Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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28. Juni 1928 Die Feinde der Thora haben sich in der Gola nicht damit begnügt, die jüdischen Einzelnen von der Treue und dem Gehorsam gegen ihren Vater im Himmel abspenstig zu machen. Sie haben ihre fluchwürdige Art auch an die jüdische Gemeinde gelegt, urn das Königtum Gottes zu stürzen. Sie haben klar erkannt, daß die Zukunft der Thora nur durch ihre Herrschaft über die jüdischen Gemeinden sichergestellt sei im Sinne des^v pra tpv ©o haben sie aus d^n Gemeinden Gottes autonome Gemeinden zu machen versucht, in denen nicht der Wille Gottes, sondern der Wille der Majorität herrschen sollte, in denen neben der Thora auch der Baal seinen Altar finden könne. Damit aber haben sie den Vernichtungskamps gegen die Nation der Thora selber eröffnet. Es find nicht viele gewesen, die in der Gola in all den vergangenen Jahrzehnten das Wesen dieses Vernichtungskampfes klar ersaßt haben. Die Feinde der Thora haben in ihren Resormgemeinden vielfach auch der Thora, neben dem Baal, einen Platz gelassen. Und weil die jüdischen Einzelnen in diesen Reformgemeinden vielfach ungehindert ihrem Vater im Himmel dienen konnten, haben.sie nicht erkannt und nicht erkennen wollen, daß unser Gott nicht nur unser Rater, sondern auch Unser König ist, daß wir nicht mr unser Einzelleben, sondern auch Unser Gemeind eleben nach seinem ausschließlichen Willen zu ordnen haben, daß Gott und seine Thora im Gemeindeleben nicht geduldet sein, sondern wie ein König herrschen wollen, daß die jüdischen Gemeinden keine Republiken, sondern Gottesmonarchieen sind und daß es letzten Endes eine Empörung gegen das Königtum Gottes bedeutet, freiwillig sich jüdischen Gemeinden anzuschließen, in denen Gott nicht herrscht, sondern, im besten Falle, nur noch geduldet ist. Sie haben dies nicht erkannt oder nicht erkennen wollen, und so ist es gekommen, daß in der Gola das Wesen der jüdischen Gemeinden und damit der jüdischen Nation überhaupt, immer unklarer, immer verworrener wurde, bis der Zionismus offen die Fahne der Empörung gegen die Herrschaft Gottes und der Thora im öffentlichen Leben der jüdischen Nation entfalten konnte und dieser Empörerfahne sich selbst solche anschlossen, die in ihrem Privatleben treue Söhne ihres himmlischen Vaters bleiben wollten. Und nun ist dieser ganze Kampf um das Königtum Gottes mit dex Proklamation des National Home von der Gola ins heilige Land getragen worden. Der Empörerfahne des Zionismus hat der Waad harr aschkenasi die Fahne Gottes entgegengestellt. Aber erst der Kampf im heiligen Lande hat jedem, der sehen will, die Augen darüber geöffnet, um was es hierbei eigentlich geht. In der Gola konnte man sich schließlich noch selber täuschen und sich einreden, daß es nur darauf ankomme, daß man selber für sich der Thora die Treue wahre, seine Kinder richtig erziehe, alle Institutionen hebe,- die für das Leben nach den Vorschriften der Thora erforderlich sind, daß es aber im übrigen von keiner ausschlaggebenden Bedeutung sei, ob nun die Gemeinde als solche die Herrschaft Gottes und der Thora anerkenne oder nicht. Man könnte sich damit trösten, daß man schließlich im Golus sei, nicht alle Wünsche erfüllen könne und die Zukunft vielleicht manches bessern werde. All diesen Phrasen aber hat der heldenmütige Kampf des Waad hair aschkenasi gegen den Waad leumi ein Ende bereitet. In Erez Jisroel soll das National Home für die jüdische Nation errichtet werden. Die Art aber, 'wie sich die jüdische Nation sein National Home in seinem Lande errichtet, ist geradezu der Probierstein dafür, ob die harte Erziehung eines zweitaüsendjährigen Golus gelungen oder ob sie , spurlos an uns vorübergegangen ist. Benutzt die jüdische Nation die Rechte, die ihr die Balfour- Deklaration in wudnerbarer