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Der Israelit · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 21)
Language
German
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D er Israelit Blätter Nr. 13 Sette 8 WWW Ti. Juni 1928 amt die Beschäftigung ausländischer Arbeiter 'gennehmigt hat. Die diesbezügliche Genehmigung ist beim Arbeitsamt zu beantragen. Nicht als ausländische Arbeiter gelten solche, die im Besitz eines Berechtigungsscheines sind. Diesen erhalten solche Arbeiter, die mindestens seit dem 1- Januar 1919 im Inland, nicht nur vorübergehend beschäftigt sind, oder solche Arbeiter, die am 1. Januar 1919 im Inland ansässig, aber noch nicht 14 Jahre alt waren, oder solche ausländische Arbeiter, die das zuständige-Landesarbeitsamt in Einzelfällen mit Zustimmung der höheren Landesverwaltung von den Bestimmungen dieser Verordnung befreit hat, weil die Anwendungen dieser Verordnung in diesem Falle eine besondere Härte gegen den Arbeiter bedeuten würde. Der Berechtigungsschein muh bei der deutschen Arbeiterzentrale oder der von der obersten Landesbehörde beauftragten Stelle nach Vorlage der erforderlichen Feststellung der Polizeibehörde ausgestellt werden. Man wird gut tun, diese Warnung im Ausland zu beachten. Wendepunkte des Lebens! Line Mahnung und Aufforderung. Die Zeit des Frühlings bedeutet fast allen Menschen eine Periode des Auflebens und des Aufstieges. Frisch wie in der Natur füllt sich alles Lebende mit neuer Lebenskraft. Doch schon rein äußerlich besteht ein Zusammenhang zwischen der frisch sich verjüngenden Natur und der neuen Lebensgestaltung des Menschen. Wie viele Tausende von jungen Menschen beginnen in diesem Zeitabschnitt eine neue Lebensperiode. Der erste Hauch des Frühlings trägt sie aus dem Leben der Schule heraus, um sie in die Schule des Lebens hinüberzuleiten. Ein Wendepunkt des Lebens tritt für sie ein, dessen weittragender Bedeutung sich die Jungen noch nicht bewußt , sein können. Aber wir, die diesbezüglich etwas Reiferen, die selbst diesen Kampf gekämpft, kennen diesen Wendepunktals einen für das spätere Leben entscheidenden Moment, dem wir deshalb die größte Beachtung schenken müssen. Alles Neue trägt in sich einen gewissen „Reiz", den „der Neuheit" und wird deshalb von jedem strebenden jungen Menschen gern aufgegriffen. Alles Vergangene hinter sich werfen, das Mißgeschick und das Leid vergessen zu können und am Anfang, ganz am Anfang zu stehen und ein neues Leben zu beginnen — westen Brust würde bei diesem Gedanken nicht vor Freude schwellen. Hoffnungsvoll und freudig treten unsere Jünglinge die neue Lebensbahn an. Der neue Beruf bringt fast jeden Tag neue Freuden, dem einen im Geschäft, dem andern im Studium, dem dritten auf der Jeschiwoh. Und die neue Umgebung. Man muß sich erst eingelebt haben, aber so langsam lernt man Gleichgesinnte kennen, findet Freunde und empfindet die Trennung vom Elternhause nicht mehr schmerzlich. Zu Hause, da wurden die „Feierabende" in gemütlicher Weise am Elterntische verbracht. „Tages Arbeit — abends Gäste". Begleiten wir einen der vielen Geschäftsjungen auf seinem Heimwege vom Geschäft aus. Müde und hungrig geht er zum Restaurant. Das Abendessen wird eingenommen, die Zeitung gelesen. Was jetzt? Er fühlt sich vereinsamt und in Ermangelung einer anderen Zerstreuung sucht er seine Lagerstätte auf, um sich das einzige Vergnügen — die Ruhe — zu gönnen. Immer so weiter leben, denkt sich der Jüngling, nein, das wäre zweckünd inhaltslos. Und es finden sich Freunde, — Freunde??? — die bereit sind, ihm das Leben wonniger zu gestalten, indem sie ihn zu Gesellschaft und Vergnügen führen. „Ausleben und freier Herr sein" ist die Losung und gar mancher Jüngling, der anfangs zauderte, wird mit in den Strudel gerissen. Ja, die Eltern, die treuen Kinderhüter und -Berater, sie