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Der Israelit · 1928-06-28 · Heft 26 (28.6.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 26 (28.6.1928)
Date
1928-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 26 Der Israelit dar, nachdem vorausgegangene Verhandlungen in Nürnberg und Köln zu einem befriedigenden Abschluß geführt haben. Zu dem Verfassungsentwurf hatten nunmehr die deutschen Landesverbände Stellung zu nehmen. Als eine denkwürdige geschichtliche Tatsache Gezeichnete der Präsident die Aushebung der Vereinigung Amici Israel, bei weicher Gelegenheit der Papst den »Haß gegen das einst von Gott auserwählte Volk, jenen Haß nämlich, den man jetzt mit Antisemitismus zu bezeichnen pflegt", ausdrücklich verurteilt habe. Mit dem Bericht des Präsidenten schloß der Festakt, worauf man nachmittags in die sachlichen Verhandlungen eintrat. Sie wurden eröffnet mit dem Bericht des Schatzmeisters des Verbandes, Ludwig Rosenzweig-Nürnberg, über die Finanzgebahrung des Jahres 1927 und den Haushaltsplan 1928. Der Haushaltsplan für 1928, der eine Summe von Mk. 574.041,70 betrifft, wurde genehmigt. Der Betrag für Si-edlungsbestrebungen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten wurde auf 8000 Mk. (statt wie ursprünglich vorgesehen 5000 Mk.) erhöht. Gelegentlich dieses Punktes stellte die zionistische Fraktion den Antrag, dem Keren Hajessod einen Betrag zu bewilligen. Als jedoch die liberale Fraktion erklärte, zu diesem ersten der Debatte gestellten Antrag keine Stellung nehmen zu können, wurde der Antrag für dieses Mal zurückgenommen. Brückheimer-Marktbreit trat für die Bestrebungen der Jugendbewegung ein. Rabbiner Dr. Baerwald-München wies auf die Gefahr hin, daß die Organisierung der Wohlfahrtspflege zu einer Mechanisierung führe und betonte mit Nachdruck die Notwendigkeit einer Erziehung der Hilfsbedürftigen. Heber „Reichsarbeitsgemeinschaft und Reichsverband" referierte Justizrat Dr. H o m m e l - Schweinfurt. In der Abstimmung wurde der Entwurf vom Rate einstimmig von der Tagung mit großer Mehrheit angenommen. Gleichzeitig erhielt das Präsidium des Rates die Ermächtigung, zu Abänderungsvorschlägen anderer Landesverbände Stellung zu nehmen, soweit es sich um grundsätzliche Fragen handelt. Den weiteren Inhalt der Beratungen bildeten Gehalts- und Pensionsfragen. R.-A. Flaschner-München, der Syndikus des Verbandes, referierte über die verschiedenen Abänderungen der Besoldungsordnung, welche in Anpassung an das Bayerische Veamten-Vesoldungsgesetz vom 20. April 1928 notwendig geworden sind. Ueber die Uebernahme der Alters- und Hinterbliebenenversorgung für die Nichtreichsdeutschen Beamten auf den Verband referierte Justizrat Dr. Elias Strauß-München. Für die Nichtreichsdeutschen Beamten ist die Uebernahme der Versorgung durch den Versorgungsverband bekanntlich nicht möglich. Für solche Beamte übernimmt der Verband die Versorgung auf Antrag der betreffenden Gemeinde. Oberlehrer Stoll-Würzburg berichtete über die Ergänzung der Gehalts- und Versorgungsbezüge der jüdischen staatlichen Volksschullehrer durch den Verband. Die in dieser Richtung vorliegenden Entwürfe wurde angenommen. In der Abschlußsitzung der Tagung wurden soziale Fragen behandelt. Dr. Friedrich Ollendorf, der Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin sprach über „Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege". Ueber die Wohlfahrtsarbeit des Verbandes berichteten die Beamtinnen des Wohlfahrtsamtes des Verbandes, Frl. Dr. Strauß und Frl. Katzenstein. Ueber die Siedlungsfrage referierte R.-A.