Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1928)
- Date
- 1928-07-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Der Israelit 5. Juli 1928 Nr. 27 Seite 7 Herr Bloch -Zürich erstattete Bericht über die Kofcher-Fleischversorgung. Mehrere Delegierte wünschten Aufschlüsse, die vom Präsidenten erteilt wurden. Ueber die Bekämpfung des Antisemitismus referierte Dr. Charles Bollag, über den Friedhof Davos Sally Meyer-St. Gallen. Als Nachfolger des zurückgetretenen Saly Harburger wurde Max Ettlinger-Zürich in das Central-Komitee gewählt. Im nächsten Jahre findet Neuwahl des C. K. statt. Der Verband Schweizerischer Israelitischer Armenpfleger hielt in Basel eine Sitzung ab. Hauptthema war die Frage der Fürsorge für die unbemittelten jüdischen Tuberkulosekranken in Leysin. Es wurde beschlossen: 1. Neben dem bestehenden vorläufigen Hilfskomitee für die jüdischen Kranken in Leysin wird zugleich ein Aktionskomitee eingesetzt, welches die Aufgabe hat, eine systematische internationale Versorgung der jüdischen Tuberkulosekranken aus allen Ländern der Schweiz zu ermöglichen. In das Aktionskomitee wurden gewählt: Rabb. Dr. Littmann, Rabb. Dr. Lewenstein, Hugo Justitz (Zürich), Rabb. Dr. Weil, Jules Jung (Basel), Frau Jacob Abraham (Zürich). Internationale Konferenz über die Lage der Flüchtlinge. Genf, 29. Juni. Am 28. Juni begann in Gens im Gebäude des Jnternationale'n Arbeitsamtes eine Beratung der Vertreter von 17 Regierungen, die der Erwägung von Maßnahmen zur Verbesserung der Rechtslage der Flüchtlinge und ihrem konsularischen Schutz gewidmet ist. Am Tage vorher traten die internationalen Juristen zusammen, die zur Begutachtung eingeladen worden waren. Im Namen des Verbandes der russischen Juden in Deutschland nahm Herr Staatsrat Dr. Teitel aus Berlin an den Beratungen teil, denen als der Vertreter von Emigdirect Herr Z. Aberson beiwohnten. Es wurde eine Reihe von Vorschlägen ausgearbeitet, die der Konferenz der Regierungsoertreter unterbreitet wurde. England. Londoner Brief. (Ein neues Schlachkgefeh für Schottland. — Dajan Ehajkin. — Palästina im Unterhaus.) L o n d o n, 2. Juli. Im Unterhaus ist das neue Gesetz über Tierschlachlungen für Schottland in zweiter und dritter Lesung angenommen worden. Zwar enthält das Gesetz eine ausdrückliche Bestimmung, welche die Vornahme der rituellen Schechita ohne vorherige Betäubung durch solche Schächter, die die Approbation des Chiefrabbi besitzen, sicherstellt. Allein es find nichtsdestoweniger einige Bestimmungen hineingekommen, die zur Besorgnis Anlaß geben. So gibt das Gesetz dem lokalen Schlachthosinspektor das Recht einem vom Chiefrabbi zugelassenen Schächter dennoch die Lizenz zu entziehen. Und es sind ferner lokale Schlachthosordnungen zugelassen, in denen die Vorbereitungen zum Schlachten zwecks „Verhütung von Grausamkeiten" geregelt werden dürfen. Unter diesem Rechtstitel können sehr leicht antisemitische Bestrebungen zur Erschwerung der Schechita Deckung finden. In der Debatte im Unterhaus machte der Abgeordnete F o x c r o f t darauf aufmerksam, daß es nicht gerecht sei die Befugnis zur Zulassung von Schächtern lediglich dem Chiefrabbi zu verleihen, der keineswegs die Gesamtheit der britischen Juden repräsentiere. Von anderer Seite wurden Bestimmungen zu Gunsten der Mohammedaner hinsichtlich ihrer Schechita verlangt, doch fanden alle diese Anregungen keine Aufnahme in das Gesetz. Tiefe Trauer hat der aus Tel Awiw gemeldete Tod des ehemaligen Dajans der Federation of Synagogues, Avigdor C h a j k i n, ausgelöst. Chajkin, der ein Alter von 76 Jahren erreicht hat, genoß in London aufrichtige Verehrung. Er war ein Schüler Rabbi Jizchok Elchanan Spektors und kam nach den Pogromen, zu Beginn der achtziger Jahre, nach Paris, später nach London. 1901 wurde er durch Sir Samuel Montague zur Leitung der Federation of Synagogues berufen. 