Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 14 Der Israelit Blatter 28. Juni 1828 nischer, religiöser Privat-Kongregationen zu ver tauschen. Wer ist Schuld an diesen Dingen? Ihr Agudisten seid es, die ih glaubt, mit Versammlungen, Sit zungen, Tagungen und Begeiste r u n g für die Tatsache, daß ihr exi stiert, eurer agudistischen Pslich Genüge geleistet zu haben. Ihr glaubt, mit der Kritik der Gegner genügend für den Aufbau von Erez Jisroel getan zu haben Ihr habt zwar durch eure Führer einen Keren Hajischuw einrichten lasten, aber Ihr scheint ver gessen zu haben, daß dieser Keren Hajischuw au euch wartet. Dieser Keren Hajischuw, der dazu dienen soll, um der Arbeitslosigkeit in Erez Jis roel zu steuern, Not zu lindern und der gesetzestreuen Bevölkerung jene soziale Stellung zu geben, die es ihm ermöglicht, die Schwaknenden Zagenden und Kleinmütigen aus der Peripherie an sich zu ziehen. Ihr speist diesen Keren Hajischuw, welcher dem Aufbau des Landes im Geiste der Thora dient — wenn ihr ihn überhaupt berücksichtigt — mit Almosen ab. Es wäre eine Vogel-Strauß-Politik, dieses zu verbergen Wir haben versagt, ja wir haben nicht einmal angefangen, unsere Pflicht zu tun und gerade bei dem eigentlichen Probierstein für agudistische Gesinnung. Nicht die individuellen, sondern die „Gesamtheits"aufgaben im Geiste der Thora zu lösen, verlangt das Statut der Agudas Jisroel Dieses Versagen, diese Gleichgültigkeit gegenüber unseren wichtigsten gegenwärtigen Gesamtheitsaufgyben müßte in der Tat die nationale Trauerzeit der „drei Wochen" zur Selbstbesinnung ruen.f Vom 17. Tamus bis zum 9. Aw müßte ein jeder Agudist und jede Agudistin sich selbst und den Kreis der Nahestchenden alltäglich fragen: Hast du heute etwas für Erez Jisroel geleistet? Bist du nicht mit schuld, wenn in Jerusalems Straßen die Trauer und die Klage wohnt? Hast du dich dafür eingesetzt, daß, soweit Menschen dieses vermögen, wieder in Erez Jisroel Gottes Herrschaft gefördert wird? Hast du dich für die Erziehung der Kinder in Erez Jisroel eingesetzt? Hast du an diejenigen gedacht, die jetzt in der Glut des palästinensischen Sommers trotz aller Widrigkeiten an deiner Stelle jüdisches Land bearbeiten und die Mizwas Jischuw Erez Jisroel erfüllen? Hast du an die Scharen der blaffen, abgehärmten Poale Agudas Jisroel gedacht, die der Versuchung ausgesetzt sind, um auch nur einen Tag Arbeit zu erlangen, sich in eine Organisation einzureihen, die den Abfall vom Gottesgesetze aus ihr Programm geschrieben hat? Hast du der Erde in Erez Jisroel gedacht, die sich darnach sehnt, eine Stätte thoratreuen Lebens zu werden? f Es könnten diese „drei Wochen", wenn sie diese Selbstbesinnung in uns erwecken würden, zu einer Quelle des Segens werden. Laßt sie nicht Vorbeigehen. Denkt an die Erez Jisroel-Fonds der Agudas-Jisroel. Denkt daran und handelt darnach. Rafft euch auf und bahnt durch eure Tat in diesen „drei Wochen" jene Zeit an, wo der Fasttag des 4. und 5. Monats wiederum umgewandelt wird, zur Freude und zum Jubel! „Wie soll das werden?" Zu dieser Frage äußert sich ein bekannter junger Agudist aus Würzburg in einer Zuschrift an die Redaktion wie folgt: „Obgleich auch ich der Meinung bin, daß man, in den Dingen stehend, nicht objektiv sein kann, möchte ich mich zur Frage der Umstellung der Agudas Jisroel dennoch äußern. Nach dem Aufsatz in der letzten Nummer der „Blätter" hat es den Anschein, als ob.,man in der Agudas Jisroel eingesehen hat, daß es so nicht mehr weitergehen kann. Ich möchte mich über diese Frage im Zusammenhänge mit der allgemeinen Agudas