Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1928)
- Date
- 1928-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450523--75149-2532657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 29 Der Israelit Hoorez, wie sie auch in Amerika lebt, von dem Stamm der Jeschiwo in Slobodka abgelenkt und in das Strombett der jungen palästinensischen Abteilung geleitet worden. So kam es, daß Rabbi Mordechai Mosche Epstein diesmal mit leeren Händen nach Slobodka zurückkehrte und daß der unvermeidliche Zusammenbruch des Kreditsystems erfolgen mußte. Der ganze Haß der aufs schwerste geschädigten kleinen Kreditgeber entlud sich nun auf das unglückliche Haupt des Jeschiwoleiters. So hat sich Rabbi Mosche Mordechai Epstein gezwungen geseehn, 'sein Slobodkaer Rabbinat und die Leitung der Stammjeschiwo, an der seine ganze Lebensarbeit hängt, niederzulegen und dauernd nach Hebron überzusiedsln. Damit aber war hier das Signal zu neuen schweren Kämpfen gegeben. Um die Leitung der Jeschiwo ringen der seit Jahrzehnten an der Seite Rabbi Mosche Mordechai Epsteins tätige, von der ganzen Jeschiwo auf Händen getragenen Rabbiner Scher mit dem Chasokoansprüche geltend machenden Schwiegersohn Rabbiner Epsteins, Sußmano witsch, dem sogenannten „Jeruschalmi", der anerkanntermaßen ein hervorragender Kopf und Talmid Chochom ist, dem man jedoch die Eignung abspricht, die Jeschiwo in den Bahnen der Mussarrichtung nach der Slobodkaer Tradition weiterzusühren. Für das Rabbinat in Slobodka scheint der größte Teil der Baale battim Rabb. Sußmanowitsch als geeignet zu erachten. Doch plädieren auch hier die einflußreichen Führer der Jeschiwo, die ja das eigentliche Wesen von Slobodka ausmachen, trotz seiner Vorzüge, nicht den jungen Schwiegersohn, sondern eine möglichst weltbekannte rabbinische Autorität zu berufen, die durch ihren Namen geeignet wäre, werbend auch für die Jeschiwo zu wirken. Cs ist traurig, daß im Zeichen des Mussar sich Kämpfe vollziehen, die menschlich begreiflich, aber nicht geeignet sind, in der großen Welt draußen das Verständnis für die unbestreitbare geistige Mission Slobodkos zu steigern. Frankreich. Generalversammlung des französischen Rabbinerverbandes. Paris, 12. Juli. Im großen Saale des Israelitischen Konsistoriums wurde in diesen Tagen die Generalversammlung des Verbandes französischer Rabbiner abgehalten. Es erschienen mehr als 40 Oberrabbiner und Rabbiner aus allen Teilen Frankreichs; den Vorsitz führte der Grand Rabbin des Zentral-Konsistoriums, Israel Levi. Oberrabbiner I. H. Dreyfuß rezitierte ein Gebet in hebräischer Sprache. Sodann schritt die Versammlung zur Erledigung des Programms. Der Vizepräsident des Zentral-Konsistoriums Emile Levylier überbrachte der Versammlung die Grüße seiner Körperschaft. A. Manuel referierte über die Frage der Rabbiner-Pensionen und stellte den Antrag, daß für jeden Rabbiner von seiner Amtsübernahme an eine gemischte Versicherung eingegangen werde, deren Prämien von dem Versicherten, der Gemeinde und dem Zentral-Konsistorium gemeinsam entrichtet werden. Der Vorsitzende berichtete sodann über den Plan der Schaffung eines Rabbiner-Handbuchs, das eine Sammlung der an Sabbat- und Festtagen, sowie bei anderen Gelegenheiten auf französisch gesprochenen Gebete, sowie die Texte der Gesetze und Verordnungen rabbinischer und gemeindlicher Provenienz enthalten soll. Der Plan wurde gebilligt und der Grand Rabbin mit der Verwirklichung desselben betraut. Eine Redaktions-Kommission wurde zur Sammlung und Redigierung der Texte der Lektüre und Gebete für Trauernde eingesetzt. Die Versammlung stellte sodann eine Liste alter und neuer Gebete in französischer Sprache auf, die für die verschiedenen Sabbate des Jahres bestimmt sind; eine Kommission zur Redigierung und Auswahl der Texte wurde eingesetzt. