Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1928)
- Date
- 1928-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Nr. 27__ feit des Vereins zu erweitern. In der daraus folgenden Diskussion empfiehlt Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach die Anstellung eines Propagandasekretärs und gibt auch sonst wertvolle Anregungen, insbesondere auch für die Ausgestaltung der Hefte. — Herr Dorfzaun, Frankfurt a. M., weist auf das Mißverhältnis zwischen der Tätigkeit des Vereins und seinem niedrigen Budget hin und unterstreicht in diesem Zusammenhang, was bereits vom Vorredner betont worden ist, daß die jüdischen Gemeinden und Verbände die Pflicht hätten, den Verein kräftig zu unterstützen. Der Redner tritt auch für eine intensivere Zusammenarbeit mit den gesetzestreuen Rabbinerverbänden ein. — Herr Julius Loewen - t h a l, Eschwege, stellt mit Bedauern fest, daß die große jüdische Oeffentlichkeit sich für die Arbeit des Vereins nicht in dem Maße interessiere, wie diese es erheische. Er verweist insbesondere auf die schwierige und verantwortungsreiche Tätigkeit der Kaschruthkommission des Vereins und würdigt im Anschluß daran die Tätigkeit des kürzlich dahingegangenen Herrn Rabbiner Dr. Loewenthal s. A., Berlin, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrte. Der Redner benutzt die Gelegenheit, um dem Mitglied des Vorstandes, Herrn Rabbiner Dr. Jacobson, Hamburg, für seine Mitarbeit zu danken und ihm anläßlich seines Doktorjubiläums zu gratulieren. — Herr Saalheim e r, Würzburg, Mitglied des Bayrischen Landesverbandes, meint, in erster Linie seien die Landesverbände verpflichtet, den Verein in seiner Tätigkeit zu unterstützen, und verspricht, sich in dieser Beziehung bei dem Bayrischen Landesverband energisch «inzusetzen. — Der Vorsitzende geht auf die verschiedenen Anregungen ein und weist darauf hin, daß eine große Anzahl derselben schon von dem Verein teils mit Erfolg, teils ohne solchen bearbeitet worden sei. Die Herren Dr. Eschwege und Dorfzaun, Frankfurt a. M. sowie Herr Barnäß- Darmftadt, äußern verschiedene Wünsche betr. die jüdischen Restaurationen und deren Aufnahme in das Veremsoerzeichnis. Der Vertreter des Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure, Herr Blum, Oberhof, spricht eingehend über die Errichtung von Restaurationen, über die Preisstellung in den. jüdischen Speisehäusern im Verhältnis zu der in den nichtjüdischen und über den oft bemerkten Mangel an Interesse des jüdischen Publikums für die jüdischen Hotels. Die Diskussion, an der sich noch die Herren Oberrabbiner Dr. Altmann, Siegfried Salomon, Grünglück und Dr. Eschwege beteiligen, wird von Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann beschlossen, der mit eindringlichen Worten auf den Mißstanü hinweist, daß viele Glaubensgenossen, die im übrigen das Religionsgesetz respektieren, iir nichtjüdischen Speisehäusern Fischspeisen u. ä. genießen. Der Redner tritt mit Energie dafür ein, daß insbesondere jungen Reisenden auf Wunsch ein billigeres Essen als das übliche Menü zur Verfügung gestellt werde. Diese letzte Anregung wird von dem Vertreter des Wirtevereins aufgegriffen, der außerdem darum bittet, Beschwerden über einzelne Wirte zunächst an den Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure und nicht in die breite Oeffentlichkeit zu bringen. In der darauf folgenden Vorstandswahl werden die Herren Rabbiner Dr. Jacobson und Jaffe-Hamburg, Nathan Bamberger und Emil H. Lehmann- Frankfurt a. M., Sally Wolfs- Königsberg und Dr. A. Fraenkel - München, wiedergewählt und für Herrn Philipp Feist, der eine Wiederwahl abgelehnt hat, Herr Josef O f fen ba ch e r- Frankfurt a. M. neu gewählt. Nachdem noch einige Formalia erledigt waren, konnte der Vorsitzende die Versammlung mit der erfreulichen Feststellung schließen, daß die Teilnehmer vom ersten bis zum letzten Augenblick den Reden und Verhandlungen mit großem Interesse gefolgt seien. Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur. Berlin, 2. Juli. Am 31..Mai fand der Delegiertentag des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland statt. Aus dem schwachen Besuch der Tagung (nur 19 Delegierte aus dem ganzen Reiche waren anwesend!) war der Schluß zu ziehen, daß die einst so blühenden Literaturvereine gegenwärtig nur ein Schattendasein führen. Daher drehte sich, im Anschluß an den Bericht des Verbandsvorsitzenden Prof. Elbogen, und an das Referat des Herrn Rabbiner Dr. Neufeld, Elbing, über die Tätigkeit des Vezirksoer- Der Israelit bandes Ostpreußen, die Diskussion, an der sich alle Anwesenden beteiligten, um die Frage, ob die Zeit der Literaturvereine vorbei sei, oder ob bei intensiver Arbeit die Möglichkeit bestände, die Vereine neu zu beleben. Einmütig wurde am Schluß der ausführlichen Debatte festgestellt, daß eine Neuorganisation der Literaturvereine sofort in Angriff genommen werden müßte. Der Verband soll zu einer „Zentralstelle für das jüdische Vildungswessn" ausgebaut werden, welche den Gemeindevereinen (für Gemeindeabende) und sonstigen jüdischen Organisationen, Gruppenredner für Vorträge zur Verfügung stellt. Wanderbibliotheken und Kulturfahrten sollten dafür sorgen, daß das jüdische Leben in kleinen und kleinsten Gemeinden nicht erstarre. Ein Antrag des Verbandes Ostpreußen verlangt, daß die Vorstände der großen und mittleren Gemeinden eindringlich auf die Bedeutung der Literaturvereine im Gemeindeleben und auf die Notwendigkeit der Gründung solcher, wo sie noch nicht bestehen, hingewiesen werden sollten. Ein weiterer Antrag Ostpreußens verlangt die Bildung von Delegiertenverbänden, zunächst in Rheinland-Westfalen, Süddeutschland, Norddeutschland, Mitteldeutschland und Schlesien und die Beauftragung geeigneter Persönlichkeiten, die Vorarbeiten baldigst in Angriff zu nehmen. Von allen Rednern wurde der Wunsch ausgesprochen, daß der Preußische Landesverband die Literaturvereine in Zukunft durch Subventionen unterstützen möge. — In den Vorstand wurde Studienrat Dr. Paul Michaelis, Berlin, neu gewählt, der sich besonders den Organifationsarbeiten widmen wird. Ein Jahrbuch wird der Verband 1928 nicht herausgeben, dafür bereitet er für 1929 ein Mendelssohn- Gedenkbuch vor. Polen. Ägudistifche Bankgründungen in Polen. Lodz, 28. Juni. Eine erfreuliche Erscheinung im jüdischen Wirtschaftsleben Polens sind die agudistischen Vankg r ü n d u n g e n in verschiedenen Städten. In Lodz heben sich Fachleure auf dem Gebiete der Finanz, aus orthodoxen Kreisen, unter Führung von Herrn Oscher Mendelsohn zusammengetan, um eine Kreditbank auf breiter Basis ins Leben zu rufen. Eine Zentralbank in Warschau wird demnächst folgen. Man verspricht sich in den jüdischen Kreisen Polens sehr viel von diesen Bankgründungen. Line orthodoxe Konferenz in Wilna. Wilna, 14. Juni. Eine große, gutbeschickte Konferenz fand dieser Tage in Wilna statt. Etwa hundert Delegierte aus allen Schichten des religiösen Judentums vertraten die Gemeinden Zentrallitauens. Es zeigte sich in der Versammlung vor allem der starke Wille zur Sammlung der Kräfte und zur kräftigen Arbeit mittels einer guten Organisation. Rabbi Krakowski eröffnete die Versammlung mit einer warmen Begrüßungsrede. Es sei höchste Zeit, sagte er, daß sich die Orthodoxie zur Lehr und Wehr zusammentue und den Religionszerstörern eine geeinte Front entgege'nstelle. Es gehe nicht mehr an, daß die wahren Juden daheim bleiben und Männer in ihrem Namen das Wortführen lassen, die in gar keiner Beziehung zum Judentum stehen. Die Konferenz komme spät, komme aber nicht zu spät. Das in Wilna erscheinende orthodoxe Organ: „Das Wort" und die Chinuch-Zentrale zeigen, daß die Saat auf guten Boden falle. Die Jefchiwo-Zentrale unterhält 18 große und 43 kleine Jefchiwos mit einer Gesamtschülerzahl von 6000. Die Chinuch-Zentrale „Choreb" unterhält 338 legalisierte Schulen mit 847 Lehrern und 17 896 Schülern. Redner überbringt auch den Gruß des Wilnaer Rabbinats. Nach Wahl des Präsidiums wird eine schriftliche Begrüßung des „Chofez Chajim" verlesen und mit großem Jubel ausgenommen. Ein Referat des Rabbiners von Czesle über die Ausgaben der Konferenz und. eine daran anschließende Aussprache füllen den Rest der ersten Sitzung aus. In der zweiten Sitzung