Jisroel nicht äußern, sondern nur soweit es die Deutsche Agudas Jisroel-Jugendorganisation angeht. Meiner Meinung nach — um mich nicht den gleichen, gewiß berechtigten Vorwürfen wie I. S. auszusetzen, werde ich konkret — müßte sich die Agudas Jisroel-Jugendorganisation nach dem Vorbild des Esra umstellen. Das heißt zu nächst, es gäbe nicht mehr Mitglieder, als die welche wirklich in der Agudas Jisroel Mitarbeiten. Nur dürfte diese Mitarbeit nicht im Kuvertschreiben bestehen oder in Vorstandssitzungen sondern in aktiver oder passiver Erziehungsarbeit Die „Führer" in der Agudas Jisroel müßten mehr Sinn darin sehen, sich mit zwei oder drei Menschen abzugeben, als Vorträge vor großem Publikum zu halten. Gewiß wären es nur sehr Wenige, die für so etwas in Frage kämen, aber ich glaube, daß man dieses Opfer, nämlich den Verzicht auf die große Masse, ruhig bringen muß. Ich glaube auch nicht, Ihnen hiermit etwas Neues zu sagen, gewiß sind heute schon Tendenzen dahingehend vorhanden, aber ich sehe noch nicht, daß man heute schon ernsthaft an diese Verwirk lichung geht, besonders scheint in dem jetzigen Organisationsvorstand wenig Neigung zu bestehen. Mir sagte neulich jemand, mit dem ich darüber sprach, man könne das Erlebnis der Jugendbewegung, das dem Esra seinen Schwung Bekanntmachungen des Organisations-Vorstandes der Agudas Jisroel Jugend-Organisation. Reiselieft, Für unser demnächst erscheinendes Reiseheft, das die Adressen'derjenigen Vertrauensleute der A, J. enthält, die sich an jedem deutschen Platze fremden durchreisenden Agudisten zwecks Auskunftserteilung über lokale jüdische Einrichtungen (Synagoge, Restauration etc,) zur Verfügung stellen wollen, erbitten wir Adressen von Lehrern mittlerer und kleinerer Orte. Rheinfahrt. Am Sonntag, den 12. August, s. G. w., veranstaltet der O. V. wieder eine Rheinfahrt auf einem eigens hierzu gemieteten Rhein- Dampfer. Genaue Fahrtroute und alle Details folgen an dieser Stelle. (Termin der Rheinfahrt schon jetzt notieren!) Protokolle. Die Referate des Bundes-Tages sind besonders geeignet für Einzellektüre und zur gemeinsamen Aussprache während der Ferienreise. Bestellungen ä Mk. 2.50 (bei mehreren Exemplaren und für Buchhandlungen etc. stark ermässigter Preis) sind au richten an den 0. V. der A. J. J. 0. Frankfurt a. M., Langestrasse 18 p. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 67 285. I gegeben habe, nicht künstlich erzeugen. Ich glaube das auch, aber ich meine doch, daß wir die Methode vom Esra übernehmen können und noch mehr wie diese, nämlich auch das Streben, den augenblicklichen Zustand der deutschen Orthodoxie, den man nicht für den richtigen hält, zu ändern. Ich glaube, daß . es jetzt Zeit für die Umstellung ist, und was ich vorstehend schrieb, schrieb ich nur im Interesse der Agudas, Jisroel." Wir stellen auch diesen Brief zur öffentlichen Diskussion, indem wir annehmen, daß der Organisationsvorstand in der nächsten Nummer der Blätter" ausführlich zu dem hier angeschnittenen Problem Stellung nehmen wird, soweit er dieses nicht schon durch die praktische Arbeit, und vor allem durch den letzten Frankfurter Bundestag getan hat, auf welchem' die Erziehungsfragen es fei vor allem an Merzbachs großes Referat erinnert — im Mittelpunkt der Verhandlungen landen, während die Fragen der Organisation nur „nebenbei" behandelt wurden. Es muß aber immer wieder betont werden, daß die Erziehung zur Organisation, und das ist nichts anderes als Erziehung zum Klall Jisroel, Erziehung des Individuum zum Gemeinschaftsdienst, wesentliche wichtiger ist, als es so manchem