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Der Israelit · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der dsraelit Nr. 30 Seite 5 26 Juli 1928 ertüchtigt. In Moskau und Odessa wird die soziale und wirtschaftliche Lage der Mischen Bevölkerung systematisch -erforscht. . . - - Unter dem Vorsitz von Richter Jacob Pauken- N-ewyork, der bei seinem Erscheinen von den Mitgliedern des Zentralrates sehr warm begrüßt wurde, referierte I. Jaschunski über das besondere Gebiet der Handwerk s f ör de rung und stellte eine Reihe Anträge, die angenommen wurden. Ueber das jüdische Handwerk in Rußland referierte I. Zegelnizki, der insbesondere das Problem der Deklassierten behandelte und auf die Möglichkeiten, die deklassierte Jugend der Groß-Jndustrie zuzuführen, hinwies. Dr. K. Schapiro, der über das Problem der konstruktiven Angehörigenhilfe referierte, wies darauf hin, daß diese Idee in vielen Ländern bereits sehr populär geworden ist. Die Versorgung der deklassierten Juden in den osteuropäischen Ländern mit Maschinen und .Rohstoffen für Rechnung ihrer bemittelteren Verwandten in- Amerika und in anderen Ländern ist eine Angelegenheit, die weite Perspektiven eröffnet, die sich im .Hinblick auf das mit der russischen Regierung abgeschlossene Abkommen, laut welchem Ort Maschinen und Werk- .zeuge zollfrei einsühren darf, noch erhöhen. Kreditinstitute sollen diese Angehörigen-Aktionen auf eine feste Basis bringen. In Amerika besteht bereits die Ort Credit Corporation, die den unterstützenden. Verwandten Vorschüsse auf Abzahlung gewährt. In einer lebhaften Debatte wurden sodann die Richtlinien der Angehörigen-Hilfe festgelegt. In der letzten Sitzung des Zentralrates wurden Entschlüsse, die alle auf der Tagesordnung stehenden Fragen betreffen, angenommen. Der Zentralrat sprach der Zentralverwaltung für die Tätigkeit in der Berichtsperiode den Dank aus und forderte sie auf, das Werk in der 'vorgezeichneten Richtung weiterzuführen. Eine Reihe Beschlüsse betraf Fragen der Handwerksförderung, Organisation usw. Die nächste allgemeine Konferenz des Verbandes Ort wird im Jahre 1929 abgehalten werdn. Der Sssion des Zntralrates schlossen sich Beratungen der Delegierten verschiedener Länder (Polen, Rumänien, Beharabien) über die Durchführung von Aktionen, Ausbau der Organisation und Finanzfragen an. Am 11. Juli abends verabschiedeten sich die auswärtigen Delegierten von der Zentraloerwaltung in einem .Bankett, das einen sehr schönen Verlauf nahm; man blieb bis spät in die Nacht hinein in einer gemütlichen Aussprache beisammen. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß Herr Direktor Plato behauptet hat, Herr Schnelling, sei in den Wirtschaftsausschuß des Asyls delegiert worden, mit der Bestimmung, sein Augenmerk auf die rituelle Seite des Betriebes zu lenken. Das Asyl ist . keine Institution der Gemeinde, und steht dieser eine so weitgehende Einmischung in die inneren Einrichtungen, wie es die Beaufsichtigung seitens der Ritualkommission bedeuten würde, nicht zu. Der seitens Ber Gemeinde gezahlte Beitrag ist ledig lich für das Altersheim angefordert, welches dem Asyl angegliedert ist. Gegen die rituelle Führung des Altersheims sind bisher keine Klagen verlautet. Die Jüdische Volksschule in München. München, 20. Juli. Der Antrag aus Beschaffung der zur Fortführung der Jüdischen Volksschule in München erforderlichen Gelder zur Erstellung weiterer Schulräume begegnete aus der Tagung der Bayerischen Gemeinden in Bamberg zwar weitgehender Sympathie, man fand aber doch ge- Die Woche. Berlin. Während der ganzen Woche tagte das zionistische Aktionskomitee in zum Tül recht stürmischen Sitzungen, um über die Stellungnayme zu dem bekannten Bericht der Jewish Agency-Commission schlüssig zu werden. Es ist anzunehmen, daß trotz starker Vorbehalte keine Ablehnung erfolgt. — Das Archäologische Institut des Deutschen Reiches beabsichtigt. in Jerusalem eine Zweiganstalt zu errichten. Königsberg. Der Vorsitzende der hieigen Gemeinde, Justizrat Holz ist verstorben und unter Teilnahme fast der ganzen Königsberger Judenheit und werter christlicher Kreise bestattet