- Dr. Alfred Werner-München, Vorsitzender der Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Dr. Werner legte die Notwendigkeit einer Berufsumschichtung der deutschen Juden unter Heranziehung der Selbstmord- und Geburtenstatistik der deutschen Juden dar. Er betonte insbesondere, daß es dem Frontbund fernliege, zu experimentieren; es komme nicht darauf an, Leute aus sicheren Existenzen herauszureißen, sondern zunächst die bereits ausgebildeten jüdischen Landwirte, die wegen der bekannten Verhältnisse keine Unterkunft finden könnten, unterzubringen. Es wurde der Beschluß gefaßt, Rat und Präsidium des Verbandes zu ermächtigen, zu weiterer intensiver Bearbeitung der Siedlungsfrage die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Oesterreich. Der Munkaczer Gemeindestreit. Wien, 22. Juni. Die „Jüdische Presse" schreibt zu diesem Thema: „Wir verfolgen mit unserem Vorschlag aus Einsetzung eines unparteiischen Besdin keine andere Absicht, als den ' 28. Juni 1828 Frieden in der Munkaczer orthodox gesinnten Judenschaft endgültig herbeizuführen. Dies erscheint, wie ausnahmslos alle unvoreingenommenen Kenner der Verhältnisse bestätigen, nur dadurch möglich, daß beiden (rvohlgemerkt: beiden!) Parteien jede moralische Unterstützung absolut versagt wird, bis sie sich nicht vorbehaltslos und ohne jede Hinterlist berit erklären, alle.mit dem Streitfall zusammenhängenden Gegensätze ausschließlich durch das Wort der durch die Entscheidung eines Besdin von r.-nnn zu schlichten. Jeder andere Weg führt nicht zum Ziele und ist nicht geeignet, dem unerhörten osn -ibn ein Ende zu bereiten-. Es gibt kernen jüdischen Menschen, der über dem steht. Der Entscheidung des Besdin werden sich beide Parteien schließlich fügen müssen, wenn sie nicht auf die Zugehörigkeit zum orthodoxen Judentum vollends verzichten wollen. Kann man aus unseren Bemerkungen etwas anderes herauslesen als diesen klaren und unzweideutigen Standpunkt? Wo, wann und womit haben wir je, und sei es auch nur bedingt und andeutungsweise die Bildung einer Neologengemeinde gebilligt oder der Billigung einen „Vorwand" gegeben? Um so was aus unseren Artikeln herauszudeuteln, bedarf es schon einer sehr großen Dosis Uebelwollens oder Unverständnisses. Wir haben es gesagt und sagen es weiter, alsolange man uns nicht das Gegenteil beweist, daß der alte ungarische vc«x der o-em? crh-w ebenso wie die neuen Erklärungen aller orthodoxen .o-aa-t aus der Slovakei und Podkarpatska Rus sich ausnahmslos (nochmals also, um nicht wieder mißdeutet zu werden: ohne jede wie immer geartete Ausnahme!) auf alle Gemeinden oder Gemeindebildungen beziehen, die nicht gleich den anderen orthodoxen Gemeinden der orthodoxen Landesorganisation angeschlossen sind oder sich aus ihr, sei es unter welchem Vorwand immer, freiwillig ausschließen. Ist das nicht klar genug? Wenn ja, so ist es evident, daß nur einem Besdin von a'Vm das letzte Wort darüber zu steht, ob die eine oder die andere oder beide oder keine der Munkaczer Gemeinden oder Neubildungen außerhalbdes tpok st e h e n. Angarn. Gesetze und Abschiebungen. Budapest, 24. Juni. Bekanntlich bereitet die Regierung Bethlen einen Gesetzentwurf vor, dessen Paragraph 7 den Erwerb von Grund und Boden von einer besonderen Bewilligugn der Regierung abhängig macht. Diese wie andere Gesetzesbestimmungen werden allgemein als gegen die Juden gerichtet angesehen. Im Magnatenhaufe teilte gestern Graf Johann Hadik mit, Landwirtschaftsminister Mayer habe ihm erklärt, diese Bestimmungen richten sich nicht gegen die in Ungarn assimilierten Juden, sondern gegen die „Galizier", gegen die die Fremden-Kontrolle nicht scharf genug gehandhabt wird. Ministerpräsident Graf Bethlen hielt dem entgegen, bei den Razzien in Oberungarn seien 2000 „Galizier" abgeschoben worden. Tschechoslowakei. wie die früheren Budgets auf der überaus hohen Belastung der Bevölkerung der Städte, vor allem der jüdischen Bevölkerung, basiert; in Anbetracht ferner, daß die Juden fast nichts als Aequivalent für die schwere Steuerlast erhalten, daß nichts zur Befriedigung ihrer wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Bedürfnisse geschieht; in Anbetracht schließlich, daß ein auf solche Weise aufgebautes Budget den endgültigen Ruin und die Pauperisierung der jüdischen Massen zur Folge haben muh, wodurch in weiterer Folge das wirtschaftliche Gleichgewicht des Staates ins Wanken geraten muß, gegen das Budget stirnme!!! Schwere antijüdische Ausschreitungen in Warschau Warschau, 19. Juni. In der Warschauer Vorstadt Prag« kam es zu sehr schweren Ausschreitungen gegeen die jüdische Bevölkerung. Große Trupps Huligans zogen durch die Gassen und Parks und überfielen alle ihnen entgegenkommenden jüdischen Passanten, die nicht nur schwer mißhandelt, sondern auch ausgeraubt wurden. 