Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Israelit Blätter Nr. 15 Seite 3 12. JE 1928 Marktes es gestattet (8 58 AVAVG.). Letztere aber ist nicht derart, daß das Arbeitsamt zurzeit die Möglichkeit hat, Arbeitslose, die an Samstagen nicht arbeiten, zur Arbeit zu vermitteln. Das Arbeitsamt kann nur zu den Bedingungen evrmitteln, die für alle übrigen Beamten maßgebend sind. Bon Arbeitslosen, die sich außerhalb des Gesetzes und des geltenden Wirtschafts¬ und Geschäftsbrauches stellen, kann: mit-Fug und Recht, bezweifelt werden, ob sie überhaupt vermittlungsfähig im Sinne des Gesetzes sind und die weitere Frage, ist die schon berührte, die, wie erwähnt, vom Spruchausschuß nicht entschieden werden soll, ob das Arbeitsamt überhaupt die Pflicht hat, Arbeitslose, die sich der Rechtsordnung nicht einfügen und von vornherein erklären, dies nicht tun zu wollen, in Arbeitsvermittlung aufzunehmen, abgesehen von der schon praktisch erprobten Unmöglichkeit der tatsächlichen Vermittlung im Einzelfall. Wer seiner religiösen Ueberzeugung lebt und glaubt, dieserhalb eine Ausnahmestelle für sich in Anspruch nehmen zu müssen und die Rechtsordnung insoweit nicht respektieren zu dürfen, muh es sich auch gefallen lassen, daß ihm hieraus unter Umständen gewisse Nachteile erwachsen und Rechte verlustig gehen, die nur,denjenigen Staatsbürgern garantiert .sind, die „auf dem Boden des Gesetzes stehen. Dies bedeutet keine Beschränkung der ihm gewährleisteten persönlichen Freiheit und staatsbürgerlichen Rechte, sondern ist nur eine Folge seines Verhaltens, von welchen Motiven dasselbe auch bestimmt sein mag. Daß dabei in Fällen, wie in dem vorliegenden, Gewissenskonflikte entstehen können, liegt auf der Hand und ist in Einzelfällen auch bedauerlich. Aber: Staatsgesetz geht vor Religionsgebot." In den anderen zwei Fällen wird höchstrichterliche Entscheidung herbeigeführt werden. Es empfiehlt sich, daß Arbeitslose in gleicher Lage sich mit der St. V. Z. der A. I., Frankfurt a. M., Sandweg 32 in Verbindung setzen. Me soll das werden! Von Rabb. Dr. Ph. Frankl in Halberstadl. Von einer der Leitung der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel nahestehenden Seite ist die Frage an die deutsche Agudawelt ergangen: Wie soll das werden! Es soll damit die Diskussion darüber eröffnet werden, wie man sich die Fortentwicklung der Aguda denkt, wenn sich die einzelnen Mitglieder und die Ortsgruppen auch weiterhin so passiv verhalten, wie es bis jetzt der Fall gewesen ist. Man könnte sich allerdings auf den Standpunkt stellen, daß es Sache der gewählten Leitung der Landesorganisation ist, den einzelnen Ortsgruppen den Weg zu agudistischer Betätigung zu weisen. Daß es vielleicht nicht genügt, bestausgearbeitete Fragebogen an die Ortsgruppen zu versenden. Kenner der Verhältnisse auf diesm Gebiete — und zwar nicht bloß in agudistischen Kreisen — hätten genau Voraussagen können, daß man auf diesem Wege nicht weiter kommt. Es soll aber damit keinesfalls der Leitung in Hamburg irgend ein Vorwurf gemacht werden. Wir wissen es alle, daß die dortigen Herren voll und ganz ihre Kräfte in den Dienst der Sache stellen und daß sie unter den obwaltenden Umständen kaum mehr tun können. Sind es doch dieselben Herren, auf deren Schultern auch die schwere Last der Keren-Hathora-Arbeit ruht. Wir haben vielmehr alle Veranlassung, den von Hamburg an uns alle ergangenen Mahnruf in seinem ganzen Ernste zu erkennen und zu würdigen. Ebenso müssen wir als richtig anerkennen, was da über die Ursachen der Stagnation in der agudistischen Arbeit gesagt wird. Gewiß spielt dabei die traurige wirtschaftliche Lage des jüdischen Mittelstandes eine wichtige Rolle, wie auch die innere Haltung der deutschen Judenheit auch ihr Teil dazu beiträgt. Aber ganz gewiß ist auch unsere eigene Indolenz daran schuld, die nicht völlig mit den schweren Sorgen für den eigenen Kreis entschuldigt werden kann. Zweifellos sind der Sorgen gar viele . Gibt es doch kaum eine Gemeinde innerhalb der deutschen Orthodoxie, die nicht schwer trägt an den Lasten, die ihr die Erhaltung der notwendigsten Institutionen ausbürdet und die sie mit schweren Sorgen in die Zukunft