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Der Israelit · 1928-07-12 · Heft 28 (12.7.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 28 (12.7.1928)
Date
1928-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r 1 jffr 79 Nr. 28 Frankfurt a. M., den "aiirammus 5688 | Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum |fflI JJI Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. KHK i Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Mertelährpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreichs Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 6; Holland 2 fl.; Italien ab 1. l. 28.18 Lire; Jugoslawien 56 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 6 3fr. Tschecho-Slowakei 38 Kronen: Ungarn 6 ab 1.Juli1927; Dänemark 3.60Krön.; Norwegen3.60 Krön.; Schweden 3.60 Krön. Einzelnummer dreißig Gowpfennige. Pengö Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldvf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche« und Familienanzeigen nur 80 Pf. Die 76 mm breite Reklamezeile r letzte Textsette 1.80 SRI, vorletzte Textseite 3.— Mk.: Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt »ach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jede«. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 8848 sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. des Zn- und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Geschäfts»«;.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. .direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Außerdem -Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vin 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle Die jüdische Welt und das Berufsleben des Jugendlichen. Ist der Stand — nach dem Wurfe der Zeiten — etwas anderes als nur das Verhältnis, das dir Mittel zum Leben bringt? Und als wäre dieses Mittel-Erstreben dein höchstes Ziel — willst du nur ihm leben und vergessen, daß nicht der Stand Len Menschen mache, sondern wie der Mensch in seinem Stande und mit seinem Stand« Mensch ist — das allein mache den Menschen. S. R. Hirsch, Versuche über Jisroels Pflichten 8 491. Das sichtbarste Kennzeichen der Kultur des 'westlichen Judentums ist die „Auflösung" aus allen Gebiet e n des Lebens und Strebens, das ist die Devise der Gegenwart. Es sind die Nachwehen einer Kriegszeit, eines Kultur- und Wirtschaftsbankerotts von noch nie dagewesener Größe und Tiefe. Aber zugleich leidet das 20. Jahrhundert an den verhängnisvollen Folgen seines Vorgängers, das eine Entwirklichung der Welt anstrebte durch seinen Rationalismus und Materialismus, durch seine Entartung in Kapitalismus, Sexualismus und Nationalismus. Fragen wir uns, wie kann diesem Auflösungsprozeß der deutschen Juden am sichersten und wirksamsten entgegengearbeitet werden? Indem jeder Einzelne, in feinem Kreise, einerlei in welchem Berufe, aufhört, ein Sklave feines Berufs zu fein, sich stets vergegenwärtigt, daß es auch im Berufe gilt, —ebenso wie außerhalb der Berufsstunden — seine kleine Welt in die schöpferische Gotteswelt aufgehen zu lassen. Mit anderen Worten: stets einen harmonischen Ausgleich der Verbundenheit mit der Welt der Natur und Schöpfung anzustreben. Es gilt stets in enger Berührung mit der Welt des'Schöpfers und der Schöpfung zu bleiben. Mag der Zeitgeist noch so viel gijren. Aus der Gärung muß der Mensch gerade im Berufsleben verstehen, sich die Klärung zu holen. Die findet aber jeder durch das liebevolle Versenken in den einheitlichen Quell der Gotteslehre. Im Leben, ja besonders im Berufe, bedeutet aber dieses einheitliche Bekenntnis nichts anderes als die Verwirklichung sozialer Gesinnung menschenliebender Hingabe. Das ist jüdische Welt- und Lebensanschauung. Sie bildet in ihrer Einheit und Geschlossenheit den Inhalt des Gottesgesetzes, das den Menschenleib so gut wie den Menschengeist, das Menschenherz so gut wie das Menschenhaus, wie die Menschengesellschast voll und ganz erfaßt. Es ist ein Gesetz, das das ganze Leben, mit all seinen Momenten und in all seinen Momenten in Anspruch nimmt. Ein Gesetz, das vor allem die T a t fordert, die innere und äußere Tat. Alle Gedanken und Gesinnungen sollen äußerlich, und alle äußere Tat auch das Innere erfassend und umgestaltend wirken, Hier deckt sich jüdische Forderung ganz und gar mit den berühmten Worten von Kant: „Die größte Angelegenheit des Menschen ist zu