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Der Israelit · 1928-08-02 · Heft 31 (2.8.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 31 (2.8.1928)
Date
1928-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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it. 1!, ©eite 4 Nr. 31 DerSrraelit 2. August 1928 wie es um die pomphaftesten Bar-Mizwa-Feiern der Weihe, der Erhebung, eine Quelle der Kraft. Was ist sie? . . . Eine Schaustellung: von Papas Zylinderhut und Mamas Toilette, von Silber und Kristall, von Orientteppichen und teurem Besteck. Noch mehr! Das Kind--selbst wird zum Paradestück degradiert: in! der Synagoge und im Salon. An den Feiertagen beten wir: n iajwm ■psn» m-n O taffe uns. Ewiger, unser Gott! den Segen Deiner Feste hinübernehmen in den Alltag! Was können wir von unseren Bar- Mizwa-Feiern mitnehmen!? Verinnerlichung? Nein, Kuchen! Erinnerungen? Auch von diesen bleiben gar manch liebe zurück: Großmama ist zu Besuch da gewesen; das Bankett war das schönste, das man feit langem in der Stadt gesehen hat (achtzig, hundert.Gedecke im Hotel Bristol); zwei Tische voll von Geschenken (jüdische?). Liebe Papas und liebe Mamas! Das ist alles recht schön, aber leider Nicht spezifisch jüdisch und zu einer Bar-Mizwa gehörig. Wenn Ihr Lust dazu empfinden solltet, könnt Ihr solche Feste an irgend einem Karnevalstag auch arrangieren, und sie würden dann vielleicht bester am Platz sein. Ihr versündigtet Euch dann sicherlich weniger an Euren Kindern als es bis jetzt der Fall ist. Ihr betrüget sie nicht um ihr Liebstes, um ihr Heiligstes. Ihr klagt über Mechanisierung des Gottesdienstes, über Leere in den Synagogen. Mit welchem Recht dürft Ihr erwarten, daß Eure Kinder ins Gotteshaus gehen, und gar noch gerne gehen, wenn Ihr sie um den schönsten Tag ihrer religiösen Entwicklung bringt? Je intelligenter das Kind, umso größer die Enttäuschung, die ihm dieser bereitet. Die Jugend lechzt nach Großem und Heiligem und Ihr, Ihr verlangt, daß der Bub grammophonmähig seine mzns heruntersagt. Schön singen soll er. Er soll „feine Sache gut machen", Euren Dünkel befriedigen. Und Ihr, jüdische 'Lehrer! Ihr, die Ihr in einer Kinderseele zu lesen versteht, die Ihr wißt. bestellt ist, Ihr reicht Eure Hand zu solchem Gebühren? Ihr bringt es fertig, das heilige Vertrauen Eurer Schüler zu. mißbrauchen? Stemmt Euch der entwürdigenden Zumutung entgegen! Schildert den wahren'Sachverhalt und habt Zutrauen zur Vernunft! Fragt all diejenigen, die guten Willens sind, ob es zu verantworten ist, daß man Kinder, die sonst kaum zwei Stunden wöchentlich hebräischen Unterricht bekommen, deren Wissen beschämend gering ist-..monatelang in der bisherigen Weise vorbereitet, um zu folgendem mageren Ergebnis zu gelangen: es werden einige Verse der Thora recht langsam und deutlich, fein musikalisch vorgetragen. Jeder Eingeweihte weiß, daß unter den obwaltenden Verhältnissen die unbedingt notwendige Durchnahme der 'i'i sogar zu kurz kommt. Andererseits wäre gerade die Bar-Mizwa-Zeit die denkbar günstigste zur Besprechung von Fragen aus der jüdischen ksthik, zur Durchnahme besonders interessanter Kapitel aus der jüdischen Geschichte, aus dem V21N, dem -pn oder was Euch sonst beliebt; denn e s g ibt k e in e p s y ch o l o g i s ch