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Der Israelit · 1928-08-02 · Heft 31 (2.8.1928) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 31 (2.8.1928)
Date
1928-08-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 31 Der Scraelit 2. August 1928 jüdischen Apostaten und christlichen Apostel Paulus, der im Chor der, das Judentum in Bausch und Bogen verurteilenden Konvertiten gewissermaßen die große Posaune bläst. Es würde zu weit führen, die fast kindischen Argumente Paulus' und seine phantastischen Thesen zu streifen; sie werden ohnehin seitens Herford erbarmungslos abgetan. Um ihn nicht ganz leer ausgehen zu lassen, gibt ihm aber Herford zuguterletzt den ironischen Rat (S. 179), „. . . statt seine Pfeile gegen die unwirklichen Schöpfungen seines eigenen Gehirns zu richten, besser einen vermeintlichen Mangel des pharisäischen Judentums an Universalismus zu rügen." Aber auch darauf läßt Herford die Schriftgelehrten folgendermaßen entgegnen: „Es mag wahr sein, daß wir den Gedanken des Universalismus nicht in besonders wirksamer Form erfaßt haben. Aber was bedeutet Dein Universalismus? Doch nur, daß unter den Erkorenen, unter denen, die nach Deiner Meinung Gott erwählt zum ewigen Heil, der Unterschied zwischen Jude und Heide nichts ausmacht. Aber nimmermehr weder für dich noch für uns ist die Rede davon, daß tatsächlich alle Menschen erlöst werden. Einen wirklichen Universalismus gibt es überhaupt nicht. Indes, das ist der Unterschied zwischen uns beiden: Du sagst, Gottes- Zorn sei ausgegossen über die ganze Menschheit mit Ausnahme der Auserwählten; du sagst vom Nazaräer, daß er in irgend einer Weise der Mittler ist, diese Auserwählten zu erlösen; du hältst das Leben in dieser Welt bloß für-eine vorübergehende Gefangenschaft in einem schlimmen Reich, aus dem man schleunigst erlöst wird, sobald der Nazaräer in Herrlichkeit erscheint. Für uns aber gibt es keinen Nazaräer; denn wir brauchen keinen, nur den Messias, der kommen wird, wenn es Gott gefallen wird, und der anders handeln wird, als der, von dem du sprichst. Aber wir brauchen niemanden, der uns vor unserm Vater im Himmel zu retten oder bei ihm Fürsprache für uns einzulegen hätte, wenn je er sich von uns wendet. Auch ist das Leben in dieser Welt für uns kein Tal der Tränen, keine Gefangenschaft in einem schlimmen Reich. Sie ist der Schauplatz, auf dem wir Gott dienen. Und diese Thora, von der du so harte Dinge gesagt hast, du, dereinst selber der Thora dich rühmtest und wissen mußtest, wenn du's auch jetzt vergessen hast, daß sie einst das Licht deines ganzen Gesichtes gewesen, diese Thora ist uns der Führer durchs Leben, der uns angibt, wie wir in den kleinen alltäglichen Dingen, wenn wir wollen, Gott gefallen können. Ja, wir fehlen manchmal, doch wir dienen ihm mit Herz und Seele, so gut wir können, und wir halten es für gering und nichtig, wenn wir bloß Die jüdische Religion/) 1. Unser Glauben. „Der Glaube ist das unbedingte und absolute Vertrauen auf die Wahrheit der Mitteilung, die uns ward, und auf die Glaubwürdigkeit dessen, von dem sie uns ward." Die dreizehn Glaubensartikel des Rambam werden in dem Buch zunächst tief und schön beleuchtet. Ihnen gegenüber werden die anderen sogen, religiösen Grundanschauungen skizziert. Polytheismus anerkennt den Dingen anklebende und innewohnende Kräfte, also Gott im Ding. Atheismus: Reine und einzige Thronerhebung der menschlichen Kraft, neben und über der nichts waltet. Deismus und Theismus: Ursprünglich ist ein Gott Ursache des Entstehenden und Bestehenden, der in uns gelegt oder von uns losgelöst ist. Allen eignet eine stolze Selbsterhebung und Ueberhebung, allen die Vorstellung von der Schrankenlosigkeit des menschlichen Geistes und