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Der Israelit · 1928-06-21 · Heft 25 (21.6.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 25 (21.6.1928)
Date
1928-06-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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21 Juni 1928 Der Israelit Lehrern als Vertrauensleute tätig sind. Den Kassenbericht erstattete Herr Fritz Hirsch, Ladenburg, dem Dank und Entlastung erteilt wurde. Herr Otto Simon, Mannheim, brachte den Dank der Mitglieder Herrn Prof. Karl Darmstädter für seine bisher geleistete Arbeit zum Ausdruck. Zur Hebung des jüdischen Lebens in den Landgemeinden wurde der Beschluß gefaßt, dem Oberrat unter 'Betonung eigener Bereitwilligkeit die Bitte zu unterbreiten, jungen Leuten, die in Kleingemeinden den öffentlichen Gottesdienst zu erhalten helfen, gelegentliche Anerkennung zuteil werden zu lassen und den Gemeinden selbst die nötigen Ritualien, Gebetbücher, Pentateuche usw. zur Verfügung zu stellen. Bei der Jubiläumstagung waren fast alle gesetzestreuen Körperschaften Deutschlands vertreten. polen. Eine orthodoxe Einheitsfront in Polen. W a r s ch a u, 14. Juni. Vergangene Woche fand in Warschau eine Sitzung des Rabbinifchen Rates der polnischen Agudas Jisroel statt, an welcher u. a. die Chassidim-Rabbis aus Ger, Radsin, Sochoczow und Sokolow teilnahmen, ferner Oberrabbiner Schapiro. Als Vertreter des bekannten „Belzer Rebbe" waren erschienen Rabb. Twersky (Rava- Ruska) und Oberrabb. Badat (Tarnopol), als Vertreter des „Bobower Rebbe" Rabb. Schenirer (Krakau) und Herr David Schreiber (Drohobicz). Die litauische Orthodoxie war vertreten durch die Rabbiner aus Grodno und Serotfchnik. Das wichtigste Traktandum der Konferenz war die Stellungnahme zu den bevorstehenden Kültuswahlen in Galizien und einigen Randgebieten Polens. lieber diese referierte der Sekretär des polnischen Rabbinerverbandes. Es wurde auch über das neue Kultusgemeindegesetz verhandelt und einstimmig festgestellt, daß es nicht ganz dem religiösen Charakter der jüdischen Gemeinden entspricht. Dann wurde beschlossen, bei den bevorstehenden Wahlen nur eine geeinigte religiöse Liste aufzustellen und der Rabbinifche Rat der Agudas Jisroel in Polen beauftragt, im Namen des gesamten religiösen Judentums in Polen, Galizien und den Randgebieten bei der Regierung zu intervenieren, um eine Aenderung im Kultusgesetz zu erwirken. Ferner wurde beschlossen, daß die agudistischen Kultusräte in allen den Gemeinden in Opposition zu bleiben haben, die für nicht religiöse Institutionen Subventionen gewähren. Es wurde auch der Wunsch ausgedrückt, daß der „Gerer Rebbe" eine Reise nach Galizien unternehme, um mit dem „Belzer Rebbe" und dem „Bobower Rebbe" zu konferieren, um eine dauernde religiöse Einheitsfront unter der Flagge der Aguda zu errichten. Die Budgetabstimmungen im polnischen Sejm. Warschau, 15. Juni. Bei den Büdgetabstimmungen im polnischen Sejm wurden alle im Namen des jüdischen Clubs eingebrachten Anträge zum Unterrichtsbudget mit einer Mehrheit gegen die Stimmen der Juden, der nationalen Minderheiten und der Sozialdemokraten abgelehnt. Die' Anträge lauteten: Die Position für jüdisch-religiöse Bedürfnisse wird von 200.000 auf eine Million Zloty erhöht; die Subvention für die jüdischen Privatschulen wird mit einer Million Zloty festgesetzt; den jüdischen Lehrersemidaren werden 200.000 Zloty zugewendet; die Position für die akademischen Hochschulen wird um 1 Zloty verringert, als Demonstration gegen die Anwendung des Numerus clausus mit Bezug auf jüdische Studierende. Die. Position für jüdische religiöse Bedürfnisse in Höhe von 200.000 Zloty soll — falls die Erhöhung auf eine Million Zloty nicht beschlossen wird — ganz gestrichen werden. Litauen. Ein Katholik arbeitet Instruktionen für den rabbinifchen Status in Litauen aus. K o w n o , 10. Juni. Der Ratgeber für religiöse Angelegenheiten beim litauischen Unterrichtsministerium, Dekan Mironas, hat im