Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 26 Der Srraelit Briefpapier Füllfederhalter mit 14 Karat Goldfeder ab Rmk. 3.75 800 Halter zur Auswahl Juwel, Osmia, Parker Waterman, Wahl und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 Und da muß ich zur Steuer der Wahrheit konstatieren, daß ich diesen negativen Verlaus -einzig der im Kreise der orthodox gesinnten Rabbiner der status quo-Richtung mangelnden Aktionslust zur Last legen muß. Die führenden orthodoxen Kreise verhielten sich durchaus nicht ablehnend, sondern vielmehr erwartungsvoll Wenigstens erhielt ich diese Impression im Laufe eines Gespräches, welches ich zu damaliger Zeit mit dem Herrn Kanzleipräses Frankl in Budapest hatte. Ich teilte nämlich demselben während eines Aufenthaltes in Budapest mit, daß ich die Absicht habe, einen in der Nähe amtierenden status quo-Rabbiner, der auch in orthodoxen Kreisen als strengfrommer mv gilt, aufzusuchen, und denselben, da er eine führende Rolle unter den status guo-Rabbinern einnimmt, zu veranlassen, daß er mit offenem Visier für eine Losreißung der konservativen status quv-Gernemden von jeglicher Verbindung mit neolog gesinnten status quo- und Kongreßgemeinden und für einen Anschluß an die orthodoxe Organisation in dem von mir in dem früheren Abschnitte besprochenen Sinne eintre^en soll. Ich kam nun, sah- und siegte — nicht! Derselbe, den ich auch heute noch als echtfrommen mi» hochschätze, — nimmt doch auch einer seiner Söhne eine achtbare Stellung in der Agudaleitung ein, — benahm sich durchaus ängstlich, als ich auf das Gebot der Stunde zu sprechen kam. Wie es durchaus nicht genügen kann, wenn man wohl auf der Landesversammlung der status quo-Gemeinden und Rabbiner entschieden Stellung nimmt gegen die gewaltsamen Unifikationsbestrebungen der Neologen, wie es jener Rabbiner getan hat, sondern auf diesen ersten kühnen Schritt der zweite: eine entschiedene Stellungnahme für den Anschluß der orthodoxgesinnten status quo-Gemeinden an die orthodoxe Landesorganisation, folgen muß. Wie gesagt, benahm sich.unser Rabbiner äußerst ängstlich. Ich konnte kein entschiedenes, kühnes Wort aus ihm herausbringen. Aus den unwillkürlich entschlüpften Aeußerungen kam eine derartig pessimistische Auffassung der Lage zum Vorscheine, daß ich nunmehr die Segel streichen mußte. Ich war bereits im klaren darüber, daß man befürchtete, ein Feldherr ohne Truppen zu werden. Um eine Illusion ärmer, trat ich die Heimreise an. Uebrigens machte ich eine ähnliche Erfahrung auch einige Zeit früher. Eine in meiner nächsten Nachbarschaft sich befindende große status quo- Gemeinde, in deren Statuten es ausdrücklich heißt, daß die Gemeinde auf der Basis des Schulchan Aruch steht, verlor gerade nach meinem hierortigen Amtsantritte ihren Rabbiner, der ein anerkannter ron'i rmm war. Nun sollte die erledigte Stelle besetzt werden. Doch war guter Rat sehr teuer. Denn die zum großen Teile aus natp und noch gutjüdischen Elementen bestehende Gemeinde wollte durchaus nichts von einem Pester Seminarzöglinge wissen, ja, nicht einmal irgend einen konservativen Rabbiner aus einer kleineren status quo -Gemeinde wollte sie zu ihrem Rabbiner berufen. Vielmehr hegte sie den Herzenswunsch, irgend einen in orthodoxen Kreisen anerkannten Rabbiner, der auch über entsprechendes weltliches Wissen verfügt, zu wählen. Und da geschah es nun, daß diese Gemeinde viele Jahr e hindurch — denn das Rabbinat war über ein'Jahrzehnt hindurch vakant — durch verschiedene Mittelpersonen ihre Fühler nach mir ausstreckte, ob ich nicht Mneigt wäre, ihren er ledigten Rabbinerposten anzutreten. Doch war meine stereotype Antwort