fehlen diesen Jünglingen. Schule und Elternhaus, beide Faktoren, dazu bestimmt, den Heranwachsenden Menschen zur sittlichen Persönlichkeit zu erziehen, o, könnten sie jetzt erziehend, ermahnend, ratend den Jünglingen zur Seite stehen, jetzt in dem Moment, da die ganze Seele den größten Lebenskampf zu bestehen hat. Aber sie sind nicht da, nicht Schule und nicht Elternhaus, ^und so ist der Jüngling ganz allein dem Kampfe ausgesetzt, dem schwersten und folgeschwersten seines Lebens. Wie manch herrliche Jugendblüte ist in diesem Wendepunkt des Lebens geknickt worden! Was Erziehung in mühsamer Arbeit ausgerichtet, wie schnell ist es oft vernichtet in einer schwachen Stunde. Und so .vergehen im Taumel Jahre dahin, der junge Mensch wird sich der Verirrung und seiner sittlichen Gesunkenheit gar nicht, bewußt — leben doch so viele Freunde in der gleichen Weise, denkt er, und gar mancher erlangt die Klarheit gar nicht und mancher erst spät und sieht sich dann urplötzlich vor den Ruin seines religiösen und sittlichen Lebens gestellt. •nt1? ht Q’nxr *?d Wir alle sind Bürgen, einer für den andern und mitverantwortlich für den Untergang einer jeden jüdischen Seele, zu deren Rettung wir hätten beitragen können. Und viel, sehr viel faryt irt dieser Hinsicht geleistet werden, bleiben wir uns nur der hohen, heiligen Aufgabe bewußt. 1. Die Führer der A.I.I.O. mögen es sich zur Aufgabe stellen, ganz persönlich mit den von auswärts zuziehenden jungen Leuten in Verbindung zu treten, ihnen Gelegeenheit zu passenden Schiurim zu verschaffen, aber nicht nur dieses allein, sondern ihnen in allen Angelegenheiten Ratgeber und Freund zu sein. Auch kann die A. I. I. O. dazu beitragen, eine Bekanntschaft herzustellen, zwischen den jungen Leuten und den 2. Jüdischen F a m i l i e n h ä u s e r n. Denn wenn einer nur den Anschluß an eine Familie (eine gute, jüdische) gefunden hat, dann ist schon vieles gewonnen. Aguda - Glückwunsch - Telegramme. Einem lang gehegten Wunsche entsprechend, bauen wir den Vertrieb der Telegrammformulare aus. und richteten als erstes bei der Strauss’schen Buchhandlung Biebergasse 13 a. d. Hauptwache ein Depot ein, woselbst Telegramme jederzeit ä Mk, 1 zu haben sind. Bekanntmachungen über andere Ausgabestellen folgen, Organisations-Vor stand der A. J. J. O. Vertriebsstellen wollen sich melden Langestrasse 18 part. 3. Und wenn jüdische Prinzipale ihren jungen Leuten auch außerhalb des Zusammenarbeitens ratend und beaufsichtigend zur Seite stehen, so werden sie neben der religiösen und humanen Guttat, auch insofern den. Lohn genießen, als sie zur -Bildung eines geschäftstüchtigen und charaktervollen Menschen ihren Teil beigetragen haben. In der heutigen Zeit des seichten Lebens ergeht dringender als je, an alle, die beitragen können, die ernste Mahnung: ~ Beizustehen der Jugend im Kampfe an den Wendepunkten ihres Lebens. .naaa pw p nrw i6i mmb pv nb Nicht jedem ist es gegönnt zu vollenden, Erfolg zu erzielen ist auch nicht seine Pflicht, aber sich zu entziehen, ist nicht erlaubt. Die Mizwoh ist der Mühe wert. Und auch nur eine jüdische Seele gerettet zu haben, wer hätte in diesem Bewußtsein nicht seinen schönsten Lohn! L. V—g. Eine Tour in Palästina. Von Kekmut Kriedmann in Stuttgart. In einem Sammelauto fahren wir für 12,5 Piaster (2,50 RM.) von Jerusalem nach Tel-Awiw. Die Hauptstraße Jerusalems, die Jaffastraße entlang und hinab zu dem arabischen Dorf Lifta, unfern davon liegt Jerusalems nächstgelegene Kolonie, Moza. Hierauf kriecht das Auto langsam in Kehren den Berg hinan. An einem jüdischen Arbeitererholungsheim vorbei. Bergauf, bergab durch die wildzerklüfteten Berge Jehudas. Hoch oben erblicken wir gleich Nestern an den Bergen klebende Araberdörfer. Endlich fahren wir ununterbrochen zu Tal. Bei einem Khan (Unterkunftshaus, Herberge) verlassen