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Der Israelit · 1928-07-26 · Heft 30 (26.7.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 30 (26.7.1928)
Date
1928-07-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 30 Der Israeli» ' 26. Juli 1928 Wochenrundschau. W* Mrlschastliche Sabbathilse. Wir haben vor einigen Wochen unfern Leserkreis angeregt, sich über die besonderen Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur, mit denen die sabbattreuen Juden Deutschlands zu kämpfen haben, in unserem Blatte zu äußern und insbesondere im Anschluß an frühere wertvolle Veröffentlichungen auf diesem Gebiete sich über die Mittel und Wege auszulassen, die zur praktischen Wirtschaftshilfe, sei es in kleinem oder großem Umfange, ins Auge gefaßt werden können. Als Ergebnis dieser Umfrage veröffentlichen wir an anderer Stelle dieser Nummer einen Aufsatz über ein Spezialgebiet, auf den wir die besondere Aufmerksamkeit unserer Leser lenken möchten. Aus dem uns außerdem vorliegenden Material feien einstweilen einige Hinweise kurz hier wiedergegeben. Ein im Großhandel stehender erfahrener Leser unseres Blattes macht darauf aufmerksam, daß Bankbeamte mit einigermaßen guten Beziehungen sich eine Existenz verschaffen können durch Uebernahme von Vertretungen guter Bankfirmen (als Remissiers) in Newyork, London, Paris, Brüssel und, soweit es Persönlichkeiten außerhalb Berlins sind, auch für Berlin. Es handelt sich hier um einen Geschäftszweig, der in Friedenszeiten Vielen eine gute Existenzmöglichkeit bot. Auch abgebauten Beamten der Metallbranche kann empfohlen werden, Vertretungen von Londoner, Berliner und Hamburger Häusern zu übernehmen. Der Beruf als Vertreter erfordert kein Kapital, sondern außer Zuverlässigkeit nur Intelligenz, Gewandtheit und allerdings Bekanntschaften und Beziehungen, die nicht so schwer M erreichen sind. Aussichtsreich sollen auch Vertretungen für Bremen und Liverpool in Rohbaumwolle, für Hamburg in Salpeter, Getreide, Zucker und Spiritus sein. Eine andere Gruppe wirtschaftlicher Betätigung, die sich unter Wahrung des Sabbats gut ausüben läßt, sind die Berufe der Buchsachverständigen, Dolmetscher und Schätzer (Taxatoren). Als Auftraggeber kommt für diese Berufe sowohl die private Wirtschaft in Betracht als der Staat. Es sollte der Versuch unternommen werden, ob sabbattreue Juden nicht im Außendienst her Finanzämter bei genügender Tüchtigkeit als Buchprüfer Unterkommen können, ebenso als Schätzer für Nachlässe und in Konkursfällen. Ueberhaupt ist bisher nicht mit genügendem Nachdruck der Versuch unternompien worden, orthodoxe Juden, die den Sabbat wahren wollen, dadurch im Staatsdienst unterzubringen, daß sie sich zum regelmäßigen Sonntags- und Nachtdienst verpflichten. Post und Eisenbahn, auch die Zollverwaltungen könnten dafür in Betracht kommen. Man sieht jedenfalls, daß eine umsichtige und gründliche Berufsberatung zweifellos noch manche Wege offen finden wird, auf denen der ungeheuren Not wenigstens hie und da bruchstückweise abgeholfen werden kann. Die Tragödie der jüdischen Volksschule. Aus amtlichen Veröffentlichungen ist zu entnehmen, daß die Zahl der jüdischen Volksschulen in Preußen aus sage und schreibe 96 zurückgegangen ist. Vor dem Kriege gab es allein im ehemaligen Kurhessen noch 72 jüdische Volksschulen, in der Rheinprovinz 35, in Westfalen 32, in Posen 43, in den übrigen Provinzen 13 jüdische Volksschulen. In Bayern, wo vor dem Kriege noch 84 jüdische Volksschulen vorhanden waren, ist die Zahl auf die Hälfte zurückgegangen. Die Ursachen dieses Zusammenbruchs einer Bildungsstätte, die immerhin für die eindrucksfähigen Jahre der frühesten Jugend dem jüdischen Kinde ein jüdisches Milieu gewährleistete, wenn auch die Wissensschätze, die es davontrug, nicht