Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1928)
- Date
- 1928-08-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2. August 1928_ ganzen Teil des Großhirnes entfernen lassen, dem für die B e w u ß t f e i n s f u n k t i o n .wesentlichste Bedeutung zukommt. Trotzdem hat sich dieses Schaf, das nach allen heute geltenden wissenschaftlichen Anschauungen den Schächtschnitt n i ch t mehr fühlen oder als Schmerz empf in den k onn t e, beim Halsschnitt hinsichtlich der Art, Gliederung, Dauer und Stärke der Äbwehrbewegungen genau so verhalten, w i e m a n d a s b e i itt H a l s s ch n i t t u n Versehrter Schnfezu sehen hekommt Hier ist wieder einmal ein erneuter Beweis dafür geliefert, wie wenig die nach dem bloßen Augenschein urteilenden Schlachthoftierärzte, auch wenn sie noch so objektiv denken, dazu berufen erscheinen, über den tierquälerischen oder nichttierquälerischen Charakter einer Schlachtmethode irgend etwas auszusagen. Zuständig kann hierfür eingig und allein die vom Experiment unterstützte, auf gründliche theoretische Untersuchung eingestellte physiologische Wissenschaft sein. Daß diese aber sich in der ungeheuren Mehrheit aller ihrer anerkannten Vertreter zugunsten der Schechita ausgesprochen hat, dürfte allgemein bekannt sein und wird jeden Tag deutlicher. Ritualien. Wie an anderer Stelle dieser Nummer bekanytgegeben', hat der Reichsfinanzminister auf, Antrag der gesetzestreuen Verbände, wie früher auch in diesem Jahre wiederum die Landesfinanzämter ermächtigt, auf die religiösen Zwecken dienenden "Lulowim. und Hadassim zum bevorstehenden Sukkausfeste bei der Einfuhr einen ermäßigten Zollsatz zu gewähren. Am Schlüsse der von der Freien Vereinigung verbreiteten Notiz heißt es, daß das Reichsfinanzmimsterium, wie nicht mehr als selbstverständlich, die beantragte Vergünstigung unter der Voraussetzung gewährt hat, daß die dadurch bewirkte Ersparnis in vollem Umfange den Konsumenten zugute kommt. Wir möchten aus diesem Anlaß einige Worte über die Preisfrage sprechen. Immer wieder gehen den jüdischen Blättern aus ihrem Leserkreise Beschwerden darüber zu, daß sowohl für rituelle Lebensmittel, als auch für rituale Bedarfsgegenstände allzu hohe Preise genommen und dem Publikum dadurch wirtschaftliche Opfer zugemutet würden, die sachlich unberechtigt seien und letzten Endes in gefährlichster Weise die Zahl derer vermehrten, die es mit der Treue zu den überkommenen religiösen Pflichten leicht nehmen. Geht man diesen Beschwerden nach, so stellt sich, das müssen wir offen aussprechen, allerdings in den meisten Fällen heraus, daß sie entweder auf Verallgemeinerungen beruhen, oder aber den nun Der Israelit einmal nicht aus der Welt zu schaffenden besonderen Schwierigkeiten und Kosten, mit denen die Lieferanten rechnen müssen, nicht genügend Rechnung tragen. Aber wir dürfen uns keiner Täuschung darüber hingeben, daß auch unberechtigte Beschwerden ein gut Teil von Verbitterung erzeugen und daß damit die unheilvol-- len Wirkungen auf religiösem Gebiete nicht weniger eintreten, als ob es sich um die handgreiflichsten Mißstände handelte. Es liegt auf der Hand, daß dann bei einem auf diese Weise eintretenden Rückgang des Konsums.auch die Lieferanten selber die Leidtragenden find. Es sollte darum im a l l s e i t i g e n Interesse dafür gesorgt werden, daß sich in steigendem Maße die Preisbildung bei dem Handel in rituellen Lebensmitteln unter Kontrolle der Oeffentlichkeit und ihrer Organe vollzieht. Man darf zu dem gesunden Sinn des Publikums durchaus das Berttauen hegen, daß es bei zweckentsprechentz-r Aufklärung den Grundsatz: „Leben und leben lassen" auch dem jüdischen Händler und Fabrikanten gegenüber gelten lassen wird. Gefährlich ist nur die im Dunkel schleichende verdächtigende Kritik. Im vorliegenden Falle könnte die Kontrolle über die angemessene Preisbildung bei Arbaminim sehr leicht durch die Verbände, die die Verordnung des Finanzministers erwirkt haben, vorgenommen werden, während bei Lebensmitteln als Kontrollstellen wohl nur die örtlichen jüdischen Gemeinden in Bettacht kommen. Var-Mzwa-Ieiern. Ein Dort an Eltern