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Frage, ob der Rabbiner dem Verwaltungsrat seiner Gemeinde angehören darf. Es wurde darauf hingewiesen, daß im Elsaß und in Lothringen die Rabbiner den Verwaltungskommissionen der Gemeinden nicht angehören. Die Versammlung kam jedoch zu dem Beschlüsse, daß es im religiösen Interesse zu wünschen sei, daß der Rabbiner Ratsmitglied ohne Votumsberechtigung sein solle. In den Rat des Rabbiner-Verbandes wurden gewählt: Nathan Levy, M. Liber und A. Manuel. Die Sitzung des Ica-Rates. Paris, 12. Juli. Der Verwaltungsrat der Jewifh Colonisation Association (JCA) hielt am 30. Juni in Paris, eine Sitzung ab, in deren Verlauf Maßnahmen zur Konsolidierung der Lage in mehreren Zentren Argentiniens, Brasiliens, Kanadas und Palästinas beschlossen wurden. Das Budget für die Fachschulen in Polen wurde genehmigt, weitere Vorschüsse zwecks Verbesserung der jüdischen Landwirtschaft in Polen wurden bewilligt. Schließlich stellte der Rat ansehnliche Kredite zugunsten des landwirtschaftlichen Werkes und der Darlehenskassen in Rußland dem General-Direktorium zur Verfügung. Amerika. Die amerikanischen Reformrabbiner gegen die christliche Mission. Chicago, 3. Juli. In diesen Tagen wurde hier die 39. Jahresversammlung der Zentral-Konferenz amerikanischer Rabbiner (Reform-Rabbiner) abgehalten. Rabbi Solomon Foster, der Präsident des Synagogue Council of America, wies auf die Gefahren der christlichen Missionstätigkeit unter den jüdischen Schulkindern hin und betonte die Notwendigkeit energischer Gegenmaßnahmen, die sich nicht auf Proteste gegen die Missionskörperschaften beschränken, sondern darauf Hinzielen sollen, die jüdischen Kinder in der Weise gegen die geistige Infizierung zu festigen, daß man ihnen das jüdische Bewußtsein stärkt. Auf Vorschlag des Präsidenten der Konferenz, Rabbi H. G. Enelow, wurde beschlossen, der christlichen Missionstätigkeit unter den Juden ein eingehendes Studium zu widmen. Personalien. Schlüchtern. Bez. Kassel, 12. Juli. Zu einer auch in unserem Städtchen selten erlebten gewaltigen Trauerkundgebung gestaltete sich die am 9. Juki stattgehabte Beerdigung unseres allseits beliebten und hochgeschätzten Arztes, Herrn San.-Rat Dr. Heinrich Freudenthal, der im Alter von 64 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Die ganze Familie trauert nach, unersetzlich und unwiederbringlich einem treusorgenden Gatten, Vater und Verwandten, die jüdische Gemeinde einem ihr treuen, von tiefer Religiosität und starkem Verantwortungsgefühl erfüllten Mitgliede, dessen kluger Rat in den Versammlungen vermißt werden wird. Herr Lehrer 23'e rlinge r gab in seinen zu Herzen gehenden Worten dem Empfinden der Trauerversammlung sinnig Ausdruck, ein wahrheitsgetreues Bild des Verstorbenen entwerfend und das Wirken! dieses unvergeßlichen Mannes, der wie ein wahrer Gottesdiener auf den Höhen des Lebens wandelte, schildernd. Diesen Gedanken gaben auch Ausdruck Herr Bürgermeister Gaenslen im Namen der Stadt, der 1. Chargierte sowie der Frankfurter Vertreter der freischlagenden Studentenverbindung Salia-Würzburg, deren Bundesbruder der Verstorbene 40 Jahre war und die zum Danke und zur Ehre nun zum letzten Male über der Bahre die Schwerter kreuzten und dem Bruder und alten Herrn das Band der Salia mit ins Grab gaben. Als letzter Redner hob nun noch Herr San.