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Der Israelit · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Nr. 30 Der Israelit 26. Juli 1928 Ein Wendepunkt in der Organisationsgeschichte der ungarischen Zudenheit. Zur. staatlichen Anerkennung der autonomen Organisation der status quo-Gemeinden in Ungarn. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospakak, Ungarn. (Schluß.) Jahre schwanden nach Jahren, die im status quo-ßager verbliebenen älteren kehrten im Laufe der Zeit zu ihren Vätern heim. Und die neuere Generation befreundete sich allmählich mit den aus dem Pester neologen Seminar hervorgegangenen „Rabbinerchen", wie sie mein ehemaliger Lehrer, R. Wolf Breuer yxt in Tab, zu benamsen pflegte. Und während die früheren D’m in den status quo-Gemeinden nichts von einer Gemeinschaft mit den Zöglingen des Pester Seminars wissen wollten und über sie dasselbe Urteil wie die orthodoxen crm fällten, trat der größere Teil der jüngeren status quo-Rabbiner in den von den Zöglingen des Pester Seminars gegründeten Rabbinerverband ein. Bemerkt muß noch werden, daß dieser Verband nicht bloß finanzielle Interessen hat, sondern hauptsächlich zur Förderung religiöser Interessen gegründet worden ist, und in fast allen leitenden Stellungen ehemalige Pester Seminarzöglinge besitzt. So etwas hätten die ehemaligen im status quo-ßager gewiß nicht getan. Nur noch einmal, vor etwa einem Jahrzehnt ertönte ein Ruf der Selbstbesinnung im status quo-Lager. Der aus der Preßburger nnw* hervorgegangene Rabbiner der status quo-Gemeinde in Szatmar (früher zu Großungarn gehörend), forderte seine Kollegen zu einem gänzlichen Lossagen von aller Gemeinschaft mit den Pester Seminarkreisen und zur Gründung eines separaten konservativen Näbbinerseminars für die status quo-Gemeinden, nach dem Muster des orthodoxen Rabbinerseminars in Berlin, auf. Der Weckruf des Rabbiners Dr. Jordan blieb aber ein Ruf in die Wüste. Ja, eben die f ü h r e n d e n Ge meinden im status quo-Lager haben in neuerer Zeit ehemalige Zöglinge des Pester Seminars zu ihren Rabbinen berufen. Allrdings solche Zöglinge, die auf geäußerten Wunsch hin sich auch „fromm" stellen können. Die z. B., nachdem sie Jahrzehnte hindurch in einer Kongreßgemeinde mit Orgelsynagoge und gemischtem Chore wirkten, nunmehr für eine besser dotierte Stelle das große Opfer zu bringen bereit waren, innerhalb einer status quo-Gemeinde in einer orgellosen Synagoge zu funktionieren, oder das noch größere Opfer zu bringen bereit waren, ihre Einwilligung dazu zu geben, daß die sehr geehrte Rabbinersfrau, populär: die „Rebbezin", die als würdige Gattin Zeines ehemaligen Pester Seminarzöglings selbstverständlich bis dahin w '1^2 einherging, nunmehr, nach Erlangung der gutdotierten Stelle in der großen status quo- Gemeinde, auf ausdrückliche Bedingung seitens dieser Gemeinde hin, ihr Haap verhülle. Niemand glaube, daß wir bloß Spott treiben, wir registrieren einfach offenkundige Tatsachen. Das harte Verdikt des großen pw onna bvn über die status quo-Richtung, das demselben seinerzeit von Vielen verübelt worden ist, wurde nach einem halben Jahrhundert von der.Geschichte gerechtfertigt. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! Nicht die in den status quo-Gemeinden verbliebenen alten, frommen D'm wollte der pw anna der, wie wir aus einer naMn desselben*) sehen, gar nicht so schroff gegenüber gewissen Zeitanforderungen gewesen ist, treffen. Denn er wußte ganz genau, daß, wenn es nach dem Wunsche der meisten dieser D'aa.i gegangen wäre, deren Gemeinden sich ohne weiteres der orthodoxen Landesorganisation. angeschlossen zu *) Zu N"18, Nr. 70, über die in reindeutscher Sprache haltende ov-ii- - hätten. Sondern gegen die status q u o - G e meinden selber schleuderte er die Blitze sei nes Zornes, K’aia «py osn- Er , begründet** > fein Urteil gegen die status quo-Richtung damit daß, indem die dieser Richtung angehörenden Gemeinden sich weigörn, den Anschluß an die orthodoxe Landsorganisation zu bewerkstelligen sie die Kraft der autonom organisierten Ortho doxie schwächten, wodurch aber die Position der neologen Kongreßpartei bedeutend an Stärke und Einfluß gewinnt, und er ruft den Anhängern dieser Richtung das Donnerwort zu: ivn ma ms anutt 'nmw’pixzx*?!***) Aber gewiß sah dieser Ynn mit prophetischem Auge voraus, daß indem die status quo-Gemeinden sich an die das Gros der traditionstreuen Gemeinden umfassen den orthodoxen Landesorganisation nicht anschlie ßen, sie früher oder später zu einer Domäne der neologen Kongreßpartei werden würden. Und so ist es tatsächlich geworden. Ein Teil der früheren status quo-Gemeinden ging so wohl hier in Rumpfungarn, wie in den abgetrenn ten Gebieten zu den Orthodoxen über, der übrig gebliebene Teil wird aber allmählich zum rechten Flügel der neologen Kongveßpartei. Wir verstehen es wirklich nicht, mit welchem Rechte die tonangebenden status quo-Gemeinden ihren Anschluß an die neologe Kongreßorganisation verweigern können. EinerderHauptgründe, wo nicht gerade der Hauptgrund der Verwerfung der Kongreßstatuten seitens der Orthodoxen war die in denselben beschlossene Gründung der neologen Landesrabbinerschule in Pest. Wenn nunmehr aber eben die tonangebenden status quo- Gemeinden gegen die flammende Jssurerklärung amtlicher orthodoxentraan des Landes, ja sogar ihrer eigenen früheren tram ihre Rabbinate mit ehemaligen Pester Seminarzöglingen besetzen und zur Steigerung des Pompes bei der Einweihung ihrer Synagogen Pester Orgelrabbinen mi der Abhaltung von Fe st predigten betrauen, und wenn nunmehr auch der größte Teil der nicht aus dem Pester Seminar hervorgegangenen status quo-Rabbiner mit der Zugehörigkeit zu dem von Pester Seminarzöglingen geleiteten und beherrschten Rabbinerverbande die r a b b i n i s ch e Qualifikation der Zöglinge des Pester Seminars ohne weiteres anerkennt, — so ist es wirklich inkonsequent, den Anschluß an die Kongreßstatuten zu verweigern und geradezu lächerliche Großmannssucht, eine besondere Organisation ins Dasein zu rufen. Wemdieaus dem Pest er Seminar hervorgegangenen Zöglinge genug sind, dem dürfen auch sämtliche Kongreß st a tut e n ->Vb' g e n u g s ein!-.-£ e-nn g l aub e n Sie, m e i n e S) e r r e ri s t a t u s q u o - [er! die letzte r e n si,y d rro ch bedeute ndungefä f)r X i ch e r,chl s"i i e e r st er e n. Ja, consumatüm est!.' Die Würfel sind schon längst gefallen. Und, keine einzige orthodoxe Gemeinde wird sich von dem unerwarteten Erfolge der status quo-Gemeinden irreführen lassen. Auch die allerletzte orthodoxe Gemeinde im Lande wird sich in der Ueberzeugung nicht erschüttern lassen, d aß alles Echtjüdische im Lande e i lüz i g u n h allein im orthodoxen Lager sein Bollwerk hat. Die neue status quo-Organisation tnag wohl irgend einen Schein vorspiegeln, das Sein ist und bleibt aber bei der organisierten Orthodoxie. **) S. pv ,n"in, auch p’® ‘ ö-ina» zu Nr. 307. n"i«, Nr. 309. Oualltäts- Zigarren Moritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 90, Verantwortlich für den allgemeine« Teil und da« Feuilleton Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. SB.: «»Schach' v orsitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Berlar .Israelit". G.m.b.H., Frankfurt a. M. — Druck Sermon Berlag» Mtieugefellfchaft, Frankfurt a- M. Korrespondenzen « nacforicimn. Deutsches Reich. Repräfentankenverfammlung der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 23. Juli. In der Donnerstagsitzung der- Repräsentantenversammlung wurden zwei große Bewilligungen für Neubauten vollzogen: 1 Million Mark für den Bau einer Altersversorgungsanstalt der Gemeinde und eine halbe Million für den Bau einer Mäd ch euch ule. Außerdem wurden eine Reche von Subventionen bewilligt, u. a.