überwältigend groß waren, liegen natürlich klar zutage. Neben dem allgemeinen Geburtenrückgang ist es die starke Abwanderung vom flachen Lande nach den Großstädten, die schließlich die Schülerzahl der Volksschulen auf ein Minimum Zusammenschrumpfen ließ, so daß sie zu Dutzenden eingehn mußten. Es liegt nun auf der Hand, daß eine teilweise Heilung des hier zutage tretenden Krankheitszustandes lediglich in der Gründung jüdischer Volksschulen in den Großstädten gefunden werden kann. Die Vorbedingungen hierfür sind heute günstiger als in . den Vorkriegsjahren. BiOXULTBA Oie stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvasta bezeichnet und selbst benutzti Kleine Tube BO Pf. BI OX-MUNDWASSER Flasche 1.— und 2.— Ml. Gegen lockere Zähne. Probe-Flasche gratis. Max Elb A. G., Dresden Und es ist auch keineswegs. pötig,chaß..öiejemgen, die auf dem Boden der ckonfesstonelleUjüdischen Volksschule' stehen, ihre \ energische Propaganda von dem Zustandekommendes zwischen Himmel und Erde schwebenden Reichsfchulgefetzes.abßängig machen. Im Gegenteil, die gesetzliche^ Bestimmungen des § 40 des in ' Kraft befindlichen preußischen Schulunterhaltungsgesetzesvon '1tz06 sind der Errichtung und Erhaltung jüdischer Schulen, den guten Willen der örtlichen-Synagogengemeinden vorausgesetzt, durchaus günstig.' Nicht überall wird man ja auf einem so schmalstirnigen und unduldsamen Standpunkt stehen, wie ihn die Münchener Kultusverwaltung durch ihren an anderer Stelle des Blattes mitgeteilten neuerlichen Beschluß, bekundet hat, und wie er auch noch in der Breslauer Gemeindestube spukt. Die Einsicht in die Existenzberechtigung, ja, die Lebensnotwendigkeit der jüdischen Volksschule, ist im Wachsen begriffen und wird auch über die atavistischen Ueberreste der in der älteren Generation des Liberalismus herrschenden Simultanschul-Dogmatik den Sieg davon tragen. In diesem Bewußtsein sollten die Freunde der jüdischen Schule ihre praktische Arbeit unentwegt fortsetzen, auch wenn zunächst die Mittel für die Gründung solcher Schulen auf privatem Wege aufgebracht werden müßten. „Ihr seid eine Minderheit!" Von A. Mannheimer in Dettelbach. 2NX '2 022 1N2'1 222 '71 PDN 2'»pn ^>2» 222'» X> 2'»yrt V2» vs»a (5. B. M. 7, 7). „Nicht weil ihr mehr seid als alle Völker hatte der Ewige nach euch Begehr und. wählte euch aus — denn ihr seid eine Minderheit unter allen Nationen." vvvn onn drei Worte, inhaltsschwer, von eigenartigem'Scharfblick m die fernste Zukunft Israels, in die Geschichte und Geschicke unseres Volkes in allen Zeiten und Zonen. So ganz Weltliches, so ganz Natürliches und Menschliches wird hier berührt. In der großen Welt herrscht die Zahl und Masse, das oft brutale Prinzip der Majorität. Im Universum zeigt das Sonnensystem, wie die kleineren Himmelskörper stets den Zentralpunkt in gewaltigen Fixsternen suchen und finden. Von Israel aber sagt der Weisen Wort: bin px- Es läßt sich das System der großen und größten Welterscheinungen nicht mechanisch auf Israel übertragen. Es steht unter dem ausschließlichen Einfluß Gottes, d. h. unter dem ausschließlichen Diktate seines Gesetzes. Es soll ein Volk darstellen, das in keiner seiner Beziehungen irgend einer andern Potenz angehört und sich Der Strom der Heiligung. Ium zweiten 3ahrzeitskage Rabb. Dr. Salomon Breuers y'XT am 6. Aw 5688. Es ist gewiß eine der geheimnisvollsten und für den Laien kaum zu erklärende Vorschrift der halachischen Ueberlieferung, daß der eine der beiden Buchstaben v die sich aus dem Gehäuse der Kopstefillin befinden, vierköpsig sein muß. Der Heimgegangene Frankfurter Raw ^"xt hat diese merkwürdige Erscheinung, die ausdrücklich als sinaitische Ueberlieferung bezeichnet wird, seinen reiferen Schülern wie folgt gedeutet: In dem 82-py 'tt nvmx isodas dem Tanna Rabbi