Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1928)
- Date
- 1928-07-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 16 Sette 3 26. Juli 1928 gedanklicher Konstruktionen vertrauen, daß er um deswillen das v o n G o' t t s e lberg e st i f t e t e brüderliche Band zerreißt, das alle Schäumte Thora: Agudisten, Misrachisten, Gemeindeorthodoxe zusammenknüpft. Es mag sein, daß Herr Eiß vielleicht in seinem Kreise unangenehme Erfahrungen mit misrachistischen Gemeinde- oder Vorstandsmitgliedern gemacht hat, aber aus diesen individuellen Fällen heraus, bei denen noch zu untersuchen wäre, ob die Verantwortlichkeiten nicht auf beide Seiten zu verteilen sind, kann man keine allgemeinen Richtlinien für das Gemeindeleben der Diaspora und des Heiligen Landes ableiten. Noch bedenklicher erscheint die Idee des Herrn Eiß aber vom Standpunkt der Agudas Iis - r o e l. Drückt man den leider doch in recht geringer Anzahl vorhandenen Austrittsgemeinden den Stempel „Agudas Iisroel" auf, so ist damit in feierlichster Weise auch Agudas Iisroel der Stempel eines Bundes der Austrittsgemeinden aufgedrückt. Nun ist es selbstverständlich richtig, daß der gleiche Gedanke der Thoräsouveränität im Bereiche des Gemeinschaftslebens sowohl die Austrittsgemeinde als auch Agudas Iisroel geboren hat. Genau so jedoch, wie innerhalb der Austrittsgemeinden' oder sagen wir richtiger der programmatisch thoratreuen Gemeinden, nicht mit endgültig fertig erzogenen Individuen zu rechnen ist, vielmehr innerhalb der Gemeinde eine stetige erzieherische Einwirkung auch auf die noch nicht ganz gewonnenen Gemeindeangehörigen stattfindet, genau so, ja inerhöh temMaße sollen und müssen die Ortsgruppen der Agudas Iisroel die Erziehungsstätten sein, in denen alle demThoragedanken nicht g r u n d sätzlich f e i n dlichen Angehörigen des jüdischen Volkes zum vollen Verständnis der Gemeinschaftsidee heranreifen. Die Realisierung der Eiß'schen Idee aber würde den Tod der Agudas Iisroel bedeuten; sie würde die Aguda in eine Koalition weniger deutscher Austrittsgemeinden mit der slowakischen Orthodoxie und dem Waad hoir aschkenasi in Jerusalem umwandeln, Hunderttausende von treuen jüdischen Seelen aber preisgeben und dem nivellierenden Einfluß der Einheitsgemeinde endgültig anheimfallen lassen. Statt diese wertvollen jüdischen Menschen, die heute innerhalb der neutralen Einheitsgemeinde die Fahne -der Thorasouveränität Hochhalten möchten und nicht können, und die — wenn nicht sie, doch ihre Kinder — in Gewöhnung an den falschen Neutralitätsgedanken unter fortwährenden äußeren Erfolgen von innen heraus besiegt werden, statt diese wertvollen Menschen in den Ortsgruppen der Agudas Iisroel'Zuin reinen Zibbur-Gedanken zu erziehen, würde/man sie durch Verwirklichung des Eiß'schen Vorschlags, d. h. durch Festlegung der Aguda auf die konkrete Austrittsgemeinde ganz unnötiger Weise für alle Zeiten deM! Agudagedanken entfremden. Schreiber dieses glaubt, daß es die historische Aufgabe der Agudas Iisroel ist, sich nicht auf die aus Zeitlichen Verirrungen entstandenen gemeindepolitischen Gegensätze einer zerrissenen Gegenwart festzulegen, vielmehr den Klall Iisroel aus allen seinen Individuen ab ovo organisatorisch neu aufzubauen. Auch dort, wo keine wahrhafte Kehilla vorhanden ist, oder wo neben der orthodoxen Gemeinde die sogenannte Einheitsgemeinde die Abstammung anstelle der Thora zum Prinzip einer religiös zwitterhaften Gemeindebildung erhoben hat, sollten Und könnten die Ortsgruppen der Aguda die Erziehungsstätten bilden, in denen die Gott und seiner Thora in Treue verbundenen jüdischen Individuen zum Verständnis der wahren jüdischen Gemeinschaftsidee herangebildet und zusammengeschmiedet werden. Man darf der dreifachen Wirkung ehrlichen Thorastudiums, lebendiger Mizwübetätigung und kameradschaftlicher Arbeit am recht organisierten Klall Iisroel ohne Zweifel die erzieherische Kraft' Zutrauen, die Wirrnis der Zeit zü überwinden: i - «ma iw» nm rchi . «•i /.'