blicken läßt. Es ist daher selbstredend, daß die örtlichen Notwendigkeiten nicht zurückstehen dürfen. Andererseits aber sind wir der festen Ueberzeugung, daß die Agudas Jisroel als selbständige Organisation eine Lebensnotwendigkeit für das Judentum ist. Von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, müßten wir doch erkennen, daß man über den engen Kreis der eigenen Gemeinde Hinausblicken muß. Daß man auch dem brr-nr?' ^2 gegenüber Pflichten hat und daß man nicht seine Pflicht voll getan hat, wenn man bloß für den eigenen Kreis Sorge trägt. Die große Frage ist nun, wie bringt man die innerlich zur Agudo gehörenden Kreise zu größerer Aktivität für die Organisation und für ihre Aufgab en. Der Aufruf betont richtig: „Wir brauchen eine Organisation der Agudas Jisroel und fordern, indem wir ihre Schwäche bekennen, eine starke deutsche Landesorganisation! Und diese Organisation braucht Mittel, aber vor allem Menschen!" Hier liegt m. E. der Schwerpunkt der ernsten.Frage', wie das werden soll. Wir brauchenden erster Reihe Menschen. Menschen, die nicht, bloß Träger, der Idee sind, sondern solche Menschen, die die Agudas Jisroel-Jdee in weitere Kreise tragen. Vielleicht dürfen wir hier der Leitung der Landesorganisation gegenüber ein offenes Wort sprechen, das aber wieder keinesfalls als Vorwurf gemeint ist. Es gibt wohl keine Organisation, welcher die Menschen, die sie braucht, auf dem Präsentierbrett dargereicht worden sind. Die Organisationen müssen sich erst die Menschen schaffen, die sodann hinausgehen und ihre Ideen in weiteren Kreisen propagieren. .PN2 wv im VS2N ruo Und die Seelen, die sie in Charau gebildet hatten, heißt es bei im# oma» und der Satz ü'iab fv'v nin» nffsrö hat auch hier seine Gültigkeit. Sache der Leitung der Organisation ist es. sich die geeigneten Mitarbeiter zu schaffen. Da kann der schönste Briefwechsel nicht viel nützen, selbst wenn ein Freikuvert beigefügt ist (was ich übrigens von den an mich gerichteten Briefen gar nicht sagen kann). Zur bban niiai?'die meist nur Undank bringt und die ,was noch bitterer ist, auf so herzlich geringes Verständnis stößt, drängt man sich im Allgemeinen nicht sehr. Da muh schon die persönliche Fühlungnahme nach dem Rezepte des v'-iaiavnp einsetzen.. Die Leitung hätte sich sogar manchen Brief sparen können. Hat sie doch ihren Sitz in einer Gemeinde, die als brriV'2 Mi yy bezeichnet werden kann. Hier hätte sie doch einen größeren Kreis von Mitarbeitern um sich scharen können, so daß nicht die ganze Last auf den Schultern von 2—3 Männern liegen muß. Ein sehr weites und schwieriges Arbeitsgebiet ür die Leitung ist die Reorganisation der Ortsgruppe, in erster Reihe der größeren Gruppen. Auch die Lösung dieser unbedingt notwendigen Fragen ist letzten Endes davon abhängig, ob sich die hierfür notwendigen Menschen finden werben. Ich weiß es sehr wohl, daß es eines sehr großen Optimismus bedarf, um' an diese Arbeit heranzugehen. Aber so lange wir keinen Generalekretär haben, der sich dieser Arbeit hauptamtlich widmen kann, könnte seitens der Leitung vielleicht folgender Weg beschritten werden: Es müßte der Versuch gemacht werden, in den größeren Ortsgruppen einige Leute zu gewinnen, die las Rückgrat der neuzukonstruierenden Gruppen bilden müßten. Diese sollen.die bisherigen Mitglieder als Ortsgruppe wieder zusammenfassen und auch neue Mitglieder für sie zu gewinnen üchen. Ohne diese Vorarbeit einiger Mitglieder jeder Ortsgruppe dürfte die Rekonstruierung der Ortsgruppen kaum möglich sein. Dies dürfte aber wieder nicht durch Briefe zu machen sein, sondern m. E. nur dadurch, daß die Leitung die Gelegenheit zu einer Aussprache mit den dafür in Betracht kommenden Personen in den einzelnen Ortsgruppen sucht. Ich bin mir dessen wohl bewußt, daß dies Alles leichter gesagt ist, als getan. Aber wenn wir einmal durch den Hamburger Weckruf zu einer öffentlichen Aussprache über diese wichtige Angelegenheit gelangt sind, so müssen doch die Wege gesucht werden, die vielleicht zum Ziele führen können. Vielleicht werden, wenn die Debatte in Fluß gekommen ist, andere und bessere Vorschläge gemacht. Keinesfalls aber dürfte diese Frage von der