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Der Israelit · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 29 DerSsraelit 19 Juli 1928 die Minorität auch noch die Annahme eines Punktes, wonach die Gesamtgemeinde sich der orthodoxen Landesorganisation anschließe, und um des Friedens willen haben auch diesen Punkt viele Gemeindemitglieder unterschrieben. Und so kam der Friede zwischen der Majorität und Minorität und ihrem Rabbiner zustande. Die Dissidenten gaben ihr eigenes pan auf und alle gingen wieder in die große Gemeindesynagoge zum Beten. nVmn n^is ■o?nv So standen die Dinge während des Aufenthaltes von R. Joel Ungar in Waitzen. Als er aber abgereist war, besannen sich diejenigen, die die Annahme der orthodoxen Landesorganisationsstatuten mit ihrer Unterschrift nicht anerkennen wollten, .eines anderen, wählten sich ein eigenes Oberhaupt und vertrieben diejenigen, welche den Beschluß zur Anerkennung der orthodoxen Statuten mit ihrer Unterschrift versahen, aus der großen Geryeindesynagoge. Nach dieser Wendung der Dinge sah sich R. Joel Ungar veranlaßt, die Herstellung der Gemeindeeinheit in Waitzen auf Grundlage der Verwerfung der früher angenommenen neologen Kongreßbeschlüsse und der Verpflichtung zur Gemeind eführung ins? bx wie in früheren Zeiten zu beantragen. Diesen- Antrag nahm auch der weitaus größere Teil der Gemeinde an, und nur Einzelne verweigerten es, weil sie die ausgesprochene Annahme der orthodoxen Landesstatuten wünschten. Und nunmehr nimmt der Schreiber den Rabbiner Ullmann, der auf Grund der Annahme des eben erwähnten Antrages seitens der Muttergemeinde sein Amt in derselben wieder versah, der aber dieserhalb von orthodoxer Seite vielfach verurteilt worden ist, in Schutz, indem er ausruft: „Kann denn gesagt werden, daß es in den Zeiten, die den orthodoxen. Organisationsstatuten vorausgingen, keine 'n nais; gab?! Es gibt doch heilige und große Gemeinden, die sich weigern, dieselben als Gesetz auf sich zu nehmen, und in diesen Gemeinden große und fromme Rabbinen —dürfen wir aber, die wir uns der orthodoxen Landesorganisation angeschlossen, jene verabscheuen und von ihnen sagen, daß sie Gesetzesübertreter und nicht in der Gemeinschaft der Gottesdiener sind?!" Hier liegt der Angelpunkt des Ganzen. Das Schreiben ist vom Jahre 5635, also einige Jahre nach der selbständigen Organisierung der Orthodoxie in Ungarn. Wir wissen aber, daß lange Jahre hindurch auch wirkliche strengorthodoxe Gemeindemund waaisich beharrlich gegen die Annahme irgend einer Landesorganisation sträubten, weil sie überhaupt vor einer jeden mehr oder weniger zentralisierenden Verfassung Scheu hegten. Damals gab es noch wirklich ni^',1,7 QW'tt ,*7T pyi iBwVl o'pzp'? MHQ 1178 71N71P1 .021712 trpnxi a,I?i’tt D’jnn Ob aber diese Charakterisierung auch noch von den heutigen Status guo-Gemeinden in Anspruch genommen werden kann, — das ist die Frage. (Schluß folgt.) Korrespondenzen « Hacbricbten. Deutsches Reich. Die Verteilung der Konfessionen im Reichstag. Berlin, 13. Juli. Unter der Ueberfchrift „Die Weltanschauungen im Reichstag" entwirft der Abgeordnete Hofmann-Ludwigshafen in der „Kölnischen Volkszeitung" ein Bild des neuen Reichstags in konfessioneller Beziehung. Danach sind die protestantischen Mitglieder in ihrer überwiegenden Mehrheit bei den Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und den Demokraten zu finden und bilden zwei Drittel der Wirtschaftspartei. Die Katholiken sind in geschlossener Einheit beim Zentrum und der Bayrischen Volkspartei vertreten, 'während die Dissidenten (ohne konfessionelles Bekenntnis) die große Mehrheit der Sozialdemokraten und Kommunisten ausmachen. Zum jüdischen Glauben bekennen sich nur zwei Demokraten: (Dr. Ludwig Haas und Prof.