• ••••■*•,j ü-i1 w'i-lfir .• rö ' D e r Is ra e lit Blät t er Reorganisation. Von M. D. Lewenstein m Zürich. Zum Verständnis der nachfolgenden Ausführungen fei bemerkt, daß hie darin erwähnte Reorganisationskommission selbstverständlich keine beschließenden und noch weniger exekutiv« Befugnisse hat, sondern daß ihre Vorschläge der Genehmigung des Plenums des G. A. und des Zentralrats ' . bedürfen. Red. Jahre hindurch ist es schon ein offenes Geheimnis, daß Agudas Iisroel als Weltverband der Reorganisation bedarf. An vielen Tagungen und Sitzungen ist dieses Thema eingehend behandelt worden, ohne daß bisher ein positives Resultat erzielt worden wäre. Sicherlich lag es nicht an dem guten Willen der Förderer der Reorganisationsidee, daß dieselbe noch nicht verwirklicht werden konnte. Es standen und stehen ihr heute noch fast unüberwindbar erscheinende Schwierigkeiten im Wege. Die in der Arbeitsgemeinschaft der Agudas Iisroel Jugendorganisationen zusammengeschlossenen Jugendverbände traten erstmals im Dezember 1926 in Köln zusammen, um sich mit dem Reorganisationsgedanken vertraut zu machen. Es bedurfte einer fortgesetzten intensiven Arbeit seitens der Arbeitsgemeinschaft, um vom Geschäftsführenden Ausschuß die Zustimmung zur Ernennung einer Reorganisations¬ und Finanzkommission zu erhalten. Wie in den letzten Tagen zu lesen war, ist diese Reorganisations- und Frnanzkommission nach mehreren Sitzungen zwischen dem Geschäftsführenden Ausschuß und der Arbeitsgemeinschaft der Jugendorganisationen aus drei Herren vom G. A. und sechs-Herren der A. G. bestellt worden. Daß die Jugend in dieser Stärke in einer vom G. A. ernannten Kommission Platz mimmt, ist ein Novum in der Geschichte der Agudas Jisroel und bedarf dies der ganz besonderen Aufmerksamkeit in der Agudawelt. Was wollen die Jugendvertreter in dieser neuen Kommission erreichen? Kurz geantwortet: das nachholen, was der G. A. seit der ersten K. G. und seit der letzten Zentralratstagüng in Berlin versäumt hat. Diese Aufgabe zerfällt in drei Hauptteile: 1. Reorganisation der A. I. als Verband, 2. Reorganisation der Finanzen, 3. Vorbereitung' der K. G. und der Weltjugendtagung. Bei Reorganisation der A. I. als Verband ist zuerst die Liquidation der G. A.-Vüros Wien, Frankfurt und Warschau, sowie des Keren Hathora und der Palästina-Zentrale in ihrer bisherigen /Form notwendig. Abgesehen vom finanziellen Vorteil ist es eine unbedingte Notwendigkeit,. daß wir eine einzige Verwaltungsstelle erhalten, von der aus allein sämtliche Direktiven Zerteilt werden, und die. : dadurch imstande -/sein wird, ein einheitliches . Vorgehen sämtlicher Landesorganisationen zu garantieren. Wo der Sitz dieser neuen Verwaltungszentrale sein wird, darüber besteht noch keine Einigung. Vorschläge für London, Wien und Berlin liegen vor. Wie die Zentrale ausgebaut werden kann, hängt von Lösung der Finanzfrage ab. Einzelne Vorschläge liegen auch hierfür schon vor, wie z. V., daß der Präsident des Wiener G. A., Herr Dr. P. Kohn, am Orte der Weltzentrale ständigen Wohnsitz nimmt und die oberste Aufsicht über, die Geschäftsführung inne hat. Ferner sollen Vertreter von Ost- und Westeuropa, Amerika und Erez Iisroel in die Zentrale eintreten, damit kompetente Kenner der einzelnen Landesteile die für die betreffenden Gebiete erforderlichen Schritte bei jeder Arbeit, unternehmen können. Daß die Keren Hathora- und Palästina-Zentralen wie auch die Jugendorganisation, Pressewesen usw. ihre besondere Berücksichtigung