worden. Der Verstorbene. hat sich große Verdienste um die Entwicklung der Gemeinde erworben. Warschau. Der Däjan von Tarnopol, ,Frenke l, der als Soldat in oer polnischen Armee dient, wurde wegen Gehorsamsverweigerung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil er sich weigerte, seinen Bart abnehmen zu lassen. Jerusalem. Der neue Chefsekretär der Palästina-Regierung, H. C. Luke, der bis zum Eintreffen des neuen Oberkommissars diesen vertreten wird, ist' in Jerusalem eingetroffen. Moskau. Das jiddische Kommunisten-Blatt „ E m e s meldet, daß die Siedlungsarbeit im fernen Osten trotz der jetzt bekannt werdenden Schwierigkeiten weiter geführt werden soll. Von den 643 jüdischen Siedlern in Bir-Bidschan sind 107 Meder in ihrer Heimat eingetroffen, da es am nötigsten mangelte. Sie mußten sich wochenlang von ungekochten Speisen ernähren. — „Emes" eröffnet eine Kampagne gegen die jüdischen Feiertage und mahnt, mit der antireligiösen Propaganda möglichst frühzeitig zu beginnen. — Es mehren sich die Berichte über antisemitische Uebergriffe in Sowjetrußland. Newyork. Mit Unterstützung des Philantropen Rosenwald soll hier eine zwölfbändige talinudische Encyclopädie erscheinen. Hauptherausgeber ist Dr. Chajim Tsche r.n o w i tz. Emen Parteistandpunkt vertritt Ihr Korrespondent in der Frage der Beamtenbesoldung und der Ritusänderung. Erstere ist keine Angelegenheit, die das Religiöse beüiitzend juristische Bedenken, um das Gesuch abzulehnen. Der Antrag auf Gewährung eines hypothekarisch ge- Merten verzinslichen Darkehns wurde daher erneut der Wültu sgemeinde München vorgelegt. Er wurde in der Sitzung vom 12. ds-. mit den gleichen sattsam bekannten „liberalen" Gründen abgelehnt, da der liberale Wortführer prinzipieller Gegner einer konfessionellen Schule ist, und der Fraktionszwang auch diejenigen Mitglieder band, die persönlich geneigt gewesen wären, dem Antrag zuzustimmen. Auch die Bemühungen des Präsidenten der Verwaltung O. L. G. R. Neumeyer (lib.), der der Majorität klar zu machen versuchte, daß die Erhaltung der Schule auch ohne Preisgabe liberaler Weltanschauung möglich sei, war vergeblich. Der Verein Ohel Jacob ist nun genötigt, aus eigener Kraft die Mittel zur Erhaltung der Schule aufzubringen, was ihm. auch ohne Zweifel gelingen wird. Möchte er daraus für die Zukunft die'Lehre ziehen, daß unsere Institutionen auf die Dauer doch nur durch eigene Kraft zu erhalten und auszubauen sind. Kölner Asyl, Gemeindekonfervatwe und Beamtenbesoldung. Köln, 13. Juli. . Der „Konservativ-jüdische Verein" schreibt uns: In dem Bericht über die Etatsberatung in unserer Gemeinde vom 28. Juni in Nr. 27 Ihres gesch. Blattes sind Angaben enthalten, zudenen, wir uns veranlaßt sehen, in Folgendem Stellung zu nehmen: rührt undkann nicht vom Parteistandpunkte betrachtet werden. Jy der Frage der Ritusänderung hat die konservative Partei einen viel schärfer ablehnenden Standpunkt-vertreten afs diejenigen Parteien, denen der Be-- richterstatter das Wort redet. Seine Angabe „Mit den vereinigten Stimmen der Volkspartei, Achduth, Mittelpartei wurde der Antrags abgelehnt" entspricht insofern nicht dem Sachverhalt, als in der Ablehnung der Ritusänderungen die Konservative Parteifü hrend und b e st -i> m m e n d gewesen ist. Hierzu schreibt unser Korrespondent: „Wie uns bekannt ist, dient der seitens der Gemeinde der Verwaltung des „Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache" gewährte Beitrag zur Deckung eines Defizits, das allerdings aus dem Mehraufwandfür die Verpflegung des Altersheimes entstehen soll. Ob dieses eine besondere Küche besitzt, wissen wir nicht, ist auch für die Tatsache völlig belanglos, daß ein jüdisches, der Allgemeinheit dienendes Institut von der Gemeinde subventioniert wird, welches dieser die Ueberwachung seines Kaschruswefens verwehrt u n d e s dadurch einem großen Teil de r G e - me indem i tg li eher unmöglich macht,,es in Anspruch zu nehmen. Eine von der jüdischen Gemeinde eingesetzte Ritualkommission hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß man am selben Orte, und nicht zum wenigsten in einem jüdischen. Krankenhaus, beruhigt