- auch eine solche an den deutschen Landesverband des Hechaluz. Einbürgerung von Juden gegen den Einspruch Bayerns und Württemberg. Berlin, 22. Juli. In seiner -letzten Sitzung hatte sich der Reichsrat mit' Anträgen von folgenden fünfzehn Personen aus Einbürgerung in den Preußischen Staatsverband zu bechäftigen: 1. Alfred Forbat, 2. Nissan Aronson, 3. Igor Jakimow, 4. Peisach Silbergleit, 3., Jesajas Leibowitz, 6.. Rastel Gordon, 7. Leonid Beljajew, 8. Walchowski, 9. Adam Gelbtrunk, 10. Michael Sadowsky, 11. Benno Neumann, 12. Franz Pahor, 13. Georg Scheby, 14. Anton Pluhar, 15. Georg Susich. Bayern hatte gegen die Einbürgerung dieser fünfzehn Personen Widerspruch erhoben. Württemberg gegen die unter 1, 2, 4, 5, 6, 8, 9 und 10 (jüdisch klingende Namen) genannten Personen. Die Reichsrats-Ausfchüsse sind mit Mehrheit zu dem Beschluß gekommen, die Einsprüche gegen die Einbürgerung für unbegründet zu erklären. Die Vollversammlung stimmte den Ausschuß-Beschlüssen zu. Sitzung des Zentralrales des Verbandes «Ort". Berlin, 16. Juli. (Fortsetzung.) Agronom I. Z e g e l n i z k i erstattete den Sonderbericht über die Arbeit in Rußland, wo Ort in den Rayons Odessa, Perwomejsk und Weißrußland fein Hauptarbeitsgebiet hat. Die Lage der jüdischen Bauern im Rayon Odessa ist infolge des Mißwuchses, dem bis 90 Proz. der Winterernte zum Opfer fiel, eine schwere. Ort hilft nach Kräften, die Bauern selbst machen alle Anstrengungen, um sich mit Hilfe des Sommer-Anbaues über Wasser zu halten. Es kommt ihnen zugute, daß sich die Milchwirtschaften gut entwickelt haben und das lebende Inventar erhalten geblieben ist, ja, in manchen Orten sich vergrößert hat. Im Rayon Odessa, wo die Arbeit in 22 Kolonien und 5 Städten geschieht, und 1197 Bauernfamilien, die '161589 Desjatin Boden bearbeiten, unterstützt werden-, wurden neuerdings 100 Häuser-erbaut. In Perwomejsk unterstützt Ort 317 Bauernfamilien. In den meisten Fällen zahlen die Kolonien die ihnen von Ort durch die Kreditgesellschaften gewährten Kredite pünktlich zurück. In Weißrußland hat sich die Ort-Arbeit auf etwa 30 landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften konzentriert. Außerdem betreut der Verband die bäuerlichen Individualwirtschaften, die in vielen Städtchen und-Dorern zerstreut vorhanden sind. Mit Hilfe von 4 Agronomen hat Ort in 22 Orten 1381 Familien betreut. Ort versorgt die jüdischen Handwerker mit Maschinen, Werkzeugen und Rohstoffen. Der vor kurzem mit der Sowjetvegierung geschlossene Vertrag gibt dem Verband die Möglichkeit, nicht allein den Handwerker-Produktionsgenossenschaften, sondern auch Einzelpersonen seine Hilfe angedeihen zu lassen. Diese Arbeit von Ort erstreckt 'ich auf35' Städte, wo die Arbeit mit Hilfe der jüdischen Darlehens- und Sparkassen und auch gemeinsam mit anderen Organisationen (Joint) geleistet wird. Ein wichtiger Arbeitszweig in Rußland ist der der Berufsausbildung. Unterstützt .werden Jnspektorate und Fachkurse 'ür Lehrlinge und Erwachsene; die deklassierten jüdischen Elemente werden fachlich ausgebildet und für das Leben

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