Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Sfäffcr fievaosgegeßeo ooa dev faodesovgaoifaHoo dev Agodas-]isvoe( Io Veotselilaod. Jahrgang ' Hamburg, 28. )uni ^928 / IO. Tammus 5688 Nummer 14 Schriftleitung: Wolf S. Ziacobforr in Kamöurg. Bist Du dem Rufe der führenden Autoritäten des jüdischen Volkes gefolgt und Hast Du Deine Pflicht gegenüber dem Schulwerk der Agudas Iisroel in Erez Jisroel getan? Wenn nicht, wie Kannst Du die „drei Wochen" begehen, ohne Dich selbst anzuklagen, daß Du mit schuld bist, wenn Erez Jisroels Jugend nicht jüdisch erzogen wird. Weißt Du daß 1500 Kinder darauf warten, daß in diesen „drei Wochen" sich jeder Agudist seiner Verantwortung bewußt ist. Palästina-Centrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. 7N. (Postscheckkonto Nr. 53 900 Frankfurt. a. M.) An die jüdische Oeffenklichkeik in Deutschland! ' Die Wichtigkeit der Gebote von n'L'L mmai braucht nicht betont zu werden, ebensowenig, daß diese heiligen Gegenstände j'ia angefertigt und richtig benutzt werden müssen. Leider gibt es aber sehr viele Leute, die diese niirra aus den verschiedensten Gründen gar nicht oder nur unzulänglich erfüllen. Viele haben ihre noch nie voneinem 1210 Nachsehen lassen. Viele, oft auch gar fromme Leute tragen die aus Unwissenheit auf der Stirn, und erfüllen so garnicht die mxa» machen im Gegenteil frtaab ,1212- Zur Beseitigung dieser Mißstände seien folgende Vorschläge unterbreitet: Es wird eine Propaganda-Woche für diese m 1 x a bestimmt. Die Herren Rabbiner, Lehrer und sonstige jüdische Führer weisen in speziellen Vorträgen auf die Bedeutung dieser nnxa' die Art ihrer Erfüllung hin. In einer Broschüre, die eventuell mit den Illustrationen des Feldmann'schen 7ra -jn^w Trap versehen wird, werden die wichtigsten cr'Z'n leicht faßlich zusammengestellt und diese wird in alle jüdischen Häuser gesandt. Dort, wo diese nnxa schon fast vergessen sind, sollen sie wieder er-, füllt werden! 3 Die npni kann auf folgende Weise vorgenommen werden: Mitglieder der Agudas Jisroel-Jugendgruppen, stellen sich zur Verfügung und fragen in allen jüdischen Häusern nach, ob dort usw. nachzusehen sind und notieren das Ergebnis. Ein bestimmter Tag wird als „Tag der .^'^"festgesetzt, an größeren Orten mehrere Tage, die Ortsv'isiv stellen sich an diesen Tagen zur Verfügung. An einer zentral gelegenen Stelle — jüdische Schule, Synagogenvorraum — werden dann die Ritualien durch die jugendlichen Helfer zusammengebracht. Von Laien, die ein wenig von der Sache verstehen, werden die s'bsn geöffnet, sie werden dann vom nsiv nachgesehen, nötigenfalls geschwärzt und wieder zugenäht. Möglichst soll ein 21 anwesend sein, um in schwierigen Fällen entscheiden zu können. Aehnlich derr>p'N2 soll bei mnta und n'X'2 verfahren werden. Die Kosten dieser Aktion müßten möglichst niedrig gehalten werden. Den Einzelnen soll gar nichts oder nur wenig berechnet werden, sofern sie sich nicht freiwillig zur Bezahlung bereit finden. Sicherlich werden sich überall B'a'ia finden, die für diese Aktion gern einen einmaligen Beitrag beisteuern, wo dieses nicht möglich ist, sollte die Gemeinde oder die Agudas Jisroel die Kosten übernehmen. Eine solche Aktion sollte zunächst in der Stadt durchgeführt werden, aufdemLande liegen die Verhältnisse schwieriger, aber auch dort müssen und werden Wege gefunden werden, um diese große und wichtige Angelegenheit durchzusühren. Wie schön wäre es, wenn eine solche Profi a g a n d a w 0 ch e in der ganzen Welt zu gleicher Zeit durchgeführt werden könnte. Was der 'ai' 77 auf dem Gebiete des Tia^> bedeutete, wäre diese Aktion auf dem Gebiete der n&ra* Wir legen mit Vorstehendem der jüdischen Oeffentlichkeit einen Plan vor, der uns von einem Mitglied unterbreitet wurde. Die Anregung ist höchst wertvoll, ihre Ausführung durchaus möglich, wenn neben unseren Orts- und Jugendgruppen alle interessierten Kreise Mitwirken. Hier handelt es sich um eine praktische Aufgabe, bei der wir um die Mithilfe all derer bitten, die an ihrer möglichst vollkommenen Lösung ein Jtneresse haben. Diese „Blätter" stehen der weiteren Diskussion des Vorschlages selbstverständlich offen, ebenso wie wir jederzeit zu weiterer Mitwirkung überall zur Verfügung stehen. Hamburg, Tammus 5688. Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland. Oberrabbiner Dr. S. Spitzer. Die «drei Wochen". Von F. S. Seien wir ehrlich. Zu den Institutionen des jüdischen, Pflichtlebens, die auch in weiten Kreisen insbesondere der westeuropäischen Aguda noch der Vertiefung bedürfen, gehört nicht in letzter Linie die nationale Trauerzeit der drei Wochen. Gewiß, der gesetzetreue Jude wird die einschlägigen Paragraphen des Schulchan Aruch in bezug auf die äußeren Formen, wie die drei Wochen zu begehen sind, beachten. Aber der Sinn der drei Wochen ist ja nicht damit erschöpft, daß der jüdische Sommerfrischler vor dem Eintritt in ein Restaurant sich vergewissert, daß keine Musik darin gespielt wird, daß Haar und Bart bis zum 10. Aw nicht abgenommen werden, ja sogar, daß beide Fasttage, welche Anfang und Ende der drei Wochen kennzeichnen, strikte innegehalten werden. Dieses alles sind ja doch nur die von den Lehrern des jüdischen Volkes eingesetzten Institutionen einer inneren Stimmung, welche dabei als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, und deren Grundakkord ja eigentlich im Golus niemals den wahrhaften Juden verlassen sollte. Diese Grundstimmung aber, das wirkliche und wahrhaftige Empfinden eines Owel um Mutter Zion, einer Trauerzeit um die entschwundene Schechina ist insbesondere den westeuropäischen Juden abhanden gekommen. Wenn die „drei Wochen" uns wirklich ergreifen würden wie sie sollten, wenn, sie jüdisch ausgefaßt werden, wenn sie neues Leben erzeugen sollen, wenn sie mehr sein wollen wie bloß gemachte Romantik mit anempfundenem Schmerz, dann müßten sie in uns die Sehnsucht wecken, wieder zu werden, was wir nach dem Willen unseres Gottes sein sollten und sein können. Dann müßten sie uns mit der felsenfesten Ueberzeugugn und mit unerschütterlichem Vertrauen immer aufs neue durchdringen, daß es immer unr auf uns und unr auf uns allein ankommt, daß scheinbar auf ewig Entschwundene in vollster Wirklichkeit, Lebenskraft und Lebensfrische wieder auferstehen zu lassen. Es wäre die Sehnsucht nach Zion nicht bloß eine Sehnsucht nach Erlösung von Antisemitismus, nach Befreiuung von materiellen Leiden, sondern es wäre vielmehr die Sehnsucht nach Wiederaufrichtung von Gottes Staat und Gottes Land. Wäre Agudas Jisroel, was sie sein sollte, wäre sie bereits in die Herzen und Gemüter des jüdischen Volkes eingedrungen, dann würde jeder Einzelne begreifen, daß er nur ein Blatt an dem wurzelstarken Baum der jüdischen Nation ist, und daß mit dem Gedeih und Verderb des Baumes auch das Schicksal des Blattes besiegelt ist. Es würde ein jedev* wissen, was „Tanis zibbur" bedeutet, nämlich, daß der Einzelne verpflichtet ist, mit der Gesamtheit zu trauern, ohne egoistisch im kleinen eigenen Wohlbehagen sich zu sonnen. Es müßten dann diese „drei Wochen" geradezu revolutionär wirken, es müßten in der Gegenwart wie noch nie die „drei Wochen" die ganze Aguda zur starken Aktivität aufpeitschen, denn noch Nie wie zuvor, seitdem wir im Golus sind, ist Erez Jisroel wieder in den Mittelpunkt jüdschen Denkens gerückt. Kampf um die Leiter, Kampf um die Geister. Bittere Not auf geistigem und körperlichem Gebiet bedroht den alten und den neuen Jischuw in Erez Jisroel. Der alte Jischuw, der noch immer die Majorität der Einwohner des Landes ausmacht, muß sich mit einem Existenzminimum begnügen, das für europäische Begriffe unfaßbar ist. Arbeitslosigkeit ist im neuen Jischuw zur Katastrophe geworden, jenem neuen Jischuw, dex größtenteils aus den nämlichen wirtschaftlich entwurzelten Elementen besteht, wie einst Esra sie nach Erez Jisroel führte. Zu gleicher Zeit ringen aber auch auf dem geheiligten Boden Erez Jisroels zwei Weltanschauungen miteinander: ein entgotteter Nationalismus, der zur Lebensseele des jüdischen Volkes „neutrale" Stellung nimmt und diesen entseelten Nationalismus in die Kindergärten, in die Schulen, in die Universität, in die Arbeiter-Kewuzath hineinträgt: auf der anderen Seite die Träger des historischen überlieferten Judentums in seiner Reinheit, in seiner Vollkommenheit, welche nicht ein Jota des Gottesgesetzes preisgeben wollen. Es fehlt auch nicht an mehr oder minder gutgemeinten, aber an der rauhen Wirklichkeit zerschellenden Vermittlungsversuchen. Da ist ein Oberrabbinat, welches klagt, daß nationale Gelder zur Förderung des Abfalles verwendet werden und doch nicht den Mut findet, doch nicht die Entschlußfähigkeit aufbringt, der Beteiligung an der Sammlung dieser nationalen Gelder entgegenzutreten. Da ist der Misrachi, welcher zwar gegen die Förderung des Abfalles protestiert, sich aber doch de facto damit zufrieden gibt, daß a u ch die Gottestreue gefördert wird. Da ist eine Regierung, welche sich im Streite der Parteien dazu gezwungen sieht, den altjüdischen Begriff der Kehillo in Erez Jisroel mit den chaotischen Zuständen amerika-