wissen, wie er seine Stelle in der Schöpfung gehörig erfülle und recht verstehe, was man sein muß, um ein M e ns ch zu sein." Menschsein setzt aber das Verbundensein mit der Tradition der Väter voraus, die Auseinandersetzung, mit der Geschichte und der geschichtlichen Entwicklung. Das Ergebnis dieser. Beschäftigung zeigt aber, daß des Menschen Wert nicht von seinem Stande abhängig ist, sondern, daß es im Leben daraus»-.ankomme, wie der Mensch mit seinem 4.5^’ die hohen Zwecke erfüllt, um deren Willen er überhaupt in einen Stand treten soll. Und wenn der Geist der Zeit und die Stimme der Zeit auch anders künden. Gewiß gilt es zu allen ZWe^n die äußeren Güter zu sammeln, aber ngen gilt der Tag eines jeden Juden, an Ander^icht auch zugleich neben den äußeren die inneren Güter gesammelt werden. Wie sollte, wenn die Sammlung innerer Güter vernachlässigt, mit den äußeren Gütern allein, ein volles Leben der Gerechtigkeit und Liebe gelebt werden können? Ist es doch allein Gottes Wille, der sowohl die Wirklichkeit der äußeren Welt als auch die innere des Geistes und Gemütes geordnet. Daher gilt es; auch im Berufe, den Wert 'des Lebens nicht nach Gütern und Genüssen, sondern nach Taten zu schätzen. Denn das ganze Leben ist ja nur eine Aufgabe, alle Güter und Genüsse nur Mittel zur Erfüllung dieser Aufgabe. 'Diese Aufgabe heißt freiwillige Erfüllung göttlichen Willens. Nur diese Tatumsetzung göttlichen Willens ins Leben vermag uns allein über die Krisen, die zumeist die Jugend der Gegenwart im Beruf stören, hinwegzuhelfen. Das Kriterium der Gegenwart, die Auflösung, hat sich auch schon bedenklich in die Berufe der Jugendlichen eingeschlichen. Es ist die immerwährende Klage, daß der heutige Jugendliche sich weder für einen festen Beruf entschließen kann, noch auch die Energie besitzt in dem einmal gewählten Beruf auszuhalten. Diese mangelnde" Entschlußkraft muß daher geweckt und gepflegt werden. Denn nicht die Wirtschaftsbedingungen der Nachkriegszeit allein sind es, die so viel Schwankungen und Verwirrungen in der Verussentwicklung der Jugendlichen hervorgerufen haben. Schon ganz offensichtlich wird es ja in unseren jüdischen Kreisen bekannt. Selbst alle möglichen Ablenkungen der Moderne, zumal in der Großstadt, sei es durch Sport, Spiel usw., geben keinen Ersatz für die kraftvolle Führung. Diese fehlt unsrer Jugend. Ueberall ein Gären, Stürmen und Drängen ohne ein bestimmtes, klares Ziel. Ein fortwährendes Hasten, Jagen, Eilen, verstärkt noch durch die Mannigfaltigkeiten des Verkehrs, Sports. Nun ist es ein Gesetz der Psychologie, daß jeder Eindruck in seiner Weise in der Psyche des Jugendlichen verarbeitet wird. So kommt bei den zahlreichen Eindrücken, die sich bei blitzschnellem Wechsel für den Jugendlichen, besonders in der Großstadt ergeben, eine ganz komplizierte Psyche zustande, die ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben, immer nach neuen Zielen späht und drängt. Wie können wir hier unsrer Jugend helfen, die Hindernisse der tragischen Situation zu überwinden? Wir müssen sie zu der Erkenntnis bringen, daß im Verhältnis zur jüdischen Gesetzeslehre, die allein aus der Gärung die Klärung bringen kann, alles andere relativ ist. Diese Erkenntnis bietet uns einen gewaltigen Trost auf der einen Seite, eine erhebliche Sicherung auf der anderen Seite. Einen Trost und eine Sicherung zugleich durch die erhabene Erkenntnis, daß wir Juden das Gesetz besitzen, das den Strom der Relativität eben als Relativität bestimmt und beherrscht. Diese jüdische Gesetzeslehre ist das einzige absolute Lebensgut, das Jisroel zu Jisroel macht, die Zentralsonne des jüdischen Lebens, das Gottesfeuer des jüdischen Volkes. Fragen wir uns dann noch, was ist das radikalste Mittel für die Erziehung unsrer Jugend, um aus den Wirrnissen der Gegenwart herauszuhelfen? Da gibt es nur die eine Antwort: Der S a b - bath. Denn derselbe Gott, der den Sabbath zum Lebensheiligtum gründete, es ist derselbe Gott, der auch die Schwachen kannte, als er den Sabbath einführte in Jisroel, und in dem Mannah zeigte, daß er allein am Freitag zu geben wisse, was am Sabbath nicht wird. Der Sabbath allein ist die Quelle aller jüdischen Pädagogik. Wer einmal den Sabbathbegriff richtig in all seiyen Variationen begriffen, der hat auch seinen L e b e n s b e r u f bis ins 1

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