und Lehrer. Von Jechiel Lichtenstein in Bex (Schweiz). Das Judentum einigt; das Parteiwesen trennt. Ganz und gar unjüdisch und in jeder Beziehung zu verwerfen, ist die Wertung jüdischer Menschen nach geographischen Momenten. Trotzdem beginnen diese Zeilen, die einer eminent religiösen Frage gewidmet sind, mit der Feststellung, daß selbst einem oberflächlichen Beobachter dex Unterschied auffällt, wie im Osten und im Westen Bar-Mizwa-Feiern! sich gestalten. Unstreitig sind diese bei den Westlern schöner. Ohne den Gründen dieser Erscheinung nachzugehen, wünschen wir, daß unsere Brüder von Ostelbien und -Danubien, den Sachverhalt eingestehend, die sich hieraus ergebenden Lehren ziehen, mögen, Wahrlich, es ist erhebend, zu sehen, daß selbst in Kreisen, die sich an der Peripherie des Judentums befinden, die Weihe dieses Tages gefühlt wird. Dieser gestaltet sich auch dort zu einem ein- _Nr. 31 Sette 3 drucksvollen jüdischen' Familienfest. Denjenigen, der die Bar-Mizwa seines Kindes nicht mehr feiert, den stellt das jüdische Gefühl jenen gleich, die selbst die HeMgkeit der hohen Feiertage aufgegeben haben: er steht jenseits unseres Lagers. Wir interessieren^ uns weniger dafür, zu erfahren, -ob und inuMweit dieses Kriterium, berechtigt ist. Wir stellen nur fest, daß dem so ist. Ein gutes Wart, zur rechten Zeit gesprochen, hat schon gar manchen Segen gestiftet. Es scheint uns jedoch, daß.emMdel zur. rechten Zeit noch bedeutungsvoller ist. Man braucht uns sicherlich weniger auf unsere guten Eigenschaften aufmerksam zu machen als auf unsere Schwächen. Wären also unsere Beobachtungen hinsichtlich der Bar- Mizwa-Feiern derart, daß sie nur zu Komplimenten Anlaß gegeben hatten, — diese Zeilen wären ungeschrieben geblieben. Was ist der Bar-Mizwa-Tag? Er ist das Fest der Reife. Das tändelnde Kind wird zum verantwortungsbewußten Manni. Der Begriff der Pflicht erscheint dem tatenlustigen Jüngling. Das beglückend-niederdrückende Gefühl des *?2i ll'2N22isv2i'VVv erwacht. Wenn das Wort des Propheten wahr ist — und es ist wahr —, daß ohne das Gesetz das Dasein nicht lebenswert wäre, vö pm ö’ötf mpn n^i Dar. '■»rrnn «b qk '(rra y'b rrnv) ’naw so beginnt die Karriere des Juden erst mit seinem dreizehnten Jahr. Die Größe des Moments' fühlen in ihrem dunkeln Drang die Väter und Mütter, sowie die Bar-Mizwa-Büben selbst, recht wohl. Die Vorbereitungen auf den herrlichen Tag beginnen schon Wochen und Monate vorher. Obwohl heute die Schule ihre Zöglinge mehr als pädagogisch gerechtfertigt ist, in Anspruch nimmt, werden unseren Zwölfundeinhalbjährigen doch nie und nimmer ihre Sonderstunden für die Bar-Mizwa fehlen. Im Gegenteil: Sie würden! recht wohl, freiwillig und freudig, noch mehr Unterricht nehmen. Es ist etwas Rührendes um diesen Eifer, doppelt erhebend für den jüdischen Lehrer, der sonst mit Schülern und Eltern zu kämpfen hat, damit der schon mager genug bemessene Unterricht regelmäßig besucht werde. Und jetzt, seht! verständnisvollstes, harmonischstes Zusammenarbeiten, von Schule und Haus. Wahrlich, ein pädagogisches Schlaraffenland! Wenn . . . Wenn die Zeit richtig ausgenützt würde! Und das eben ist nicht der Fall. Im Gegenteil! In den Augen all derer, denen Judentum -Herzenssache ist, bedeuten unsere Bar-Mizwa-Feiern den schlimmsten Bankrott unserer Arbeit, eine Ausbeutung sondergleichen der unschuldigen Kinder. Was sollte die Bar-Mizwa sein? . . . Ein Tag seligung und Verpflichtung: nnx n 'pVs n ym Ein Gott, eine Thora, e i n Israel. Das ist unser Sehnen und Hoffen. Und dieses Hoffen ist unser wahrer, unser höchster Trost. Kleines Feuilleton. Die lilv Nl^p'Uebersehung von Or. Selig Vamberger. Der Hamburger Rabbiner Dr. Selig Vamberger erblickt eine seiner Lebensaufgaben mit darin, gute Uebersetzungen unter die Jugend und Erwachsene, unter Lernkundige und Laien zu bringen. Wir erinnern an seine Pentateuch- und Machsorübersetzung, an die Raschiübersetzung und den „Lichtspendenden Leuchter". Nun ist Vamberger auch an die Verdeutschung des Kizzur gegangen. Dazu gehört nicht nur Sach- und Fachkenntnis, sondern auch ein gewisser Mut. Es ist ja kein Geheimnis, daß Lomdim oft naserümpfend auf^i« "n und noch mehr auf den herabschauen, sie seien einem eigentlichen Quellenstudium abträglich, züchteten geradezu ein Amhaareztum. Als ob "'Abraham Danzig und Salomo Ganzsried in ihren Vorreden nicht klar und deutlich ausgesprochen, warum sie ihre volkstümlichen Werke geschrieben und schreiben mußten. Sie waren nicht so weltfremd wie manche oberflächliche Beurteiler. Sie Zählen Heute wahrlich zu den tnam in des Wortes bestem Sinne. Und Vamberger hat sich in seiner ns?