eff-sn kann. Der unsererseits gemachte Vorwurf, der auch von der hiesigen jüdischen Presse erhoben wurde, trifft die Kommission, weil sie u. E. in nicht genügender Weise gegen den hartnäckigen Widerstand der Verwaltung des Asyls vorgegangen ist. Es ist zwecklos, darüber zu streiten, ob Herr Dir. Plato die betreffende Aeuherung getan hat oder nicht, da kein Stenogramm vorliegt. Jedenfalls lautet der Bericht in Nr. 24 des „Hamb. Jsr. Familienblattes" ähnlich. Die Frage der Beanckenbesoldung ist an und für sich keine religiöse, sie kann aber zu einer solchen gemacht werden, sobald das den Beamten von staatswegen bestimmte Existenzminimum im Rahmen eines jüdischen Haushalts betrachtet wird. Wenn daher von konservativer Seite, bei der man ein Verständnis für die verteuerte, rituelle Lebensführung voraussetzen dürfte, gerade diese benutzt wird, um gegen eine Erhöhung zu argumentieren, so muß dies äußerst verwundern. Im übrigen sei gerne bestätigt, daß bei der Ablehnung der beabsichtigten Ritusänderung die konservative Partei führend und bestimmend gewesen ist. Bedauerlicherweise sind in dem angeführten, Satze die Worte: „ . . . und der Konservativen" des Manuskriptes irrtümlich weggeblieben." Tschechoslowakei. Empfang der konfessionellen Körperschaften durch den Landespräsidenten. Bratislava, 19. Juli. Dienstag, den 17. Juli, empfing der neuernannte Landespräsident Jan Drobny die Vertreter der Konfessionen und darunter auch der orthodox-jüdischen. Nach dem Empfang der katholischen, der evangelischen und der reformierten Kirchenvertreter wurde die Vertretung der orthodox-jüdischen Konfession, bestehend aus dem Präses, Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Weber, dem Vizepräsidenten Herrn D. H. Ehrenfeld und dem Sekretär Herrn Heinrich Schwarz gemeinsam mit einer Abordnung der Bratislavaer orthodoxen Kultusgemeinde, bestehend aus Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Simon Hirschler in Vertretung des Herrn Oberrabbiner Schreiber, der seinen Urlaub bereits angetreten hat, dem Gemeindepräses Herrn David Krausz und den Vorstandsmitgliedern Herren Isidor Fleischmann und Simon Neumann empfangen. Zunächst richtete an den Landespräses Herr Oberrabbiner Weber eine kurze Begrüßungsansprache, in der er in wenigen Sätzendie moralische, rechtliche und politische Stellung der orthodox-jüdischen Konfession im Staate zeichnete. Die orthodox-jüdische Bevölkerung betrachte sich als eine gleichberechtigte und gleichverpflichtete konfessionelle Gemeinschaft im Staate, die ihre Rechte fordert, wie sie ihren Pflichten zu genügen stets bereit ist. Sie habe keinerlei nationalen Aspirationen dem Staate gegenüber und auch keine besonderen politischen Ambitionen. Als Konfession sind wir rezipiert und haben staatlich anerkannte und gesetzlich gesicherte autonome Selbstverwaltung. Im Rahmen dieser Autonomie sind wir bestrebt, das religiöse sittliche Leben der Judenheit zu pflegen, zu intensivieren, zu stärken!unb zu kräftigen. Wir bitten Sie nun, Herr Präsident, uns nach jeder Richtung hin zu unterstützen und unsere Wünsche, mit denen wir uns an Sie wenden, mit Wohlwollen zu behandeln. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Hirschler das - Wort zu einer Ansprache, in der er den Präsidenten in Vertretung des Herrn Oberrabbiners namens der Preßburger Gemeinde begrüßte. Herr Landespräsident Drobny dankte der Deputation für ihre Begrüßung und kennzeichnete sein Programm, mit der Tatsache, daß er aus dem Richterstande hervorgehe. Das verpflichte ihn zu Recht und Gerechtigkeit in seiner Amtsführung. Er werde alles Gute und Edle unterstützen und bitte, auch unterstützt zu werden. Litauen. Rabbi Josef Susmanowitsch zum Rabbiner von Slabodka gewählt. K o w n o , 24. Juli. Wie uns seitens des Slabodkaer Rabbinatskomitees telegraphiert wird, ist als Nachfolger des nach Hebron in Palästina übergesiedelten Gaons Rabbi Mosche Mordechai Epstein, dessen Schwiegersohn Rabbi Josef Susmanowitsch als Stadt-Rabbiner von Slabodka proklamiert worden. Was die Jeschiwa tun wird, ist ungewiß.

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