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Der Israelit · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der 3« raelH Nr. 29 Seite 5 19 Juli 1928_ . ftarf entwickelt. Sie efsektuiert nicht allein die Bestellungen von Ort, sondern auch von Agrojoint; gegenwärtig ist Agro-Joint der Gesellschaft als Teilhaber beigetreten. Dank dem Zufluß neuer Kapitalien wird die Gesellschaft ihr Arbeitsgebiet erweitern können. Ueber die weiteren Verhandlungen folgt Bericht. England. Londoner Brief. Anglo Jewish Association. — Missionäre und Regierung. — Der Oscar Slater-Fall. — Lord Melchett und das Judentum. — Rordau als Prophet. London, 8. Juli. Unter dem Vorsitz von Mr. Leonhard Montefiore tagte diese Woche der Verwaltungsrat der Anglo-Jewish- Association. Die Leiterin der Eveline v. Rothschild- Schule in Jerusalem, Miß Annie Landau, erstattete ein temperamentvolles Referat über die Entwicklung der Anstalt, das über den sachlichen Inhalt hinaus interessante Schlaglichter auf die palästinensischen Verhältnisse und insbesondere auf den Kampf der Schule mit den christlichen Missionären warf. Um die jüdischen Mädchen in die Netze der Mission einzusangen, hat man eine mit reichen Mitteln ausgestattete höhere Schule eröffnet, die tatsächlich zu einem Drittel von jüdischen Kindern besucht wird. Demgegenüber ist es eine schmerzliche Tatsache, daß die unter Leitung von Miß Landau stehende jüdische Mädchenschule 551 Schülerinnen zählt, aber 2000 h a - b e n könnte, wenn sie von England ausreichend unterstützt würde und wenn die palästinensische Negierung, während sie die zionistischen Schulen mit 20 000 Pfund unterstützt, der orthodoxen Mädchenschule von Miß Landau nicht ein bloßes Almosen von 100 Pfund gäbe. In der Diskussion wies Miß Netty Adler nicht mit Unrecht darauf hin, daß man wohl besser getan hätte, statt 15 000 Pfund für den Balfour-Wald zu sammeln, einen kleinen Bruchteil dieser Summe dazu zu verwenden, um südssche Kinder vor dem religiösen und moralischen Untergang zu bewahren. Rabbi Dr. Daiches wandte sich scharf dagegen, daß die Regierungsinstanzen die Missionstätigkeit an Juden in dem Lande des „National Home" dulden, ja sogar fördern. Am Schlüsse der Sitzung berichtete der Präsident über die Schulen im Irak und über die letztjährige Entwicklung des Werkes der JCA. in Argentinien und Brasilien. Aufsehen erregt eine angebliche bisher nicht dementierte Aeußerung des jetzt vor dem Rücktritt stehenden Oberkommissars Lord P l u m e r gegenüber einem hervorragenden Missionär, dem er seine Anerkennung dafür aussprach, daß die Mission an der „Niederreißung der Schranken arbeite, die die Tätigkeit der Verwaltungsbehörden in Palästina so sehr erschweren." An Offenheit läßt diese Erklärung nichts zu wünschen übrig, um so mehr an Diplomatie. Das Berufungsverfahren im Falle Oscar Slater, des vor 20 Jahren offenbar unschuldig wegen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten deutschen Juden, hat diese Woche seinen Anfang genommen. Nach ausgedehnten Vernehmungen, hielt der Verteidiger Skaters ein nach englischer Sitte von vielen Zwischendiskussionen unterbrochenes Plaidoyer, das nicht weniger als 13 Stunden dauerte, und worin er auf nachträgliche Rehabilitation und Freisprechung seines Klienten antrug. Die zionistische Föderation Englands hat, wie bereits gemeldet, Lord Melchett offenbar als Belohnung für seine großen Spenden und seine Tätigkeit in der Jewish Agency-Kommission zum Präsidenten gewählt. Cs entbehrt nicht eines eigentümlichen Reizes, daß nach der Wahl Dr. Daiches sich veranlaßt sah, an den neu gewählten zionistischen Führer die ergebene Bitte zu richten, er möge sich jetzt nach vollzogener Wahl doch samt seiner Familie d e r j ü bischen Gemeinschaft a n s ch l