84 - jüdische Einwohner erlitten Verletzungen, 30 Huligans wurden von der Polizei in Haft genommen. Erst spät abends, als ein größeres Polizei-Aufgebot heranrückte, trat Ruhe ein. Die antisemitischen Ausschreitungen in Praga. Warschau, 24. Juni. Ueber die Ausschreitungen in der Warschauer Vorstadt Praga teilen noch polnische Zeitungen mit, daß dabei 84 Juden verwundet und ausgeraubt wurden. Die Ueberfälle begannen im sogen. Starischewski- Park nach Sabbatausgang, da viele jüdische Spaziergänger den schönen Sommerabend noch genießen wollten. Als eine starke Polizei-Abteiluyg auf dem Platze erschien, war schon die Hauptarbeit getan. 50 Huligans wurden verhaftet. Der polnische Sejm lehnt alle jüdischen Anträge ab. . Warschau, 22. Juni. Der Sejm hat alle vom jüdischen Club eingebrachten Resolutionen, die sich aus Zulassung von Juden zu Staatsämtern und zu öffentlichen Arbeiten, Erteilung des Oeffentlichkeitsvechtes an Schulen mit jiddischer und' hebräischer Unterrichtssprache, auf Staatszuschüsse für das jüdische Schulwesen, auf Aufgabe der Numerus clausus-Praxis gegen jüdische Studierende usw. .bezogen haben, ab. (ITA.) Line Delegation beim Bildungsminister. Wilna, 25. Juni. In Ausführung eines Beschlusses der Wilnaer Konferenz, über die wir ausführlich berichteten, wurde eine Delegation von prominenten Männern beim Bildungsminister vorstellig. In erster Reihe legte die Delegation die Unsinnigkeit der Zusammenlegung nicht zu einander Aus der stovakischen Orthodoxie. Bratislava, 22. Juni. Die status quo-Gemeinde S e n i c a , eine der ältesten echtjüdischen Gemeinden des Landes, bekannt als Wirkungsstätte des berühmten Rabbi Jehudi O s s a d Vst hat in einer stark besuchten Gemeindeversammlung nach einem glänzenden Referat des Gemeindepräses Felix Schönfeld einstimmig ihren Anschluß an die orthodoxe Organisation erklärt. Aeußerer Anlaß hierzu war die Gründung des neuen status quo-Gemeindebundes, in dem die Gemeinde Senica mit Recht ein überflüssiges und unnatürliches Gebilde erblickt. — Das Rabbinerkomitee und der Verwaltungsausschuß haben die Beratung des neuen Verfassungsentwurfes beendet; eine Anzahl Paragraphen wurden abgeändert. $£NKIV<? Bevorzugt von der anspruchsvollen Hausfrau Außergewöhnliche Vorzüge, trotzdem niedriger Preis. E.HAGES Ce. Hin Esehenheiiiiertor 3 (Stadtgarten) Polen. Der Jüdische Club lehnk ab. Warschau, 17; Jurm Der polnische Sejm hat das von der Regierung vorgelegte Budget kn dritter Lesung mit. allen gegen, die 53 Stimmen der Vertreter der nationalen Minderheiten und der Kommunisten angenommen. Vor der Schlußabstimmung gab Abg. Grünbaum im Namen des Jüdischen Clubs eine Erklärung ab, daß dieser in Anbetracht dessen, daß das nun stark erhöhte Budget ebenso Wir machen unsere gesch. Leser darauf aufmerksam, daß die hiesige bekannte Kohlenhandlung S. Moses u.Co., Zeil 25, schon über 60 Jahre hier ansässig und handelsgerichtlich eingetragen ist. Gerne stellt solche ihre langjährigen reichen Erfahrungen in. den Dienst chper Kundschaft, so daß deren Einkauf erleichtert wird. Sie erfreut sich des Rufes großer LeistungsfähigkeU, nebst guter und reeller Bedienung. Ihr stetiger Aufstieg gibt hierfür Beweis. An Samstagen und israelitischen Feiertagen bat dieselbe streng geschlossen. Machen Sie Ihre Bestellungen bei der Firma S. Moses u. Co., Zeil 25, Tel. Hansa 990 und Sie werden' für den Winter ausgesorgt haben. Siehe Inserat Am Inseratenteil.

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