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Der Israelit · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 32 Der » raelit 9. August 1928 „Komzet" sandte telegraphisch 80.000 Rudel zur Unterstützung der infolge der Ueberschwemmungen notleidend gewordenen jüdischen Pioniere, deren Heufelder, in denen das Heu schon geschnitten dalag, vollkommen überschwemmt sind. Auch die Baracken der jüdischen Pioniere stehen unter Wasser. Die übrigen Felder der jüdischen Pioniere sollen zurzeit noch nicht bedroht sein. 20V jüdische Siedlungspioniere in Bir-Bidschan in Not. Moskau, 5: August. Die Ueberschwemmungskatastrophe im Amur-Gebiet nimnit immer bedrohlichere Formen an. Der Amur hat einen Wasserstand von 860 Zentimeter über normal erreicht. Wie der Ozet-Vertreter Baskin telegraphiert, sind 200 jüdische Siedlung spioniere, die in der jüdischen Neisplantage in Jekater ma-Nikolsk untergebracht sind, ganz und gar von jedem Verkehr mit der Welt abgeschnitten, doch seien sie hinreichend mit Nahrungsmitteln versorgt. Die Flüsse Bir und Bidschan, die ebenfalls über die Ufer getreten sind, haben etwa 27 nichtjüdische Dörfer weggeschwemmt. Die Bevölkerung leidet schwere Hungersnot, den Schiffen, die Nahrungsmittel bringen sollten, fehlt es an Kohle und Brennholz. Ein genaues Bild über die wirkliche Lage der jüdischen Siedler ist nicht zu erhalten, da die Telegraphenlinie nach Chabarowsk überlastet ist. (ITA.) irgendwie in Betracht kommenden Körperschaften und Vereine Amsterdams hatten Blumenarrangements überreicht, die. dann den großen Sitzungssaal der Amsterdamer Gemeindeverwaltung schmückten, - wo nach der offiziellen Feier ein großer Empfang stattfand. Hier sprachen der Borsitzende der Gemeindeverwaltung,, L. A. W a g e n a a r, Rabbiner S a r l o u i s, Professor P a - lasche, Oberrabbiner Hirsch- Zwolle, Oberrabbiner V r e d e n b u r g - Arnheem und eine unübersehbare Anzahl von Vertretern von Vereinen und Körperschaften, die in der Verehrung des Jubilars miteinander wetteiferten. Den Schluß bildete eine kurze Ansprache des Oberrabbiners, in der er gerührt für die Huldigungen dankte. Iizchok Fraenkel ßrafint, 30. Juli. des Jefchurun über die nirr irr 0212. Von seiner Gelehrsamkeit aber legt die Arbeit Zeugnis ab, die er zur Zeit in Händen hat: Die Herausgabe der Hinterlassenschaft eines großen Gelehrten: Jakob Leb Kroch, dessen Enkel in pietätvollem Gedenken an ihn seine Manuskripte der Oeffentlichkeit übergeben. Der erste. Band über die verschiedensten Arten der Chasoko und ihre Auswirkungen: Chasoko Rabbo, ist vor längerer Zeit erschienen, der zweite erscheint demnächst, weitere 13 Bände folgen. Jeder, der schon mit jüdischen Handschriften zu tun gehabt hat, weiß, welche Geduld und Liebe und Treue und Gewissenhaftigkeit abgesehen von dem Wissen dazu gehört, solche Werke zu edieren. Nimmt man die Besonderheit des alten Verfassers, fein ftupendes Wissen und das ungeheure Material dazu; das er herangezogen hat, so weiß man nicht, was man an dem Bearbeiter imehr bewundern soll: die Gelehrsamkeit, die Arbeits- Schon wiederum erlitt «die polnische Judenheit einen i kraft, die Gründlichkeit oder — die liebevolle Anlage des großen Verlust durch das Hinscheiden eines unserer Vesten.; Werkes, von der schönen Biographie des Verfassers bis Während eines Spazierganges im