i e ß e n. Es scheint, daß der edle Lord bisher zwar nicht gerade aus dem Judentum ausgetreten ist, Die Woche. Berlin., Die Berliner Jüdische Gemeinde hat den von Prof. Goldberg erbauten z Friedenstempel in Halen se e gekauft, um ihn als Gemeindesynagoge zu verwenden. — Unter Vorsitz des Herrn Leo Kreindler wurde ein Verein „ I ü d i j ch e Pre f f e " gegründet, der Beitrittserklärungen der an den jüdischen Zeitungen tätigen Journalisten sowie der Vertreter auswärtiger jüdischen Zeitungen in Deutschland entgegennimmt. — In einer Rede, die der preußische Minister des Innern, G r e s z i n s k i in der Handelshochschule gehalten hat, kündigte er Maßnahmen an, die die Aufenthaltsberechtigung von Ausländern in Deutschland erleichtern und erweitern sollen. — In Der bekannten Streitsache von 7 jüdischen Mit- - gliedern des Alpenvereins hat das Kammergericht das Urteil des Landgerichts aufgehoben und die Klage der ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder a b g e w i e s e n. — Der jüdische Friedhof in B o v e n d e n bei Göttingen ist zum dritten Male von Friedhofsschändern heimgesucht worden. Bremen. Die hiesige Strafkammer hat als Berufungsinstanz den national-sozialistischen Maler Theodor G u d e, der -n einem Flugblatte das Deutsche Reich als „Judenrepublik" beschimpft hatte, wiederholt freigesprochen. Der Angeklagte habe nur den verhältnismäßig großen Einfluß der Juden auf die heutige Republik kennzeichnen, wollen. Mannheim. Die jüdische Jugendgemeinde in Mannheim will am 21. und 22. Juli einen jüdischen Jugendtag veranstalten, zu dem die gesamte organisierte jüdische Jugend Deutschlands ohne Unterschied der religiösen Richtung eingeladen worden ist. Leipzig. In der Sitzung der Gemeindevertretung vom 3. Juli stellten Volkspartei und Paale Zion einen Antrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts, der natürlich von der liberalen Mehrheit mit 17 gegen 9 Stimmen abgelehnt wurde. Wiesbaden. In der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde ist das Frauenwahlrecht und das Proportional-Wahlrecht eingeführt worden. Wien. Die „Neue Freie Presse" meldet, in Bratislava sei eine große Menge jüdischer Gebetbücher konfisziert worden, weil sie angeblich hebräische Gebete für die Wiederherstellung Ungarns in den Vorkriegsgrenzen enthielten. Es kann sich dabei natürlich nur um von Ungarn aus eingeschmuggelte Siddurim handeln, die empörender Weise die Religion zu politischen Zwecken mißbrauchen. Bestätigung bleibt -abzuwarten. Haag. Auf dem Kongreß der V ö l k e r b u n d - L i g e n waren 4 zionistische Vertreter: Motzkin, Margulies, Gelbert und Serper anwesend. Motzkin schilderte die Nöte der Staatenlosen. Er gab ein Bild der Exzesse in Rum ä n ien, die auch von den rumänischen Vertretern zugegeben und stark verurteilt wurden. London. Zwischen der Anglo Jewish Association und der zionistischen Kolonialbank ist -ein Streit um das Testament des im Herbst 1924 in Südafrika verstorbenen Millionärs A. N a t h a n entstanden. Es handelt sich um eine Million Pfund, die nach Ablösung aller laufenden Verpflichtungen im Jahre 1974 für Zwecke des Palästinaaufbaus verwendet werden sollen. Wie ITA. meldet, steht eine Verständigung zwischen den beiden Organisationen in naher Aussicht. Riga. Der oberste Gerichtshof hat 13 jüdische junge Leute, die in erster Instanz wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe zu langen Gefängnisstrafen verurteilt waren, freigesprochen. Moskau. Der Rat der Volkskommissare in Weißrußland hat eine halbe Million Rubel bereitgestellt, um 1000 jüdische Familien in 9 Kleinstädten in der Landwirtschaft und in der Industrie zu beschäftigen. — Die Auswanderung von Juden aus Rußland soll erleichtert werden. Das hiesige Büro der JCA. hat