1926 wunderte er nach Erez Jisroel aus, um dort seinen Lebensabend zu beschließen. Er war ein Mann von großer Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit und reichem jüdischem Wissen. Im Parlament spielten die in den palästinensischen Gefängnissen an Kommunisten vollzogenen Prügelstrafen wiederum eine Rolle. Der Kolonialminister erklärte, daß kein Grund zu einer Beschwerde vorliege, da die Prügelstrafe im Falle von gewalttätigen Uebergriffen der Gefangenen eine legale Einrichtung sei. Sie soll in Palästina sogar jetzt ausgedehnt werden aus verbrecherische Uebersälle, die sich neuerdings im Lande gehäuft haben. Beschlüsse der Jewish Agency-Kommistion. London, 26. Juni. Der soeben von der Londoner Jüdischen Telegraphen- Agentur veröffentlichte, von Alfred Mond, Felix M. Marburg, Oscar Wassermann und Dr. Leo K. Frankel Unterzeichnete, etwa 200 Seiten starke Bericht über die Londoner Besprechungen enthält Schlußfolgerungen und Vorschläge, deren Verwirklichung von großer Tragweite für Palästina sein könnte. Die Vorschläge der Kommission wenden sich 1. an die Mandatarmacht, 2. an die mit dem Aufbau Palästinas unmittelbar beschäftigen Zionisten, 3. an die Judenheit der ganzen Welt. In der Einleitung wird festgestellt, daß die politische Unruhe, die in den Nachkriegsjahren in Palästina geherrscht hat, einer stetigen Ordnung gewichen ist. Die antizionistische Agitation unter den Arabern hat aufgehört, indem die klar blickenden Araber endlich eingesehen haben, daß eine jüdische Einwanderung und ein jüdisches Aufbauwerk im Lande ihnen nicht nur keine Nachteile bringt, sondern ihnen in vielfacher Hinsicht aufwärts hilft. Die Zionistische Organisation ermangelt der Regierungsbefugnisse: sie besitzt auch nicht die Land- und Finanzquellen einer Regierung. Jnnerhin ist es ihr gelungen, dem Werke Einkünfte von durchschnittlich 650 000 Pfund jährlich aus freiwilligen Beiträgen zu sichern. Mögen auch im Verlauf der Jahre Fehler begangen worden sein, die Ergebnisse müssen dennoch als 'für die Zukunft verheißungsvoll angesehen werden. In den praktischen Vorschlägen wird die Einwanderung von fachlich ausgebildeten, nach dem Gesichtspunkt der Aufnahmefähigkeit des Landes sorgfältig zu wählenden Kräften, sowie von Personen mit Vermögen, die zur Leitung von industriellen und kommerziellen Unternehmungen qualifiziert sind, empfohlen. Das kultivierbare Land m Palästina soll in 33 000 intensiv bewirtschaftete und künstlich bewässerte Felder (Plantagen) und 50 000 nicht künstlich bewässerte Landwirtschaften eingeteilt werden. Neue Kolonien sollen erst danngegründet werden, wenn die bereits bestehenden konsolidiert sind. Der Regierung wird in Erinnerung gebracht, daß sie laut Artikel 6 des Mandates verpflichtet sei, Staatsländereien und Oedland für eine geschlossene jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen. Die Hügel sollen ausgeforstet werden. Eine Modernisierung des gesamten Steuer- und Zollsystems unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Produzenten und Exporteure müsse platzgreifen. Für neue landwirtschaftliche Unternehmungen wird eine fünfjährige Steuerfreiheit gefordert. Die Ansiedlung der Kolonisten müsse nach strengen wirtschaftlichen Grundsätzen aus der Basis der Rückzahlung der investierten Beträge geschehen. Produzenten- und Verkaufskooperationen sind zu fördern. In London und in Newyork soll je ein Palästina-Handels- und Verkehrsbüro zur Plazierung der Landesprodukte auf dem Weltmarkt begründet werden. Hausindustrien sollen in weitem Maße gefördert werden. Die Regierung müsse für die Kosten der, Erziehung und des öffentlichen Gesundheitswesens selbst aufkommen. Hierzu wird, beginnend mit dem Finanzjahr 1929/30, ein von der Jewish Agency zu verwaltendes Aufbaubudget vorgeschlagen, welches die Ausgabe von jährlich 1 Million Pfund vorsieht. Wobei erwartet wird, daß die Regierung ihrerseits für die ihr zustehenden Agenden finanziell aufkommt. Mit Hilfe dieses Budgets könnte mit dem weiteren Ausbau eines Jüdischen Nationalheims in Palästina fortgeschritten und dieses Werk zu.einem befriedigenden Abschluß gebracht werden. Die Kommissionsmitgliedör appellieren an die gesamte jüdische Welt, die notwendigen Opfer zu bringen, „damit ein Ideal verwirklicht werden könne, welches eine Quelle berechtigten Stolzes für