des menschlichen Erkennens. Nur dem Monotheismus eignet die Ueberzeugung von deren Begrenztheit, von ihrer Einbannung in Schranken, von der Notwendigkeit ihrer Unterwerfung gegenüber einer höheren Weisheit. Im Kampf zwischen unserer Vernunft und dem oft scheinbar Rätselhaften, das uns begegnet und sich nicht in unsere Erfahrungen und in unsere Erkenntnisse einordnen will, hat unsere Vernunft, so hoch und reich sie auch ausgebildet fein mag, bedingungslos die Waffen zu strecken. Einzelnen Bevorzugten, Auserwählten, aus besonderer Gnade Gottes zum reinen Gefäß geweiht, wurden, nachdem der Ge- *). Die jüdische Religion von Dr. Michael Friedlaender. Zweite Auflage. 1927. I. Kaufsmann Verlag, Frankfurt a. M. die vorgeschriebene Handlung tun, ohne die Absicht, Gott zu gefallen. Wir blickest zu ihm auf als zu unserem Helfer und unsrem Schirm, unserem Vater und Herrn, unserer Kraft und unserm Erlöser. Und er wendet sich nicht weg von uns. Gehe du und bete ihn an, wie du willst, und wenn die Thora dir nicht mehr ist, was sie dir^ einst-war, dann suche Gottes Offenbarung anderswo und höre seine Stimme in anderen Tönen. Was uns betrifft, wir wollen bleiben bei dem, was uns gelehrt wurde. Und so lange wir dem Glauben treu bleiben, den Gott Israel verliehen hat, als er es zu einer Nation machte und ihm die. Thora gab und die Propheten erstehen ließ und die Pfalmisten sandte und weise Männer, ihre Brüder zu belehren, so lange „soll Gott der Herr mit uns sein, wie er mit unseren Vätern war." Der Pharisäer, schließt Herford, ist es, der Israels Versprechen gehalten hat, und er hält es noch bis in unsere späten Tage.. « (Fortsetzung folgt.) Dr. V. Wolfs Pentateuch- Kommentar. Nach Abschluß der minn by opm zu mr-rna von Rabbiner Dr. B. Wolf liegen jetzt schon 3 Hefte zum 2. Buch Mosis vor. *) s« ,m»o geben ein zusammenhängendes Ganzes, das einen gewissen, inneren Abschluß enthält, so daß wir nicht versäumen dürfen, auf diese wertvolle Bereicherung der Exegese hinzuweisen. Der Name des Verfassers bürgt dafür, daß die Uebersetzung und auch der Kommentar sich streng an die grammatischen Formen halten und nur. durch treue, liebevolle Beachtung der Spracheigentümlichkeiten Sinn und Bedeutung erhalten wollen. Zwei Stellen müssen wir besonders hervorheben, in denen die Uebersetzung von den bisher bekannten abweicht. Kap. 7, 20: nt>jaa dt>i „er hob es mit dem Stabe und schlug das Wasser." Kap. 9, 7: „Es war von den Herden Israels nichts gestorben bis auf ein Tier ".Zur Begründung dieser Auffassung führt er die Parallele von ina tv 14, 28 an, wo der eine Uebriggebliebene mit Pharao bezeichnet wird. — Von unserer Seite aus sind noch keine Versuche unternommen worden, die neuen Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte im Kommentar zu verwerten. Es ist unbestreitbar ein großes Verdienst des Herausgebers, daß er als Erster die interessanten Ergebnisse dieser Funde mit unserer Midraschliteratur vergleicht. Dank seiner gründlichen Arbeit ist es ihm gelungen, Licht und Aufklärung in manch dunkle, schwer verständliche "Midrasch- und Poßukstelle hineinzutragen. Schon im 1. Buch hat er diesbezüglich viel Stoff verarbeitet; im 2. Buch, Kap. 1, 11 begegnet uns eine interessante Feststellung auf Grund seiner Forschungen. Es handelt sich sowohl um die Erklärung des Wortes nurv» als „Vorratsstädte", wie auch um die Namen von Pissom und Ramses, zu denen die Gemoro in Sota zwei Ansichten mitteilt.: Pissom — die Steine sanken leicht ein, Ramses — sie zerbröckelten. *) rrnnn bs upm Uebersetzung und Bemerkungen zum Pentateuch von Rabb. Dr. B. Wolf Köln, Verlag der Bibliothek des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands 5687. famtheit Israels am Sinai die große, Welt