wir das Gebirge und genießen einen herrlichen Blick auf das noch in der Ferne liegende Meer. Wir gelangen nach Cn-Ramle. Olivenbäume, Dattelpalmen säumen die Landstraße. In der Nähe befindet sich der Flugplatz der englischen Armee und deren Waffenlager. Dem im Lande sonst so wenig sichtbaren Engländer begegnet man hier auf Schritt und Tritt. Zu beiden Seiten Orangenbäume, welche die köstlichen riesigen und kernlosen Jaffaorangen liefern. Die Bäumchen sind derart reich mit süßen Früchten beladen, daß sie unter ihrer Last zusammenzubrechen drohen. Ganze Kamelkarawanen, aus oft 50 Kamelen bestehend und jedes derselben mit 8 Kisten voll von Orangen beladen, ziehen, während ihre Halsschellen traurigschön läuten, den Weg zur Küste hin. Wir gelangen nach Jaffa, welches mit Tel-Awiw zusammengebaut ist. Hierauf nach Tel-Awiw. Trotzdem erst in zwsi' Tagen Purim ist, sieht man sehr viele Kinder maskiert und oft wie süß und goldig. Bei Tel Äwiw am Meere, während die Wellen ans Ufer brausen, gebrochen werden und wieder zurück ins Weltmeer fließen, lasse ich mir mein Picknick aus Huhn und Brot bestehend und aus einem für 5 Mils (10 Pf.) erstandenen Tee wohlbekommen. Nach kurzer Rast mache ich mich wieder auf die Beine, um noch nach der größten und ältesten Kolonie Erez Jisroels, nach Petach Tikwah zu gelangen. Mit einem uralten Fordwagen, mit fchwedernden Kotflügeln treten wir die Fahrt an. An dem deutschen Ort Sarona vorbei, dem gegenüber eine Kolonie, Namens Montefiori, einer der vielen Montefioris liegt. Wir fahren ins Feld, denn nach Petach Tikwah führt keine Landstraße. Gleich zum Anfang bleiben wir mit dem Wagen im tiefen Sand stecken^, In der Nähe sind arbeitende Chaluzim, zu wissen geselle ich mich und frage einen derselben verschiedenes, auch u. a. wie es ihm im Lande gefalle. Die Antwort lautet: „Kacha" (Na so). Die meisten' Chaluzim sind Polen. Hier ringen sie Stück für Stück dem Sandboden Ackerland ab. Und mit welchem Eifer diese Chaluzim arbeiten. Bei jedem Muskelzug sieht man sie arbeiten für das Land unserer Väter. In der Nähe befindet sich die Kolonie Bne Brak. Hier dürfte sich die Stelle befinden, von welcher die Hagada spricht. Die Arb.eiter wohnen zumeist in geflickten kleinen Zelten und unter welcher materieller Armut! Doch die hier arbeiten, sind fast ausnahmlos Idealisten. Endlich hat sich der Wagen durch den ärgsten Sand gewühlt. Hin- und herschlendernd fährt das Auto weiter. Ein Fuhrwerk eines Arabers kommt in Sicht. Der Ehauffeur sucht vorbeizusteuern, fährt aber, da ihm das Vorbeisteuern nicht gelingt, dem Karren ein Rad weg, während wir einen der Kotflügel einbüßen. Da die notdürftige Reparatur mir zu lange dauert gehe ich per Pedes nach dem noch eine Viertelstunde entfernten Petach Tikwah. Petach Tikwah ist eine wohlhabende, sowie schöne Kolonie, wohl die schönste jüdische Kolonie Erez Jisroels. Das Zentrum dieser Stadt gleicht einem litauischen Städtchen. Außerhalb des ' Zentrums ist fast jedes Haus wM einem Garten umgeben. Die Hotelpreise hier sind sehr niedrig bemessen. Ich besuche eine deutsche Familie, die> mich bereits in Jerusalem eingeladen hatte und weile dort bis gegen Abend. Die Wohnung derselben ist selbst nach deutschen Verhältnissen gut eingerichtet. Ein riesiger Garten, dessen Zaun aus Riesenkakteen besteht, umgibt das herrschaftliche Haus. Abends gehe ich, von dem sechsjährigen Sohne der Familie, der im Lande aufgewachsen ist, begleitet, in die Stadt, um dieselbe anzusehen. Dieser Junge ist selbständig, wie selten Kinder in diesem Alter. Er erklärt mir alles so genau, daß ich erstaunt bin, zeigt mir seine Schule und die hauptsächlichsten Institutionen des Ortes, die von Baron Rothschild erbaute große Synagoge, welche aus mehreren l; , f' %: P; iV' f r. r

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