stets, daß ich allerdings geneigt wäre, diese ansehnliche Stelle zu üb ex nehmen, jedoch hätte ich eine Vorbedingung 'x-m nrnnh tmpunö zwar wünsche ich Garantien da für, daß die Gemeinde mit kompetentem General versammlungsbeschlusse sich der orthodoxen Lan desorganisation anschließen und deren Statuten unterwerfen sollte; für die Anerkennung dieses Beschlusses seitens der zuständigen Faktoren wollte i ch schon sorgen. Auf diese meine Ant wort hin erfolgte stets ein beredtes;— Schwei gen! Wie es scheint, empfanden es selbst die konservativsten, auf ihren den Schulchan-Aruch anerkennenden Statutenparagraph noch so stark pochenden status quo-Gemeinden als etwas Beengendes und Beängstigendes, in das Lager jener Organisation einzutreten, wo die führenden Elemente allenfalls bestrebt sind, der Anerkennung des Schulchan Aruch in allen Beziehungen des jüdischen Gemeindewesens und -Lebens Gültigkeit zu verschaffen . . . Wir reden von den Gemeinden und nicht von ihren Rabbinern. Denn, allerdings gab es überhaupt in früherenJahrzehnten, besonders aber in den Jahren nach Abhaltung des unseligen Kongresses v. I. 1867 eine große Anzahl von Rabbinern, denen es um die Anerkennung des Schulchan Aruch im jüdischen Gemeindeleben bitter ernst war, die bei auftauchenden Gelegenheiten sozusagen ihre ganze materielle Existenz in die Schanze schlugen, um der Anerkennung des Schulchan Aruch in ihren Gemeinden Gültigkeit zu verschaffen. Sind doch tatsächlich nach dem Kongresse viele D’ian HNTi rrrma in Gemeinden verblieben, die sich weder den neologen Kongreßstatuten noch dem orthodoxen Organisationsstatute anschließen wollten. Und zwar verblieben dieselben aus verschiedenen Gründen. Manche hofften, daß früher oder später auf irgendeine Weise doch eine Versöhnung zwischen den beiden Parteien stattfinden wird, wonach die Gründung einer einheitlichen Organisation auf Basis des Schulchan Aruch für das gesamte ungarische Judentum möglich werden wird. Andere wieder beruhigten sich mit dem Gedanken, daß doch schließlich in ihren Gemeinden alles beim Herkömmlichen geblieben sei und bleiben werde, falls sie aber ihre Stelle niederlegten, könnte eventuell die Gemeinde einen neolog gesinnten Rabbiner wählen, der dann die Gemeinde in neologe Bahnen einlenken würde. Wie es schon ein solch anerkannter V-m und pns wie mein seliger Großonkel V"ET *iDio ^risj iisan in der nmpn zu einem nun hervorhebt. Und doch war letz erer einer der Grundsäulen der ungarischen Orthodoxie. Die meisten aber zwang die bittere Lebensnot, in ihren Gemeinden zu verbleiben, in denen sie vergebens dafür kämpften, daß sie llch der orthodoxen Landesorganisation anchließen sollten. Und ach! gar mancher unter ihnen wankte mit gebrochenem Herzen ob solchen vergebenen Kampfes dem Grabe entgegen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen « ßacbricbien. Deutsches Reich. Rabbinerseminar zu Berlin. Berlin, 24. Juni. Am „Rabbinerseminar zu Berlin" fand auch in diesem Jahre bei der Wiederkehr des Sterbetages seines Begründers, am 4. Tamus (22. Juni) eine Feier statt, die mit der Uebergabe der R a b b i n a t s d i p l o m e a n 28. Juni 1926 sechs Schüler, von denen fünf anwesend waren, verbunden worden war. In Anwesenheit der Dozenten, Hörer, einiger Kuratoren und vieler ehemaligen Schüler, von Vertretern von Körperschaften und, mehrerer Förderer des Institutes hielt zunächst Dr. Wohlgemut h eine Ansprache, in der er den Scheidenden, anschließend an ein Wort der Sidra, die Größe ihres Berufes, das Ausmaß ihrer Pflichten, aber auch die Schwere der auf ihnen lastenden Verantwortung mit geistvollen Worten ans Herz legte. Namens der