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Der Israelit · 1928-07-12 · Heft 28 (12.7.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 28 (12.7.1928)
Date
1928-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 28 Der Israelit 12. Juli 1928 tiefste richtig erfaßt. Denn der Sabbath als Ursprung und Basis der ganzen jüdischen Bestimmung, ist das ewige, sprechendste Zeichen unserer Huldigung Gottes über all unser Schaffen im Gebiete der Natur und der Menschengesellschaft. Sabbath und Elterngehorsam, beide sind sie die Erzieher des jüdischen Menschen zu Gott. Die Erfahrung aller Zeiten lehrt — und unsre Gegenwart zeigt es in greifbarer Wirklichkeit — wie die Erschütterung einer dieser Säulen der Erziehung, nicht ohne Erschütterung der anderen bleibt. H. tVochenrundschau. ///,'? Die Zukunft des Palästina-Aufbaues Der mit Spannung erwartete Bericht der sogenannten „Vereinigten Palästina- Ueberwachungs-Commission", die aus den Herren Alfred Mond, Lee Frankel, Felix Marburg und Oskar Wassermann besteht und die sich auf gründliche Untersuchungen durch die von ihr ernannten bedeutendsten Sachverständigen der Welt stützte, ist nunmehr erschienen. Die wichtigsten Schlußfolgerungen, in denen der 200 Seiten starke Bericht gipfelt, haben wir in der letzten Nummer mitgeteilt. Obgleich es der an Erez Jisroel gewiß mit Leib und Seele in erster Reihe interessierten Orthodoxie nicht möglich gemacht worden ist, ohne schwerste Gewissensbelastung an der zum Aufbau des Landes mit vereinten Kräften berufenen erweiterten Jewish Agency teilzunehmen, ist darum die innere Teilnahme an dem weiteren Geschicke der Jewish Agency-Arbeit auf seiten der gesetzestreuen Judenheit gewiß nicht geringer, und es dürfte daher angezeigt sein, den Bericht der zweifellos die Grundlage für die weitere wirtschaftliche Arbeit in Erez Jisroel bilden wird, mit einigen Worten zu würdigen. Wertvoll ist vor allem, daß die Kommission die nach ihrer Zusammensetzung frei von jedem Verdacht politischer Extravaganzen ist, in nüchternen, aber darum nicht minder eindringlichen Worten die palästinensische Regierung, bezw. die Mandatarmacht an die Verpflichtungen mahnt, die sie der jüdischen Siedlung gegenüber übernommen, aber nicht im entferntesten erfüllt hat. Wenn die Regierung beispielsweise ihre absolute Untätigkeit in der Durchführung von Artikel 6 des Mandats (geschlossenen Ansiedlung von Juden auf Staatsländereien) damit entschuldigt, daß zuerst die Vermessung des Bodens durchgeführt werden müsse, so bedauert die Kommission das mit Recht und sie ersucht die Regierung nun, „Vorkehrungen zu treffen, daß gewisse Ländereien noch vor Vollendung der Vermessung für Siedlungszwecke verfügbar gemacht werden." In ebenso höflicher, aber entschiedener Weise erinnert die Kommission an die Aufgaben der Regierung hinsichtlich der dringend notwendigen Aufforstung des Landes, an die Aenderung des Steuersystems und an die Reform des Zollwesens. Was die j ü d i s ch e n Aufgaben bei der wirtschaftlichen Erschließung des Landes betrifft, so werden die Vorschläge und Pläne der Kommission ohne Zweifel den leidenschaftlichsten Widerspruch bei dem ganzen linken Flügel des Zionismus finden. Die Kommission verwirft, offenbar auf Grund der gründlichen Untersuchung der Sachverständigen, mit aller Entschiedenheit das System der Kewuz o s. Sie verlangt entweder ' individualistische kooperative Siedlung (Moschawoth) oder vollkommene Einzelwirtschaften, von denen sie glaubt, daß 33 000 bewässerte und 50 000 unbewässerte Farmen auf dem kultivierbaren Boden des Landes allmählich angelegt werden können. Ueberhaupt geht die Tendenz des Berichtes dahin, im Gegensatz zu den sozialistischen und kommunistischen Idealen dem wirtschaftlichen Egoismus Raum zu schaffen und auch im Gegensatz zu den Prinzipien des Nationalfonds die Siedler selbst zu wirklichen Landbesitzern zu machen. Vom religiösen Standpunkte aus ist den Kewuzos in ihrem bisherigen sozialen und sittlichen Charakter gewiß keine Träne nachzuweinen, denn was an persönlichem Idealismus und wirklichem Opfermut, also an positiven sittlichen Werten in diesen Kewuzos