und Menschheit in ihren Grundfesten erschütternde, ja umwälzende Offenbarung zuteil ward, auch späterhin Offenbarungen, die sie unverfälscht ihren Zeitgenossen weiter zu geben hatten: den Propheten. Sie waren emporgehobene Menschen, aber nur Werkzeuge, nur Boten und Mittler der Verkündigung des göttlichen Willens, blieben aber dabei Menschen von Fleisch und Blut, nicht schlackenlos, nicht ganz losgelöster Geist, nicht ganz des Körpers entkleidetes Gemüt. ' Eilfertig und unserer Sympathie bei seinem Wege sicher wandert der Verfasser durch das Buch der Bücher, dre Bibel, und durch seine Nachfahren der geschichtlichen, seherischen, denkerischen Art, die Propheten, Umrißlinien tief und geistvoll zeichnend. Wundervoll ist es, was er über die Psalmen sagt, dieses Buch der schwersten Ergriffenheiten. der tiefsten Erschütterungen, des braufendsten Jubels. „Die Psalmen sind Hymnen, die Lobpreisungen von Gottes Größe enthalten, Gebete um seine Gnade und Gedanken über seine Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Güte . . . sie haben, das Gemeinsame, daß sie alle sich auf das reinste und lauterste Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit und Güte gründen." Scharf und unverbrüchlich fest kommt zum Ausdruck, daß die Tauroh in ihrer Gesamtheit vom ersten bis zum letzten Buchstaben göttlichen Ursprungs ist, Moses nur ihr reiner und demütiger Ueberbringer war. Diese von vorneherein schriftlich niedergelegte, aus Gottes Mund diktierte Tau roh findet ihre no twendige Ergänzung und Bereicherung durch die nicht minder aus göttlichem Ursprung stammende mündliched. h. von Mund zu Mund fortgepflanzte Ueberlieferung: Talmud und Midrasch. Philosophische Probleme ranken sich dann, immer noch an den Stamm der Rambamschen Glaubenssätze angelehnt. auf — reich und blütenfchwer. Gott ist liebreich und will, daß wir des Lebens, des wahrhaften Lebens Die Ergebnisse der Forschungen haben beide Eigenschaften dieser Art von/Kalkstein bestätigt und auch, die Ansicht der Gemoro für unser Verständnis ins rechte/Licht ge-? rückt. — In Kap. II, 10 geht W. alle Auffassungen.über die Namengebung von ne-o durch utid kömmt auf grund seiner archäologischen Kenntniffe und ForschMgen zu. dem Ergebnis, daß der Name sowohl ägyptischen;' wie hebräischen Msprüngs sein kann. , In Anlehnung an mes, mefu das ägyptische Wort für „Sohn", matz rwb die Uebersetzung für p sein. , Durch eine Art Wortspiel wird in diesem .-Namen die Entstehungsgeschichte der Sache in Erinnerung gehalten." Ebenso Kap.? 7> 11 über DIP0)3:- V : Das Bild der Hagadah stellt sich ist diesen drei Heften vor uns dar und biet-et fesselnde und umfassende Erklärungen zu den 10 Plagen.. Anfangs.bespricht.der Verfasser die z. T. bekannten Erklärungen von Hirsch, Malbim u. a„ dann gibt er eine genaue, gründliche Zusammenstellung der Verse, die von vorheriger Warnung an Pharao und später dessen. Rückberufungsbefehl an:■ sprechen, oder der Verse, in denen Jisroels Verschontsein von der Plage betont wird. Feine Unterschiede werden ausgedeckt, die bisher in diesem Umfang noch nicht zusammengestellt worden sind. — Dank wird man ihm wissen, daß er der Erklärung zu den D’ia hsnm fo viel Raum widmet. Sowohl Kap. 12, 25—27 als auch Kap. 13, 8 geht er gründlich auf die Fragestellung, und die vorgeschriebene Antwort, ein. Charakteristisch für den yzn ist, daß er sich mit keiner Frage um Aufklärung an den Vater wendet, sondern direkt als „Volksbeglücker" gegen die „Verdummung" und „Rückständigkeit" auftreten will. Auf diese Anmaßung, die ohne auch nur im entferntesten Wesen und Bedeutung dessen, was siei sieht, zu kennen, gleich abschaffen will, kennt die Thora keine Antwort. Es heißt nicht: n-um oder mmi oder i'i>n masi, sondern