-Rat Dr. Stern aus Schlüchtern die herrlichen Tugenden des verstorbenen Kollegen hervor und betonte seine allgemeine Beliebtheit. Die ewige Ruhe nach einem mühevollen Leben sei dem Verstorbenen gegönnt, Gottes Trost sei den Hinterbliebenen und das Andenken an den Verblichenen der Gemeinde zum Segen. .->"22w- . Bad Reichenhall, 9. Juli. Im großen Saale des bestbekannten Restaurants Bermann fungierten Freitag abends und Samstag den 7. ds. als Chasonim die weltbekannten Kantoren Stern aus Bratislava und Kaufmann aus Krakau, ein Schwager des weltberühmten Jossele Rosenblatt. Dieselben begeisterten durch ihre hervorragende Kunst die zahlreichen Kurgäste. Großwardein, 4. Juli. Rabbiner Dr. Samuel Feldmann, z. Zt. Religionslehrer an den Mittelschulen der hiesigen orthodoxen Gemeinde, ist von der konservativen Status quo-Gemeinde in Saurucola-Mare (bei Temesvar) zum Bezirksrabbiner gewählt worden. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß die genannte Gemeinde sich der orthodoxen Organisation anfchließen wird. Dr. Feldmann ist ein Schüler der Frankfurter Jeschiwo. Bernstadk i. Schl., 16. Juli. Am 30. Juni konnte Herr Simon Ebstein und seine Ehefrau Amalie geb. Lange in seltener körperlicher und geistiger Frische das Fest ihrer goldenen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar, das. über 50 Jahre in hiesiger Stadt wohnt, erfreut sich in weitester Umgebung, bei allen Bewohnern der größten Beliebtheit. Herr Ebstein gehört schon viele Jahre dem Vorstand der hiesigen Gemeinde an. Der Chewra Kadischa steht Herr Ebstein über 35 Jahre vor und hat ihr große Dienste geleistet. Auch das Amt eines Hilfsvorbeters versteht er mit ganz besonderem Verständnis an den hohen Feiertagen. Möge es dem Jubelpaar noch lange vergönnt sein, so werter zum Wöhle des gesamten Judentums zu wirken. _19. Juli 1928 Heilbronn, 2. Juli. Herr Kantor Simon Krä me r aus Ansbach feierte am 15. ds. seinen 70. Geburtstag. Er hat als Kantor in Aschasfenburg, in Teplitz und zuletzt in Ansbach viele Jahre amtiert und überall in seinen Gemeinden ein reiches Maß von Verehrung und Liebe gefunden. Seine kantoralen Leistungen, in denen sich moderne Gesangstechnik, hervorragende Stimmittel und feinsinniges Verständnis für ivie überkommenen Sangesweifen verbanden, wurden nicht nur von Laien, sondern auch von Sachkennern hoch eingeschätzt, so daß er lange Jahre die kantoralen Fortbildungskurse leiten konnte. Zahlreiche im Stile des alten Chafonus sich bewegende Vertonungen von ihm, werden noch im Laufe des Jahres veröffentlicht werden. Seine reichen religionswissenschaftlichen Kenntnisse, besonders auch im Talmud, und seine wertvollen menschlichen Eigenschaften erwarben ihm viel Freundschaft und Anerkennung. Wir wünschen dem lieben /Kollegen, daß es ihm vergönnt sein möchte, noch viele Jahre .in ungetrübter Gesundheit im Kreise seiner Familie und seiner zahlreichen Freunde zu verbringen. Paris, 1. Juli. Vergangenen Sonntag versammelte sich eine andächtige Trauergemeinde in der Synagoge Rue Cadet. Galt es doch, einen Mann zu ehren, der in gewissem Sinne neben dem Haupt unserer Gemeinde Herrn Rabbiner Weißkopf, ein Führer gewesen, einer Gemeinde, die seit Jahrzehnten in Paris aus schwierigstem Terrain für nun und nxi’ wirkt. Die v'xu m* in Paris hat einen schweren Verlust erlitten. In der Blüte seiner Jahre, mitten aus