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Der Israelit · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Von Rechtsanwalt und Notar Dr. Steffen kann, 1. Vorsitzender des Landesverbandes Südwestdeutschland. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat gerade in der jüdischen Oefsentlichleit nicht die Beachtung' gefunden, die chm als der zweitgrößten deutschen jüdischen Organisation überhaupt und nach seiner Bedeutung im Abwehrkampf im Besonderen zukommt. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten umfaßt heute bei ca. 1000 Ortsgruppen 40 000 Mitglieder. Die Aufnahme in die Organisation erfolgt nach genauer Prüfung der Frontteilnehmerschaft des Einzelnen. Der Organisation sind „Förderer" angeschlossen, die die Voraussetzungen der Kriegsteilnehmerschaft nicht erfüllen, die aber der Organisation des Bundes Interesse entgegenbringen. Die Kameraden des Reichsbundes haben sich zusammengeschlossen, als nach Kriegsbeendigung die infame Lüge von der „Drückebergerei" der deutschen Juden im Weltkrieg zur Verhetzung der Massen von Hitler und Konsorten erfunden wurde. Der Reichsbund hat sich als vornehmste Aufgabe die Abwehr dieser unwahren Behauptungen zum Ziel gesetzt, in der Erkenntnis, daß nichts aufpeitschender auf die ungezählten Millionen deutscher Staatsbürger, die Verluste im Weltkrieg zu beklagen hatten, wirken muß, als der Vorwurf gegen einen Teil der Bevölkerung, daß er seine Pflicht und Schuldigkeit in der größten Not des Vaterlandes nicht erfüllt habe. Der Reichsbund bedeutet die lebende Statistik der jüdischen Kriegsteilnehmerschaft. Der Reichsbund hat durch Zusammenfassung des statistischen Materials den Beweis erbracht, daß die Juden in gleicher Weise ihre militärische Pflicht erfüllt haben, wie jeder andere Teil der Bevölkerung, und daß die Zahl .der 12 000 gefallenen Juden ein Blutopfer darstellt, das hinter dem der anderen Bevölkerungsschichten nicht zurücksteht. In tausend Versammlungen, in unzähligen Propagandaschriften, in jüdischen Versammlungen und in allgemeinen Versammlungen hat der Reichshund jüdischer Frontsoldatendurch Aufklärungsvorträge den wahren Sachverhalt dargelegt und Hunderttausende zur Erkenntnis der Wahrheit zurückgeführt. Ueber diesen füt den Bund wichtigsten Punkt des Abwehrkampfes hinaus hat der Reichsbund den Abwehrkampf gegen den Antisemitismus auf bester Grundlage ausgenommen. Was dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten die außerordentliche Sympathie aller jüdischen Kreise und Schichten und — wie mit Recht gesagt werden kann — aufy der kameradschaftlich gesinnten nichtjüdischen Kriegsteilnehmer eingetragen hat, ist die unbedingte deutsch-politische, jüdisch-politische und religiöse Neutralität, die er sich zur ersten Pflicht gemacht hat. Die deutschpolitische Neutralität bedeutet natürlich nur, daß der Reichsbund seinen Mitgliedern vollkommen freistellt, zu welcher Partei sich ihre politischen Neigungen wenden. Das bedeutet aber keinesfalls, daß er nicht mit aller Entschiedenheit den Kampf gegen diejenigen Parteien ausgenommen hat, die sich in irgendwelcher Form die Bekämpfung des deutschen Judentums, sei es in staatsbürgerlichen oder religiösen Beziehungen, zur Aufgabe gestellt haben. Was die Neutralität in jüdischen Dingen anbelangt, so ist die Plattform des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten so groß, daß Angehörige aller jüdisch-politischen und religiösen Gesinnungen dort Unterkunft finden können. So setzt sich z. B. der Vorstand der 1000 Kameraden umfassenden Frankfurter Ortsgruppe des R. j. F. aus Orthodoxen und Liberalen, aus Zionisten und Zentralvereinlern, aus Angehörigen aller sozialen Schichten zusammen, ohne, daß es im Laufe der Jahre auch nur zu der geringsten Mißstimmung gekommen ist. Während außerhalb des Reichsbundes der Kampf der jüdischen Geistesrichtungen * zum Teil mit einer Erbitterung geführt worden ist, die unzweifelhaft der jüdischen Gesamtsache geschadet hat, hat im Reichsbund unbedingte Geschlossenheit bestanden, weil auf die Auffassung und Einstellung eines jeden Einzelnen Rücksicht genommen worden ist. Ueber den Abwehrzweck hinaus hat sich der R. j. F. die Unterstützung notleidender Kameraden, die Hilfe für die Kriegswitwen und Eltern von Kriegsgefallenen zur Pflicht gemacht. Es ist neben einer Stellenvermittlung eine Kameradenhilfe geschaffen worden, die in einem einzigen Jahre über 100 Kameraden allein in Frankfurt in diskreter und kameradschaftlicher Form Hilfe in Zeiten von wirtschaftlicher Not hat angedeihen lassen. Der Vorstand des Reichsbundes hat stets den Standpunkt vertreten, daß es keine bessere Kameradschaft gibt, als die Hilfe der Allgemeinheit gegenüber dem Einzelnen, der dieser Hilfe bedarf. Zur Ertüchtigung der Jugend hat der Reichsbund sich eine Sportgruppe