Abt. II 'ür Strafsachen einen völkischen Agitator, der öffentlich ausgerufen hatte: „Wir pfeifenauf die deutsche Judenrepubkik!" freigesprochen. Die Urteilsbegründung wurde erst in diesen Tagen veröffentlicht; sie stützt sich auf die bekannte Reich sger t chts ents chei-dung und besagt zum Schlüsse: „Es spricht sehr viel dafür, daß er jenes Lied, welches übrigens, wie zahlreiche ähnliche Strafverfahren beweisen,, vielfach von Nationalozi-alisten gesungen wird, aus juden feindlich er Einstellung heraus anftimmte, daß er somit nicht die heutige Sta-atstastifchere und tollere Wirklichkeit ist hier in lapidaren Dokumenten beglaubigt. Da ist das Grab eines Schneiders, Vater von sechs Kindern, dennoch hat er sich willig zur Hinrichtung gestellt, mit dem Geständnis, er sei es gewesen, der beim Einzug Kaiser Wenzels IV. einen Stein auf dessen Gefolge warf. Die Inschrift läßt durch- , blicken, daß der Stein sich unversehens von einem Dach gelöst habe, aber da der König angedroht, er werde das Ghetto einäschern, wenn sich der Täter nicht melde, so nahm der kinderreiche Schneider den Tod auf sich." Hier ruht der Hohe Rabbi Löw neben seiner Gattin und inmitten seiner dreiunddreißig Schüler; auch sein Famulus Jostele, den man den Lehmklotz nannte, liegt bescheiden in des Meisters Nähe — das Urbild hes Golem. Auf dem Sarkophag des Rabbi Löw steht geschrieben, daß -er sich hineinwagte in den Irrgarten Pardes, aber er kehrte zurück, heil und rechtzeitig und unversehrt. Das bezieht sich auf feine kabbalistischen Versuche, dte ihn noch jetzt bei vielen Juden als wundertätigen Heiligen gelten lassen. Spuren dieser Verehrung finden sich auf der braunen, mit steingehauenen Weintrauben geschmückten Grabfassade und in der offenen Wölbung des Sarkophags; schwarze Brandmale, herrührend von den Kerzenlichtern, bei denen galizische Flüchtlinge während des Weltkrieges Nacht für Nacht um die Wiedervereinigung mit ihren Familien beteten, Hunderte und aber Hunderte von Wunschzetteln, die sie dem Rabbi in den Steinsarg schoben, damit er Erfüllung herbeiführe. Der Untergang Wallensteins hat sich an der wappengezierten Gruft der H e n d e I Bath-Schewa, Edlen von Treuenburg (der ersten jüdischen Adeligen; die preußischen Grafen Bassewitz streitenihre Herkunft von den Bassewis -energisch ab) vollzogen: hier vereinbarte der Generalissimus mit Hendels Witwer, dem Finanzier Schmiles Bath-Schewi von Treuenburg, die Einführung der Langen Münze, jener Währung, die der Wiener Hof als die erste hochverräterische Einmischung in-seine Hoheitsrechte auffaßte. Hier liegt Awigdor Karo, -der ein Dichter, anno 1380 die Zerstörung der Prager Judenstadt in einer oft übersetzten Elegie besungen hat, der Doktor Men di go d el C andia , der der Freund Galileo Galli leiswar, der Chronist David Gans, der Tycho de Vrahe bei der Abfassung seiner astronomischen Tabellarien half, David Oppenheim, dessen Bibliothek heute der Stolz der Bodleyana zu Oxford ist, hier ruhen die G-ersoniden, die Schöpfer des jüdischen Buchdrucks und fast die ganze Familie jenes berühmten Rabbi Lippmann Heller." Wochenkalender. v. 11. bis 18. Aug. 1828. v. 23 Aw bis 2. Elul 3888. Samstag Aug 11 arr 25 ntn ennn pma» Mauled: Donnerst, vorm. Sonntag 12 26 6 Uhr 19 Min. 40 Sekunden Montag 13 2?j ...!. . : ' Dienstag 14 28, Mittwoch 15 29 lüj? 11L2 01' Donnerstag 16 30 i'srpnm V1N WK*n 'it Freitag 1? 1 a o " " '3 Samstag 18 2 Q orm hat beschimpfen, sondern lediglich den nach feiner Ueberzeugung allzu großen Einfluß des Judentums in wirtschaftlichen Dingen -auch auf manchen Zweigen-' des Staatslebens hat geißeln wollen. Da es hiernach an jedem -ausreichenden Anhaltspunkt dafür fehlt, daß der Tatbestand verwirklicht ist, den der §' 8 des Republikchutzgesetzes im Auge hat, so war bezüglich dieses' Punktes der Anklage eine Freisprechung geboten." Es ist der Fluch der, bösen Entscheidung, daß sie 'ortzeugend andere Entscheidungen muh gebären . . _ Rumänien. Jüdische Bauern aus der Bukowina in Frankreich. Czern -owitz, 30. Juli. Eine größere Zahl jüdischer Landwirte der Bukowina, die durch wirtschaftlichen Zusammenbruch im Gedlge des Krieges nicht mehr die Möglichkeit haben, m der Bukowina zu ihrem landwirtschaftlichen Beruf zurückzukehren, sollen — wie seitens des JCA-Büros in Paris hierher mitgeteilt wird, in Frankreich auf der JCA gehörende^ Böden angesiedelt werden. Das Bukowina- Büro von Hicem Hias-Jca-stmigdirekt hat vor einiger Zeit das Hicem-Z-entralbüro in Berlinersucht, diesen Landwirten die Möglichkeit der Ansiedlung inden JEA- Kolonien in Kanada zu verschaffen. Cs stellte sich aber heraus, daß sie den Voraussetzungen für -die: JCA-Kolonisation in Kanada nicht entsprechen, woraufhin Schritte unternommen wurden, sie in Frankreich anzusiedeln.

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