Aufträge der Regierung Instruktionen über eine sogenannte „Rabbiner-Verwaltung" ausgearbeitet. Diese soll durch die Rabbinerversammlung für eine Zeitdauer von fünf Jahren gewählt werden und von der Regierung als offizielle Institution anerkannt sein. In den Instruktionen werden die Rabbinerqualifikationen festgelegt. Die heute bereits amtierenden Rabbiner werden amtlich anerkannt, in Zukunft aber wird nur derjenige Rabbiner bestätigt werden, der von der Bevölkerung gewählt, von der Rabbinerverwaltung bestätigt und weniger als 25 Jahre alt ist. Die Rabbinerverwaltung wird die rabbinifchen und auch gewisse religiöse Angelegenheiten zu verwalten haben. Tschechoslowakei. Zwangssonnkagsruhe in der Slowakei und in karpalhorußland? Brünn, 14. Juni. Die Gewerkschaft der slowakischen Handelsangestellten hat sich an den Handelsminister mit der Forderung nach Einführung der obligatorischen Sonntagsruhe gewandt. Der Minister erklärte, daß diesem Ansuchen entsprochen werden würde. Sollte die Zwangssonntagsruhe eingesührt werden, so würde dies ein schwerer Schlag für die Judenheit der Slowakei und Karpathorußlands sein. Die jüdischen Kaufleute und Handwerker, die an den Sabbattagen strengste Arbeitsruhe bewahren, würden dann gezwungen sein, zwei Tage in der Woche zu ruhen. Das in' Vorbereitung befindliche Gesetz wegen Konzessionierung. des Verkaufs von Spirituosen in Flaschen würde, wenn es in Geltung kommen sollte, die Judenheit in den beiden genannten Provinzen schwer schädigen. Tagungen der Organe der slowakischen Orthodoxie. B r a t i s l a w a, 15. Juni. Zu Beginn dieser Woche traten hier das Rabbiner-Komitee und die Verwaltungs-Kommission der orthodox-israelitischen Konfession in der Slowakei zu einer auf mehrere Tage berechneten Beratung zusammen. .Den Hauptgegenstand der Erörterungen bildete der Entwurf einer Organisationsstatuts, das die gesamte Verfassung der orthodoxen Gemeinden der Slowakei und ihres Gesamtverbandes einheitlich regeln soll. Der Entwurf stellt ein umfangreiches Gesetzgebungswerk von 248 Paragraphen dar, dessen Durchberatung innerhalb der verschiedenen Organe selbstverständlich längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Das Rabbiner-Komitee beschäftigte sich u. a. mit den in den letzten Jahren vielfach nach der Slowakei importierten griechischen Weinen, deren rituelle Zulässigkeit zu starken Bedenken Anlaß gibt. Im Zusammenhang damit wurde angeordnet, daß künftig ausländische Weine überhaupt nur zugelafsen werden sollen, wenn die Hersteller dem Rabbiner-Komitee der Slowakei vorher ausreichende Auskünfte über die Zuverlässigkeit der Aussicht erteilt haben. Weiterer Bericht folgt. Rußland. Eine akute Verschlimmerung der Virtschafiskataftrophe in Rußland. # Riga, 13. Juni. In einem- Gespräch mit dem JTA-Bertreter sagte Herr Latzky-Bertholdi, der frühere Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine, er stehe fortwährend in naher Berührung mit den Ereignissen in Rußland und glaube, auf Grund von Berichten, die ihm von vertrauenswürdigen Quellen zugegangen sind, sagen zu müssen, daß die jüdische Bevölkerung in Rußland sich der zweiten unabsehbaren wirtschaftlichen Katastrophe nähere, ähnlich der, wie sie im Jahre 1922 hereinbrach, wo die russische Judenheit Hungersnot und Epidemien ausgesetzt war. Damals wurde die Katastrophe durch die Einführung der neuen ökonomischen Politik (NEP) gemildert, in der die jüdischen Handelsleute wieder Erwerbsmöglichkeiten erhielten. Was nun kommen wird, läßt sich schwer Voraussagen. Doch müsse man Alarm schlagen und das öffentliche Gewissen wach rufen: Vielleicht wird es durch rechtzeitige Ergreifung von Maßnahmen gelingen, der nahenden Katastrophe zu begegnen. England. Mißhandlung politischer Gefangener in Palästina vor dem Unterhaus. London, 12. Juni: In der Sitzung des Unterhauses fragte Commander Kenworthy den Kolonienminister, ob ihm bekannt sei, daß vor kurzem mehrere Personen der Mitgliedschaft __Nr. 25 