alle Glieder der jüdischen Gemeinschaft sein wird; ein Werk, das von der ganzen Welt als eine würdige Anstrengung der Judenheit zur Wiedererrichtung des Landes ihres Ursprungs angesehen werden wird." Die Kommissionsmitglieder verpflichten sich, ihre Persönlichkeit für den Erfolg dieses Appells, an den sie bestimmt glauben, einzusetzen. Rumänien. Die Lrsahsummen für die Pogromschäden in Groß-Wardein ausgezahlk. Bukarest, 1. Juli. Gemäß einer Ministerialverordnung hat die Finanz- Verwaltung den durch den Progrom vom 10. Dezember 1927 geschädigten Kaufleuten von Groß-Wardein die Restsummen für die erlittenen Schäden ausgezahlt. Insgesamt erhielten die Kaufleute in Groß-Wardein und in Klausenburg 15 Millionen Lei als Schadenersatz. Für den Wiederaufbau der zerstörten Synagogen stellte die Regierung 8 800 000 Lei zur Verfügung. Amerika. Eine oberste religiöse Körperschaft für die orthodoxen Inden in Amerika. Mount Freedom (New Jersey), 23. Juni. Die hier stattgefundene gemeinsame Konferenz der beiden orthodoxen rabbinischen Organisationen in Amerika, Degel Ha'Rabbanim und Kenesseth Ha'Rabbanim, hat eine Resolution angenommen, in der die Schaffung eines „Beth Din Ha'Gadol", das als oberstes religiöses , Gericht der orthodoxen Juden Amerikas über alle religiösen Angelegenheiten zu entscheiden haben soll, gefordert wird. Dieses Gericht soll aus Vertretern der verschiedenen Organisationen orthodoxer Rabbiner zusammengesetzt sein. Die Union orthodoxer Rabbiner, die aus der Konferenz nicht vertreten war, wird ersucht werden, sich an der Bildung des „Beth Din Ha'Gadol" zu beteiligen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, dessen Aufgabe es sei, eine friedliche Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen vorzubereiten. In einer weiteren Resolution wurde die Fünf-Tage-Arbeitswoch« gefordert, die den orthodoxen Juden die Möglichkeit der traditionellen Wahrung des Sabbat geben würde. Palästina. Abermals eine Ausweisung aus Palästina. Jerusalem, 29. Juni. Unter der Beschuldigung der Zugehörigkeit zur kommunistischen Bewegung wurde Frau Sara Braudo zu zwei Monaten Gefängnis ynd Landesverweisung verurteilt. Kleine Nachrichten aus Palästina. Jerusalem, 28. Juni. Ein jüdischer Tourist aus Cuba, der 500 Pfund bei sich hatte und türkischer Untertan ist, durste in Haifa nicht landen, weil in feinem Visum die Rückreise nach Cuba nicht ausdrücklich angegeben war. — Im April sind nur 64, im Mai 57 Einwanderer ins Land gekommen. — Die Warenausfuhr nach Polen betrug im März 4000 Pfund. — Die Gesellschaft „Pardes" teilt mit, daß sie in der Saison 1927—1928 aus den Produkten ihrer Genossen 350 000 Kisten Orangen verschickt hat gegen 31000 in der vorigen Saison. Jede Kiste wird für 7)4 Shilling verkauft. Leider hat in den meisten Kolonien die Dürre einen erheblichen Teil der neuen Orangenernte vernichtet — Dr. Faitlowitsch ist zur - Gründung eines Falaschakomitees hier eingetroffen, dem unter anderen Bialik, der polnische Handelskammervorsitzende Dr. Hausner, Bürgermeister Bloch von Tel Awiw angehöven. — Bei Pethach Tikwah ist ein jüdischer Wächter von einem arabischen Kollegen erstochen worden. — Die arabische Presse meldet, daß in Haifa eine britische Luftschiffstation für den nahen Osten errichtet werden solle. — Diese Woche ist der 7. arabische Kongreß eröffnet worden, an dem Vertreter aller Parteien teilnehmen. Jüdische Kommunisten in Palästina wollen mit den Arabern gegen das jüdische Nationalheim kämpfen. I e r u s a l e m, 1. Juli. Die arabische Presse veröffentlicht ein Memorandum, welches eine Gruppe jüdischer Kommunisten an den soeben hier stattgesundenen arabischen Kongreß gerichtet hat. Darin fordern die jüdischen Kommunisten, die sich als unparteiisch bezeichnen, den Kongreß auf, den Zionismus als den schlimmsten Feind sowohl der Araber wie der Juden zu bekämpfen. Die Juden, heißt es dann weiter, haben nicht mehr Recht auf Palästina, als die Araber auf Andalusien (die einst von Arabern bewohnt gewesene spanische Provinz). Gegen Großbritannien, heißt es zum Schluß, müsse man kämpfen, weil es die