am Abend werden Berichte aus verschiedenen Städten erstattet, die ein klares Bild der Lage in der Provinz bieten. Fast überall sind es die linken Elemente, die um die Macht in der Gemeinde ringen und denen gegenüber der gesetzestreue Teil i einen harten Kampf um feine religiösen Interessen zu I 5. Juli 1928 führen hat. Zum wahren Verhängnis werde der Movus, wonach mehrere kleine Gemeinden zwangsweise zu einer Gemeindekörperschaft verbunden werden können. Es werden darauf verschiedene Kommissionen zusammengesetzt, und zwar für Organisation und Propaganda, Politik, Finanzwesen usw. Dienstag Vormittag beginnt die Konferenz mit einem Referat über Organisation und Propaganda. In der Aussprache konstatiert ein Redner, daß Misrachi einseitig seine Tätigkeit auf Palästina beschränke, sich aber wenig um die Hebung des religiösen Lebens in der Gemeinde kümmere und von allen Seiten wird die Notwendigkeit betont, den religiösen Charakter der Gemeinden durch Wahl von - gesetzestreuen Vorständen zu retten. Es wird auch auf die Entwickelung hingewiesen, die das moderne Judentum, mit der Reform der Gemeinden beginnend, in Deutschland genommen hat. Unabweislich notwendig sei die Erhaltung einer guten jüdischen Presse. Das Wochenblatt „Das Wort", das viele Anerkennung findet, müßte in eine Tageszeitung verwandelt werden. Es wird daraus eine große Reihe von Resolutionen angenommen: Der zwangsweisen Zusammenlegung von Gemeinden sei entgegenzutreten. Die zur Zeit amtierenden Rabbinen seien noch vor den kommenden Wahlen von der Regierung zu bestätigen, damit sie nicht demnächst der Willkür der'Parteien ausgesetzt sind. Vor Einsetzung des Oberrates möge die Regierung die religiösen Autoritäten anhören, evtl, aus dem Wege einer allpolnischen Rabbinerversammlung. Eine Delegation von drei Mitgliedern soll die Wünsche der Konferenz dem Minister übermitteln. In Sachen von Organisation und Propaganda wurde beschlossen: Ein Zentralkomitee von 27 Mitgliedern, sowie eine Exekutive von 7 Mitgliedern werden errichtet. Sitz der Zentrale ist Wilna. Ein orthodoxes Wahlbüro wird in Wilna eröffnet. Ebenso eine Jnstruktionsstelle für die Gemeinden, die des Rates bedürfen. Es werden alle Vorbereitungen getroffen, „Das Wort" zu einer Tageszeitung auszubauen. Durch gedrucktes Propagandamaterial und Referate in der Provinz soll Aufklärungsarbeit auf breiter Basis geleistet werden. Bei den Wahlen kösinen gemeinsame Listen nur mit Aguda, unparteiischen religiösen Juden uüd Misrachi aufgestellt werden. Mit anderen Parteien dürfen keine Wahlabkommen getroffen werden. Mit einer Schlußrede des Rabbi Maier Kareliz schließt die Versammlung. In gehobener Stimmung, voll frohen Mutes für die Zukunft, gehen die Mitglieder auseinander. Rußland. 60 000 Unterschriften gegen die Umwandlung der Moskauer Großen Synagoge in einen Arbeiterklub. Moskau, 2. Juli. Etwa 60 000 Unterschriften trägt eine der Sowjet- Regierung zu überreichende Petition der Moskauer Jüdischen Gemeinde, in der die Regierung ersucht wird, der gegenwärtig von den jüdischen Kommunisten betriebenen Propaganda für die Umwandlung der Moskauer Großen Synagoge in einen Arbeiterklub nicht nachzugeben und der Moskauer jüdischen Gemeinde nicht die einzige repräsentative Andachtsstätte zu nehmem Schweiz. Tagung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Zürich, 8. Juni. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hielt in diesen Tagen in Basel seine diesjährige Delegiertenversammlung' ab. Fast alle Gemeinden der Schweiz waren vertreten, unter ihnen auch die westschweizerischen, wie Chaux-de-Fonds, Lausanne und Genf. Der Präsident des Gemeindebundes, H.rr Dreyfuß-Brodsky, erstattete den Jahresbericht. Die Kofcher-Fleifchverforgung konnte dank dem Entgegenkommen der Behörden in der Schweiz und in Frankreich glücklich durchgeführt werden. Nach Entgegennahme des Kassenberichtes entspann sich eine lebhafte Debatte. Dem Lehrer- und Kantorenoerband wurden Fr. 500.—, der Jeschiwoh in Montreux Fr. 300.— bewilligt. In Aussicht genommen wurde eine Prüfung der Pensionsverhältnisse der Kultusbeamten in kleinen Gemeinden.