geeignetere Zeit zur dauernden Beeinflussungjunger Menschen als ebendiese. Und wir vergeuden diese kostbaren Wochen und Monate zum Erlernen der lieben nuns* Wenn die Vorbereitung wenigstens'so betrieben würde, daß das jetzige Leinen eine Schule für dauerndes Leinen. würde, mit dem durch dieses mehr oder weniger bedingte Eindringen in die Heilige Schrift! Aber nein. Selten werden systematisch die geübt, sondern eben nur der betreffende Abschnitt. Punkt. Schluß. Wenn man den vorhergehenden Fall mit „unsinnig" bezeichnet, so muß man den nächsten durch „unsinniger" charakterisieren. Es ist hierzulande leider keine Seltenheit, daß Kinder bis zum zwölften Jahr ohne Kenntnis des Aleph- Beth aufwachsen. Schließlich erinnern sich die Eltern, daß der Junge doch Bar-Mizwa werden soll. Man kommt zum Lehrer. -Dieser weiß nun recht wohl, daß man ihm den Schüler nur bis. zur Bar-Mizwa läßt. Was wäre wohl wichtiger, als den jungen Juden in jüdisches Wissen einzuweihen, so daß er die Größe des Judentums wenigstens ahne und später wünsche, das, was die Eltern versäumt haben, nachzuholen? Aber —Gott sei es geklagt! — das Protzentum der Eltern verlangt gebieterisch. den Sing-Sang. Der Lehrer — er ist der Angestellte seiner Gemeinde — hat zu gehorchen. Er fügt sich, obwohl er weiß, daß man auf eine derartige Bar-Mizwa eigentlich Kaddisch sagen müßte: wieder eine Seele verloren. ' : Und nun folgt der Superlativ des Unsinns. Bar-Mizwa feiern heißt also: ein Konzert veranstalten. Wie aber (der Fall soll schon vorgekommen fein!), wenn der Bub ein schlechtes Gehör und eine schlechte Stimme hat? Schweigen wir von den Qualen des Lehrers und des Schülers bei der Vorbereitung, namentlich von dem beklemmenden Bewußtsein, eine nutzlose Arbeit zu verrichten und eine sich nie mehr bietende Gelegenheit zu verlieren: sie haben all das als nanu hw Dmo’ geduldig ertragen. Sehen wir uns nur Papa und Mama an. Sie haben ein schönes Konzert in Aussicht gestellt. Nun ist dieses Konzert aber gar keins gewesen, durch welches man Ehre einheimsen könnte. Noch mehr: sie wußten im voraus, daß dem so sein wird. Was tut es? Die Komödie wird gespielt. Wer wird sich denn so blamieren, öffentlich einzugestehen (was ja schließlich nicht so schlimm wäre), daß der liebe Rudi keine gute Stimme hat? Aber auch wenn alles gut'geht, bleibt die bisherige, rein äußerliche Art der Bar- Mizwa-Feiern eine Selbsttäuschung. Von diesem wenig schmeichelhasten Urteil schließen wir nicht, einmal die in manch gut-jüdischen Häusern eingeführte num aus, obwohl, zugegebenermaßen, dort die Verhältnisse sich anders ausnehmen. Wenn es nicht gelingt, dem schönsten Familienfest, das wir haben, die Seele zurückzugeben. Ifliiil liiiili «i fxrp’viK1? nn n y *n e 1°?X2 rrnt ’2 nn o’rnia iaan ivixi 2V2v *?ip2 wiipn 2sv xin nxv 2iEmi 2p’ “iso nsV xx’ D’v’n »NVQ NVV'« rnxa ’pVxn p",22,20 n"ns? D’pVn ’atp V'Xt npö *nm ' tann niasn v'vvs Dan 222 nrn empn 2svn 2p’V ntmi lan isv ->22 im2'vn vvn» V2X 'imm 'sin rrVarm Van 2son a’X’Xia iaan -nix’Xdn naives 212p mpnnan nrnna ni2’22 ’ntP2 212’,2,21 •(X’nssVxn) ->"2 '-PV ptt’12 3722 bw tpii»s? nix»! 1x212 bib oan nWa Vp2vi22 »DTlS« nXXIH!V212 bob dan nVffa vpsviis VERLAG »PARDES«, BERLIN C 25, MtlNZSTR. 18

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