Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 26 Seite 5 28 Juni 1928 ' 4. Tagung nach Schwerin i. Meckl. eingeladen. Die Eröffnung erfolgte nachmittags 3 Uhr. Die jüdische Gemeinde Schwerin, die, obwohl zur Tagung eingeladen, zu persönlicher Vertretung scheinbar verhindert war und durch Herrn Lehrer Beutler, Schwerin, Grüße überbrin- Berlin. Die Reichszentrale für deutsche Verkehrswerbung verbreitet einen Prospekt der Badedirektion Zinnowitz, in welchem es u. a. heißt: „Um peinliche Zwischenfälle zu ver? meiden, bestehen von jeher Bestrebungen unter den unseren schönen Badeort immer wieder .aufsuchenden Gästen, das Bad von semitischen Kurgästen freizuhalten". Die Presse fragt, ob die Reichszentrale für Verkehrswerbung amtliche Mittel bezieht, um für Antisemitismus zu werben. — Prediger Jastrow in Forst in der Lausitz hat gegen Unbekannt Strafantrag wegen Besudlung des Synagogengebäudes (öffentlich-kirchlichen Gebäudes) Forst i. d. , L. gestellt. Dort sind an dem Haupteingang in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 4 Zettel völkisch-nationalen Inhalts angeklebt worden, die das Hitlerbildnis, das Hakenkreuz und Beschimpfung gegen die Juden enthielten. Jerusalem. Eine Anzahl palästinensischer Juden und die zwei kanadischen Juden Shippex und Alpern . haben in A b u Kishak, in der Nähe von Petach Tikwah, 4000 Dunam Land erworben. Auf diesem Boden wird jetzt eine neue jüdische landwirtschaftliche Kolonie eingerichtet. — In einer Unterredung mit einer Abordnung des Waad ßetumi erklärte der Oberkommissar für Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, die Zusammensetzung der palästinensisch - transjordanischen Grenzschutztruppe sei nun vollständig, und es sei darum unmöglich, die Zahl der Juden in dieser Truppe zu erhöhen. — Der jüdische Polizist S a s o n o w ist in der Nacht zum 14. Juni in der Nähe der Eisenbahnstation von Petach Tikwah von Räubern erschossen worden. — Die Palästina-Regierung hat in Beantwortung einer Eingabe der Exekutive der palästinensischen Arbeiterföderation (Histadruth Haovdim) in einem schriftlich erteilten Bescheid es abgelehnt, den politischen Häftlingen eine besondere Behandlung angedeihen zu lassen. — In Tel-Awiw verstarb im Alter von 76 Jahren Japan Moses Avigdor C h a i - k i n , der frühere Rabbiner der Federation of Synagogues in London und D a - } et n des Londoner Beth Din. Im August 1926 zog er sich nach 37jähriger Rabbinertätigkeit in England von diesem Amte zurück und siedelte nach Palästina über. Budapest. Die jüdischen Gemeinden Ungarns Haben beschlossen, j Karl Eotvoes, dem Verteidiger der jüdi-! scheu Angeklagten im Ritualmord-Pro- \ zeß zu Tisza Eszlar im Jahre 1882, an - einem Zentralpunkt in Budapest ein D e n k - \ m a l zu setzen. Belgrad. Der Bund jüdischer Gemeinden Jugoslawiens beschloß die Gründung einer jüdisch-theologischen Anstalt in Serajevo zur Ausbildung von . Religionslehrern, Kantoren und Rabbinervertretern. Die Kandidaten sollen sowohl für den sephardischen, als auch für den aschkenasifchen Ritus ausgebildet werden. Wunkacz. Der Stadtrat von Munkacz hat beschlossen, zwei neuangelegte Straßen nach Jehuda Halevi - und Chaim Nachmann B i a l i k zu benennen. In beiden Straßen sind die entsprechenden Tafeln bereits angebracht. Warschau. Der Vor-? stand der Warschauer jüdischen Gemeinde be-! schloß, einen Preis von 3000 Zloty für das - beste literarische Werk, das im Laufe des Iahj res in hebräischer oder jiddischer Sprache er-- l scheint, auszusetzen. In der gleichen Sitzung wurde die Erbauung eines jüdischen Volks-! Hauses beschlossen. London. Der zum Mit-; glied des Oberhauses und zum Baron emporgestiegene Sir Alfred Mond trägt jetzt' den . Titel Baron Melchett Landford in the Eöuntry of Southampton. Mewyork. Joseph Varondeß. ist im Alter von 61'Jahren verstorben. Barondeß wurde am 3. Juli 1867 in Kamenetz-Podolsk als der Sohn frommer jüdischer Eltern geboren, kam 1888 nach den Vereinigten Staaten und wurde hier einer der Organisatoren der Arbeiterbewegung. Während des Krieges beteiligte er sich „ hervoragend an der Aktion für die. Kriegsopfer. gen ließ, hatte ihren Sitzungssaal der Tagung zur E-' fügung gestellt. Als erster Referent sprach Herr Rabbiner Dr. Winter, Lübeck, über: „Jüdische Erziehung des vorschulpflichtigen Kindes". In richtiger Erfassung der kindlichen Psyche entwickelte Hyrr, Dr. Winter ein klares Bild, das neben IIP XTOÜWER GOLD SCHOKOLADE PR ALI N EN theoretischen Ausführungen durch selbstgesammelte Beispiele besonderes Leben erhielt. Ausgehend vom Nachahmungstrieb der Kinder kam der Referent über Beispiel und Gewöhnung, die gerade hier von großer Bedeutung sind, zu der unbedingten Forderung, schon das Kind jüdisches Leben erleben zu lassen, und es in einen der kindlichen Auffassung entsprechenden Pflichtenkreis einzuführen. Biblische Geschichts- und Midrascherzählung sollten an die Stelle der sonst üblichen Märchen treten. Nachdrücklich tritt der Referent für- Schaffung jüdischer Kindergärten ein. Die lebhafte Diskussion trug zur Klärung der Meinungen bei, ohne neue Gesichtspunkte zu ergeben. Anschließend folgte ein Referat des Herrn Lehrer Max Beyer (Lübeck), das den „Religionsunterricht des ersten Schuljahres" zum Gegenstand hatte. In liebevoller vielseitiger Behandlung trat der Referent für die Arbeit nach den Grundsätzen der neueren und neuesten pädagogischen Fortschritte ein, in deren Sinn und Geist die praktischen Vorschläge sämtlich gehalten waren. Einleitend erinnerte der Vortragende an zwei von ihm in früheren Konferenzen gehaltene Vorträge mit den Themen: „Spiel und Arbeit im Religionsunterricht" und „Sprachunterricht nach der direkten Methode", setzte dann weiter die Anwendung der Arbeitsschulmethodik, der Persönlichkeitspädagogik, der Idee des Gesamtunterrichtes entgegen. Die den Vortrag beschließenden Ausschnitte aus der praktischen Arbeit des Referenten ergänzten das entstandene Bild und brachten an Stelle toter Theorie lebendige Wirklichkeit. Schieden sich die Geister in der lebhaften Diskussion mehrfach, so herrschte über die von Frau Lehrer Beutler, Schwerin, bestens hergerichtete Kaffeetafel nur eine Meinung. Als Tagungsort der nächsten Konferenz wurde Rostock i. Meckl. bestimmt. Tagung des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden in Bamberg. Bamberg, 19. Juni. Am 17. und 18. Juni hielt der Verband bayrischer israelitischer Gemeinden in Bamberg seine diesjährige Verbandstagung ab. Am Vorabend der Tagung fand ein Vortrag von Harburger- München über: „Alte Kunst bei den Juden in Bayern" statt. Am Morgen folgte eine Besichttgung der Bamberger Synagoge. Am Sonntag Vormittag wurde die Tagung durch einen Festakt im Kaistrsaal der Residenz eröffnet. Oberlandesgerichtsrat Dr. Silberschmidt begrüßte die anwesenden Behördenvertreter und die nahezu vollzählig erschienenen Mitglieder von Rat und Tagung. Cr gedachte der verstorbenen Mitglieder von Rat und Tagung: Nathan G r ü n b a u m- Brückenau, Moritz Reu- Pirmasens, Dr. S i l b e r s ch m i d t - Kisstngen, Simon Dingfelder -München. Als erster Redner sprach Ministerialrat Dr. Metzger vom bayrischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, der die besten Wünsche des Ministeriums für einen gedeihlichen Verlauf der Verhandlungen überbrachte. Als Vertreter der Kreisregierung sprach Regierungsrat ».Crailsheim. Er wies besonders auf die Wichtigkeit der Siedlungsfrage