« Verdeutschung zum „Waffenträger" Ganzfrieds gemacht. , Jede Uebersetzung ist im Grunde eine Erklärung, jeder Uebersetzer ein Methurgeman. Jede Redewendung, jeder Ausdruck muß erst gewählt und erwogen werden, soll er Sinn und Gedankeninhalt des Originals in prägnanter Schärfe wiedergeben, wie sie dem Autor vorgeschwebt. Das ist nicht immer leicht und kleine Härten in der deutschen Uebertragung sind unvermeidlich. Handelt es sich doch nicht um eine deutsche Stilübung und um Darbietung eines Musterstückes in der deutschen Muttersprache. Es ist dem Verfasser gelungen, in Wortbildung und in der Satzform all jene Klippen glücklich zu meiden und kleine Härten auf ein Minimum zu beschränken, ja unmerklich zu machen. Auf jeder Seite sind der hebräische Text und die deutsche Uebertragung halbseitig gegenübergestellt und wir begrüßen es dankbarst, daß der Text auch vokalisiert ist und die oft störenden Abbreviaturen weggeblieben. (Auch im Feldmann'schen Kizzur fehlen die Abbreviaturen.) Mögen andere vielleicht den einen bildenden Wert zuerkennen: der Zweck, aus den es hier einzig und allein ankommt, mußte den Verfasser auf den einzig gangbaren Weg leiten? Der ">isp soll Volksbuch werden im weitesten Sinne des Wortes. Wir verraten auch kein Geheimnis, wenn wir glauben, auch der Lernkundige wird im Lesen des jüdischen Textes manches gewinnen inbezug auf Richtigkeit und sprachliche Korrektheit. Es ist nicht jedermanns Sache, sprachlich so geschult zu fein, daß ein lautreines und lautrichtiges Lesen in idealer Art von ihm vorausgesetzt werden dürfte. Es ist ferner zu bedenken, daß das Ganz« sowohl zur Vorbereitung als Wiederholung für die einzelnen Schiurteilnehmer dient. Es gibt heute leider eine Unzahl lehrerloser Gemeinden. Sie werden hie und da von Lehrern besucht und mit einem kleinen Vortrag bedacht. Dort wird der übersetzte Kizzur höchstwillkommen sein, damit sich das Wenige, was geboten werden kann, nicht rasch verflüchtigt. Ist in einer solchen Kleingemeinde noch Minjan, so dürfte es nicht schwer fallen, noch ein jüdisch interessiertes Mitglied für den Vortrag aus dem Kizzur zu gewinnen. So wirkt sich Bambergers Werk nach den verschiedensten Seiten segensreich aus. Bis jetzt sind 19 Lieferungen erschienen und damit die Hälfte des Kizzur schon -in deutscher Sprache uns geboten. Der Verlag A. I. Hofmann in Frankfurt a. M. und die Hermon-Druckerer, in deren Offizin die Herstellung -erfolgt, haben für die äußere Ausstattung des Ganzen das Beste geleistet. Hoffen wir, daß in nicht allzuferner Zeit auch die letzte Hälfte des Werkes in die jüdischen Gemeinden und Familien ihren Einzug hält,? Bar Menachem. (orDlN flVHO*) Zu der in Nr. 26 veröffentlichten Besprechung des unter dem erwähnten Titel erschienenen Responsen-Werkes von Rabbiner A. Z. Klein teilt uns der Sohn des Heimgegangenen Verfassers, Herr Rabbiner Prof. Dr. S. Klein in Nowe Zamky, ergänzend mit, daß der Heimgegangene Verfasser des Werkes mehr als ein halbes Jahrhundert in der Gemeinde Szilas Balhas (Ungarn) wirkte. Das Buch kostet 2 Mk., für Rabbiner, Lehrer 1 Mk. und ist bei Herrn Rabbiner Dr. Klein in Nowe Zamky, auf Wunsch auch unentgeltlich, zu erhalten. (Rückkehr eines Totgesaglen nach 12jähriger Kriegsgefangenschaft.) Aus Rees im Rheinland wird gemeldet: Die Eheleute Goris erhielten die Nachricht, daß der Bruder der Frau, Bernhard S ch w e i n k, nach zwölfjähriger Kriegsgefangenschaft in Rußland nunmehr zurückgekehrt sei. Tragisch ist der Umstand, daß die Frau des Schweink bereits wieder eine andere Ehe eingegangen ist, da der jetzt Zurückgekehrte für tot erklärt worden war.