Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1928)
- Date
- 1928-08-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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■fT^T'Tv f d) ff -Errrs Gn Frommer der nichtjüdische« ^we«F " Von H. Neubauer in Hermannsberg. Ja, ein chofsid umaus hoaulom! R. Travers Herford/ bis Wist ArDe unitarischer GeMicher ist MM' M MaMMer/ Dt jetzt in London, schrieb Ä12 eir! von R. Perles mit außerordentlicher Geschicklichkeit und inniger Warme verdMsctzMMP'wM PoMsrtngen strDergegeben iEden^Äe er vor einem Kreise von Gelehrten und sonstigen Lehrbeflissenen im Manchester College der Ustiverfität Oxford hielt. Die bedeütsMe/'nÜch chie'^ox Wffehen erregende Schrift betitelt sich: ^Lblärisaisip its aist arick rnslbcrck"' ZU 'Deutsch: „Das pharisäische Judentum" (Leip- Aig M13). Neben kleineren/ nicht minder wichtigen ' Arbeiten hat Herford inzwischen ein weiteres, dasselbe THeinabehandelndes Werk**) erscheinen' taffendas dessen frühere Darlegungen wHenschafttich vertieft und erhärtet: doch ich habe mf h;ie^UuMbe' gestellt, 'züstächst über den Berfasser unö bie eingangs' erwähnte Schrift näheres zu sagen. ... " Herfords erstaunliches Wissen und Können (er hat volle dreißig Jahre den Talmud und dessen Literatur mit verblüffendem Erfolge studiert,'' ehe er mit seiner ersten Schrift sich an die Oeffentlichkeit wagte; zweiundvierzig Jahre widmet er sich bis heute unsren heiligen Quellen) wird nur übertroffen von seiner bedingungslosen Wahrheitsliebe und tiefernsten Religiosität. Und gerade diese letztere ist es, die es den christlichen Gegnern verwehrt, auch nur den, geringsten Verdacht etwaiger destruktiver Tendenzen zu hegen, wodurch aber auch die Datstellung Herfords ungemein an Beweiskraft gewinnt, ja, unerschütterlich wird. Und das schicke ich voraus: Es ist unabweisbare Pflicht aller derer, die in denGeistesschätzen unsrevWeisen das Höchste und Erhabenste erblicken, dafür Sorge zu tragen, daß die Stimme dieses Edlen gehört werde im Läger jener, die dem Talmud und feinen Doktoren indifferent, verständnislos, vorurteilsvoll oder gar feindlich gegenüberstehen. Diese Einleitung, bevor ich zum Haupthema komme, ist notwendig, um dem gläubigen Juden, die Einfühlung in die Herfördschen Arbeiten zu ermöglichen, denn Herford hat für Christen, und nicht für Juden, deren wissendem Teil er ja kaum Neues zu sagen hat, geschrieben. Was uns Juden in der Hauptsache interessiert, ist die ihm zu verdankende Umbiegung der ganzen Problemstellung; zum ersten Mal vielleicht seit zwei Jahrtausenden sieht sich das Christentum in die Verteidigungs¬ *) Obgleich wir das im Nachfolgenden behandelte Werk bereits in der Literar. Warte zu Nr. 23 gewürdigt haben, scheint es doch die ihm hier zuteil werdende ausführliche Betrachtung zu verdienen. **) „The Phansees*-*-? (^,Die; Pharisäer".),'. 'übers.' von Walter Fischek; Gustav Engel, Leipzig, 1928. linie gedrängt, auf einen Platz/ den bisher das Judentum einnahm. Und das will schon etwas heitzen. Sei es noch so gewagt zu sagen, niemand kötststit Herford in dieser Beziehung auch nur nähe; keiner,' der in so'eindringlicher, überzeugte,r, ja, rveihevoller Sprache Judentum, Talmud, Midrasch und nicht zuletzt ihre Weisen gegen eine feindliche, bewußt gehässige und mit den unlautWten'/Mitteln-Märiövrierende Mehrheit je verte),ditzte/ Getviß, unsre späteren Lehrer und Führer! Aber diese haben ja fast ausschließlich für Juden geschrieben, da sie genug zu tun fanden, ihrem gehetzten und geschändeten Volke Leuchte üstd'Trost zu sein. Und soweit Maimonides Einfluß auf has patriftische Christentum hätte (wie überhebliG stellt sich selbst Thomas v. Aquino zu ihm!), so mochten unsre Apologeten doch nicht jenes Gestrüppbon Unvernunft, Finsternis und Boshaftigkeit durchdringen, zu einer Zeit, wo das eigene Volk aus tausend Wunden blutete. Der moderne, jüdische Forscher — mit ganz wenigen Ausnahmen — hingegenscheidet aber aus, da er, selber schwankend, in her Regel sich allein bemüht, den lächerlichen Nachweis zu führen, daß die Thora und Jüdentüm an jenes Andre heranreicht. (Und was ist denn diese Nachäffung spezifisch unjüdischer Erscheinungsformen mehr als das unausgesetzte Bekenntnis derer, die da glauben, alles Heil käme von dort.) Anders bei