Akiba zugeschrieben wird, finden sich tiefsinnige Deutungen für die Form aller Buchstaben des jüdischen Alphabetes. Dort heißt es, daß diedreiKöpfe des Buchstaben ft? hindeuten auf die drei „ K e d u - fchos", die drei Quellen der Heiligkeit, die in der Welt vorhanden seien. Das erste ist die Heiligkeit Gottes; wie es heißt: „Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig." (III. B. M. 20, 26.) Das zweite ist die Heiligkeit des Sabbats; wie es heißt: „Und ihr hütet den Sabbat, denn er ist euch ein Heiligtum." (II. B. M. 31, 14.) Das dritte ist die Heiligkeit Israels, des jüdischen Volkes, denn es heißt: „Ein Heiligtum ist Israel Gott, der Erstling seines Ertrages". (Jirmijahu 2, 3.) Diese drei „Heiligkeiten" stehen nun nicht paritätisch nebe n einander, sondern in einem kausalen Verhältnis zu einander. Die Quelle aller Heiligkeit ist Gott, und von ihm aus wird Heiligkeit Heiligung, strömt Heiligkeit, Keduscho, durch das Vehikel des Sabbats, des gewaltigsten Trägers aller Keduscho im jüdischen Leben, auf Israel, auf das jüdische Volk über. Aber der Strom dieser Heiligung sammelt sich nicht für immer in dem Staubecken des jüdischen Volkes, um dort ewig zu verharren, sondern er st r ö m t weiter durch Zeiten und Räume und will dereinst all« Völker der Erde heiligend erfassen. Deutlich sagt ja das als Beleg für Israels Heiligkeit hier angeführte Prophetenwort, Israel fei nur der „Erstling des Ertrages", den die von- Gott geschaffene Menschenerde im Laufe der Geschichte zeitigt. Dem E r st l i n g folgt die Ernte. Dem jüdischen Volke als erstgeborenem Sohne Gottes — t-xiv' 'T22 '22 — folK dereinst der Chor der Nationen, die sich um den Gottesberg sammeln! Hier wird die vierte Keduscho. Auf dieses ferne Ziel der Weltgeschichte deutet der vierte Kopf des i't? auf dem Haupte des jüdischen Mannes hin! Es ist das süße Geheimnis des jüdischen Volkes, daß es am Ziel der Tage nicht umsonst gelitten und geblutet haben, sondern daß sein weltgeschichtliches Wirken alle Nationen der Erde zur Anerkennung des Königstums Gottes geführt haoen wird. Nun verstehen wir erst das tiefe Wort des Rabbi Eliefer Hagodaul: „Sehen werden alle Völker der Erde, daß der Name Gottes über Dir genannt ist: Dxi2v -j'V'sn i^x, das find die Kopftefillin. Es ist eben der geheimnisvolle vierte Kopf des pr, an den Rabbi Eliefer Hagodaul bei seinem Ausspruch gedacht hat. Ein Wort des pne Iehoschua zum Wochenabschnikk. Das Wort pnnxi. mit dem der dieswöchentkiche Thoraabschnitt beginnt, und das uns von dem um den Eintritt ins gelobte Land vor seinem Schöpfer ringenden Mosche Rabbenu berichtet, hat den Zahlenwert 515, und ein Midrasch weiß an diese Tatsache die Bemerkung zu knüpfen, daß unser Lehrer Moses 515 Gebete an Gott gerichtet habe, Er möge ihn den Jordan überschreiten und das Land der Gottesherrlichkeit erleben lassen. Das Gebet blieb unerhört. Was hier scheinbar eine sinnige, aber bedeutungslose Zahlenspielerei zu sein scheint, weiß Rabbi Josua. Falk, der große Pne Jehoschua in seinen Chiduschim zum Talmudtraktat Berochaus durch folgende geistreiche Untersuchung zu vertiefen. Nach der Ueberlieferung glaubte Mosche rabbenu, daß nach der Niederwerfung von.Sichon und Og und' der Einverleibung ihrer Gebiete in das jüdische Territorium der Zeitpunkt für ihn gekommen sej, um die Aufhebung des Verhängnisses, das ihm den Eintritt in das heilige Land wehrte, zu erwirken, mm x»eO (ttm. Dieser Zeitpunkt ist aber im Texte (V. B. M. 2, 16) ganz genau angegeben. Es war der 15. Aw, der Tag i2i» 'vv^2V.der für alle Zeit als freudiger Gedenktag für den Wechsel der Generationen vom Sterben zum Leben geweiht blieb. Vom 15. Aw bis 7. Adar, dem. Todestag Mosis sind aber 200 Tage und abzüglich der

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