finden werden, braucht nicht besonders betont zu werden. Eine Selbstverständlichkeit ist es, daß in jedem Lande besondere Landeszentralen notwendig sind. Dieselben werden nach den von der Hauptzentrale >; gphaltenen,Instruktionen arbeitest müssen.: . . M'i : m b v- '<in;: i: ■! Eines ist aber sicher: die Reorganisation der A. I. und ihr organisatorisches Weiterbestehen ist nur gewährleistet, wenn man vom bisherigen System der Ehrenbeamten zum besoldeten Beamten übergeht. Und deshalb bedarf es dringend der Fmanzreorganisation. Vor allem müssen 100 000 Mark für die Verwirklichung der vorher genannten und nachfolgenden Pläne aufgebracht werden. Auch bei Aufbringung dieser Summe will die neue Organisationskommission von dem bisherigen Weg des G. A. abgehen, indem wir sagen, daß die Finanzen einer Weltorganisation nicht durch einzelne Personen, sondern nur durch die gesamte Mitgliedschaft getragen werden können. Es wird deshalb die primärste Aufgabe eines jeden Agudisten sein, nach Kräften zur Aufbringung der vorgenannten Summe mitzuhelfen. Die Reorgamsationskommission ist davon überzeugt, daß, wenn ihr die Unterstützung nicht versagt wird, sie ihr Programm: Ausbau der A. I. zur Weltorganisation und zurück zum Kattowitzer Programm! in kürzester Zeit verwirklichen wird. Details des Finanzierungsprogramms können hier nicht besprochen werden. Es steht jedoch fest, daß in Zukunft die Mitgliedschaft von Bezahlung der Jahres- sowie der K. G.-Steuer abhängig gemacht wird. Die Vorbereitungsarbeiten für die K. G. und Weltjugendtagung können erst in die Hand genommen werden, wenn die ersten zwei Punkte ihre Erledigung gefunden haben. Die Festsetzung des Termines für die K. G. hängt ebenfalls hiervon ab. Aufgabe der Reorganisationskommission wird es auch sein, ein vollendetes Programm für die K. G. auszuarbeiten, damit die K. G. eine Tagung der positiven Arbeit wird.. Dringend notwendig, um an der K. G. zur praktischen Arbeit zu kommen, ist die Einberufung einer außerordentlichen Zent r a l r a t s t a g u n g , damit in derselben die Lage innerhalb.der Verwaltungsstellen geklärt und Zustimmung zum Reorganisationsplan gegeben wird. ' Da die Reorganisationskommission in den nächsten Wochen wieder Zusammentritt und sie mit den Mitgliedern zusammen all dem Aufbau arbeiten will, ist es sehr erwünscht, wenn eine öffentliche Diskussion über die einzuschlagenden Wege stattfinden würde. Ferner bitten wir alle diejenigen Mitglieder, die im Prinzip mit der Reorganisation einverstanden sind, uns ihre Stimme, für die Einberufung einer außerordentlichen Zentralratstagung Zukommen lasten zu wollen.. Wohin rollst Du...? Von H. k. I. Die agudistische Politik in Erez Iisroel steht in einem neuen Abschnitt. Herr Dr. Jsaac Breuer, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses, ist zum Leiter der agudistifchen Paläftmapolitik erkoren worden. Das ist das Interessante und das Neue an den Ausführungen des HeKn Dr. Breuer im „Kol Iisroel", welche rückübersetzt m den „Blättern" Nr. 14 erschienen. Mit dem Wechsel in der Leitung der Erez Jisroel-Politik der Agudas Iisroel stehen wir, wie gesagt, vor einem neuen Abschnitt, Veranlassung genug also, mit ihr sich wieder einmal zu befassen. Was soll Agudas Iisroel in Erez Iisroel? Agudas Iisroel sollte in Erez Iisroel um ihre Fahne alle Gesetzestreuen zu sammeln verstehen. Das ist die Vorbedingung für alles Weitere. Noch ist Gott sei Dank der überwiegende Teil der Bewohner Palästinas thoratreu. Gelingt es Agudas Iisroel, in Erez Iisroel eine Einheitsfront aller Gesetzestreuen zu schaffen, dann wird no1ev8 vo1ev8 die Verfassung der Juden Palästinas dem weitgehendst Rechnung tragen müssen, dantr werden die Führer der i £ R hi , i;:, I s f.