nur c-rnvrri die Worte 'nb msrnr rufen wir uns dann selbst als Bekenntnis zu. Ebenso feinsinnig ist der Unterschied zwischen t> pnn und rprnn r> die dem cian in der min als Antwort gegeben, von uns allerdings in der Hagadah dem cm gesagt wird. Unter vpmn r> könnte der o?n auch das einmalige Auftreten einer starken Volksbewegung verstehen, die, in sich einig und geschlossen, scheinbar aus eigner Kraft wie ein Sturmwind daherrast, aus alten Vorurteilen entstandene Mißstände aufhebt, versklavte Volkstoile wieder zu Recht und Freiheit führt. Anders aber der Ausdruck t> pnn: das ist die ewig gleichbleibende, stets vorhandene, an Kraft nie abnehmende göttliche Hand, „die immer waltet und stets erretten kann." Der snv> irst? gleicht dem ••izn- Der eine kann nicht, der andre will nicht verstehen. Beiden kann man sich deshalb nur mit der Anschäuungsmethode nähern und beiden gilt daher das Wort m nasa. zur Stunde, wenn nv» und ins vor dir stehen. Es würde viel zu weit führen, darauf einzugehen, wie Verfasser versteht, die hglachischen Teile der 'o 'v 'n aus der schriftlichen Lehre zu entwickeln, wie sie uns im Kap. 12 begegnen. Ein Beispiel muß uns genügen: das ist die Ableitung des Verbots vom Genuß des fvn am nvo my aus dem Verse: pt?tnn ova -p- Das ganz große nirrpades Herausgebers gehört schon dazu, um alle einschlägigen a'rn m dieses Kap. 12 hineinzustellen. Bei dieser Gelegenheit müssen wir allerdings darauf Hinweisen, daß wir die Erklärung zu 12, 16 in pjn 'n-a nnv mmn bv wv-p-H gefunden haben. Auch die Freunde der. nii^i-Erklärungen werden die Bücher mit Freude begrüßen. Jedes vorkommende ypr b-i wird z. B. besonders erklärt. Kap. 9, 6 deutet das Tonzeichen auf nwi auf eine überraschende Wendung hin. Bisher war keine N a ch Wirkung der verheerenden Plagen zu verzeichnen gewesen. Jetzt aber entstand — teilhaftig werden. Er ist aber auch machtvoller König, Souverän, der Ueberhebung des menschlichen Willens über Sein Gesetz, diese Kristallisierung und für uns Menschen bestimmte Zusammenfassung» Seines Willens nicht duldet. Er übt Gerechtigkeit, teilt Gerechtigkeit aus — Strafe für den Sünder, Lohn für den Guten. Wer sich aber anmaßt, auszurufen: „Es gibt kein Gericht, und es gibt keinen Richter" — wehe ihm! Feingeschliffen wird die Ursache dieses machtherrlichen Wortes hingestellt: „Aus zwei verschiedenen Quellen entspringt solcher Unglaube — aus der Begrenzung von Gottes Kräften und der Begrenzung der menschlichen Fähigkeiten. Die eine dieser Quellen führt zum Leugnen der göttlichen Allwissenheit, während die andere den Menschen, seines freien Willens beraubt." Weil man nicht zum Himmel greifen kann, leugnet man den Himmel, leugnet auch den, der im Himmel thront. Weil man wider den Kerker seines Körpers rennt, wider die Mauer seines Könnens anstößt, leugnet man die im Menschen sich frei entfaltende und frei gestaltende Willensfreiheit, die autokratisch schalten kann, aber nicht soll. ' 2. Unsere P f li ch len. Festgemeißelt sind unsere Pflichten, die im zweiten Teil des Bandes erörtert werden.. -Wir haben unseren Kodex, die Tauroh. Und wir haben die unbedingte, durch nichts zu bestreitende, nach keiner Richtung hin einzuschränkende oder wandelbare Verpflichtung, diesen Kodex zu beobachtend Sie sind mannigfach gestuft, gegliedert nud gestaltet,- diese Pflichten. Ihr Höchstes, Universellstes, Großartigstes, die zehn Geböte, weil sie unmittelbar aus dem Munde des Höchsten,- Universellsten und Ueberragendsten an Israel kamen: aus Gottes Mund. Von ihnen strahlt alles Andere aus. Sie geben in Reinkultur, in knappster Zusammendrängung, inbindendster Form Anleitung für unser Verhalten zu Gott, zu Welt,

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