angeschlossen, auch dies unter Wahrung der unbedingtesten Neutralität, die mehrere hundert Mitglieder umfaßt und in sportlicher Beziehung, trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens, gute Erfolge erzielt hat. Achtung gegenüber den Toten und Anerkennung gegenüber den Lebenden ist die Parole, unter der der R. j. F. kämpft. Zwölftausend deutsche jüdische Kameraden liegen in Flandern und in Polen, in Italien und an allen Stellen, wo sonst das Völkerringen tobte. Sie sind in demselben Schützengraben, in derselben Batteriestellung, auf demselben Melderitt gefallen, im Luftkampf, auf der See, wie die nichtjüdischen Kameraden. Draußen hat weder der Kamerad, noch die französische Kugel gefragt, welchen Bekenntnisses einer sei! Erst die Propaganda einer Reihe von völkischen Hetzern hat so wenig wie vor den jüdischen Friedhöfen, vor den jüdischen Gefallenen Halt gemacht. Wir Lebenden sind dazu da, um neben der eigenen Ehre auch die Ehre derjenigen zu schützen, die der Tod wehrlos gemacht hat. In diesem Abwehrkampf um die beste Sache können wir auf keinen Einzelnen der Kameraden verzichten. Dex R. j. F. bedarf aber auch der moralischen und wirtschaftlichen Unterstützung aller Teile der jüdischen Gesamtheit, um deren Gleichberechtigung er kämpft, damit wenigstens der nächsten Generation die volle staatsbürgerliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichberechtigung in einem besseren und glücklicheren' deutschen Vaterlande von Allen zuerkannt werde! Die Woche. Agudas Jisroel-Jugend- und Mädchengruppe. Gemäß dem Beschluß der letzten Generalversammlung findet am Montag den 30. Juli eine Mitgliederversammlung in unseren Räumen statt, abends um 8.30 Uhr. Tagesordnung: Bericht der Finanzkommission, sowie der Statutenkommission und Beschlußfassung. Damit verbunden ist eine gemütliche Chamischo Ossor Beaw- Veranstaltung (bei gutem Wetter im Garten). Sprechsaal. Orthodoxie und Badeorte. Nicht etwa an jene problematische „Orthodoxie", die — losgelöst von dem täglichen Milieu — ihren Freiheitsgelüsten die Zügel schießen läßt, die in „jüdischen" — beileibe nicht zuverlässig rituell -reo geführten — Restaurants „milchig" essen zu dürfen glaubt,, die Ersparnis halber in „vegetarischen" Speisehäusern ihr Abendbrot einnimmt und in den modernsten Tanzbars¬ und-dielen Tag und Nacht zu durchtanzen sich gestattet, will ich meine Zeilen richten, sondern an jene zahllosen unserer aufrichtig und ehrlich frommen Kreise, die ihre Ueberzeugung immer und überall hochzuhalten entschlossen sind. Sie will ich bitten, folgende Fragen zu überlegen, die sich mir auf Grund meiner jahrelangen Beobachtungen in den Weltbädern — vor allem in denen Westböhmens — unabweisbar aufdrängen. — Ein religiös denkender, gottgläubiger Jehudi wird sicher alles aufwenden, um feine körperliche Gesundheit zu erhalten oder wiederzuerlangen. Beten wir doch in - der täglichen „Schemonah eßreh" zu Gott, Er möge uns heilen. Und warum sollen wir glauben, daß der All gütige gerade diejenigen Aerzte zu seinen Mittlern erwählt, die atheistisch und ungläubig seine Existenz leugnen? Ist es nicht eines frommen Juden würdiger, alle die Aerzte, die aus dem Judentum« austraten und damit ihre Weltanschauung offiziell bekundet haben, — und solche gibt es weit, weit mehr, als man füglich glaubt — schon aus Gründen der Selbstachtung zu meiden? Mir scheint es heilige Pflicht, sich vor der Wahl eines Arztes, sofern das Gesundheitsinteresse eine Wahl zuläßt, genau zu überzeugen, wes Geistes Kind er in religiösen Belangen ist. Und noch eins! Würde es nicht jüdischer Frauenwürde unserer wahren „ i sch o h z n u oh" entsprechen, wo immer die Möglichkeit vorliegt, — und es gibt sie heute fast überall — eine tüchtige Aerztin aufzusuchen und ihr die Heilung des kranken Körpers anzuvertvauen? -Es scheint mir nicht nur unberechtigt, der ärztlichen Tüchtigkeit der Aerztinnen zu mißtrauen, sondern ich weiß aus nahestehenden Kreisen, daß sich gerade zwischen Patientin und Aerztin oft ein Verhältnis größten Vertrauens entwickelt, das auch — psychologisch betrachtet — nur von Weib zu Weib möglich die sicherste Grundlage des ersehnten Heilerfolgs bildet. Prof. L. Wochenkalender. v. 31. - 28. Juli 1838. l v. 4. - 11. Aw 8888. Samstag Juli 21 3« 4 0'333 ym ros? Sonntag 22 5 Montag 23 6 Dienstag 24 7 Mittwoch 25 8 Donnerstag 26 9 383 NvVN Freilag 27 10 C c Samstag 28 11 mm N3v Lerantwortlich für den allgemeine« Teil und dar “ ttz. " - ™ ~ ' ~ _ _. — —„--— — ..entUctoM •3. Schachnowttz, Frankfurt a. M.; Inserate t. B.: «.Schach» nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer«. Kaufmann tu Sprendlingen UXt. Offenbach). — Berlar .Israelit", G.m.b.H., Frankfurt u. M. — Druck Hermon Verlag,' Aktie, -_ - - «ngrfellfchaft, Frankfurt a. M.

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