lebt, wird reichlich wett gemacht durch die fast völlige Zerstörung traditioneller jüdischer Sittlichkeit und durch die Vernichtung des Familienlebens, das von jeher die Wefensgrundlage des jüdischen Volkes gebildet hat. Dagegen müßte bedauert werden, wenn der Individualismus so weit getrieben werden soll, daß auf dem Gebiete des Bodenrechtes der schrankenlosen Verfügungsfreiheit des Einzelnen über den gotthörigen Boden Erez Jisroels Bahn gebrochen wird! Zustimmen muß man nach den gemachten ErfaylHMen den tadelnden Worten, die der Bericht der bisherigen A r b e i t e r p o l i t i k der zionistischen Kolonisation widmet. Er erklärt das Prinzip, außenstehende Arbeit, aus den Kolonien anzuschließen, für unhaltbar und empfiehlt zum Ausgleich die Festsetzung von Minimal- Löhnen für gedungene Arbeiter. Die Kommission glaubt, daß zu einer Fortführung des Kolonifationswerks ein Jahresbudget im Minimalbetrage von 1 Million Pfund erforderlich ist, wovon den zionistischen Fonds bisher etwas mehr als die Hälfte zur Verfügung stand. Doch rechnet die Kommission damit, daß Amerika jährlich 600 000 Pfund wird aufbringen können, und den Rest alle übrigen Länder der Welt.^ Die Diskussion in der zionistischen Presse über die neuen Pläne und über die künftige praktische Tätigkeit der erweiterten Jewish Agency hat bereits lebhaft angesetzt. Die Radikalen schäumen. Die Nüchternen und Gemäßigten um Weizmann werden schwere Kämpfe mit den nationalistischen und radikalsozialistischen Stürmern zu bestehen haben, aber es ist nicht zu bezweifeln, daß die gesunde Vernunft den Sieg davon tragen und die von den nichtzionistischen Philantropen großmütig dargebotene Hand letzten Endes nicht zurückgewiesen werden wird. Sabbakruhe und Arbeilslofenunkerfkühung. Seit längerer Zeit beschäftigt die verschiedenen in Deutschland bestehenden jüdischen Arbeitsnachweise in steigendem Maße das Schicksal derjenigen der Arbeitslosenversicherung unterwornen jüdischen Angestellten und Arbeiter, die den Sabbath gewissenhaft halten, und denen, wenn sie mit Sabbatentweihung verbundene Stellen ablehnen, von den Organen der Arbeitslosenunterstützung darauf regelmäßig die Auszahlung der Versicherung gesperrt wird. Sowohl die „Vereinigte Zentrale für jüdischen Arbeitsnachweis" in Berlin, als auch die gesetzestreuen Organisationen unter Führung der „Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel" in Frankfurt, haben die Angelegenheit in den ersten Monaten ds. Js. durch eingehend begründete Eingaben bei dem Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung bezw. beim R e i chs a r b eitsmini st e r zur Sprache gebracht, und der letztere hat in einem vom „Israelit" seiner Zeitauszugsweise wiedergegebenen Erlaß an die gesetzestreuen Organisationen vom 30. März ds. zu der Frage Stellung genommen. Der Erlaß erklärt es für zweifelhaft, ob die Geltendmachung religiöser Bedenken als hinreichender Grund zur Arbeitsverweigerung am Samstag im Sinne des Gesetzes anerkannt werden könne, weil der Samstag kein anerkannter Feiertag fei Zu ’J?0»1 N1v!> Worte des Nachrufs auf Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer Gest, am 4. Zamus. Dieser Nachruf war die letzte Rede, welche Rabbiner Dr. Hirsch Plato in der Synagoge der Adaß Jeschurun Köln anläßlich des Heimgangs von Rabb. Dr. Hildesheimer hielt. Die Wiedergabe geschieht auf Grund von Aufzeichnungen, die ich mir zur Zeit gemacht hatte. Nathan Kahn, Köln. In der dieswöchentlichen Sidroh lesen wir: .»n'ssi»^ on'5?o» ni>si n ’o in Dn's?o»7 Dnsxi» ns niz?» awi „Und Mosche schrieb ihre Auszüge nach ihren Wanderungen auf Befehl Gottes und dieses find ihre Wanderungen nach ihren Auszügen." 