lebendigster Arbeit für das Wohl dieser n^nz? wurde Herr Jafschitz aus dem Diesseits abberufen. Was Herr Jafschitz für die n*>np bedeutete — jeder wußte es, der Kreis unserer Mitglieder, Väter und Söhne, Jung und Alt. Mit beispiellosem Eifer hat er für das geistige Wohl von uns allen gesorgt. Wer da kam, um aus dem Born seiner tiefen Gelehrsamkeit zu schöpfen, wurde erhört. Diese Lehrvorträge werden wahrlich unvergessen bleiben; sie sind das Saatkorn, das für eine glückliche Zukunft unserer n^np bürgt. — Ergreifende Worte fand unser ehrwürdiger Raw, Rabbiner Weißkopf anläßlich des Heimganges dieses seltenen Jehudi. An der Hand zahlreicher Bibel- und Talmudstellen schilderte unser Rabbi Werdegang und Bedeutung unseres Herrn Jafschitz, mahnte seine Gemeinde, dem Vermächtnis des Heimgegangenen treu zu bleiben, damit die n*>np$ auch weiterhin ein Bollwerk des gesetzestreuen Judentums bleibe. Rewyork, 10. Juli. Rabbi Solomon Poliatschek, der aus Meitschet stammende als „Jllui" verehrte hervorragende Gelehrte, der seit vielen Jahren an der Rabbi Jizchak Elchanan-Jeschiwa gewirkt hat, ist im Alter von 51 Jahren an den Folgen einer Kiefer-Operation gestorben. Die Operation wurde infolge eines komplizierten Zahngeschwürs notwendig. Der Tod des hervorragenden Gelehrten wird von seinen zahlreichen Schülern wie von allen orthodox-religiösen Gemeinden in Amerika tief betrauert. Vermischtes. Hamburg, 9. Juli. Zu Sonntag den 20. Tamus hatte der Ostjüdische Verein Hamburg die jüdische Bevölkerung zu einem Vortrag der Herren Rabbinen Kreiser und Riebak in den großen Saal des Logenheim geladen. Trotz des herrlichen Sommerwetters waren viele hunderte von Menschen gekommen, um die beiden berühmten Männer zu sehen bezw. zu hören. Rabbiner Kreiser, der mit Rabbi Jsser Salman Melzer die Sluzker Jechiwa nach Kleck mitüberführt hat, und Rabbiner Riebak, rem der Ruf eines der bedeutendsten Maggidim vorangeht. — Das Thema i-nien vnv wurde in dreieinhalbtündiger Abhandlung durchs die beiden Redner in einer Weife dem Publikum nahegebracht, daß selbst in dem kühlen Hamburg die Zuhörer zutiefst ergriffen und von einer Begeisterung gepackt wurden, die hier am Ort höchst. selten ist. Insbesondere verstand es Rabbiner Riebak, durch Rückblicke auf die jüdische Geschichte und durch persönliche Erlebnisse aus der grauenvollen Schrekkenszeit des letzten Jahrzehnts das Publikum zu fesseln. Der Sinn des Abends war, für die Klecker Jefchiwah, die unter Leitung des Schwiegersohns von Rabbi Jsser Salman, Rabbi Aron Koller, steht, Gelder zu sammeln. Der Abend erhielt aber darüber hinaus noch einen viel höheren Sinn, indem dem Publikum eine, von edelstem Mussar durchflochtene Predigt von kaum vorstellbarer Eindringlichkeit gehalten wurde. Die Herren Rabbiner Kreiser und Riebak werden noch einige deutsche Orte besuchen, um dann über Belgien und England nach Südafrika zu fahren. Jedem, der für echtes, edles Mussar Sinn hat, sei von allen Orten der Besuch dieser Vorträge dringend empfohlen. Briefkasten. £. S. in Jt. Drei Wochen, vom 17. Tamus bis 9. Aw. Adas Iisroel in London. Wir nehmen davon Kenntnis, daß Ihre Gemeinde keiner politischen Partei angeschlossen ist, es gehören ihr Agudisten wie Zionisten an, aber die Synagoge selbst ist vollkommen neutral. Famlliennachrichken. Bar Mizwoh: Ernst, Sohn von Julius Seewald, Babenhausen (Hessen), am i»ru rau 'pnnrr-, nens- - Geboren: Ein Sohn Julius Braun und Frau Rofl, geb. Pollack, aus Marktbreit, in Frankfurt a. M., Obermainanlage 28, 1.