unserer lieben jungen Freunde, zu denen auch der geschätzte Briefschreiber gehört, scheint. Die Redaktion. Rückblick und Ausblick. Von Dr. Isaak ZSreuer. (Aus dem Hebräischen des^Kol Jisroel" in Jerusalem). In diesen Tagen, da ich im Begriffe bin, dem Rufe der zuständigen Organe der agudistischen Weltorganisation zu folgen und die Leitung der agudistischen Palästina-Politik in die Hand zu nehmen, ist es mir ein Herzensbedürfnis, von der Tribüne dieser Blätter, die künftighin, mehr als bisher, von Zeit zu Zeit die offizielle Meinung der Aguda-Leitung zum Ausdrück bringen sollen, zu unseren Brüdern im Heiligen Lande zu sprechen. Ich tue dies in heißem Dank und inniger Bewunderung für die Vergangenheit, in froher Zuversicht und glühender Hoffnung für die Zukunft. Dank und Bewunderung vor allem für den Waad hair aschkenasi und seine großen Rabbinen. Als die Vorsehung durch die Hand der Zionisten das jüdische Volk, zum ersten Male seit zweitausend Jahren, in eine von den Mächten der Erde anerkannte neue Beziehung zum jüdischen Lande brachte, als die Botschaft vom National Home die jüdische Welt emporriß und die Zionisten, geschmückt mit dem Kranze des Siegers, in unserem Lande erschienen, um das National Home nach ihrem Ideal eines Nationalismus ohne Thora einzurichten: da sind es der Waad hair aschkenasi und seine großen Rabbinen gewesen, die in tiefer Weisheit die ganze Größe, aber auch die ganze Gefahr der Stunde erkannten, die mit einem Heldenmut ohnegleichen die Fahne der Thora entfalteten und, unbeirrt von einer beispiellosen Flut von Drohungen und Schmähungen, Spott und Hohn und Verleumdungen, .in wunderbarem wvm niToa das alte ’ö" im Lande erschallen ließen, um der Organisation des Abfalls die Organisation der Thora ohne jedes Kompromiß in aller Gegensätzlichkeit, wie sie eben nur zwischen Wahrheit und Lüge besteht, entgegenzustellen. Wenn heute in unserem Lande vom Ohr der Regierung die Stimme des Volkes der Thora überhaupt noch vernommen wird, wenn heute die Regierung im neuen Gemeindegesetze — so 'chlecht es auch im übrigen ist — immerhin das Volk der Thora vom Joch des Waad leumi bereit hat, so haben wir dies — es sei einmal offen ausgesprochen — einzig und allein dem Waad hair aschkenasi und seinen großen Rabbinen zu danken. Der Kampf des Waad hair aschkenasi um die Freiheit des Volkes der Thora ist längst zu einem Vorbild für die ganze Gola geworden. Die wunderbare Fügung der Vorsehung hat es so gewollt, daß die Auseinandersetzung über das Ween des jüdischen Volkes, die längst bereits in der Gola begonnen hatte, im heiligen Lande selber zu Ende geführt werde. Die Herrschaft der Thora ist eine doppelte: sie ist die Herrschaft über die Einzelnen, und sie ist die Herrschaft über die Ge- "amtheit. Sie regelt das Leben des Einzelnen, die sie durch ihre Gebote und Verbote auf eine höhere Stufe des Daseins bringen will. Sie regelt aber auch das Leben der Gesamtheit, deren vereintes Können und Wollen sie gänzlich ihren Zwecken dienstbar macht. * Diese doppelte Beziehung Gottes und der Thora zu den jüdischen Menschen gelangt in unseren täglichen Gebeten zum Ausdruck, wenn wir Gott als 122^» imx bezeichnen. Gott ist unser Vater, der Vater jedes einzelnen jüdischen Menschen. In der Herrschaft der Thora über die jüdischen Einzelnen leisten diese als Söhne Gottes ihrem himmlischen Pyter Gehorsam. Gott ist aber auch unser König. Das Königtum Gottes und der Thora stellt sich nicht im Gehorsam des Einzelnen, sondern im Gehoram der Gesamtheit dar. Der Einzelne hat einen Vater, die Gesamtheit hat einen König.