-'Georg Bernhard) und zwei Sozialdemokraten, doch sind unter den sozialdemokratischen Dissidenten, noch 12 Mitglieder jüdischer Abstammung. Zerstörungen auf dem ältesten Kölner Friedho am Bonntor. Köln, 15. Juli. Wir berichteten erst kürzlich von der Einweihungsfeier, die aus dem restaurierten ältesten Friedhof der deutschen Judenheit zu Köln stattfand. Nun ist auch diese ehrwürdige Stätte ein Opfer jener systematischen Zerstörungsarbeit geworden, die seit Jahr und Tag von bestimmten unverantwortlichen Kreisen an den Ruhestätten unserer Toten ausgeübt wird. Am vergangenen Montagabend, nachdem genau ein Jahr zuvor der Friedho - der Adaß Jeschurun zu Deckstein in rohester Weise verwüstet wurde, haben diese rohen Burschen den Friedhof am Bonntor heimgesucht. Die baulichen Verzierungen des neuen Tempelchens wurden zerschlagen und heruntergerissen und der Friedhof selbst in gemeinster Weise verunreinigt. Der Stadtanzeiger zur Kölnischen Zeitung, der darüber eine Notiz bringt, überschreibt sie: „Haß, der vor der Majestät des Todes nicht verstummt." Für die religiöse Unabhängigkeit des Rabbinats. S ch ö n l a n k e (Ostbahn), 12. Juli. Nachdem vor einigen Monaten Herr Rabbiner Dr. B. Cohen infolge Richtungsstreitigkeiten unserer Gemeinde zum diesjährigen Oktober gekündigt und unsere Gemeindeverwaltung diese Kündigung angenommen und sogar vor kurzem das Rabbineramt als freiwerdend ausgeschrieben hatte, haben etwa 70, das sind mehr als die Hälfte unserer Mitglieder, der Gemeindeverwaltung ein herzlich gehaltenes Schreiben unterbreitet, in welchem sie Vorstand und Repräsentanz um Zurücknahme der in Betracht kommenden Beschlüsse ersuchen. Zugleich bringen sie darin ihre Verehrung für Herrn Dr. Cohen als Lehrer und Rabbiner zum Ausdruck und sprechen die Hoffnung aus, daß ihm weiteres Bleiben ermöglicht werde. Die Stimmung in der Gemeinde ist mit dem Vorgehen eines Teils der Repräsentanz in dieser Angelegenheit äußerst unzufrieden, selbst in denjenigen Kreisen, die dem Rabbiner in religiöser Beziehung fernstehen. Das Kaschruth im Kölner Asyl. Köln, 7. Juli. Herr Jacob Schnelling schreibt uns: Das israelitische Asyl Köln-Ehrenfeld ist ein Krankenhaus, das der Synagogengemeinde Köln nicht gehört. Die Synagogengemeinde Köln hat überhaupt niemals weder ein eigenes Krankenhaus noch ein eigenes Altersheim besessen. Vor Jahrzehnten hat die Familie Elsbacher zu Köln eine Stiftung „Israelitisches Asyl Köln-Ehrenfeld'- errichtet. Nach den Statuten ist die Aufnahme in diese Anstalt allen Konfessionen gestattet. Durch obiges Statut sind heute noch ca. 85 Proz^ der Kranken Nichtjuden. Demzufolge ist diese Anstalt als das Krankenhaus des Ehrenfelder Stadtbezirkes anzusehen. Im Altersheim befinden sich nur Juden und Jüdinnen. Die Synagogengemeinde Köln zahlt zum Budget des israelitischen Asyls, sowohl wie für das Altersheim bei einem Gesamt-Etat von 500.000 RM. ca 50.000 RM. Es werden kaum die Auslagen für die unbemittelten Kranken und die Insassen des Altersheims gedeckt. Die Hauptküche für beide Abteilungen wird nur koscher geführt. Die milchige Küche ist von der fleischigen getrennt. Fleischwaren werden nur von Metzgern bezogen, die unter Aufsicht der Ritual-Kommission der Kölner Synagogengemeinde stehen. Ebenfalls wird Butter und Käse nur von Geschäften bezogen, die gleichfalls der Aussicht dieser Ritual-Kommission unterstellt sind. Für Koschermachen von Fleisch ist eine Abteilung vorhanden, die streng beachtet wird. Die Töpfe und sonstiges Geschirr für Milch sind mit einem „M", für Fleisch mit einem „F" graviert. In den sieben Stationen, wohin die Speisen gelangen, sind die Geschirre in der gleichen Weise gezeichnet, wie in der Hauptküche, und werden ebenfalls getrennt gehaltert Was nun in den sieben Stationen bei 85 Proz. nichtjüdischer Belegung sich abspielt, hinsichtlich genauer Einhaltung des Kaschrut, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Sicherheit hierfür ist nicht vorhanden, da die Kranken Besuche empfangen dürfen. Es besteht eine Vorschrift des Krankenhauses, daß ein Kranker, falls er Ehrvaren durch Besucher erhält, nicht das Geschirr des