Kurorte Krynica zu den Quellennachweisen am Ende des ersten Buches, wurde Jsak Fraenkel durch einen Herzschlag im 60. Lebensjahre dem Leben entrissen. Jsak Frankel, welcher einer der ältesten Familien des Landes entstammte, ragte durch feinte Persönlichkeit, seine Kenntnisse und Weltgewandtyeit hervor. Er zählte zu die schöne Form oder die Anordnung. Das Werk stellte Anforderungen, denen nur ein Gelehrter gerecht werden konnte, der dadurch eine seiner würdige Arbeit fand. Möge es Herrn Dr. Kohn befchieden sein, dieses Werk zu vollenden, ohne darum seine Arbeit an den Lebenden Leichtes Erdbeben in Palästina. Jerusalem, 5. August. Am Sonntag Morgen 5 Uhr 45 Min. wurde in Jerusalem ein leichtes Erdbeben verspürt. Es entstand keinerlei Schaden, die Bevölkerung ist ruhig. Personalien. Das Amtsjubiläum des Amsterdamer Oberrabbiners. Amsterdam, 3. August. Der allverehrte Oberrabbiner von Nordholland, Herr A. S. Onderwijzer, beging diese Woche sein vierzigjähriges Rabbinerjubiläum. Die außergewöhnliche Beliebtheit, deren sich das geistliche Oberhaupt unserer Gemeinde erfreut, kam in den Feierlichkeiten zum Ausdruck, die sich anläßlich des frohen Gedenktages abfpielten. In den Räumen des Kolonialmuseums versammelten sich am Mittwoch Morgen .eine unabsehbare Menge von Verehrern, um dem Oberrabbiner zu huldigen. Tue Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende des Jubiläumskomitees. Herr A. Ascher, der die vielgestaltigen Verdienste des Jubilars um die verschiedenen Zweige des den Wenigen,, die Thora und Weltwissen in sich vereinigfallen zu lassen; möge er im Kreise seiner Familie und ren und zog die Aufmerksamkeit aller auf sich. |im Schoße seiner Gemeinde noch viele Jahre wirken Bis vor 4 Jahren, zu welchem Zeitpunkt ihm die | und Thora verbreiten! gesellschaftliche Betätigung ärztlich untersagt wurde, ge- 18 Juli Im aeleaneten Alten non üben hörte er zu den tüchtigsten, orthodoxen Vertretern und ££ agudistifchen KlalarbeitL. Auf der Kattowitzer Konfe- ®vuntf*al renz erschien er als offizieller Vertreter des Beizer Raw 9 jmff ... 9. ~ . ]€n C'ßs Jicud tro^ucni bieder C’inG T'fcfißTDicTte x)£Ttövx)£Vt£ ©Icicf) unf,ßrßr Ö*rÄiTtiiffßr ©ttröf) nnn fopr ^en ^wicktialten^und" tücktialten^ AauÄen' €r 5U unsere Weisen aus den Worten: „wajihju chajee sioroh Kund^mZch" SÄ"« Eindruck in Ä JÄ fSÄ der Stadt und im Lande, um so mehr, als dessen Bruder jrucrpnhfm ^bernobn? hnite m! ml+Hprpn 6 imil der ebenfalls hervorragende Herr Verl Fraenkel >-*t vor Z rin ÄÄrC* ’S? 2 Jahren ebenso in diesem frühen Alter starb und erst r einigen Wochen des en Onkel, der bed ulende Rabbi Äevor einigen Wochen dessen Onkel, der bedeutende Rabbi Moschl Schmelkes. In Krakau, wo die Lewaje stattfand, wurde ihm große Ehre bereitet und in Abwesenheit des Oberrabbiners hielt das Mitglied des Rabbinates, Rabbi Juda L e w i n„ einen rührenden Hesped. Leipzig, 18. Juli. Ein langjähriger Mitarbeiter dieses Blattes begeht in diesen Tagen seinen fünfzigsten Geburtstag: Dr. Pinchas Jakob Kohn. In Lakenbach geboren, ist er bei den bedeutendsten Räbbonim der Jahrhundertwende, vor allem bei R. Bunem Sofer, in die Schule gegangen und sollte ein maure haurooh bejißroel werden. Die schönsten Erinnerungen der Jugend knüpfen an die Bonyhader und Preßburger Tage an. Aber dann erkennt er, daß der Raw nicht nur