Tagesordnung verschwinden, solange nicht ein Weg gefunden ist, der uns wieder vorwärts bringt. Die Arbeit ist schwer, aber groß das Ziel, um welches sie geleistet werden soll. Heißt es doch, für eine Organisation arbeiten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, nnyi'b .i->vy mtn» zu sein, die wieder innerhalb des Wd der min jene Stellung verschaffen will, die ihr als Träger des tonv* zukommt. Aus der Bewegung. Amsterdam. Die Landesorganisation der holländischen Agudas Jisroel hielt am letzten Sonntag in der Diamantenbörse ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Oberrabbiner S. I. L. Hirsch aus Zwolle gedachte in seiner Eröffnungsrede zunächst der im letzten Jahxe in die Ewigkeit abberufenen überragenden Gestalten des großen rabbinifchen Rates der Aguda, Rabbi Meir Don Plotzki, und Rabbi Awrohom Steinberg s. A. Die holländische Aguda hat ihre Ortsgruppen um zwei vermehren können: Leeuwarden und N o r d b r a b a n t. Redner erinnert an die erfolgreiche Arbeit des K e re n Ha th o ra in Holland und geht dann zu den großen organisatorischen Fragen der Agudas Jisroel, insbesondere der bevorstehenden zweiten Kenessio Gedaulo über. Die holländische Aguda müsse verlangen, daß das Sabbatproblem eine zentrale Stellung auf der kommenden Kenessio Gedaulo' einnehme. Wichtig sei, daß für Holland ein zentrales agudistisches Presseorgan geschaffen werde. Den Sinn der p o l i t i s ch e n Arbeit in Erez Jisroel wußte der Redner in eindringlichen Ausführungen beredt darzulegen. Nachdem die Regularien durch den Schriftführer Herrn Josef A. Lissauer erledigt und der Kassabericht erstattet war. wurde beschlossen ein Huldigungstelegramm an Oberrabbiner Dr. Ritter zu richten, worin ihm der Dank der Agudas Jisroel für seine aufrechte Arbeit im Dienste des Judentums-gezollt wird. Die Abendoersammlung wurde von Herrn M. van Gelberen geleitet. Die austretenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt, neugewählt die Herren Josef Aromen-Rotterdam und A. de Haas- Ommen. Zum Vorsitzenden wurde wieder unter großem Beifall Oberrabbiner Hirsch gewählt. Beschlossen wurde, daß im Jahre 1928 abgesehen von der Kopfsteuer von 0,60 Fl. eine Extraabgabe von mindestens 1 Fl. pro Mitglied für die Kenessio Gedaulo zu leisten ist. Hamburg. Am Montag, den 2. Juli, fand die Generalversammlung der Agudas Jisroel Jugendgruppe Hamburg-Altona statt. Der Vorsitzende, Wolf S. Jacobson, erstattete Bericht über die im Laufe des Jahres durch die Jugendgruppe stältgetzabten Veranstaltungen. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Disküssionsabende, die im Lause des Winters über agudistische Themen veranstaltet wurden, großes Interesse bei Mitgliedern und auch bei Nichtmitgliedern fanden, so daß sie auch in Zukunft fortgeführt werden sollen. Folgende Themen wurden an diesen Abenden diskutiert: Die Grundidee der Agudas Jisroel: Henry Pels, Der jüdische Volksbegriff: R.-A. Dr. Spitzer, Ist die Agudas Jisroel eine Kampsorganisation? Wolf S. Jacobson, Die Geschichte der Agudas Jisroel: Hermann Ullmann, Die politischen Leistungen der Agudas Jisroel: Dr. Raphael Möll^:, Die Stellung der Agudas Jisroel zu den anderen Bewegungen: F. Kohn, Profane Erziehungsfragen der Agudas Jisroel: Dr.^Leo Rothschild, Religiöse Erziehungsfragen der Agudas Jisroel: Dr. I. Jacobsen. Besonderen Anklang inden die im engeren Kreis stattfindenöen Veranstaltungen der Jugendgruppe: so oierzehntägig stattfindende Presseabende unter Leitung des Herrn Dr. John Jacobsen, und die von einem Kreis junger Agudisten unter Fühlungnahme mit dem Jugendgruppenvorstand veranstalteten internen Aussprachestunden, bei denen unter Leitung von Rechtsanwalt Dr. Spitzer: Ideologische Grundfragen der A.-J., von Siegfried Heckscher: Heidentum, Christentum und Judentum von Brod, von Markus Lange: Der Jude und seine Zeit (nach S. R. Hirsch) besprochen wird.. Ferner veranstaltete die Jugendgruppe drei öffentliche Vorträge und zwar: Einführung in die Systeme der wichtigsten Bibelerklärer von B. S. Jacobson, Pseudo-messianische Bewegungen von James Pels, Die Stellung der Frau in der A. I. von Frl. Studienrat Lilly F r e i m a n n und gemeinsam mit der!