Seite 7 einer illegalen Organisation beschuldigt und zu Landesverweifung verurteilt worden feien; ob ihm ferner bekannt fei, daß die Verhafteten, weil sie als gemeine Verbrecher behandelt worden sind, in den Hungerstreik traten, in dem sie noch heute verharren, und daß drei von ihnen mit Rutenstreichen bestraft worden sind. Sind Geißelung und Ausweisung politischer Verbrecher Formen der Bestrafung, die vom Gericht Palästinas verhängt werden? Minister Amery versprach, Nachforschungen anzuftellen. Holland. Zu der Demission von Oberrabbiner Dr. Ritter. Rotterdam, 18. Juni. Im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Oberrabbiner Dr. Ritter und dem Vorstande der Rotterdamer Kultusgemeinde fand vorige Woche in Rotterdam eine Massenversammlung von Gemeindemitglredern statt. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der der Kehillorat ersucht wird, seine Stellungnahme gegenüber der Kompetenz des Oberrabbiners in religiösen Fragen noch einmal zu revidieren. Eventl. soll ein rabbinisches Gutachten von dritter Seite in der Angelegenheit eingeholt werden. Palästina. Die Petttion der palästinensischen Agudas Jisroel an den Völkerbund. Jerusalem, 15. Juni. Die Leitung^ der Agudas Jisroel in Palästina hat die gegenwärtig in Genf tagende Mandatskommission auf telegraphischem Wege ersucht, die Prüfung der von der Agudah übermittelten Petition bis zum Eintreffen weiteren Materials zu verschieben. Dieses Material schildert die Nöte der Orthodoxie im Zusammenhang mit der am 1. Januar d. I. in Kraft getretenen jüdischen Gemeindeordnung. Die Petition der Agudah wurde bereits am 4. Januar, unmittelbar nach dem Inkrafttreten der Gemeindeordnung der Regierung zur Weitergabe an die Mandatskommission übermittrT7 als noch keine praktischen Erfahrungen mitgeteilt werden konnten.- Die Regierung hat diese Petition zugleich mit ihren Bemerkungen zu derselben am 9. März d. I. der Kommission zugeleitet. (ITA.) Palästina in der Mandatskommission. Genf, 17. Juni. Am Sonnabend den 16. Juni, vorm., hat die Mandatskommission des Völkerbundes die Behandlung des Berichtes der Palästina-Regierung über die Administration in Palästina und in Transjordanien beendet. Auch am Sonnabend hatte Colonel Symes als der Vertreter der Mandatsmacht verschiedene Fragen über Verwaltung, Finanzen, Regierungsanleihe für Palästina usw. zu beantworten. Die Beschlüsse der Mandatskommission zu diesem Bericht werden erst im September d. I. während der Plenarsitzung des Völkerbundes veröffentlicht werden. In dem offiziellen englischen Text des Kommuniques der Mandatskommission heißt es mit Bezug auf die Palästina-Einwanderung, daß diese „im Verlauf der letzten Jahre sich verringert hat". In diesem authentischen Text heißt es ferner, daß die Regierung zugunsten der Landwirtschaft und der Industrie verschiedene Reformen durchführen wolle; u. a. sei auch eine geeignete Landbesiedlung (a proper land settlement) vorgesehen. — Es bestätigt sich, daß die Agudas Jisroel um die Vertagung der Behandlung ihrer Petition gegen das palästinensische Gemeindegesetz auf die nächste Session ersucht hat. Die Kommission hat diesem Ersuchen stattgegeben. Personalien. Berlin, 16. Juni. Plötzlich und unerwartet, mitten aus seiner schaffensreichen Tätigkeit heraus ist kürzlich Max David, Lehrer an den Unterrichtsanstalten der Adas Jisroel-Gemeinde, verschieden. Am vergangenen Sonntag hatten sich die Vertreter der Gemeindebehörden die Lehrerkollegien und die Schülerschaft der Adaß- Schulen zu einer schlichten Trauerseier im Schulgebäude Siegmundshof züfammengefunden. Nach dem ausdrucksvollen Vortrage eines einleitenden Trauergesanges durch Oberkantor Spitz bestieg Herr Rabbiner Dr. Esra Munk das Rednerpult und schilderte in treffenden Ausführungen den Heimgegangenen als Lehrer, Mensch und Jehudi. Herr Martin V o n d i sprach im Auftrag der Gemeinde tiefempfundene Worte des Nachrufes und dankte

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