jüdisches Wissen haben müsse, und er wendet sich dem Dorado aller bildungshungrigen Bachurim zu, nach der Schweiz. Im Hause Dr. Cohns in Bafel unterrichtet er, wird Schüler Ludwig Steins und entfaltet eine ausgedehnte schriftstellerische Tätigkeit auf dem Gebiete des Talmudifchen und der jüdischen Geschichte. Die in den verschiedensten jüdischen Blättern, auch im Lehmannschen Israelit veröffentlichten Novellen aus dem Leben der mittelalterlichen Juden und gegenwärtigen Bachurim zeugen von seiner liebenswürdigen Crzählerkunst; die in Leipziger Lokalzeitungen erschienenen chassrdischen Geschichten aus späterer Zeit sind der Niederschlag eines allem Außerordentlichen mit besonderer Vorliebe zugewandten feinen Interesses. schlossen und innerlich ausgeglichen; von frühester Kindheit bis ins späte Alter war sie sich immer, durch alle Prüfungen des Lebens hindurch die Gleiche geblieben, — so steht ihr Bild, das Bild einer Persönlichkeit heute vor Allen, die sie kannten und die es kaum fassen können, wie soviel Schönheit nicht mehr sein soll . . . Das Schicksal hatte sie schon früh mit dem Kamps ums Dasein vertraut gemacht, denn bereits mit 6 Jahren wurde sie durch den Verlust ihres Vaters zum Broterwerb angehalten, um der zurückgebliebenen Mutter das Los tragen zu Helsen. Wenn man sie Jugenderinnerungen ausplaudern hörte, erzählte sie zu gern mit dem ihr eigenen Stolz, wie sie als Schülerin Handarbeiten während der Unterrichtsstunden anfertigte, um sie während der freien Zeit verkaufen zu können. Zwar hatte der Lehrer es oft bemerkt, aber er wußte, weshalb er die Unachtsamkeit seiner Schülerin ungestraft ließ. Mit 23 Iahten heiratete sie den Schlossermerster S. Grünthal, dem sie eine treue Lebensgefährtin wurde. In ihrer Eigenschaft als Frau und Mutter hatte sie Gelegenheit, sich in ihrer ganzen Größe zu entfalten. Mit eisernem Fleiß und einer Selbstverleugnung ohnegleichen half sie ihrem Manne die Last der Familie — der Ehe entsprossen fünf Kinder — zu tragen, indem sie eine eigene Schneiderei gründete, die sie schnell zu großem Ansehen brachte. ' Jedes einzelne Wort der salomonischen Hymne an das jüdische Weib ließ sich auf diese Frau anwenden. Aus fremdem Munde konnte man es oft hören, wie sie Der junge, von Nahrungssorgen bedrückte und von des Nachts aufftand, mit der rechten Hand arbeitete sie A. S. Onderwijzer. Oberrabbiner von Nordholland. jüdischen Gemeindelebens in Amsterdam feierte. Alsdann ergriff der Bürgermeister von Amsterdam, Herr de V l u g t, das Wort, um die Glückwünsche der Behörden auszusprechen und gleichzeitig ein Schreiben des Justizmmisters zu verlesen, in dem mitgeteikt wird, daß die Königin von Holland den Oberrabbiner anläßlich des Jubiläums zum Ritter des Ordens des Mederländischen Löwen ernannt habe. In einer schlichten, von Bescheidenheit und Selbstgefühl Zeugnis ablegenden Rede antwortete der Jubilar. Das Komitee ließ ein Glückwunsch- Album mit elfhundert Unterschriften überreichen. Alle allen Seiten zur Einheirat in eine Stellung gedrängte Doktor ist dabei freilich für einen ungarischen Raw, der er werden sollte, wie er selber wußte und sich gestand, zu weltlich geworden. Außerdem hat er erkannt, daß der Lehrer viel unmittelbarer zur Verbreitung von Thora und zur Erziehung beitragen könne, wie der Raw, und so wird er Lehrer. Er geht