Weise gewährt hat. lediglich dazu, um sich selbst, in offener Empörung gegen Gottes Königtum, die Souveränität! zuzuschreiben und die absoluten Gesetze der Thora Der Israelit Blätter von dem zustimmenden Willen einer ewig wechselnden Parlamentsmajorität abhängig zu machen, lehnt sie es also ab, den in der Thora ausgesprochenen Herrscherwillen Gottes als unabänderliche Grundbestimmung in ihre' Verfassung hereinzunehmen, so zeigt damit die -jüdische Nation, daß sie in zweitausendjährigem Golus nichts gelernt hat, daß sie der Erlösung gänzlich unwürdig und daß das Strafgericht Gottes, von den Propheten über jede jüdische Gemeinschaft verkündet, die sich der Herrschaft der Thora entzieht, auch über das kaum begründete National Home hereinbrechen muß. In Erez'Jisroel gibt es kein Ausbiegen, kein Ausweichen, kein Verhüllen, keine Ausrede, kein Kompromiß: Hier gibt es nur ein Entweder—Oder: Entweder ist Gottes Thora das geltende Gesetz der jüdischen Nation, dann muß die Thora auch in der Verfassung des National Home zu feierlicher, unabänderlicher Anerkennung kommen. Oder die Verfassung des National Home kennt die Thora nicht mehr, dann hat aber die Thora aufgehört, das geltende Gesetz der jüdischen Nation zu sein. Zwischen den harten Mühlsteinen dieses Entweder—Oder wird der Misrachi, ein Jeder unweigerlich zerrieben, der selbst heute noch glaubt, und selbst in Erez Jisroel noch glaubt, unter Hinweis auf sein den Vorschriften der Thora entsprechendes Privatleben sich zur Nation der Thora zählen zu dürfen, wenn er sich gleich freiwillig der Gemeinschaft der Empörer anschließt, die die Thora aus ihrer Verfassung gestrichen haben, und sich der Gemeinschaft derer freiwillig fernhält, auf deren Fahne die Thora steht. Das National Home ist nichts anderes, als der vom heiligen Lande über den Erdkreis an alle Glieder der jüdischen Nation erschallende Ruf Gottes: Seid Ihr noch das Volk der Thora oder seid Ihr e s n i ch t. Nein! antwortet der Waad Leumi. Ja! antwortet der Waad hair Aschkenasi. Mit diesem Ja hat der Waad hair Aschkenasi die Zukunft unserer Nation gerettet. Dieses Ja hat die Weltorganisation der Agudas Jisroel ausgenommen. In dem Kampf des Waad hair aschkenasi gegen den Waad leumi hat sie sich vorbehaltlos hinter den Waad hair aschkenasi gestellt und damit zum Ausdruck gebracht, daß dieser Kamps keine Lokalangelegenheit ist, sondern der welthistorische Kampf, zwischen der Nation der Thora und der zionistischen Nation. Dem Waad hair aschkenasi verdankt es die agudistische Weltorganisation, daß sie zur Weltgeltung gelangt ist, daß sie gewürdigt worden ist. vor den Großmächten der Erde beim Völkerbund die Stimme der Nation der Thora zu erheben und ihr Beachtung zu erzwingen. Erst durch den Waad hair Aschkenasi ist Agudas Jisroel recht eigentlich in aller Oeffentlichkeit zu Erez Jisroel wie für die Gola die Vorkämpferin für die Herrschaft der Thora im öffentlichen Leben der jüdischen Gemeinschaft geworden. Der Kampf zwischen der zionistischen Nation und der Nation der Thora, wie er heute in den Gemeinden von Erez Jisroel und den Gemeinden der Gola geführt wird, ist der Entscheidungskampf für die Zukunft des jüdischen Volkes. Agudas Jisroel hätte keine Existenzberechtigung, wenn sie in solchem Kampf nicht Führerin wäre. In Erez Jisroel wird die Entscheidung fallen. Siegen wir dort, so haben wir auch in der Gola gesiegt. Noch stehen wir inmitten dieses Kampfes. Zweierlei ist für die nächste Zeit erforderlich. 