'i ’s in — auf Befehl Gottes zog Israel von seinem Ausgangspunkte bis zu seinem Endpunkte, solange sein Lehrer Moses noch lebte. Als aber ihr großer Lehrer nicht mehr unter ihnen weilte, da wanderten sie nicht mehr 'i ’s iy und da heißt es: ihr Wandern ward zu an'sxinV arrsroö' von ihrem Zielpunkt zogen sie zurück nach ihrem Ausgangspunkt, nach Mizrajim. Weltgeschichte ist Weltgericht! Auch heute ist die Gefahr vorhanden, da ein großer Lehrer gestorben ist, daß das Volk Israel uwwab Dnrco» nach Mizrajim zurückzieht. Und diese Wanderung, dieser „Fortschritt" ist ein Rückschritt! An sder Größe seines Werkes wird die Größe des Meisters geuMMn. Die Mitwelt flicht ihm in ihrer VoreingenomWUt-it oft keine Kränze. Ihre Parteilichkeit kann ihn rWWMtig beurteilen. Der wahre Zadik, er sucht nicht die Beliebtheit aus allen Seiten, er will nicht danach streben, von rechts und links, beweint zu werden, nein, er will den *rarn ~j~n den geraden Weg gehen, unbeirrt von Gunst oder Mißgunst der Menschen. Ja, er muß sogar auf den Beifall verzichten können, wenn es gilt, „leschem schomajim" den derech Hajoschor, zu wandeln. Weltgeschichte ist Weltgericht! Ein Rabbi fragte einst: „Wer ist ein Sohn des aulom habo?" Unfe alten Weisen lehren, daß nicht allein die ewige Welt' dies aulom habo bedeutet, sondern dies feien auch die kommenden Zeiten und Geschlechter! Und wer ist in diesem Sinne ein ben aulom habo?" Jener Zadik, welcher unbeirrt von den Urteilen der Mitwelt den geraden Weg geht, nicht darauf sieht, geehrt, beliebt zu werden. Seine Daten und seine Werke werden ihm „aulom habo" sichern. Die kommenden Geschlechter werden seinen Namen rühmen und seine Werke werden bei ihnen ewig und unsterblich sein. Weltgeschichte ist Weltgericht! Die kommenden Geschlechter, unbeeinflußt von Haß und Liebe werden ihn an feinen Werken erst erkennen, ihn als den echten Zadik erkennen. Und solch ein Zadik ist I s - rae l H i l de s he i m e r gewesen. Von seinem Ausgangspunkte bis zu feinem Endziele ein tatenreiches Leben, im Aufträge Gottes n ’s bs den derech Hajoschor gehend; sich nicht beirren lassend von irgend einer Seite, führte er feiste Werke auf. In der Wüste ward das auhel hoedus errichtet. «10 Ellen hoch waren die Bretter. Mosche breitete das Tuch darüber aus. Unsere Weifen erzählen, Mosche sei 10 Ellen groß gewesen, d. h. der wahre Zadik wächst mit seinen edlen Zwecken und steht höher als die Uebrigen durch seine Tat. Auch Israel Hildesheimer errichtete in der Wüste der Gottesvergesfenheit, in einer Zeit des Unglaubens ein auhel, ein Zelt, in das die Thora einzog und von dem sie ausstrahlte i-sir?' m bdb> Auch Israel Hildesheimer ward groß durch feine Werke. Er war ein Verbreiter der Gotteslehre, und wie im auhel die ®ij? 'i>a, die heiligen Geräte nicht fehlten, als Mittel des Gottesdienstes, als Instrumente der Annäherung zu Gott, so sind auch die Wissenschaften, die in einer jüdischen Hochschule gelehrt werden, nur für die Thora da. Es wird der Spruch unserer Weisen erfüllt: min ptt Tn 25?. Wenn Mosche ein p« 135? und ein »'»» v's, ein treuer Diener Gottes, ein vollkommener Mensch war, so war auch Israel Hildesheimer einiEiavundv'vnv's •siaVi nsxV ii5? Vais sb or>n ’ais wir? »'i2?z?i ns» p So steht es bei Mosche: „Ich bin 120 Jahre heute alt, ich kann nicht mehr aus- und eingehen." Sollte dies wirklich so gemeint sein, dann würde die Frage schwer sein, es heißt doch: itpV dj si-i irs? snm »b, fein Auge war nicht geschwächt, seine Frische nicht geschwunden. Bei unserem Lehrer Mosche bezieht sich aber dies Aus- und Eingehen auch nicht auf die physische Fähigkeit. Es will wohl nur sagen: Es war Mosche nicht mehr Möglich, die heilige Thora zu lehren, er vermochte nicht mehr die Wahrheit der Gotteslehre hinauszutragen und hineinzutragen in fein Volk. Gott hatte ihm einen Stellvertreter gegeben, den Josuah, auf dem der Geist Mosches ruhte. Er sollte weiter das Amt eines Führers verwalten. Auch der Entschlafene vermochte nicht mehr kurz vor seinem Tode die heilige Gotteslehre, die er 'n 's by auf Befehl Gottes, in seinem tatenreichen Leben verbreitete, zu lehren, und darum ist ein Stellvertreter an seine Stelle getreten. Es wird uns im Midrasch folgendes erzählt: „Einst lernte Rabbi Akiba mit seinen Schülern tagtäglich unter einem Feigenbäume. Der Besitzer des Baumes stand morgens in aller Frühe auf und pflückte die Feigen. Als Rabbi Akiba dies bemerkte, jagte er. zu einen Schülern: „Ich -glaube, der Besitzer des Baumes hat uns in Verdacht, daß wir ihm feine Früchte stehlen.

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