und der Wohlfahrtspflege in der diesmaligen Tagesordnung hin. Er erkannte dankbar den großen Opfersinn der israelitischen Glaubensgemeinschaft an. Für die Stadtgemeinde Bamberg sprach Oberbürgermeister W e e g m a n n>, der erklärte, die Herzlichkeit der Begrüßung müsse sich verstärken angesichts der Anfeindungen, denen die israelitischen Mitbürger gerade auch in Bamberg ausgesetzt gewesen seien. Wenn man ihn frage, wer mit Taten und nicht nur mit Worten dem Gemeinwohle gedient habe, so müsse er der israelitischen Gemeinde di« Palme zuerkennen. Für die israelitische Kultusgemeinde Bamberg nahm der erste Vorstand, Geh. Justizrat Dr. Werner, das Wort und der Bamberger Rabbiner, Dr. Rülf, führte in seiner Weiherede aus, es sei eine jüdische Aufgabe, den Kampf für die Unterdrückten zu führen als einen Kampf für Gott. Hinter diesem Kampfe stehe die messianische Sehnsucht des Judentums. Die Eröffnungssitzung schloß mit einem Bericht des Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. N e u me y e r-München, der von der Versammlung mit starkem: Beifall begrüßt wurde. Dem Bericht ist zu entnehmen: Im rechtsrheinischen Bayern wurden im Jahre 1627 an Umlagen 463.000 Mk. erhoben, was einem Durchschnitt von 11.27 Mk. pro Kops entspricht. Die großen Gemeinden München, Nürnberg, Mürzburg, Fürth, Augsburg, Bamberg, Schweinfurt, brachten 87,48 Prozent der Umlagen auf. Der Staatszuschuß beträgt für die Jahre 1927 und 1928 je 60.000 Mk., ein auch verhältnismäßig geringer Betrag, da auf den Kopf der christlichen Bevölkerung, abgesehen von den Aufwendungen des Staates für die katholischen: Schulen und theologischen Fakultäten, 4.24 Mk. entfallen, auf den Kops der jüdischen Bevölkerung hingegen nur 1.22 Mk. An Zuschüssen für Gehälter werden 174.000 Mk. verausgabt. Zum ersten Mal werden im Etat 1928 die Hälfte der Bezüge sämtlicher Rabbiner nach Maßgabe der Besoldungsordnung vom Verband getragen. Regelmäßige Gehaltszuschüsse erhalten 51 Gemeinden (23 in Mittelfranken, 28 in Unterfranken) Bauzuschüsse werden an 34 Gemeinden in Höhe von 30.000 Mk. gewährt. Ruhegehälter und Hinterbtiebenenbezüge wurden an 28, Sustentationen an 18 Empfänger verabfolgt. Für soziale und kulturelle Zwecke wurden 150.000 Mk. verausgabt. Folgende Anstalten wurden mit Zuschüssen bedacht: Waisenanstalt und Realschule in Fürth, Kinderheilstätte und Kurhospiz Bad Kissingen, Landheim und wirtschaftliche Bauernschule Wolfratshausen, Kinderheim München, Fürsorgeverein für Geisteskranke Aschaffenburg., Lehrerbildungsanstalt Würzburg, Präparandenschule Hirschberg, die drei Rabbinerseminare, die Anstalten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände in Süddeutschland werden gemeinschaftlich mit dem ZentraloereiN eine Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland herausgeben, deren erstes Heft im Oktober erscheint. Besonderes Interesse wendet der Verband den Siedlungsbestrebungendes Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten zu, die ebenso wie die diesbezügliche Tätigkeit der Zentralwohlsahrtsstelle aus eine Berufsumschichtung der jüdischen Jugend gerichtet sind. Trotz dieser Leistungen war es möglich, einen Betriebsfonds von 50.000 Mk., einen Landeswohlfahrtsfonds von 240.000 Mk. und einen Pensionsfonds von 18.000 Mk. zu schaffen. Zur Schächtfrage könne Abschließendes noch nicht gesagt werden. Als die umfassendste und gewaltigste Aufgabe stelle sich die Bildung eines Reichsverbandes der deutschen Juden Wochenkalender. v. 30. Juni bis 7. Juli 1938. I v. 12 19. Tammus 5688. Samstag Zun 30 71VN 12 npn 'i '.*7 n piB Sonntag Juli 1 13 Montag 2 14 vienstag 3 15 Mittwoch 4 16 Donnerstag 5 17 770773 77S73B? Freitag 6 18 Samstag 7 19vN2'S nsipn