1. Wir haben die Freiheit der jüdischen Nation von der Knechtschaft des Waad Leumi errungen. Aber es fehlt uns noch die öffentliche Anrekennung. Nie und nimmer werden wir dulden, daß die palästinensische Regierung in der zionistischen Nation die wahre und echte und einzige jüdische Nation erblickt. Nie und nimmer werden wir aufhören, ihr und dem Völkerbund und der ganzen Welt zuzurufen: „Erkenne doch, wem Siegel und Schnüre und Stab gehören!" Ink Namen der ganzen jüdischen Vergangenheit und der ganzen jüdischen Zukunft werden wir Nr. 14 Sette 3 nicht ruhen und nicht rasten, bis auch die Nation der Thora ihr National Home besitzt, in dem die Thora herrscht und die Gemeinden der Thora Vorbild für die ganze Gola, in Treue und Gehorsam den Wiedereinzug unseres Gott-Königs in sein Heiligtum entgegenharren. In glühender Hoffnung, in froher Zuversicht, spreche ich es aus: In diesem Kampf werden wir siegen. Dem Enthusiasmus religiöser Ueberzeugung hat sich noch niemals eine Regierung auf die Dauer entziehen können. Bleibet nur fest und stark! Die öffentliche Anerkennung ist nur eine Frage der Zeit. 2. Noch ein größeres aber muh geschehen: die Errichtung der Einheitsfront all derer, die die Herrschaft der Thora über die jüdische Nation anerkennen, die der Herrschaft des Waad leumi sich nicht beugen, der zionistischen Nation sich nicht anschließen wollen. Niemand von ihnen, wenn sie es treu und. ehrlich meinen, darf fehlen. Wir müssen aller Welt zeigen, daß noch immer die Thora die Kraft besitzt, uns über alle individuellen Verschiedenheiten hinweg zu nationalen Gottesgemeinden in Stadt und Dorf, zur nationalen Gesamtgemeinde im Lande zu verknüpfen. Keine persönliche Empfindlichkeit, kein privates Interesse, kein Vorurteil darf diesen Prozeß der Zusammenschmelzung aller treuen Söhne der jüdschen Nation, aller offenen Gegner der zionistischen Nation hemmen oder gar verhindern. Auch hierin soll Erez Jisroel Vorbild der Gola werden. Die Errichtung und der Ausbau einer alle treuen Söhne der jüdischen Nation, alle offenen Gegner der zionistischen Nation, aber auch alle umfassenden Landesorganisation der Agudas Jisroel in Erez Jisroel, die Errichtung und der Ausbau von jüdischen Gemeinden, die alle treuen Söhne der jüdischen Nation, alle offenen Gegner der zionistischen Nation, aber auch alle, zu ihren Mitgliedern zählen, ist die dringendste Aufgabe der Stunde. Zur Mitarbeit zu dieser großen und herrlichen Aufgabe ruft die Leitung der Weltorganisation Agudas Jisroel hiermit auf. Möge dieser Ruf nicht ungehört verhallen. Möge aber auch die Gola sich bewußt sein, daß die Lösung dieser Aufgabe von ihr nicht genug materielle Opfer erfordert. Ueber den Erdkreis geht heute der Ruf Gottes an alle Glieder der jüdischen Nation: Seid Ihr noch die Nation der Thora oder seid Ihr es nicht? Antworten wir alle, mit Seele und Herz, mit Tat und Vermögen, antworten wir alle: Ja! Eine Tour in Palästina. Don Kekmut Kriedmann in Stuttgart. (Schluß.) Tel Awiw am Purim.; Schon ist die Dunkelheit hereingebrochen, als ich in Tel Awiw eintreffe. Die Straßen voller Masken. Trotz des großen Fremdenverkehrs, der heute Purims wegen herrscht, bekomme ich zu einem allerdings hohen Preise in einem Hotel noch ein Zimmer. Ich gehe auf die Straße. Zuerst zur Herzelstreet, dann zur zweiten Hauptstraße Tel Awiws, zur Allenbystreet. Hier haben sich auch einige Araber zusammengetan, um Purim mitzufeiern. Einer derselben nimmt einen alten Juden mit Pejaus und weißem Barte und tanzt mit diesem mitten auf der Straße. Ueberall die verschiedensten Mgsken und oft wie reizend! Die Masken haben -zumeist mehr Geschmack wie diese, welche ich in Deutschland an Fastnacht sah. Hier und dort ist ein Neschef (Fest), Prämiierungen der Masken usw. Fast alle Läden sind -illuminiert und machen Reklame. Maskenzüge ziehen durch die Straßen mit Gesang und Geschrei. So geht es den ganzen Abend fort. Um 12 Uhr nachts staut sich eine Menschenmenge in den Hauptverkehrsstraßen. Sogar um Mitternacht wagen noch manche auf dem spiegelnden Asphalt ein Tänzchen von einer Menge Zuschauer umringt, bis ein jüdischer Polizist gütig seines Amtes waltet und das Tänzchen unterbricht. Doch morgen muß ich wieder