Herford. Hier spricht einer von ihrem Fleisch und von ihrem Blut; und dieser Christ sucht nicht etwa die Juden zu schützen, auch wenn er eine Lanze für die Pharisäer bricht, nein, nein, er unterzieht das alte und neue Christentum einer rigorosen Prüfung, und macht selbst vor dessen Begründer nicht Halt, wenn es gilt, die altersgrauen Bastionen christologischer Dialektik zu stürmen. So meint er (a. a. O. S. 93): „Es ist leicht zu sagen, daß die Pharisäer im Unrecht waren, da es nur das ist, was man von ihnen annimmt. Etwas anderes aber ist es, zu sagen, daß der Nazaräer im Unrecht war, daß er sogar seinen Gegnern nichts weniger als Gerechtigkeit widerfahren ließ, und in seinem Verkehr mit ihnen gelegentlich Eigenschaften zeigte, die recht menschlich, aber nicht eben göttlich waren." Und auf dem nächsten Blatt: „Wenn auf der einen Seite (der des Stifters) das Verdikt lautet: „Schriftgelehrte und Pharisäer sind Heuchler", so formuliert es der Talmud auf der anderen Seite kurz in den Worten:***) „Der Nazaräer hat Zauberei getrieben, hat Israel irregeleitet und verführt". Kurzweg zu sagen, eine dieser Behauptungen ist wahr und die andere ist falsch, wäre einfach eine petitio principii. Zweckdienlicher ist es, zu verstehen, wie es dazu kam, daß sie aufgestellt wurden, Daß so etwas vom Nazaräer behauptet werden konnte, ist für Christen schwer zu ertragen. Sie empfinden es als ungerecht und unwahr. Daß . ***) ©antyebrfn 107 b. so etwas von den Pharisäern gesagt wurde, ist für Jüden schwer zu ertragen. Sie empfinden es als ungerecht Und unwahr. Sie sind der schwächere Teil Und' haben ein Recht, gehört zu werden." Und wenn Herford ' jene Erzählung aus Markus 3, 1—6 anführt: „Und er (öer Stifter) trat wieder in die Synagoge ein, darin ein Mann war, dessen Hand verdorrt war . . . Und er sagte zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: auf, tritt vor! Und er sagte zu ihnen (den Schriftgelehrten): ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen. Und er sah sie an ringsherum im Zorn, betrübt über die Verstockung ihres Herzens, und sagte zu dem Menschen: strecke deine Händ aus, und er streckte sie aus, und feine Hand ward hergestellt." „Es ist offenbar," sagt hierzu Herford, „daß dev Erzähler dieser Geschichte die Phänsäer nicht liebte, und es wäre nicht unbillig, dieses Vorurteil bei seiner Darstellung des Sachverhalts gehörig in Anschlag zu bringen. Wir wollen all das auf'sich beruhen lasten. Der Nazaräer forderte die Pharisäer auf, zu sagen, ob das Heilen am Sabbat gestattet sei oder nicht. Wenn er keine Antwort erhielt, so war es gewiß nicht, weil sie keine zu geben hatten. Sie würden sagen: „Warum am Sabbat tun, was an einem anderen Tag getan werden kann, wenn dadurch der Sabbat verletzt wird. Die Thora befiehlt, der Sabbat soll heilig gehalten werden, und das geschieht, indem man sich von gewissen Handlungen zurückhält, die an sich recht und gut sein mögen. Wir glauben, der rechte Weg, die Thora zu erfüllen, also Gottes Willen zu tun, besteht darin, das und das zu tun, und wir glauben, es ist Gottes Wille, daß, wo es sich um Lebensgefahr handelt, der Sabbat verletzt werden darf, in welcher Weife auch immer es nöttg ist. Aber wegen einer weniger dringenden Sache darf er nicht verletzt werden. Hier dieser Mann mit der verdorrten Hand befindet sich nicht in unmittelbarer Lebensgefahr. Gewiß ist es ein gutes Werk, ihn zu heilen. Aber warum wurde das nicht schon früher getan? Und wenn nun seine Heilung einen Tag später erfolgte, wäre dies denn so schlimm für jemand, der schon lange in dieser Lage ist, daß seinetwegen der Sabbat verletzt werden müßte? . . . die Pharisäer waren vollkommen im Recht mit ihrer Meinung, daß es nicht im Einklang mit der Thora stand. " Man muß schon zugeben, daß diese kernige Sprache, so ungewöhnlich sie auch sein mag, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Ein hervorstechendster Charakterzug Herfords ist seine immanente Gerechtigkeitsliebe, die es ihm ermöglicht, über Dinge und Personen, denen er gefühls- und glaubensmäßig größte Verehrung zollt (was er oft glaubwürdig genug betont), sachlich und schlicht urteilen zu können; gleichsam als stände er über ihnen. So beschäftigt er sich in einem langen Abschnitt seines Buches (Kap. 4) mit dem