bereits einen Stab von Funktionären zur Regelung der Auswanderung angestellt. Bukarest. Auf der Jahresversammlung der neologen Gemeinden Siebenbürgens wurde Beschwerde geführt, daß die Regierung den durch die Pogrome ruinierten jüdischen Kaufleuten in Groß-, wardein, Klausenburg usw. bisher keinerlei Schadenersatz geleistet hat. aber so wenig Beziehungen zu der Synagoge unterhielt, daß er nicht einmal irgend einer der vielen jüdischen Gemeinden in England einen Beitrag leistete. „Jewish Chronicle" spielt jetzt die Memoiren Max Nordaus, die von feiner Witwe zur Zeit veröffentlicht werden, gegen die ihm verhaßte Opportunitätspolitik Weizmanns aus. Er veröffentlicht prophetisch klingende Warnungen Nordaus aus dem Jahre 1919, in denen dieser sich gegen jede Heranziehung der Nichtzionisten und gegen jede -Verwässerung des rein nationalistischen Charakters des Patästina-Aufbaus ausspricht. Pole«. Der Lemberger Rabbiner Arje Leb Braudo gestorben. Lemberg, 16. Juli. Nach kurzem Leiden verschied im Alter von 88 Jahren der hervorragende, und in ganz Galizien populäre Lemberger Gemeinderabbiner Rabbi Arje Leb Braudo Wr Seit 21 Jahren bekleidete er das Rabbineramt in Lemberg und erwarb sich als eine über den Parteien stehende Persönlichkeit große Sympathien. Zur Zeit der russischen Okkupation hat Rabbi Braudo einen der Judenschast Lembergs drohenden Pogrom abgewendet. Es war am Vorabend des Versöhnungsfestes, als verwilderte russische Soldaten und Huligans sich zu einem Sturm auf die jüdischen Stadtviertel Lembergs anschickten. Rabbi Braudo begab sich von der Synagoge zum russischen Gouverneur Grafen Bobrinski und setzte es bei diesem durch, daß sofort Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Viertel getroffen worden sind. Die Bestattung des verehrten Rabbiners fand im Beisein fast der gesamten jüdischen Gemeinde Lembergs und zahlreicher Abordnungen von auswärts statt. Die Gemeindewahlen in Polen. Warschau, 9. Juli. Die bisher aus Galizien und aus polnifch- Litauen vorliegenden Ergebnisse der Wahlen zu den jüdischen Gemeindevertretungensin d g ü n st i g. An den meisten Orten hat die Orthodoxie und zwar sowohl die agudistische Liste als die autzeragudiflischen orthodoxen Parteien mehr oder minder starke Mehrheiten erlangt. In den großen Städten finden die Wahlen erst Ende des Monats statt. Litauen. Die Krisis in Slobodka. Kowno-Slobodka, 8. Juli. Nachdem die schmerzliche Tatsache der hier seit Monaten tobenden erbitterten Kämpfe bereits in die Spalten der ostjüdischen Presse gelangt ist, hat es keinen Zweck mehr, gegenüber der großen jüdischen Oesfentlichkeit aus den Vorgängen ein Geheimnis zu machen. Wie in den meisten Fällen liegen den Kämpfen objektive, fachliche Gegensätze zugrunde, die aber mehr und mehr mit Persönlichem verknüpft werden und dadurch einen gehässigen Charakter annehmen. Die Hauptursache ist der Kampf ums Brot. Die Slobodkaer Jefchiwo mit ihren Hunderten von.Bachuvim, die auf die Jeschiwosubsidien angewiesen sind und die oft jahrelang vom Kredit der Kleinhändler und Zimmervermieter der ganzen Stadt leben, ist wirtschaftlich schop seit dem Kriege nicht mehr gesichert. Der Leiter der Jeschiwo, zugleich Stadtraw von Slobodka, der allverehrte Gaon, Rabbi Mosche Mordechai Epstein, hat selber das schwere Opfer nicht gescheut, zu wiederholten Malen für seine Jeschiwo in Amerika zu werben und es ist ihm auf diese Weise auch das erste Mal gelungen, eine Krisis zu-überwinden. Bei seiner zweiten Amerikafahrt war das nicht mehr der Fall. Inzwischen war -ein Teil der Jeschiwo nach dem heiligen Lande, nach Hebron verlegt worden, unddamit der ganze Schwung der Ehibbas Die , Markender Tangermünder ^SchokoladenfabriK

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