Krankenhauses benutzen darf. Geschieht dieses entgegen der Anweisung, so muß der Kranke das Geschirr bezahlen und behalten. Leider ist es mir bis jetzt nicht gelungen, eine Schomeres für das ganze Krankenhaus durchzusetzen, welche unter Aufsicht der Kölner Ritual-Kommission stehen sollte. Dieses ist zwar ein starkes Manko des Krankenhauses, aber da der Wirtschaftsausschuß bis jetzt hierzu seine Zustimmung nicht geben wollte, steht es außerhalb meiner Macht, an dieser Tatsache etwas zu ändern. Es darf nicht vergessen werden, daß die Synagogengemeinde Köln das Krankenhaus und das Altersheim nicht im Bereiche ihrer Verwaltung hat. Ich betone ausdrücklich, daß ich nur als Delegierter für die Verwaltung von der Synagogengemeinde Köln im Wirtschaftsausschuß des Asyls bestimmt bin, aber nicht verantwortlich für das Kaschrut im Asyl. Sitzung des Zentralrakes des Verbandes «Ort". Berlin, 16. Juli. Vom 8. bis 10. Juli tagte in Berlin der Zentralrat des Verbandes zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden „Ort". Es wurden bedeutsame Berichte erstattet und wichtige Beschlüsse gefaßt. Den allgemeinen Bericht über die Tätigkeit des Ort- Verbandes in den letzten zweieinhalb Jahren erstattete Herr Dr. A. S i n g a l o w s k y. In dieser Periode hat der Verband für Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft, der Fachbildung und des Handwerks rund 700.009 Dollar verausgabt. Das Fachschul-Netz von Ort erhöhte 'ich um 22 neue Anstalten. Von den 14 bisher von Ort in Rußland erhaltenen Fachschulen wurden 12 von dem taatlichen Budget übernommen. Gegenwärtig unterhält Ort 73 sachliche Bildungsanstalten, die von ungefähr 5000 Schülern besucht werden. Ungefähr 3000 Personen haben in der Verichtsperiode ihre Fachausbildung in Ort-Schulen abgeschlossen und sich dadurch eine wirtschaftliche Existenzmöglichkeit geschaffen. Die Ort-Schulen in Polen, Lettland und anderen Ländernerhalten bereits — und das hat auch hohe prinzipielle Bedeutung — Subventionen von Stadtverwaltungen und jüdischen Gemeinden. Dennoch ist eine Reihe Bedürfnisse unbefriedigt geblieben, wie z. B. Deckung lokaler Defizite, Errichtung von Schulgebäuden, technische Einrichtungen und Vervollkommnungen, für die. weitere Geldmittel' aufgebracht werden müssen. Die landwirtschaftlichen Siedlungen in Rußland, Polen und Beßarabien, die von Ort betreut werden, haben ich alle wirtschaftlich verwurzelt. In diesen Ländern tützte Ort rund 4000 Ackerbau treibende Familien. Das lebende Inventar der Kolonisten in Südrußland hat sich eit 1926 um mehr als 50 Proz. erhöht. 725 Häuser wprden erbaut, 54 Brunnen gegraben, neue Jntensiv- Kulturen eingeführt, Obstgärten gepflanzt usw. ■ Dank dieser Vorsorge hat die diesjährige Mißernte im Rayon Odessa nicht den Charakter einer akuten Krise angenommen. In der Berichtsperiode sind 28 neue lokale Gesellchaften des Verbandes Ort entstanden. Zur Budgetfrage übergehend, unterstrich der Redner, daß auch jetzt noch Amerika als Einnahmequelle für die Aufbauarbeit an erster Stelle steht. Aber auch die Einnahmen aus anderen Ländern sind gestiegen. Zur Stabilisierung des Budgets wird es nötig fein, die Aktionen: in Polen und Rumänien zu erneuern und eine neue Kampagne in Amerika durchzuführen. Prof. S. Frankfurt erstattete den Bericht der Cooperative Tool Supply Company, deren Aufgabe es ist, die arbeitenden jüdischen Massen mit Maschinen und anderen Produktionsmitteln im Kreditwege zu versorgen. Der Umsatz steigt von Jahr zu Jahr und erreichte im ersten Halbjahr 1928 rund 200.000 Dollar (1926 betrug der Umsatz etwa 100.000, 1927 150.000 Dollar.) Auch organisatorisch wurde die Gesellschaft ausgebaut, sie besitzt jetzt Abteilungen in Rußland, Polen, Rumänien, Beßarabien, Litauen und Lettland. In der letzten Zeit hat 'ich die Arbeit der Gesellschaft in Rußland, wo sie durch Vermittlung der Spar- und Darlehenskassen arbeitet,.

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