nach Leipzig, wo sich eben um Dr. Carlebach eine hoffnungsvolle Talmud- Thora-Gemeinde geschart hatte. Hier erprobt er seine pädagogische Kraft, hier erzieht er ganze Geschlechter zum Verständnis fürs „Lernen". Die Tragik des Melamed Tinaukaus, ein Leben der Plage und Selbstentäußerung, zu dem tvic Anerkennung und äußere Lage in keinem Verhältnisse stehen, ging auch an ihm nicht vorüber und drückte zeitweise schwer. Wenn er trotzdem stets mehr war als ein bloßer Melamed Dardeke, so lag es an ihm. Wußte ein gewöhnlicher Kinderlehrer, wenn er nicht zugleich Dichter war, so schöne Geschichten zu erzählen, und mit deren selbstgeschaffenen Gestalten die Kinder zum Leiden und Lachen und Weinen zu bringen? Wußte ein gewöhnlicher Melamed .wenn er nicht zugleich Pädagoge war, die verschiedenen Teile eines so scharf zu fassen zwischen den Zeilen zu lesen und zu einer Einheit zu verbinden? Kann ein gewöhnlicher Kinderlehrer den Widerwärtigkeiten des Lebens trotzen, wenn nicht etwas von dem trotzigen rabbmischen Humor in ihm steckt, den er in unzähligen Beispielen gesammelt undzum Teil herausgegeben hat? Aber vor allem liegt es daran, daß in diesem Manne ein Bekius steckt, vor dem Babli und Jeruschalmi offen liegen. Merkwürdige Gegensätze Ein guter Erzähler ist selten ein großer Gelehrter, ein Bücherwurm ' selten ein guter Kinderlehrer. Bei ihm sind die Gegensätze verschmolzen. Von seiner pädagogischen Art der Behandlung talmudischer Probleme zeugt z. B. vor einem Jahre ein kleiner Aufsatz in der' hebräischen Abteilung an der Spindel und in der linken trug sie ein Kind, das sie am Busen nährte. Das waren für sie Selbstverständlichkeiten, und wenn sie ab und zu davon sprach, dann geschah das, um die Kinder und Enkel anzuspornen, im gleichen Sinne zu leben, keinen Augenblick unnütz verstreichen zu lassen, getreu den Worten des Pfalmistenr Unsere Tage lehr uns zählen. Als vor mehr als 20 Jahren kindliche Dankbarkeit sie zur Aufgabe ihres Geschäftes veranlahte, war für sie. der Arbeit lange nicht genug getan. Sie erfüllte bis zu allerletzt hingebungsvoll ihren jüdischen Beruf, Priesterin des Hauses zu sein und ihr Heim zu einem Heiligtum zu gestalten, in dem sich jeder behaglich fühlen muhte, weil man sofort den Eindruck hatte, daß hier eine liebevolle, umsichtige Hand gewaltet hatte. Die Hinterbliebenen wird das Bewußtsein trösten, daß mit ihr nur das zu Grabe getragen wurde, was sterblich an ihr war. Das, was sie an Unsterblichem geschaffen hatte, ist viel zu groß, als daß es nicht noch auf Generationen, beispielgebietend und ehrfurchtheischend zugleich, fortwirken müßte. rv'asin- 'Rabbi S. 3. Polatschek Newyork, 1. August. Im Alter von erst 51 Jahren verstarb der Rosch Jeschiwoh an der Jeschi wo des Rabbt Jizchok Elchanan, Rabbi Sch. I. Polatschek. Der Verstorbene war ein W olos chiner Zögling, Lieblingsschüler von Rabbi Chajim Vrisker und in feiner Jugend als Jlui bekannt. Einige Jahre wirkte er an der Jefchiwa des Rabb t Rei n es in Li da -und fett sieben Jahren hatte er die Rosch Jeschiwa-Stelle an der obengenannten größten Jefchiwa in Newyork inne, als welcher er sich großen Namen und große Betiebthett erwarb. Man verehrte in ihm einen^ Gaon und einen ungemein erfolgreichen talmudifchen Lehrer und Rabbinerbildner.

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