Abgehenden. schilderte Dr. David Ochs deren Gefühle bei der Trennung, gedachte der großen Heimgegangenen Lehrer, deren Wirken auch bei denen, die sie nicht mehr gekannt, unvergessen bleibe, dankte den gegenwärtigen Lehrern und sprach das Gelöbnis der Treue gegenüber der Anstalt und deren Tendenzen aus. Mit einem vor geöffneter Lade von Dr. Samuel Grünberg gesprochenen hebräischen. Gebete schloß die eindrucksvolle Feier. An den beiden ooraufgehenden' Tagen hatten vier der mit Rabbinatsdiplomen bedachten Schüler vor einem zahlreich, versammelten Auditorium halachische Themata in je einem einstündigen Vortrage entwickelt. Internationaler jüdischer Kinderschuh. Berlin, 15. Juni. Man schreibt uns: Im Hinblick auf die steigende Bedeutung, die die Fragen des internationalen jüdischen Kinderschutzes und der Jugendwohlfahrt gewinnen, haben sich in Berlin Menschen aus verschiedenen Kreisen jüdischer Jugendwohlfahrtsarbeit zur Begründung einer Auskunftsstelle für internationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlfahrt zusammengesunden. Um der Stelle weitgehende Informationen über Kinderschutz- und Jugendwohlfahrarbeitsarbeiten und -einrichtungen sowie über besondere Notstände in den verschiedenen Ländern, ferner persönliche Fühlungnahme mit Mitarbeitern zu ermöglichen, werden alle diejenigen, die sich für diese Arbeiten interessieren, gebeten, ihre genaue Adresse an die Auskunftsstelle fürinternationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlfahrt, z. Hd. von Frau Bergel-Gronemann^ Berlin-Wilmersdorf, Landauerstr. 11, mitzuteilen. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden^ Berlin, 25. Juni. Am 24. Juni fand in den neuen Räumen des- Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden eine Sitzung des Wohlfahrtsausschusses statt. Sjertr Dr. Ollendorff berichtete ausführlich in Vertretung von. Frau Wronsky über die Arbeiten des bevölkerungspolitischen Ausschusses, der durch fein kürzlich veröffentlichtes Preisausschreiben: „Das großstädtische Wohnungsproblem und sein Einfluß auf die jüdische Bevölkerung" wieder die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit auf diese bedeutsamen Probleme gelenkt hat. Auf Anregung der Zentralwohlfahrtsstelle wurde beschlossen» demnächst ein weiteres Rundschreiben betreffend Mutter- und Jugendschutz an die Jugendämter und jüdischen Wohlfahrtsämter zu versenden. Es schweben auf Anregung des Wohlfahrtsausschusses zur Zeit auch noch Verhandlungen der Zentralwohl- 'ahrtsstelle mit den zuständigen interkonfessionellen Stellen, um unter günstigen Bedingungen Mistel zur Erlangung billiger Wohnungen zu beschaffen. Am Nachmittag befaßte man sich eingehend mit der Verteilung der für Wohlfahrtspflege bereitgestellten Mittel des Landesverbandes. Größere Zuwendungen erhielten die Zentralwohlfahrtsstelle, die Hauptstelle für Wanderfürsorge, der deutsch-israelitische Gemeindebund, der jüdische Frauenbund sowie die Arbeitsgemeinschaft ur Tuberkulosenfürsorge . Auch das Arbeiterfürsorgeamt, die Zentrale für Arbeitsnachweis, die in den Händen des Rabbinerverbandes liegende Gefange'nenfürorge und eine Anzahl wohltätiger Anstalten, u. a. aucheine Taubstummenanstalt, Waisenhäuser und Kinderheiltätten und -Heime, eine Gartenbauschule -erhielten Zuchüsse, die sich freilich diesmal in engeren Grenzen hal- ‘ ten mußten, weil. im diesjährigen Haushaltsplan gegenüber dem vorjährigen die Mittel für?den Wohlfahrtsausschuß empfindlich, gekürzt worden sind.u '?!' - Konferenz her Lehrer von Lübeck und ' Mecklenburg. < Lübeck, 18. Juni. Für Sonntag den 10. Juni hatte die „Freie Konferenz der Lehrer von Lübeck und Mecklenburg" zu ihrer ST:;U